Wädenswil

Tabu-Thema auf die Bühne gebracht

«In deinem Schatten» – Beziehungen mit Narzissten oder Narzisstinnen, oder ein Drama zwischen Glanz und Abgrund. Zwei Ehepaare, Freunde, welche sich kennen und doch nichts voneinander wissen. Zumindest nicht, was ihre Ehen ausmacht. Ein tiefgründiges Theaterstück von Léa Blumer geschrieben. Zum ersten Mal in dieser Art und Besetzung. Das einfache Bühnenbild vom Heubühnensaal im Neuguet lenkte nicht ab, unterstrich aber umso mehr die Dialoge.

Text: Alexia Bischof
Foto: Stefan Baumgartner

Mia (Nadine Richie) sitzt in ihrem Lehnstuhl und trinkt morgens schon das zweite Glas Wein und fragt sich dabei über den Inhalt ihres Zusammenlebens mit ihrem Ehemann Toni (Michael Schmitz). Dieser findet nämlich, dass sie sich endlich zurechtmachen und zusammenreissen soll. Dass sie nicht soviel trinkt und sie sich auch gewichtsmässig anstrengen muss. Es sei kein so toller Anblick mehr… Nebenbei erzählt er dem Publikum, dass er seit zwei Monaten etwas mit seiner neuen Assistentin Mandy hätte.

Marco Valentini (Roberto Waser), der neue CEO eines florierenden Geschäfts, der Traummann in allen Belangen. Er, der das Erfolgreiche, Schöne und Kluge verkörpert. Zuhause, hinter geschlossener Tür sieht es aber ganz anders aus. Marco, der eifersüchtige und besitzergreifende Ehemann. Seine adrette Frau Giulia (Susanne Elsener) ist es aber Leid, seine Vorzeigedame zu sein. Ihre eigenen Bedürfnisse haben keinen Platz. Nach einem bösen Wortgefecht ist es für sie aber klar, dass sie diese Beziehung beenden muss.

Mimosen

Die beiden Freunde, Toni und Marco, finden heraus, dass sie beide in der gleichen Situation sind. Es gäbe nur noch Vorwürfe, es würde geschwiegen oder ihre einstigen Traumfrauen brächen in Tränen aus.
Gibt es einen Knopf zum Reset? Zur Version vom Kennenlernen zurück? Sie sind sich einig, die Opfer hier sind sie.

Frauengespräch

Auch die beiden Freundinnen, Mia und Giulia, öffnen einander gegenüber ihre Herzen. Eintausendmal hätten sie schon versucht, den Ehepartner zu verlassen, doch es klappte nie. Schlussendlich gebe es nur einen Weg: Diese beiden Männer müssen weg!
Das Publikum wähnte sich nach der Pause in Paris, der magischen Stadt, wo sich Marco und Giulia auf dem Pont Neuf über den Weg liefen. Leider zeigte sich aber, dass diese gute alte Zeit längst vorüber ist. Wie auch bei den vorhergegangenen Kurzszenen gab es auch hier ein Freeze, das Bild des streitenden Ehepaars blieb für einige Sekunden stehen. Eine kurze Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.
Auch das Wiedergutmachgeschenk von Toni an seine Liebste, der Porsche Cayenne vor der Haustüre, fand nicht seine Wirkung und er schreite alsbald die Bühne zusammen: Mia solle ausziehen! Toni’s Monolog über die Ehrlichkeit und wie er mit seiner Frau die perfekte Figur an seiner Seite geschaffen hätte, damit es ihm selbst am Besten gehe, beeindruckte die Zuschauenden sehr, und es war mucksmäuschenstill. In der nächsten Szene gestand er Giulia, dass er schon ganz lange in sie verliebt wäre und sie doch auch etwas von ihm wolle. Kann Liebe ein Fehler sein?
Noch einmal trafen sich die beiden Frauen im Geheimen und besprachen die möglichen Wege zum Verschwinden ihrer Männer. Schneckengift, Schlaftabletten oder das alte Gewehr des Vaters? Anscheinend kam dann kurz darauf Marco um. Das Paar war auf einer Wanderung, wo das Unglück auf ihn wartete.
Mia freute sich in der Schlussszene darüber, dass sich das Problem nun fast von selbst löste. Marco tot, und Toni verliess sie wegen Giulia, ihrer einst besten Freundin. Jetzt bleibt uns allen nur die Hoffnung, dass sich wenigstens für Mia das Leben in die andere Richtung dreht und sie nie wieder an so einen Mann gerät. Giulia wird es nicht schaffen. Tragisch. Das darf kein Tabu sein. Egal, ob der Narzissmus männlich oder weiblich ist.

Das nächste Projekt der Musikerin Léa Blumer ist schon in Petto. Wir freuen uns darauf!

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