Wädenswil

Blaualgen: Eine Gefahr auch im Herbst und Winter

Blaualgen treten nicht nur während der warmen Sommermonate auf. Auch im Herbst und Winter können sie in Seen und anderen Gewässern vorkommen. Besonders für Hunde und Kleinkinder können gewisse Arten gefährlich werden. Wer die Warnzeichen kennt und einige Vorsichtsmassnahmen beachtet, kann das Risiko einer Vergiftung deutlich verringern.

Text: Ingrid Eva Liedtke
Bilder: iel & AWEL

Auch diesen Herbst wurden im Zürichsee wieder Blaualgen festgestellt, allerdings auf der gegenüberliegenden Seeseite. Wie das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) auf Anfrage mitteilte, ist eine aktuelle, flächendeckende Aussage über einzelne Uferabschnitte am Zürichsee oder über die Situation am Hüttnersee nicht möglich. Denn Blaualgen können sich je nach Wind, Wetter und Strömung innerhalb weniger Stunden ansammeln oder wieder verteilen. Eine laufende Überwachung sämtlicher Gewässer ist deshalb nicht durchführbar.

Uralte Lebewesen mit gefährlichen Eigenschaften

Blaualgen gehören zu den ältesten Lebensformen der Erde. Trotz ihres Namens handelt es sich nicht um Algen im eigentlichen Sinn, sondern um sogenannte Cyanobakterien. Sie kommen natürlicherweise in Seen, Weihern, Flüssen und Bächen vor. Von den mehreren tausend bekannten Arten können einige giftige Stoffwechselprodukte bilden, die für Menschen und Tiere gesundheitsschädlich sind.
Besonders in nährstoffreichen, stehenden Gewässern können sich Cyanobakterien stark vermehren. Doch auch in langsam fliessenden Bächen, aufgestauten Flussabschnitten und an Seeufern sind grössere Ansammlungen möglich. Hohe Konzentrationen können das Wasser trüben oder auffällige Verfärbungen verursachen.
Sowohl im Zürichsee als auch im Hüttnersee sind sogenannte Burgunderblutalgen bekannt. Sie entwickeln sich während der Sommermonate teilweise in tieferen Wasserschichten. Kühlt sich das Oberflächenwasser im Herbst ab, werden die Wasserschichten stärker durchmischt. Dadurch können die Cyanobakterien an die Oberfläche gelangen und dort rötliche Schlieren oder teppichartige Ansammlungen bilden. Besonders bei windstillem Wetter sind diese gut sichtbar.

Nicht immer blau oder grün

Blaualgen können sehr unterschiedlich aussehen. Grünliche, bläuliche oder türkisfarbene Schlieren gehören ebenso zu den möglichen Erscheinungsformen wie bräunliche oder rötliche Verfärbungen. Auch Flocken, Klumpen, Schaumteppiche oder ein schmieriger Film auf der Wasseroberfläche können auf grössere Ansammlungen hinweisen.
Als einfache Regel gilt: Sind im knietiefen Wasser die eigenen Füsse nicht mehr deutlich erkennbar, sollte auf das Baden verzichtet werden. Allerdings sind gefährliche Konzentrationen nicht immer von blossem Auge feststellbar. Auch klares Wasser bietet keine absolute Sicherheit.
Besonders vorsichtig sollten Eltern mit Kleinkindern und Menschen mit empfindlicher Haut sein. Beim Kontakt mit giftigen Cyanobakterien können Haut- und Schleimhautreizungen, allergische Reaktionen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auftreten. Bei schweren Vergiftungen sind auch Atembeschwerden, Muskelkrämpfe und Bewusstseinsstörungen möglich.

Für Hunde besonders gefährlich

Ein erhebliches Risiko besteht für Hunde. Sie nehmen beim Trinken oder Schwimmen möglicherweise belastetes Wasser auf. Zudem können Cyanobakterien am Fell und an den Pfoten haften bleiben und beim anschliessenden Ablecken verschluckt werden. Bereits kleine Mengen bestimmter Giftstoffe können eine schwere Vergiftung auslösen.
Einige Cyanobakterien produzieren Nerven- oder Lebergifte. Die ersten Symptome können innerhalb weniger Minuten bis Stunden auftreten. Zu den Warnzeichen gehören starkes Speicheln, Erbrechen, Durchfall, ungewöhnliche Müdigkeit, Orientierungslosigkeit, Muskelzittern, Krämpfe oder Atemnot. Im schlimmsten Fall kann eine Vergiftung rasch tödlich verlaufen.
Besteht der Verdacht, dass ein Hund belastetes Wasser getrunken hat, muss unverzüglich tierärztliche Hilfe gesucht werden – auch wenn noch keine Symptome sichtbar sind. Fell und Pfoten sollten möglichst rasch mit sauberem Wasser abgespült werden. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass sich das Tier ableckt. Hausmittel oder eigenständig verabreichte Medikamente sind keine Lösung. Ein spezifisches Gegenmittel gegen die verschiedenen Blaualgengifte gibt es nicht.

Vorsicht auch beim Winterschwimmen

Mit den sinkenden Temperaturen verschwindet die Gefahr nicht. Gerade Burgunderblutalgen können im Herbst und Winter auffällige rötliche Filme auf der Wasseroberfläche bilden. Deshalb sollten auch Winterschwimmerinnen und Winterschwimmer verfärbtes oder trübes Wasser sowie Bereiche mit Schlieren und Flocken konsequent meiden.
Grundsätzlich ist empfohlen, nur in klarem Wasser zu baden, möglichst kein Wasser zu verschlucken und sich anschliessend gründlich abzuduschen und abzutrocknen.
Hundebesitzer sollten auf Spaziergängen frisches Trinkwasser mitführen, ihre Tiere nicht aus verdächtigen Gewässern trinken lassen und auch angeschwemmte Algenansammlungen meiden. Warnschilder und allfällige Badeverbote sind unbedingt zu beachten.
Blaualgen lassen sich aus natürlichen Gewässern nicht flächendeckend entfernen. Werden auffällige Vorkommen festgestellt, beurteilt das Kantonale Labor die Situation und empfiehlt den zuständigen Gemeinden geeignete Massnahmen. Weil sich die Verhältnisse rasch ändern können, bleibt jedoch die Aufmerksamkeit der Menschen am Wasser entscheidend.

Bei Verdacht einer Vergiftung
Für Menschen steht Tox Info Suisse unter der Notfallnummer 145 zur Verfügung, ebenso das Ärztefon unter Tel. 0800 33 66 55.
Bei Hunden ist umgehend eine Tierarztpraxis oder Tierklinik zu kontaktieren. Das Tierspital Zürich ist ausserhalb der regulären Öffnungszeiten unter Tel. 044 635 81 11 erreichbar.

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