Wädenswil

Abstimmung über ­Landverkauf in der Au: ­Unterschiedliche ­Sichtweisen vor dem 8. März

Am 8. März entscheiden die reformierten Stimmberechtigten von Wädenswil über den Verkauf einer Bauparzelle der Reformierten Kirche in der Au.

Text: Sabine Itting
Bilder: Stefan Baumgartner

Der geplante Landverkauf ist Teil einer längerfristigen Strategie zur finanziellen Sicherung der kirchlichen Aufgaben. Im Vorfeld der Abstimmung äusserten sich sowohl Urs Hanselmann, Präsident der Kirchenpflege, als auch Ruth und Ruedi Hauser, direkte Anwohner der betroffenen Parzelle.

Hintergrund: Warum die Kirche das Projekt vorantreibt

Die reformierte Kirchgemeinde bietet in Wädenswil ein breites Spektrum an Angeboten, die von der Bevölkerung rege genutzt werden. Dazu gehören Gottesdienste in verschiedenen Formaten, religiöse Bildung, Seelsorge, Unterstützung von Menschen in Not, Jugendlager, Seniorenreisen, Mittagstische, Konzerte sowie kulturelle Veranstaltungen. Trotz weiterhin hoher Nachfrage nach diesen Leistungen sinken die Mitgliederzahlen, was langfristig die Einnahmen aus Kirchensteuern reduziert. Gleichzeitig fallen erhebliche Kosten für den Unterhalt der historischen Gebäude an, darunter die Grubenmann-Kirche, das Pfarrhaus und das Kirchgemeindehaus.
Die Kirchenpflege betont, dass zusätzliche, verlässliche Einnahmen nötig sind, um die Leistungen dauerhaft finanzieren zu können. Mit dem geplanten Verkauf einer Bauparzelle in der Au und der Realisierung einer Wohnüberbauung auf der zweiten Parzelle sollen jährlich einige 100 000 Franken an Mieteinnahmen erzielt werden, um die kirchlichen Angebote langfristig abzusichern.

Position der Kirchenpflege

Laut Hanselmann befindet sich die Kirchgemeinde derzeit finanziell im Gleichgewicht, «doch sinkende Mitgliederzahlen wirken sich mittelfristig auf die Einnahmen aus.» Um vorausschauend handeln zu können, wolle man deshalb zusätzliche, verlässliche Einnahmequellen schaffen. Bereits vor rund 25 Jahren habe es Überlegungen für eine Entwicklung in der Au gegeben, damals auch gemeinsam mit der katholischen Kirche. Die Au sei ein wachsender Ortsteil, betont Hanselmann: «Wir möchten unsere Präsenz hier langfristig sichern. Der Pavillon, in dem Gottesdienste stattfinden, kann nicht unbegrenzt genutzt werden.» Geplant sei deshalb eine Mitnutzung des Zentrums Bruder Klaus, während über die konkrete Ausgestaltung der Wohnbauten zu einem späteren Zeitpunkt separat abgestimmt werde.
An den bisherigen Versammlungen wurde das Projekt eingehend diskutiert. Während beim ersten Anlass zahlreiche Wortmeldungen erfolgten, sei der Widerstand beim zweiten Treffen deutlich geringer ausgefallen. Kritische Stimmen kamen insbesondere aus der direkten Nachbarschaft.

Sicht der Nachbarn

Ruth und Ruedi Hauser, Kirchenmitglieder und seit Generationen in der Au verwurzelt, vertreten eine kritische Sicht auf das Projekt. Die Familie bewirtschaftet seit Generationen angrenzende Flächen, auf denen ihre Kühe und Rinder grasen. Für sie geht es aber nicht nur um einzelne Aspekte der Nutzung, sondern um die grundsätzliche Frage, ob die Landreserve zum jetzigen Zeitpunkt verkauft werden soll. Sie sagen: «Wir sehen keinen akuten finanziellen Bedarf. Die Finanzen der Kirchgemeinde befinden sich im grünen Bereich, und auch wenn die Mitgliederzahlen zurückgehen, bleiben die Steuereinnahmen stabil. Zudem gibt es viele neue Wohnungen im AuPark, unter den Neuzuzügern sind sicher auch Protestanten, die Kirchensteuern zahlen.»
Ruth und Ruedi Hauser führen weiter aus: «Mit einem Verkauf fallen die letzten Landreserven weg und damit die Chance, dass nachfolgende Generationen eigene Projekte verwirklichen können.» Sie bemängeln, dass das Land an den Meistbietenden verkauft und mit dem Geld ein Renditebau erstellt werden soll, obwohl absolut keine Notwendigkeit besteht ein Projekt zu realisieren, das nicht einer breiten Allgemeinheit zugutekommt. Ihnen stellt sich die Frage, wie die Kirche zukünftige Herausforderungen meistern soll, wenn keine Reserven mehr da sind, um etwas Neues zu realisieren.
Sie kritisieren, dass das Projekt stark von der älteren Generation der Kirchenleitung geprägt sei und jüngere Mitglieder bisher zu wenig einbezogen würden: «Es wirkt, als wollten die Verantwortlichen sich damit ein Denkmal setzen.»
Darüber hinaus machen die Hausers auf ökologische Aspekte aufmerksam: «Grünflächen, Lebensräume für Insekten und Bienen gehen verloren, auch wenn dies vielleicht nur kleine Veränderungen sind.» Sie sehen darin einen weiteren Grund, das Land in seiner jetzigen Form zu belassen.

Ausblick

Mit der Abstimmung vom 8. März liegt der Entscheid nun bei allen stimmberechtigten Protestanten von Wädenswil. Sie entscheiden ­darüber, ob die Parzelle verkauft wird: Im Falle eines Ja würde der erste Schritt zur geplanten Ent­wicklung in der Au umgesetzt, bei einem Nein wird das Land nicht verkauft.

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