Kinder der Primarschule Wädenswil (PSW) lesen regelmässig Bewohnerinnen und Bewohnern des Alterszentrums Frohmatt in Schönenberg vor. Das gemeinsame Projekt fördert Lesekompetenz und Selbstvertrauen und schafft zugleich Begegnungen zwischen den Generationen.
Es ist Mittwochnachmittag im Alterszentrum Frohmatt (Haus Stollenweid) in Schönenberg. In den Aufenthaltsräumen duftet es nach frisch gebackenem Gebäck, Buchseiten rascheln. Dann beginnt ein Kind vorzulesen. Die Bewohnerinnen und Bewohner rücken näher und hören aufmerksam zu. Was hier geschieht, ist mehr als eine gemeinsame Lesestunde: Kinder und ältere Menschen begegnen sich über Geschichten, Gespräche und gemeinsames Zuhören.
Eine Idee entsteht
Hinter dem Lesenachmittag stehen die Logopädin Myriam Koller und Nadine Ries, Fachlehrperson in Hütten. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, Leseförderung mit Begegnungen zwischen den Generationen zu verbinden. Kinder üben das Lesen nicht nur im Schulzimmer, sondern vor einem Publikum, das ihnen aufmerksam zuhört.
«Vorlesen hat viele Dimensionen», sagt Myriam Koller. «Es schult die Aussprache, den Satzbau, das Lesetempo und das Textverständnis. Aber wenn ein Kind merkt, dass seine Stimme jemanden bewegt, dass jemand über eine vorgelesene Stelle lacht oder sich freut – das gibt ihm etwas, das kein Arbeitsblatt der Welt ersetzen kann.»
Nadine Ries ergänzt: «Wir wollten den Kindern zeigen, dass Lesen nicht nur eine Schulaufgabe ist, sondern ein Geschenk, das man weitergeben kann. Und gleichzeitig wollten wir den Bewohnerinnen und Bewohnern des Alterszentrums Abwechslung, Lebendigkeit und Kontakt bringen.»
Nach Gesprächen mit der Heimleitung starteten die ersten Lesenachmittage. Seither besuchen die Kinder das Alterszentrum rund fünfmal pro Jahr.
Das Eis brechen mit den richtigen Fragen
Für einen unkomplizierten Einstieg setzen Myriam Koller und Nadine Ries Fragekarten ein. Zu Beginn jeden Nachmittags wählen die Kinder einfache, offene Fragen: «Was waren Ihre schönsten Ferien?», «Was haben Sie als Kind am liebsten gespielt?» oder «Welches Buch haben Sie nie vergessen?»
Kaum ist eine Frage gestellt, kommen die ersten Erinnerungen auf: Ein Aufenthalt im Tessin, selbst gebasteltes Holzspielzeug oder Bücher, die früher heimlich unter der Bettdecke gelesen wurden. Die Kinder hören zu, staunen und lachen. So entsteht eine vertraute Atmosphäre, in der das Vorlesen leichtfällt.
Kleine Lesende, grosses Publikum
Zwischen neun und elf Kinder von der zweiten bis zur sechsten Klasse nehmen an den Lesenachmittagen teil. Sie bringen eine zuvor eingeübte Geschichte mit. Die jüngeren Schülerinnen und Schüler lesen einfachere Texte, die älteren wagen sich an längere Passagen. Alle erleben dabei dasselbe: Ihre Stimme zählt.
Die Bewohnerinnen und Bewohner sitzen in kleinen Gruppen an Tischen in verschiedenen Räumen. Die Kinder lesen vor, die älteren Menschen folgen aufmerksam. Manche Kinder lesen zunächst stockend, suchen nach Wörtern oder zögern. Das Publikum bleibt geduldig und wohlwollend. Manchmal erklärt eine Seniorin leise ein schwieriges Wort, manchmal lacht ein älterer Herr so herzlich über eine komische Szene, dass das ganze Zimmer mitlacht.
Eine kleine Geste der Wertschätzung
Daša Hedmegova ist diplomierte Aktivierungstherapeutin FH im Frohmatt und sorgt dafür, dass sich die Kinder willkommen fühlen. Zum Abschluss erhält jedes Kind einen Zvieri und ein kleines Geschenk. Mit dieser einfachen Geste zeigt das Alterszentrum seine Wertschätzung für den Besuch.
«Die Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich riesig», sagt Daša Hedmegova. «Aber was mich noch mehr bewegt, ist, wie sie jedes Mal schon gespannt auf den nächsten Nachmittag warten. Das ist unbezahlbar. Diese Begegnungen hinterlassen Spuren.»
Mehr als ein Schulprojekt
Was als logopädische und pädagogische Initiative begann, hat sich zu einem Gemeinschaftsprojekt entwickelt. Für die Kinder bedeutet es Übung, Selbstvertrauen und den Stolz, mit dem eigenen Können andere zu berühren. Für die Seniorinnen und Senioren bringt es Abwechslung, Kontakt und Lebendigkeit.
Nadine Ries und Myriam Koller sind sich einig: «Die durchwegs gute Resonanz bestätigt uns, dass wir etwas Sinnvolles ins Leben gerufen haben.»
Fünfmal im Jahr treffen sich im Frohmatt zwei Generationen, die im Alltag nur selten auf diese Weise zusammenkommen. Die Geschichten liefern den Anlass. Was daraus entsteht, geht über das Vorlesen hinaus. Team Hütten
Kinder der Primarschule Wädenswil (PSW) lesen regelmässig Bewohnerinnen und Bewohnern des Alterszentrums Frohmatt in Schönenberg vor. Das gemeinsame Projekt fördert Lesekompetenz und Selbstvertrauen und schafft zugleich Begegnungen zwischen den Generationen.
Es ist Mittwochnachmittag im Alterszentrum Frohmatt (Haus Stollenweid) in Schönenberg. In den Aufenthaltsräumen duftet es nach frisch gebackenem Gebäck, Buchseiten rascheln. Dann beginnt ein Kind vorzulesen. Die Bewohnerinnen und Bewohner rücken näher und hören aufmerksam zu. Was hier geschieht, ist mehr als eine gemeinsame Lesestunde: Kinder und ältere Menschen begegnen sich über Geschichten, Gespräche und gemeinsames Zuhören.
Eine Idee entsteht
Hinter dem Lesenachmittag stehen die Logopädin Myriam Koller und Nadine Ries, Fachlehrperson in Hütten. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, Leseförderung mit Begegnungen zwischen den Generationen zu verbinden. Kinder üben das Lesen nicht nur im Schulzimmer, sondern vor einem Publikum, das ihnen aufmerksam zuhört.
«Vorlesen hat viele Dimensionen», sagt Myriam Koller. «Es schult die Aussprache, den Satzbau, das Lesetempo und das Textverständnis. Aber wenn ein Kind merkt, dass seine Stimme jemanden bewegt, dass jemand über eine vorgelesene Stelle lacht oder sich freut – das gibt ihm etwas, das kein Arbeitsblatt der Welt ersetzen kann.»
Nadine Ries ergänzt: «Wir wollten den Kindern zeigen, dass Lesen nicht nur eine Schulaufgabe ist, sondern ein Geschenk, das man weitergeben kann. Und gleichzeitig wollten wir den Bewohnerinnen und Bewohnern des Alterszentrums Abwechslung, Lebendigkeit und Kontakt bringen.»
Nach Gesprächen mit der Heimleitung starteten die ersten Lesenachmittage. Seither besuchen die Kinder das Alterszentrum rund fünfmal pro Jahr.
Das Eis brechen mit den richtigen Fragen
Für einen unkomplizierten Einstieg setzen Myriam Koller und Nadine Ries Fragekarten ein. Zu Beginn jeden Nachmittags wählen die Kinder einfache, offene Fragen: «Was waren Ihre schönsten Ferien?», «Was haben Sie als Kind am liebsten gespielt?» oder «Welches Buch haben Sie nie vergessen?»
Kaum ist eine Frage gestellt, kommen die ersten Erinnerungen auf: Ein Aufenthalt im Tessin, selbst gebasteltes Holzspielzeug oder Bücher, die früher heimlich unter der Bettdecke gelesen wurden. Die Kinder hören zu, staunen und lachen. So entsteht eine vertraute Atmosphäre, in der das Vorlesen leichtfällt.
Kleine Lesende, grosses Publikum
Zwischen neun und elf Kinder von der zweiten bis zur sechsten Klasse nehmen an den Lesenachmittagen teil. Sie bringen eine zuvor eingeübte Geschichte mit. Die jüngeren Schülerinnen und Schüler lesen einfachere Texte, die älteren wagen sich an längere Passagen. Alle erleben dabei dasselbe: Ihre Stimme zählt.
Die Bewohnerinnen und Bewohner sitzen in kleinen Gruppen an Tischen in verschiedenen Räumen. Die Kinder lesen vor, die älteren Menschen folgen aufmerksam. Manche Kinder lesen zunächst stockend, suchen nach Wörtern oder zögern. Das Publikum bleibt geduldig und wohlwollend. Manchmal erklärt eine Seniorin leise ein schwieriges Wort, manchmal lacht ein älterer Herr so herzlich über eine komische Szene, dass das ganze Zimmer mitlacht.
Eine kleine Geste der Wertschätzung
Daša Hedmegova ist diplomierte Aktivierungstherapeutin FH im Frohmatt und sorgt dafür, dass sich die Kinder willkommen fühlen. Zum Abschluss erhält jedes Kind einen Zvieri und ein kleines Geschenk. Mit dieser einfachen Geste zeigt das Alterszentrum seine Wertschätzung für den Besuch.
«Die Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich riesig», sagt Daša Hedmegova. «Aber was mich noch mehr bewegt, ist, wie sie jedes Mal schon gespannt auf den nächsten Nachmittag warten. Das ist unbezahlbar. Diese Begegnungen hinterlassen Spuren.»
Mehr als ein Schulprojekt
Was als logopädische und pädagogische Initiative begann, hat sich zu einem Gemeinschaftsprojekt entwickelt. Für die Kinder bedeutet es Übung, Selbstvertrauen und den Stolz, mit dem eigenen Können andere zu berühren. Für die Seniorinnen und Senioren bringt es Abwechslung, Kontakt und Lebendigkeit.
Nadine Ries und Myriam Koller sind sich einig: «Die durchwegs gute Resonanz bestätigt uns, dass wir etwas Sinnvolles ins Leben gerufen haben.»
Fünfmal im Jahr treffen sich im Frohmatt zwei Generationen, die im Alltag nur selten auf diese Weise zusammenkommen. Die Geschichten liefern den Anlass. Was daraus entsteht, geht über das Vorlesen hinaus. Team Hütten