Wädenswil

Bundesrat Maurer im «Rössli» Schönenberg

Am 3. Dezember eröffneten Regierungsrätin Natalie Rickli und Regierungspräsident Ernst Stocker den SVP-Wahlkampf für die Legislatur 2023–2027. Sie luden zum Frühschoppen ins «Rössli» Schönenberg. Begleitet wurden die beiden vom abtretenden Bundesrat Ueli Maurer.

Text & Bild: Stefan Baumgartner

«D Stube isch volle», meinte Ernst Stocker anerkennend, als er sich im Säli des «Rösslis» umblickte. Tatsächlich zog das hochkarätige Trio viele Interessierte an, und auch der Gesprächsleiter war mit Stadtpräsident und Nationalrat Philipp Kutter alles andere als ein Unbekannter, auch im «schönen Berg» nicht. Kutter wollte sodann von Natalie Rickli wissen, ob sie eine Bundesratskandidatur nicht «gejuckt» hätte. Ueli Maurer habe nicht noch mal vier Jahre warten wollen, meinte Rickli. Für sie sei sofort klar gewesen, dass sie sich nochmals als Zürcher Regierungsrätin zur Verfügung stellen wolle, auch weil dem strapazierten Gesundheitswesen Kontinuität gut tun würde. Wie wichtig die Herkunft eines Bundesrats sei, wollte Kutter in der Folge vom abtretenden Magistraten wissen. «Der Kanton spielt weniger eine Rolle als das Gebiet oder die Herkunft von Stadt oder Land», sagte Maurer. Tatsächlich sei er aktuell der einzige Bundesrat eines Geber-Kantons, alle anderen Bundesräte vertreten Kantone, die vom Finanzausgleich profitieren würden. Und so sei es schon wichtig, dass auch die Seite vertreten sei, die Steuern nach Bern abliefere. Ob es ihn wurme, dass seine Kasse während der Corona-Pandemie so geplündert wurde, wollte Kutter weiter wissen. «Diese Mittel wurden schon gut eingesetzt», sagte Maurer, «im Nachhinein hätte man vielleicht etwas sparsamer sein können. Nun müssen die gemachten Schulden wieder abgebaut werden, das gibt das Gesetz vor.» Man werde künftig auf vieles verzichten müssen: «Es ging uns so lange gut, nun müssen wir den Gürtel wieder etwas enger schnallen!» Der Zürcher Finanzdirektor Ernst Stocker erwähnte seinerseits die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Finanzminister in Bern, gerade während der Pandemie-Zeit.
Von den Corona-Milliarden schwenkte die Gesprächsrunde über zum in dieser Zeit arg strapazierten Gesundheitswesen. Hier bedauerte Rickli, dass das Volk ein Ja zur Pflegeinitiative in die Urne einlegte und nicht Ja zum Gegenvorschlag stimmte, der eine schnellere Umsetzung ermöglich hätte. Eine Frage aus dem Publikum betraf die Unruhe im Universitätsspital, das der Zürcher Gesundheitsministerin untersteht: «Wenn es in einem Unternehmen oben nicht mehr stimmt, stimmt es auch unten nicht mehr. Ob man nicht Angst haben müsse, dass die ganze Medizin hinterherhinke?», wollte der Fragesteller wissen. Rickli machte darauf aufmerksam, dass das Uni-Spital 8000 Mitarbeitende habe, und bestätigte, es habe früher Verfehlungen gegeben. An der Spitze des Spitalrats stehe nun mit André Zemp ein neuer Mann, dem man nun aber Zeit geben müsse, damit die medizinische Versorgung gewährleistet sei. Der Spagat des Uni-Spitals sei, dass es von der Grundversorgung bis zur Spitzenmedizin alles anbiete. Man habe 43 verschiedene Kliniken am Unispital!
Ein anderes Problem und Kostentreiber im Gesundheitswesen ortet Rickli auch im Umstand, dass viele Leute keinen Hausarzt mehr hätten und darum viel schneller ein Spital aufsuchen würden.
Aus aktuellem Anlass fragte Kutter die beiden Finanzminister nach einer Einschätzung zur serbelnden Credit Suisse – «ob man sich Sorgen machen müsse». Maurer befand, dass die CS mit einem schlechten Management zwar schlechte Jahre gehabt habe, aber mit der Aufstockung um vier Milliarden Franken gehöre die CS künftig zu den Banken mit dem höchsten Eigenkapital. Der Aktienkurs werde noch lange im Keller bleiben, aber die Bank werde wieder Fuss fassen. Zudem habe sie im Ausland viel den besseren Ruf als bei uns. Ernst Stocker schloss sich dieser Meinung an, befand jedoch die Situation der Bank als «himmeltraurig». Es sei sowieso nicht mehr so attraktiv, Banker zu sein: «Zu sagen man sei Bauer, sei fast besser», sagte der Meisterlandwirt – und hatte so die Lacher auf seiner Seite.
Ein Gast fragte Bundesrat Maurer nach dem schönsten und traurigsten Erlebnis in seiner Amtszeit: Er habe nur schöne Erinnerungen, antwortete Ueli Maurer, erwähnte aber den Behindertensporttag in Magglingen, der ihn jeweils besonders berührte.
Auf Fragen zur Ernährungssicherheit und zur Energiewirtschaft antworteten die drei Regierungsvertreter, dass gewisse Strömungen korrigiert werden müssten, dass einige Ideologien nicht aufgehen würden. Das Volk habe es aber an den Wahlen selbst im Griff, solches zu korrigieren. «Es habe ja niemand ganz recht, und auch niemand liege ganz falsch», sagte der Bundesrat, aber jetzt brauche es eine Korrektur: «Wieder etwas bodenständiger und etwas pragmatischer», riet er dem Publikum.
Abschliessend wollte Philipp Kutter vom abtretenden Bundesrat wissen, wie er seine Zukunft plane. Mitte Februar wolle er nach Sizilien und dann mit dem Velo heimfahren, den Frühling in Italien geniessen. Im Sommer plane er eine viermonatige Reise zu seinem Sohn nach Kanada und schliesslich wolle er den nächsten Winter in Norwegen erleben, wohin ein weiterer Sohn ausgewandert ist. «Das Auto voll Bücher und ein Paar Langlaufskis – und danach schaue ich weiter!»

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