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Wirtepaar vom «Raben» geht in Pension

Dreissig Jahre lang haben Enzo und Alicia Conte die Pizzeria Trattoria im Haus zum Raben geführt. Nun wollen sie sich zur Ruhe setzen und suchen einen Nachfolger für das Restaurant.

Text und Bild: Reni Bircher

Das Jubiläumsjahr 2020 hätte über den Sommer hinweg mit diversen Spezialangeboten aufwarten sollen: Spanische und italienische Abende mit Musik, um schliesslich im krönenden Abschluss (für das Wirtspaar) zu enden: der Pensionierung. Wegen der Corona-Pandemie mussten diese Pläne aufgegeben werden; Familie Conte war anfangs froh, dank dem Pizzaservice wenigstens eine Einnahmequelle zu haben. An einem durch die Richterswiler Greenhorn Rabbits musikalisch begleiteten Tag im September wollen sie festhalten, um die Pizzeria-Gäste zu verwöhnen.

Mit Durchhaltevermögen zum Erfolg
Vincenzo, abgekürzt Enzo, Conte kam 1969 als 14-Jähriger zusammen mit seinen Eltern aus Italien nach Wädenswil, wo er noch ein Jahr die Schulbank drückte und dann eine Lehre als Automechaniker machte. Zwei jüngere Geschwister und die Eltern zogen später wieder nach Italien, Enzo jedoch hatte sich ein Leben in Richterswil aufgebaut und blieb hier. Inzwischen war er als Koch im Restaurant Frohsinn angestellt, wo er für mehrere Jahre arbeitete. Dort lernte er Alicia kennen; die Spanierin war mit einer sogenannten Studentenbewilligung für zwei Jahre zu einem Direktorenehepaar als Hausangestellte in die Schweiz gekommen. Tragischerweise verstarb die Dame des Hauses, und Alicia musste sich eine neue Anstellung suchen und gelangte dank Kontakten in die Frohsinn-Küche. Ein Jahr später waren die Ver-liebten verheiratet und gründeten in Richterswil eine Familie.

Vier Jahren lang führte Familie Conte den «Frohsinn», gestartet haben sie eigentlich nur mit Schulden: «Bei einer Miete von Fr. 7000.– – viel zu hoch für die damalige Zeit – prophezeite mir die Bank beim Kreditantrag einen Konkurs innert drei Monaten», erzählt Enzo. «Aber ich war hartnäckig, wollte arbeiten und das Restaurant führen.» Dank harter Arbeit und Willenskraft waren sie schuldenfrei. 1990 mieteten sich die Contes im Raben ein. Dieser war damals schon länger kein Speiselokal mehr, und Enzo bezeichnet es als «Räuberhöhle» in braun und dunkelgrün. Das gesamte Inventar erstand der neue Rabenwirt damals für 300 Franken.
Dieses spelunkenhafte Ambiente machte die Umwandlung in ein Speiserestaurant nicht möglich. «Wir haben das probiert, hat aber nicht geklappt». Die Idee für einen Pizzaservice entstand und Alicia erzählt stolz, dass sie der erste Pizzalieferservice an diesem Seeufer gewesen seien: «Damals wusste noch niemand, wie das funktionieren soll. Also haben wir mal Zettel in die Briefkästen verteilt und bis am Abend gewartet, bis Bestellungen eingegangen sind». Enzo erinnert sich lachend an seine Fahrten mit dem Töff. «Irgendwann wurde es dann zuviel und wir mussten uns ein Auto anschaffen». Das Geschäft lief so gut, dass es deren bald drei waren.

Wandel zum Speiselokal
Mehrmals wurden die Innenräume renoviert und umgebaut. Mit dem Abschluss der Wirteschule und dem entsprechenden Patent, welches Enzo in Zürich abschloss, vollzog sich bald einmal der Wandel zur Pizzeria Trattoria im altehrwürdigen Haus zum Raben. Alles wird hier frisch zubereitet, jede Nudel, jede Sauce, jeder Teig selber geknetet, alles Gemüse selber gerüstet. Das brauche viel Zeit, aber Enzo ist von seinem Frische-Konzept überzeugt. «So bekommen die Gäste immer frische Ware, und Abfall fällt nur wenig an», sagt er bestimmt.

2002 haben die Contes die Liegenschaft gekauft. Nun konnte auch die Terrasse genutzt werden, welche dem früheren Hausbesitzer für den Privatgebrauch gedient hatte. Ihr grosser Wunsch, dort einen Wintergarten zu bauen, wurde nie erfüllt. «Es wäre eine Bereicherung für das Dorf und das Restaurant gewesen», ist sich der Wirt sicher. «Im Winter oder am Abend mal für ein Privatfest, einen Vereinsanlass oder an der Räbenchilbi wäre das super gewesen.» Der Innenraum bietet für gut 50 Leute Platz, dass die Terrasse genutzt werden kann, ist unerlässlich. Ein Wintergarten hätte an kalten Tagen Abhilfe geschaffen und am Abend dem Lärmschutz gedient. Es wäre ein Mehrwert gewesen, ist Alicia überzeugt, und ärgert sich noch heute über die Abfuhr durch die Gemeinde.

Verdienter Ruhestand
Das Ehepaar Conte findet es immer schwieriger ein Restaurant zu führen: «Früher war es generell einfacher als Wirt, aber gutes Personal zu finden ist eine echte Herausforderung.» Ideen für Küche und Restaurant seien noch da, aber sie beide würden eben auch nur älter werden: «Mit Schmerzen arbeiten ist nicht schön, doch ich kann mich nicht einfach ins Bett legen und auskurieren», sagt Enzo. «Jetzt muss ich mir einfach sagen, dass ich das nicht mehr nötig habe in meinem Alter, und ich will auch nicht arbeiten, bis ich tot bin». Sie hätten beide bei Null angefangen und viel erreicht. Aber freundliche Gäste und tolles Personal brächte eben schon Freude. Gern gibt Enzo das Restaurant nicht weg. «Es ist nicht einfach, das hier aufzugeben», erklärt Alicia etwas wehmütig. Die Verantwortung für Verhandlungen haben sie einem Fachbüro übergeben (Gastro for you), denn die Zeit dafür hätten sie nicht auch noch. Das Schlusswort liegt aber noch immer bei den Contes.

Einen festen Zeitpunkt für den «Schlussstrich» gebe es noch nicht. «Wir hoffen auf einen würdigen Nachfolger», sagt Enzo Conte. Die Familie wünscht sich jemanden, der nett ist und sich um Gäste und Personal zu kümmern weiss. Jemanden, der den Profit nicht in den Vordergrund stellt und weiss, dass die Pflege eines Restaurantbetriebes über gutes Essen hinaus geht. «Wem das nicht bewusst ist, der hat den falschen Beruf.»
Als Erstes würden dann aber ein richtiger Urlaub anstehen, Familien und Freunde besuchen in Italien und Spanien. Auf die Frage, was sie nach ihrer Pension am meisten vermissen werden, erklärt die Hausherrin: «Das werden wir wohl erst dann merken, wenn es soweit ist». Und Ehemann Enzo fügt an, dass er sicher nicht einfach zuhause rumsitzen und nichts tun werde. Die Contes sind eben Macher.

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