Wädenswil

Viehschau Wädenswil: Prada hat man gern im Stall

Wenn die Städter von unterhalb der Autobahn das Edelweiss-Hemd hervorkramen und sich unter Bauern, Züchter und Viehhändler mischen und gespannt den Ausführungen der Experten der Schaukommission zu den einzelnen Kühen lauschen – dann, ja dann ist Viehschau auf der Oedischwänd.

Text & Bilder: Stefan Baumgartner

378 Kühe jeden Alters und ein Stier wurden traditionsgemäss am dritten Donnerstag im Oktober auf die Oedischwänd im Wädenswiler Berg geführt, dort in der richtigen Abteilung nach Rasse und Alter, Entwicklungsstufe bzw. Laktation «parkiert» und dann von den vier anwesenden Experten beurteilt.

Die Experten legen dabei Augenmerk auf fünf Kriterien: Rahmen, Becken, Fundament, Euter und Zitzen, wobei immer das Zuchtziel der Rassen berücksichtigt wird – also Wirtschaftlichkeit im Stall, Tiergesundheit und Langlebigkeit.

Der Rahmen zeigt die Grösse, Tiefe, Breite und die Rückenpartie der Kuh. Eine breite Brustpartie lässt viel Platz für die Organe, welche bei einer Kuh grosse Arbeit leisten. Das Becken möchte man möglichst lang und breit haben, zudem sollte es gegen den Hinterteil der Kuh abfallen – wichtig für die Fruchtbarkeit. Das Fundament (Beine, Klauen) sind enorm wichtig für die Langlebigkeit und den Wohlfühlzustand der Kühe. Das Euter ist eines der wichtigsten Merkmale. Gewünscht ist nicht zwingend ein grosses Euter – sondern, dass es breit und hoch aufgehängt und gut mit dem Körper verbunden ist. Auch bei älteren Kühen hilft diese hohe Aufhängung beim Umgang mit der Melkmaschine. Die Zitzen sollten gleichmässig verteilt und nicht zu gross sein. So kann gewährleistet werden, dass die Melkmaschine, welche mit Vakuum arbeitet, gut hält und beim melken keine Fehl-Luft einsaugt. Fehl-Luft könnte zu Euterentzündungen führen.

Kurz vor der Mittagspause wurden dem zahlreich erschienenen und offensichtlich interessierten Publikum zwei Zuchtfamilien vorgestellt – eine aus dem Stall von Adrian Stocker. Er zeigte eine Stammkuh mit drei Nachkommen: Speziell an dieser Familie ist, dass es Blüem-Kühe sind – mit einer weissen Rückenlinie und gesprenkeltem Fell. «Ein Blüem-Kuh bringt Glück im Stall», weiss der Vater von Adrian, Meisterlandwirt und Regierungsrat Ernst Stocker.

Auch der Nachwuchs zeigt sich

Weiterer Höhepunkt ist die Kälberpräsentation der Kinder. Sie schmücken ein Kalb und unterhalten das Publikum mit einem Vers oder einem Lied, kennen aber meist auch schon Vater und Mutter des Kalbs. So kam das Blüem-Kälbchen aus dem Stocker-Stall bereits zu einem weiteren Auftritt, und nebst anderen Jüngstzüchtern zeigte «BB», Ben Bütler und mit Spitznamen «Bester Bauer», seine Ramona, eine Kreuzung aus Red Holstein und Simmentaler Fleckvieh.

Besondere Leistungen brauchen auch besondere Erwähnung. Und so erhielten Selma aus dem Stall von Roli Bärtschi für 13 Abkalbungen und Ludvika aus dem Stall von Andrea und Res Höhn für die höchste Lebensleistung je einen Wanderpreis. Ludvika liefert bei sieben abgeschlossenen Laktationen eine durchschnittliche Jahresleistung von 14 085 kg Milch und hat ihren Besitzern bisher insgesamt 116 315 kg Milch eingebracht!

Nach der Mittagspause wurden zuerst die schönsten Euter jeder Rasse gekürt. Auch hier gaben die  Richter ihre Kommentare ab, wieso sie das Euter dieser Kuh dem Euter jener Kuh vorgezogen haben. Roman Auer, Experte bei den Brown-Swiss-Tieren, zeigte sich einerseits begeistert, dass hier in Wädenswil so viele schöne Euter gezeigt würden, und erklärte dem Publikum auch, dass zum Beispiel das Euter bei der Bewertung höher gewichtet wird als die Zitzen. So konnte manche Besucherin, mancher Besucher, bis zum Ende der Prämierung selbst das neu erworbene Wissen anwenden und Tipps abgeben, welche Kuh wohl eine der begehrten Glocken oder Trychlen ergattert.

Die Misswahlen

Der Titel «Miss Wädenswil» wird für die kompletteste Kuh jeder Rasse – Original Braunvieh, Brown Swiss und Fleckvieh – vergeben. Miss Wädenswil beim Fleckvieh wurde Ibiza aus dem Stall von Stefan Waser, Emma aus dem Stall von Paul Korrodi wurde Miss Wädenswil bei den Original Braunen. Auch hier lobten die beiden Experten das hohe Niveau der Wädenswiler Viehschau: «Man weiss, dass man hier schöne Kühe antrifft!» Prada – auch sie aus dem Stall von Stefan Waser – wurde nicht nur Brown-Swiss Miss Wädenswil, sie schwang auch bei der Bezirks-Miss-Wahl obenauf und liess die Missen aus Hütten und Hirzel hinter sich. 

Der Bezirks-Titel  beim Original Braunvieh ging an Daisy, amtierende Miss Hütten und aus dem Stall von Andreas und Claudia Staub. Als letzte Viehschau im Bezirk ist es der Prämierung in Wädenswil vorbehalten, die Bezirks-Missen zu küren.

Wie schon weiter oben erwähnt, verdienen besondere Leistungen auch besondere Erwähnung, denn neben dem Schauring gab es noch mehr zu feiern: Zum 20. Mal servierte die «Zouft Fäldchuchi 39 Wättischwil» den Viehschau-Besuchern ihr Ratsherrengeschnetzeltes und sorgte so bei strahlendem Sonnenschein für gute Laune im und neben dem Festzelt.

Teilen mit: