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Der Wädenswiler Zimmermann in der kanadischen Vorweihnachtszeit – Teil IV

Der Wädenswiler Jerôme Flüeler hat sich entschieden, der Schweiz für 18 Monate den Rücken zu kehren. Die abenteuerliche Weite und die Möglichkeiten der dortigen Holzverarbeitung haben den jungen Mann nach Kanada gelockt. Nach rund acht Monaten schwärmt er noch immer von den unglaublichen Sonnenuntergängen vor Ort. – Trotz weihnachtlicher Beleuchtung rundum. 

«Einige Häuser sind schon voll mit Lichtern verziert», erzählt Jerôme Flüeler und schmunzelt, «ein bisschen viel für meinen Geschmack.» Der 21-Jährige mag die Sonnenuntergänge der Kanadischen Sunshine Coast lieber. Nicht umsonst trägt die «Sonnenscheinküste» diesen Namen. Zwar werde es sofort kühl, wenn die Sonne verschwinde, aber fast täglich seien spektakuläre Farben und Wolkenformationen zu sehen. Ein Phänomen, für das der junge Zimmermann auch einmal mit seinem Auto am Strassenrand anhält. 

Mit dem Auto ist er nach Feierabend nicht mehr viel unterwegs. Ein Punkt, der sich geändert hat. Nachdem er einige Monate in Sechelt in der Unterkunft des Arbeitgebers gelebt hat, hat er nun im grösseren Gibsons eine neue Bleibe gefunden. «Meine Vermieter, ein pensioniertes Paar, haben mich mit offenen Armen empfangen», sagt Flüeler und lacht, «und die Wohnlage hätte ich nicht besser treffen können.» Zehn Minuten bis Downtown – also ins Stadtzentrum – und zwei Minuten zum grössten Sandstrand an der unteren Sun­shine Coast. Was will man mehr?

Vieles läuft für Flüeler rund auf der anderen Seite des Atlantiks. Vieles, aber nicht alles. 

Nicht nur Highlights
Ein Autounfall hat den jungen Zimmermann nachdenklich gestimmt. «Ich wollte abends zwei Rehen, die mitten auf der Strasse standen, ausweichen», erklärt er, dabei sei er von der Strasse abgekommen und seitlich in einen Baum gerutscht. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, aber ein Schock war es dennoch. «Ich bin sehr froh, dass ausser dem nun unfahrbaren Auto alle heil aus der Sache rausgekommen sind», so der Auswanderer. 

Nach wie vor ist er vorsichtig auf der Strasse. Die Baustelle, auf der er momentan am intensivsten arbeitet, liegt ungefähr eine Fahrstunde nördlich von Gibsons. 

Seit Mitte September hat sein Arbeitsbetrieb auf Winterarbeitszeit umgestellt. Das heisst, montags bis freitags acht Arbeitsstunden täglich. «Die Arbeit wird nicht weniger, im Gegenteil», sagt Flüeler dazu, «ich habe nach wie vor alle Hände voll zu tun.»

Indoorfreizeit an der Wärme
Gerade nach einem strengen Arbeitstag schätzt Flüeler auch in Kanada die Freizeit danach. Jetzt, wo die Temperaturen um den Nullpunkt kreisen, verlegt sich diese in beheizte Lokalitäten. «Ich schwimme viel im Hallenbad, spiele Billard im Pub oder verbringe auch einmal einen gemütlichen Abend mit Freunden Zuhause», erzählt der junge Mann. Immer öfters schleichen sich in seine Erzählungen englische Worte ein. «Ich glaube, mein Englisch wird langsam besser als mein Deutsch», sagt er dazu und lacht. 

Obwohl er sich mittlerweile sehr gut in Nordamerika eingelebt hat, kommt nun die Zeit, in der er oft an sein Schweizer Zuhause denken muss. Er sei der einzige Europäer, der über die Feiertage nicht nach Hause fliege. Doch er weiss sich zu helfen. «Ich habe bereits Pläne mit kanadischen Freunden», erzählt Jerôme Flüeler, «auf diese freue ich mich sehr.» (suv)

Der Wädenswiler Anzeiger berichtet in unregelmässigen Abständen über Jerôme Flüelers Leben als Zimmermann in Kanada.

Hier geht es zum Teil I
Hier geht es zu Teil II
Hier geht es zu Teil III


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