Am Freitagmorgen des 6. Februars standen vier Klassen der Feld-Schule mit der Antarktis in Kontakt. Möglich gemacht hatte das der Leiter Hausdienstund Amateurfunker Mario Malacarne.
Text: Reni Bircher
Bilder: Reni Bircher & zvg
Im Rahmen des NMG-Unterrichts (Natur, Mensch, Gesellschaft) haben vier 5. Klassen der Schulhäuser Feld 1 und Feld 2 gemeinsam mit Amateurfunker Mario Malacarne ein besonderes Projekt lanciert. Die Schülerinnen und Schüler erhielten die Möglichkeit, sich mit einer Forscherin und dem Kommunikationsverantwortlichen der Neumayer-Station III (NM III) in der Antarktis auszutauschen. Im Vorfeld wurden Fragen erarbeitet, und acht Kinder übernahmen die Fragestellung per Funk.
Nachdem Malacarne den Klassen eindrückliche Details zu seinem Hobby und Wissenswertes über die Forschungsstation berichtete, wurde ein erster Kontaktversuch unternommen. Nach einem weiteren Versuch meldete sich – leicht roboterhaft im Klang – die Neumayer-Station aus dem ewigen Eis. Das Gespräch fand mit Lasse, dem 27-jährigen Deutschen, statt, der für die gesamte IT und den Funk verantwortlich ist. Er gehört zum aktuellen Überwinterungsteam, welches ab März für die nächsten acht Monate aus neun Personen besteht. Platz bieten würde die Station bis zu 40 Menschen. Die erste Aufgabe, der sich Lasse am Morgen widmen muss, ist die Kontrolle sämtlicher Systeme, muss allfälligen Fehlermeldungen nachgehen und diese beheben. Im Sommer – also jetzt gerade – sind auch Flugzeuge unterwegs, zu denen er Kontakt aufnehmen muss. Manchmal gehen die Arbeiten noch weiter nach dem Abendessen, was von Aufgabe und Jahreszeit abhängig ist. Zudem kümmert sich der junge Mann darum, dass sowohl beim Pinguin- wie beim Unterwasser-Observatorium alles funktioniert.
Ansonsten können sich die Besatzungsmitglieder sportlich betätigen, gucken Filme und lesen viel, was die zweite Kontaktperson per Funk bestätigt.
Jolanda kommt aus dem Welschland, ist ebenfalls 27 Jahre alt und macht ihr Diplom an der EPFL Lausanne. Sie ist für drei Monate in der Antarktis und führt unter anderem mittels Wetterballon Luftmessungen durch.
Langeweile gibt es nicht
Die Kinder wollten von den Kontaktpersonen wissen, was denn am schwierigsten sei am Leben in der Antarktis; was sie dort vermissen; wie das Wetter momentan ist.
Schwierig sei die Gewöhnung an die Witterung, denn es ist immer windig und kalt. Um sich draussen bewegen zu können, ist ein grosser Aufwand vonnöten und daher zeitintensiv: Eine oder zwei Schichten Thermounterwäsche, Flieshose und -jacke, ein Tempex sowie eine Daunenjacke, plus ein oder zwei Paar Handschuhe. Je nach Wetter kommen Sturmmaske, Mütze und Skibrille dazu.
Jolanda vermisst es daher, dass man sich nicht einfach Turnschuhe überstreifen und losgehen kann. Aber sonst lasse die Einrichtung der NM III keine Wünsche offen.
«Der Monitor hinter mir zeigt gerade nur minus 4 Grad und leichten Wind von 8 Knoten», meinte Lasse. Aktuell ist Hochsommer auf der anderen Seite der Erdkugel, da wird es schon mal wenige Grad warm, im Winter sackt das Thermometer auf minus 40 Grad, und Stürme toben so heftig, dass man tagelang nicht nach draussen gehen kann.
Weitere Fragen drehen sich um Forschungen und deren Ergebnisse. Die Wissenschaftler, welche die NM III für wenige Monate im Sommer besuchen, bringen eigene Themen mit, um entsprechende Informationen zu sammeln. Die nah gelegene Kolonie von Kaiserpinguinen ist immer Objekt von Interesse, wo Jungtiere gezählt und markiert werden sowie generell der Zustand der Tiere untersucht wird. Etwas neuer sind Forschungen zu mariner Akustik und Infraschall. Ganzjährig wird in den Observatorien über Meteorologie, Geophysik und Luftchemie geforscht.
Überrascht hat Lasse, dass festgestellt werden konnte, dass sich das Ozonloch über der Antarktis verkleinert hat. Diese Messungen werden alle zwei Wochen mittels einer Sonde gemacht. Generell würden hier in der Antarktis eben eher Bereiche erforscht, welche langzeitliche Einflüsse haben oder auch hatten.
Spannend zu erfahren war, dass bezüglich der Raumfahrt Forschungen betrieben werden. So erzählte der IT-Spezialist, dass die Langzeitcrew vor der Anreise in der Charité Berlin im Rahmen einer medizinischen Studie untersucht worden sind. «Dies wird hier auf der NM III nochmals gemacht werden, und damit will man herausfinden, was eine so lange Isolation von Menschen für Auswirkungen auf den Körper und auf das Gehirn hat.» Tatsächlich hat man schon festgestellt, dass Teile des Gehirns durch die Isolation «schrumpfen» würden, was sich in der Zivilisation nachher aber wieder reguliert. Die genauen Auswirkungen müssen aber noch verifiziert werden.
Leben in lebensfeindlichem Gebiet
Natürlich interessierte die Schülerschar auch, wie es sich lebt in der Antarktis und der Forschungsstation, ebenso, welche Eigenschaften man mitbringen muss, um für einen Einsatz in solchen Extremen ausgewählt zu werden.
Passend zum Aufenthaltsort der aus Richterswil angefunkten Personen war die Frage nach dem Klimawandel. Tatsächlich merke man, dass es seit 10 Jahren mehr schneit und über die Sommermonate das Eis schneller schmelze. Die Erkenntnisse daraus, welche die Forscher aus der Situation mitnehmen, ist allgemein sparsamer unterwegs zu sein im Leben. Die Aufgaben werden effizient durchgeführt, auf der NM III werden auch abgelaufene Lebensmittel gegessen und möglichst an Benzin gespart.
Und welche Tiere haben die beiden jungen Leute schon gesehen? In der Nähe lebt eine grosse Kolonie Königspinguine, welche man oft sehe. «Die Babys sind supersüss», bestätigt denn Jolanda. Es gibt Meeresvögel und Adeliepinguine, und wenn im Sommer die Eisschicht auf dem Wasser aufbricht, sichten sie vermehrt Wale und Robben. Lasse durfte den Pinguinforschern bei der Markierung der Tiere helfen, die Nähe zu den Tieren hat ihn sehr berührt. Viele Pinguine fänden den Weg zur Station und seien dann sehr nah, das gefällt ihm auch.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die der Kommunikationsverantwortliche bis jetzt gewinnen konnte, sei die Vielfalt und Menge an Tieren, welche auf diesem scheinbar unwirtlichen Stück Erde leben oder sich saisonal niederlassen, und dass der Mensch versuchen muss, dieses Leben zu erhalten.
Mit viel Applaus seitens der Kinder wurden die Interviewpartner verdankt für die spannenden Einblicke in eine unbekannte Welt, und auch Mario Malacarne durfte zahlreiche Kinderhände schütteln für die einmalige Gelegenheit, die er den Schülerinnen und Schülern geboten hat.
Vielleicht sind unter den Mädchen und Buben schon die künftigen Forscher, IT-Spezialisten oder Amateurfunker.
www.awi.de/flotte-stationen.html
Spannende Einblicke bieten diese Videos:
Neumayer-Station III
Die Forschungsstation befindet sich an der Atka-Bucht auf dem etwa 200 Meter dicken Ekström-Schelfeis und treibt mit dem fliessenden Schelfeis 157 Meter pro Jahr in Richtung offenes Meer. Da sie auf 16 hydraulischen Stelzen steht, kann sie versetzt werden, und beim jährlichen Hebevorgang wird durch Schneeunterfütterung (2 Meter) ein Versinken der Plattform im Neuschnee verhindert.
Die Stelzen der Plattform stehen unterhalb der Schneedecke der Umgebung in einem ausgehobenen Graben, der zusätzlich als Tiefgarage für Pistenraupen, Motorschlitten und nichtmotorisierte Transportschlitten sowie als Kühlraum dient. Die Seitenwände dieses Grabens sind durch Spundwände aus Metall gesichert.
Sechs Meter über dieser Plattform befindet sich das zweistöckige Gebäude aus feuerverzinktem Stahl und ist mit 12 Laborräumen, 15 Unterkunftsräumen, Nasszellen, Sauna, Fitnessraum, Küche, Speise- und Aufenthaltsraum, eine Krankenstation und ein Operationsraum, Heizung- und Wasseraufbereitungsraum u.v.a. ausgestattet.
Die Betriebsdauer der NM III ist auf 25 bis 30 Jahre ausgelegt.
Zwischen Zürich und der Antarktis liegen 13’649,45 km Luftlinie, eine Fahrstrecke von 14’654,74 km (177 h 46 min). Die Anreise von Hamburg mit Flugzeug, Auto und Schiff dauert für die Crew vier Tage.
Am Freitagmorgen des 6. Februars standen vier Klassen der Feld-Schule
mit der Antarktis in Kontakt. Möglich gemacht hatte das der Leiter Hausdienst und Amateurfunker Mario Malacarne.
Text: Reni Bircher
Bilder: Reni Bircher & zvg
Im Rahmen des NMG-Unterrichts (Natur, Mensch, Gesellschaft) haben vier 5. Klassen der Schulhäuser Feld 1 und Feld 2 gemeinsam mit Amateurfunker Mario Malacarne ein besonderes Projekt lanciert. Die Schülerinnen und Schüler erhielten die Möglichkeit, sich mit einer Forscherin und dem Kommunikationsverantwortlichen der Neumayer-Station III (NM III) in der Antarktis auszutauschen. Im Vorfeld wurden Fragen erarbeitet, und acht Kinder übernahmen die Fragestellung per Funk.
Nachdem Malacarne den Klassen eindrückliche Details zu seinem Hobby und Wissenswertes über die Forschungsstation berichtete, wurde ein erster Kontaktversuch unternommen. Nach einem weiteren Versuch meldete sich – leicht roboterhaft im Klang – die Neumayer-Station aus dem ewigen Eis. Das Gespräch fand mit Lasse, dem 27-jährigen Deutschen, statt, der für die gesamte IT und den Funk verantwortlich ist. Er gehört zum aktuellen Überwinterungsteam, welches ab März für die nächsten acht Monate aus neun Personen besteht. Platz bieten würde die Station bis zu 40 Menschen. Die erste Aufgabe, der sich Lasse am Morgen widmen muss, ist die Kontrolle sämtlicher Systeme, muss allfälligen Fehlermeldungen nachgehen und diese beheben. Im Sommer – also jetzt gerade – sind auch Flugzeuge unterwegs, zu denen er Kontakt aufnehmen muss. Manchmal gehen die Arbeiten noch weiter nach dem Abendessen, was von Aufgabe und Jahreszeit abhängig ist. Zudem kümmert sich der junge Mann darum, dass sowohl beim Pinguin- wie beim Unterwasser-Observatorium alles funktioniert.
Ansonsten können sich die Besatzungsmitglieder sportlich betätigen, gucken Filme und lesen viel, was die zweite Kontaktperson per Funk bestätigt.
Jolanda kommt aus dem Welschland, ist ebenfalls 27 Jahre alt und macht ihr Diplom an der EPFL Lausanne. Sie ist für drei Monate in der Antarktis und führt unter anderem mittels Wetterballon Luftmessungen durch.
Langeweile gibt es nicht
Die Kinder wollten von den Kontaktpersonen wissen, was denn am schwierigsten sei am Leben in der Antarktis; was sie dort vermissen; wie das Wetter momentan ist.
Schwierig sei die Gewöhnung an die Witterung, denn es ist immer windig und kalt. Um sich draussen bewegen zu können, ist ein grosser Aufwand vonnöten und daher zeitintensiv: Eine oder zwei Schichten Thermounterwäsche, Flieshose und -jacke, ein Tempex sowie eine Daunenjacke, plus ein oder zwei Paar Handschuhe. Je nach Wetter kommen Sturmmaske, Mütze und Skibrille dazu.
Jolanda vermisst es daher, dass man sich nicht einfach Turnschuhe überstreifen und losgehen kann. Aber sonst lasse die Einrichtung der NM III keine Wünsche offen.
«Der Monitor hinter mir zeigt gerade nur minus 4 Grad und leichten Wind von 8 Knoten», meinte Lasse. Aktuell ist Hochsommer auf der anderen Seite der Erdkugel, da wird es schon mal wenige Grad warm, im Winter sackt das Thermometer auf minus 40 Grad, und Stürme toben so heftig, dass man tagelang nicht nach draussen gehen kann.
Weitere Fragen drehen sich um Forschungen und deren Ergebnisse. Die Wissenschaftler, welche die NM III für wenige Monate im Sommer besuchen, bringen eigene Themen mit, um entsprechende Informationen zu sammeln. Die nah gelegene Kolonie von Kaiserpinguinen ist immer Objekt von Interesse, wo Jungtiere gezählt und markiert werden sowie generell der Zustand der Tiere untersucht wird. Etwas neuer sind Forschungen zu mariner Akustik und Infraschall. Ganzjährig wird in den Observatorien über Meteorologie, Geophysik und Luftchemie geforscht.
Überrascht hat Lasse, dass festgestellt werden konnte, dass sich das Ozonloch über der Antarktis verkleinert hat. Diese Messungen werden alle zwei Wochen mittels einer Sonde gemacht. Generell würden hier in der Antarktis eben eher Bereiche erforscht, welche langzeitliche Einflüsse haben oder auch hatten.
Spannend zu erfahren war, dass bezüglich der Raumfahrt Forschungen betrieben werden. So erzählte der IT-Spezialist, dass die Langzeitcrew vor der Anreise in der Charité Berlin im Rahmen einer medizinischen Studie untersucht worden sind. «Dies wird hier auf der NM III nochmals gemacht werden, und damit will man herausfinden, was eine so lange Isolation von Menschen für Auswirkungen auf den Körper und auf das Gehirn hat.» Tatsächlich hat man schon festgestellt, dass Teile des Gehirns durch die Isolation «schrumpfen» würden, was sich in der Zivilisation nachher aber wieder reguliert. Die genauen Auswirkungen müssen aber noch verifiziert werden.
Leben in lebensfeindlichem Gebiet
Natürlich interessierte die Schülerschar auch, wie es sich lebt in der Antarktis und der Forschungsstation, ebenso, welche Eigenschaften man mitbringen muss, um für einen Einsatz in solchen Extremen ausgewählt zu werden.
Passend zum Aufenthaltsort der aus Richterswil angefunkten Personen war die Frage nach dem Klimawandel. Tatsächlich merke man, dass es seit 10 Jahren mehr schneit und über die Sommermonate das Eis schneller schmelze. Die Erkenntnisse daraus, welche die Forscher aus der Situation mitnehmen, ist allgemein sparsamer unterwegs zu sein im Leben. Die Aufgaben werden effizient durchgeführt, auf der NM III werden auch abgelaufene Lebensmittel gegessen und möglichst an Benzin gespart.
Und welche Tiere haben die beiden jungen Leute schon gesehen? In der Nähe lebt eine grosse Kolonie Königspinguine, welche man oft sehe. «Die Babys sind supersüss», bestätigt denn Jolanda. Es gibt Meeresvögel und Adeliepinguine, und wenn im Sommer die Eisschicht auf dem Wasser aufbricht, sichten sie vermehrt Wale und Robben. Lasse durfte den Pinguinforschern bei der Markierung der Tiere helfen, die Nähe zu den Tieren hat ihn sehr berührt. Viele Pinguine fänden den Weg zur Station und seien dann sehr nah, das gefällt ihm auch.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die der Kommunikationsverantwortliche bis jetzt gewinnen konnte, sei die Vielfalt und Menge an Tieren, welche auf diesem scheinbar unwirtlichen Stück Erde leben oder sich saisonal niederlassen, und dass der Mensch versuchen muss, dieses Leben zu erhalten.
Mit viel Applaus seitens der Kinder wurden die Interviewpartner verdankt für die spannenden Einblicke in eine unbekannte Welt, und auch Mario Malacarne durfte zahlreiche Kinderhände schütteln für die einmalige Gelegenheit, die er den Schülerinnen und Schülern geboten hat.
Vielleicht sind unter den Mädchen und Buben schon die künftigen Forscher, IT-Spezialisten oder Amateurfunker.
www.awi.de/flotte-stationen.html
Spannende Einblicke bieten diese Videos:
Neumayer-Station III
Die Forschungsstation befindet sich an der Atka-Bucht auf dem etwa 200 Meter dicken Ekström-Schelfeis und treibt mit dem fliessenden Schelfeis 157 Meter pro Jahr in Richtung offenes Meer. Da sie auf 16 hydraulischen Stelzen steht, kann sie versetzt werden, und beim jährlichen Hebevorgang wird durch Schneeunterfütterung (2 Meter) ein Versinken der Plattform im Neuschnee verhindert.
Die Stelzen der Plattform stehen unterhalb der Schneedecke der Umgebung in einem ausgehobenen Graben, der zusätzlich als Tiefgarage für Pistenraupen, Motorschlitten und nichtmotorisierte Transportschlitten sowie als Kühlraum dient. Die Seitenwände dieses Grabens sind durch Spundwände aus Metall gesichert.
Sechs Meter über dieser Plattform befindet sich das zweistöckige Gebäude aus feuerverzinktem Stahl und ist mit 12 Laborräumen, 15 Unterkunftsräumen, Nasszellen, Sauna, Fitnessraum, Küche, Speise- und Aufenthaltsraum, eine Krankenstation und ein Operationsraum, Heizung- und Wasseraufbereitungsraum u.v.a. ausgestattet.
Die Betriebsdauer der NM III ist auf 25 bis 30 Jahre ausgelegt.
Zwischen Zürich und der Antarktis liegen 13’649,45 km Luftlinie, eine Fahrstrecke von 14’654,74 km (177 h 46 min). Die Anreise von Hamburg mit Flugzeug, Auto und Schiff dauert für die Crew vier Tage.