Wädenswil

Food-Festival Wädenswil: Zwischen Sommerhitze und verhaltenem Start

«Die Entdeckung einer neuen Speise trägt mehr zur Glückseligkeit bei als die Entdeckung eines neuen Planeten», schrieb der französische Gourmet Jean Anthelme Brillat-Savarin im Jahre 1895. Dass am Pfingstwochenende auf dem Wädenswiler Eidmattplatz jedoch weniger Besucherinnen und Besucher als erwartet diese Glückseligkeit fanden, dafür schien es gleich mehrere Gründe zu geben.

Text & Bilder: Sabine Itting

Kulinarische Vielfalt stand vom 22. bis 25. Mai im Zentrum der sechsten Ausgabe des Wädenswiler Food Festivals, das in diesem Jahr erstmals auf vier Tage verlängert wurde. Mehr als ein Dutzend Food-Stände boten Speisen aus aller Welt an – von asiatischen Gerichten über deftige Fleischspiesse bis hin zu süssen Spezialitäten. Ergänzt wurde das Angebot durch ein Bühnenprogramm, Live-Musik und einen Barbetrieb. Die Voraussetzungen waren eigentlich perfekt: hochsommerliches Pfingstwetter, laue Abende und ein vielfältiges Angebot für Geniesser. Doch aus Sicht mehrerer Standbetreiber verlief der Anlass deutlich verhaltener als erwartet.
Besonders der Freitag sei für viele enttäuschend gewesen. Als mögliche Gründe nennen Beteiligte das lange Pfingstwochenende: Viele potenzielle Gäste standen wohl auf dem Weg in den Süden im Stau oder verbrachten die heissen Stunden lieber in der Badi.

Verhaltene Stimmung am Wochenende

Auch das restliche Wochenende brachte nur bedingt mehr Besucherandrang. Am Sonntagnachmittag zeigte sich auf dem Gelände ein ruhiges Bild. Im grossen Festzelt waren zur Mittagszeit nur wenige Plätze besetzt. Erst gegen den späteren Nachmittag nahm die Besucherzahl leicht zu, blieb aber überschaubar. Viele Gäste nutzten den Aufenthalt primär für ein kühles Getränk oder verfolgten die Darbietungen auf der Bühne.
«Im Zelt sind vor allem Familien, Eltern, Freunde, die sich die Show ansehen», sagte ein Standbetreiber. Seine persönliche Bilanz fiel ernüchternd aus: «Es ist eine Katastrophe. Freitag war noch schlimmer.» Einen Verlust mache er zwar nicht, «Gewinn aber auch keinen». Ein anderer Foodtruck-Betreiber erzählte, man habe sich untereinander bereits gefragt, ob man nicht einfach zusammenpacken und abreisen sollte.

Kritik an der Werbekampagne

Neben der Hitze und der Pfingstreisezeit sah man einen weiteren Grund für die geringe Besucherzahl. So geriet vor allem die Werbung in die Kritik: Diese sei zu wenig sichtbar gewesen und habe das Zielpublikum nicht erreicht. Ein Mann aus Horgen bestätigt diesen Eindruck unfreiwillig: «Ich bin zufällig vorbeigekommen und habe mir jetzt etwas zum Essen geholt. Schade, dass ich es vorher nicht wusste, sonst hätte ich die Familie mitgebracht.» Der Organisator widersprach dieser Darstellung. Er verwies auf Plakate an zentralen Orten wie der Bahnhofunterführung, beim Coop und an der Autobahnausfahrt sowie auf einen Bericht im Wädenswiler Anzeiger. Zudem sei intensiv über Social Media kommuniziert und sogar ein Influencer eingesetzt worden. Zwar könne er den Frust nachvollziehen, die Lage werde jedoch zu negativ dargestellt. Er selbst half an der Bar, wo viel los war. Sein Fazit fiel deutlich positiver aus.

Positive Ausnahmen und pragmatische Gäste

Tatsächlich zogen nicht alle Stände eine schlechte Bilanz. Am griechischen Stand war man zufrieden, ebenso beim Glaceverkauf, der von den hohen Temperaturen profitierte. «Es läuft», sagte auch die Betreiberin von «Fisch’s Frische Fische». «Natürlich könnte es immer besser sein, aber ich kann mich nicht beklagen.» Und ihre Fish and Chips kamen bei den Gästen gut an.
Die Besucher selbst zeigten sich pragmatisch. «Wir haben Hunger, deshalb sind wir hier», sagte eine Frau. Ein anderer meinte: «Es gibt etwas zu essen, da muss man heute Abend nicht mehr kochen.» Während die Erwachsenen die Situation unterschiedlich beurteilten, tobten sich die Kinder unbeschwert auf der Hüpfburg aus. «Wir waren schon in der Badi und holen jetzt noch etwas zu essen», sagte ein Mädchen. Ihr Vater ergänzte: «Ein schöner Anlass, aber einfach viel zu heiss.» Am Ende war die Entdeckung neuer Speisen an diesem Wochenende wohl vor allem eines: eine angenehm schweisstreibende Angelegenheit. Und letztendlich ging es am Abend deutlich lebhafter zu und her.

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