Wädenswil

Was bleibt, wenn Erfahrung geht: Die PSW verabschiedet neun Mitarbeitende

Neun Mitarbeitende der Primarschule Wädenswil gehen in diesem Jahr in Pension. Im Gespräch blickten drei langjährige Lehrerinnen auf ihre Laufbahn zurück.

Sie haben Generationen von Kindern begleitet und grosse gesellschaftliche Veränderungen miterlebt. Ihre Erinnerungen zeigen, was sich verändert hat – und was guten Unterricht bis heute trägt: Freude am Vermitteln, echtes Interesse am Kind und verlässliche Beziehungen. Dass fünf weitere Mitarbeitende über das ordentliche Pensionsalter hinaus für die PSW tätig bleiben, ist zugleich ein erfreuliches Zeichen für tragfähige Teams und stimmige Arbeitsbedingungen.

Jahrzehnte im Dienst der Kinder

Esther Rhyner-Lacher begann am 21. April 1980 im Schulhaus Ort mit einer 4. Klasse. Bis 1993 unterrichtete sie dort auf der Mittelstufe. Während ihrer Familienzeit übernahm sie Vikariate, bevor sie 2001 als Fachlehrerin zurückkehrte – zunächst in den Schulhäusern Ort, Gerberacher und Glärnisch, später dauerhaft im Glärnisch. Auch Kinder in anspruchsvollen Schulsituationen begleitete sie mit grossem Einsatz.
Was sie antrieb, fasst Esther Rhyner in einem Satz zusammen: «Ich unterrichte in erster Linie Kinder und nicht Fächer.» Für sie gehören Neugier auf den Stoff und Interesse an den jungen Menschen zusammen. Sie nahm die Anliegen der Schülerinnen und Schüler ernst und verstand Beziehung nicht als Zugabe, sondern als Voraussetzung fürs Lernen. Authentisch, humorvoll, nicht nachtragend und im Jetzt zugewandt – diese Haltung trug sie durch ihre lange Laufbahn.
Brigitte Kuhn-Schumacher wurde 1984 von der damaligen Schulpräsidentin Isabelle Schaltenbrandt eingestellt. Im April übernahm sie eine halbe 1. Klasse im Eidmatt-Pavillon, an dessen Stelle heute das Gebäude 3 steht. Drei Jahre später führte sie im Schulhaus Ort eine ganze 1. Klasse; ihr Zimmer lag neben jenem ihres früheren Primarlehrers. 1993 wechselte sie ins Schulhaus Untermosen, dem sie bis zu ihrer Pensionierung treu blieb.
Neben dem Unterricht übernahm Brigitte Kuhn Verantwortung für das ganze Schulhaus. Als es noch Hausvorstände gab, führte sie dieses Amt und nahm an Sitzungen der Schulpflege teil. Beim Wechsel zur heutigen Schulleitungsstruktur blieb sie als Stellvertretung engagiert. Für Brigitte Kuhn war das Schönste am Lehrberuf das Lernen mit den verschiedenen Kindern im Klassenzimmer.

«Handarbeit» mauserte sich zu «TTG»

Anneliese Brunner Wiederkehr kam über das Handwerk zum Lehrberuf. Nach der Ausbildung zur Damenschneiderin mit Berufsmittelschule besuchte sie das «Handsgi-Seminar». 1991 begann sie im Schulhaus Steinacher mit zehn Lektionen, seit 1993 unterrichtete sie mit unterschiedlichen Pensen im Schulhaus Glärnisch.
Kaum ein Fach macht den gesellschaftlichen Wandel so sichtbar wie die frühere Handarbeit. Anfangs unterrichtete Anneliese Brunner ausschliesslich Mädchen ab der 3. Klasse während vier Lektionen pro Woche; der Unterricht sollte sie auch auf Hausarbeit vorbereiten. Die Knaben besuchten parallel das Werken. Später erweiterten die Handarbeitslehrerinnen ihre Ausbildung, und Mädchen wie Knaben lernten gemeinsam textile und technische Verfahren.
Als der Kantonsrat 2005 die Handarbeitslektionen von vier auf zwei kürzte, löste dies kantonsweit heftige Reaktionen aus. In Wädenswil unterstützte Alt-Schulpräsident Johannes Zollinger die betroffenen Schüler, die plötzlich zwei Lektionen weniger hatten, mit kreativen Freifächern wie Theater, Kochen oder Schmuckgestaltung. Mit dem Lehrplan 21 erhielt das Fach als Textiles und Technisches Gestalten TTG wieder einen festen Platz – heute bereits ab der 1. Klasse. Anneliese Brunners Berufsweg erzählt damit auch von der grundlegenden Erneuerung dieses Fachs.

Von Wandtafel und Schulbuch zur vernetzten Schule

Als die drei Lehrerinnen begannen, gab es in manchen Schulhäusern weder Computer noch Kopierer. Gearbeitet wurde mit Schulbüchern und Wandtafel, Klassen mit bis zu 27 Kindern waren keine Seltenheit. Das Schuljahr begann im April, und am Samstagmorgen wurde noch unterrichtet.
Das Schulsekretariat bestand aus wenigen Personen. Einmal im Monat trafen sich alle Lehrpersonen zum Gesamtkonvent; die Kinder hatten eine Stunde früher Unterrichtsschluss. Schulhaussitzungen fanden mitunter in der Zehn-Uhr-Pause statt. Die Administration beschränkte sich weitgehend auf Noten und Zeugnisse.
Heute arbeiten Lehrpersonen in multiprofessionellen Teams. Schulleitungen, schulische Heilpädagogik, Therapien, Betreuung und weitere Fachstellen tragen gemeinsam Verantwortung. Digitale Werkzeuge, Dokumentation, Absprachen und Projekte gehören zum Alltag. Das schafft neue Möglichkeiten, erhöht aber auch die Komplexität. Im Rückblick klingt deshalb kein pauschales «Früher war alles besser» an. Wohl aber der Wunsch, Bewährtem mehr Zeit zu geben: Neuerungen sollen erprobt und verankert werden können, bevor bereits das nächste Vorhaben beginnt.

Mit den Neuerungen gehen

Kinder kommen heute früher in den Kindergarten, ihre Lebenswelten sind vielfältiger, und der Anspruch an individuelle Förderung ist gestiegen. Die zentrale Aufgabe bleibt dieselbe: Jedes Kind soll als Persönlichkeit gesehen und in seiner Entwicklung ernst genommen werden. Dabei dürfen auch jene Schülerinnen und Schüler nicht aus dem Blick geraten, die ruhig und ohne grossen Unterstützungsbedarf durch den Schulalltag gehen.
Die Erfahrungen der Pensionierten zeigen, dass gute Schule nicht allein aus Lehrplänen, Strukturen und Instrumenten entsteht. Sie lebt von Menschen, die fachlich aufmerksam bleiben, Veränderungen mittragen und eine klare pädagogische Haltung bewahren. «Nicht stehen bleiben und mit Neuerungen mitgehen» – diesen Rat würde Esther Rhyner ihrem jüngeren Ich geben. Er könnte ebenso über den Laufbahnen ihrer Kolleginnen und Kollegen stehen.
Dass fünf Mitarbeitende der PSW nach Erreichen des ordentlichen Pensionsalters weiterarbeiten möchten, gibt dieser Verabschiedung eine besondere Note. Es ist ein Zeichen ihrer Verbundenheit mit dem Beruf, den Kindern und den Teams in der PSW. Beides verdient Anerkennung: Der Entscheid, nach vielen Jahren abzuschliessen, ebenso wie die Bereitschaft, Wissen und Erfahrung weiterhin einzubringen.
Pierre Rappazzo, Schulpräsident

Ein herzliches Dankeschön für ihren Einsatz zugunsten der Kinder geht an:
• Anneliese Brunner Wiederkehr, Handarbeitslehrerin
• Brigitte Kuhn-Schumacher, Primarlehrerin
• Esther Rhyner-Lacher, Primarlehrerin
• Sheila Mathur, Schulheilpädagogin
• Urs Müller, Primarlehrer
• Kristin Sager, Schulheilpädagogin
• Gabriele Luise Schärer, Primarlehrerin
• Karsten Schimkat, Sozialpädagoge
• Gabi Wild, Betreuung

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