Richterswil

«Brand» im Boden-Schulhaus

Am Freitag, 3. Juli, rückte die Feuerwehr Richterswil mit 37 Einsatzkräften zu einem Grosseinsatz zum Schulhaus Boden aus. Starke Rauchentwicklung machte die Evakuierung zahlreicher Schülerinnen und Schüler über Hub-retter und Leiter nötig. Zum Glück handelte es sich dabei lediglich um eine Übung …

Text & Bilder: Reni Bircher

Kurz nach 18 Uhr ging bei der Milizfeuerwehr an der Sunnegartestrasse der Notruf ein, dass es im Schulhaus Boden vermutlich brenne. Die Flure seien voller Rauch, was es den drei im Schulhaus befindlichen Klassen unmöglich machte, das Gebäude zu verlassen. Diese machten im obersten Stock des Frontgebäudes mit Rufen auf sich aufmerksam und dabei wurde klar, dass die Räume zu weit auseinanderliegen, als dass die darin befindlichen Personen mit nur einem Rettungskran geborgen werden können. Deshalb wurde eine Autodrehleiter von der Feuerwehr Wädenswil mit drei Personen hinzugezogen.
Während ein Einsatzleiter für die Organisation und Kommunikation mit den mithelfenden Einsatzkräften zuständig ist, Absprachen trifft, einen Übersichtsplan erstellt und erste Fakten sammelt, dirigierte ein zweiter Einsatzleiter das angerückte Team an der Front mit präziser Aufgabenstellung zu den entsprechenden Einsatzstellen.
Mehrere Personen beschäftigten sich mit dem Öffnen des verschlossenen Haupteingangs und bereiteten einen sehr langen Löschschlauch vor, weil noch nicht klar war, wo sich der Brandherd befindet. Im Schulhaus Boden stand der Rauch so dicht, dass er wie eine graue Wand wirkte. Ein Schlauchtrupp führte den prallen, mit über 200 Liter Wasser gefüllten Löschschlauch durch die Türe mitten in die Rauchschwaden.
Der Brandherd konnte im Lüftungsraum im Keller ausfindig gemacht werden. Weil eine Brandschutztür offenstand, war neben dem Treppenhaus auch ein Korridor voll Rauch.

Balanceakt

Die Hubretter wurden vor dem langen Schulgebäude platziert und begannen mit der Evakuierung der Schülerschar und deren Lehrpersonen. Das ist nicht ganz ungefährlich, müssen die Menschen doch vom Fenstersims aus auf die Rettungsplattform steigen. Die Ruhe und klare Anweisungen des Feuerwehrmannes helfen den verängstigen Menschen dabei.
Am Boden angekommen ist die Sammlung der Geretteten wichtig, denn die anwesende Polizei nimmt deren Personalien auf, evtl. auch Aussagen von Menschen, welche etwas gesehen und gehört haben, was bezüglich des Brandes sachdienlich sein kann. Die Befragung kann auch zu Tage fördern, ob noch Personen vermisst werden – was am 3. Juli tatsächlich passierte: von zwei Schülerinnen war der Aufenthaltsort unbekannt.

Bei einem Erkundungsrundgang um das Schulgebäude wurden in einem Zimmer gegen den Innenhof gerichtet ebenfalls Jugendliche am Fenster gesichtet, die wegen der starken Rauchentwicklung den Korridor nicht durchqueren können, um zu den anderen Schülern zu gelangen. Dort konnte nur eine Leiter zur Rettung eingesetzt werden. Vier Mann kümmerten sich um die Jugendlichen; eine davon musste wegen Höhenangst in einem Sicherheitsgurt heruntergeführt werden.
Kurz darauf konnte der Einsatzleitung gemeldet werden, dass über 40 Personen aus dem Zimmer evakuiert worden sind, ebenso waren die Einsätze mit dem Hubretter abgeschlossen worden.
Um die beiden vermissten Jugendlichen zu finden, musste mittels eines starken Lüfters der Rauch aus den Gängen geblasen und jeder Raum abgesucht werden, bis die Personen gefunden wurden. Mit dem gezielt positionierten Lüfter wird ein Überdruck erzeugt, so dass es beim Öffnen eines Fensters den Rauch bzw. den für diese Feuerwehrübung produzierten Nebel, hinauspresst.

Übung für den Ernstfall

Dieser Grosseinsatz war eine Übung, bei der drei Klassen des Oberstufenschulhauses als Statisten mitgewirkt haben. Bei den «vermissten Jugendlichen» handelte es sich um zwei schwere Dummies, welche vorgängig in einer Toilette platziert worden waren.
Diese Rettungsübungen sind enorm wichtig, auch für die beteiligten Rettungskräfte, wie es die anwesenden Polizeikräfte bestätigten. Auf die Anwesenheit von Schutz & Rettung sowie Notarzt wurde verzichtet, doch die Gemeindepolizei, der Kreischef der Kantonspolizei, der Statthalter sowie der Ressortleiter Sicherheit & Einwohnerwesen aus Richterswil waren vor Ort.
In regelmässigen Abständen trafen sie sich beim Einsatzleiter «Kommunikation» und berichteten über die neusten Erkenntnisse und Gegebenheiten. Zwei Minuten für alle, einen Schritt zurückzutreten, zu analysieren, weitere Schritte zu überlegen und zu koordinieren.

Grosser Personalaufwand

Der Statthalter hat die Aufsicht über die Feuerwehr. Er ist vor Ort, um zu sehen, wie die Einsatzkräfte arbeiten – wie organisieren sie sich, wie funktionieren die Leute im Ablauf des Einsatzes. Die «Betrachtung von aussen» lässt Rückschlüsse zu, wie im Ernstfall agiert wird, aber auch für korrigierende Massnahmen.
Markus Braun ist Statthalter und Bezirksratspräsident des Bezirks Horgen. Er ist Ansprechperson vor Ort, wenn etwa ein Entscheid gefällt werden muss, ob die Feuerwehr einen «Schaden» am Gebäude anrichten kann, der zwar nicht zwingend notwendig, aber für die Rettung von Personen, Haus und Hof aber hilfreich und letztlich gesamthaft schadensmindernd sein kann. In solchen Fällen gibt seine Anordnung eines solchen «Schadens» dem Feuerwehrpersonal Rückendeckung.
Sobald das Gebäude rauchfrei ist, begutachtet der Statthalter gemeinsam mit der Polizei den entstandenen Schaden. Nachgelagert wird der Eigentümer bei der Gebäudeversicherung die Schäden angeben, um Versicherungsleistungen zu for­dern. Zusammen mit dem Statthalter nimmt die Versicherung bei Schäden über CHF 100 000 eine so genannte Schadenabschätzung vor, um zu eruieren, welche Zahlungen getätigt werden. Deshalb ist es wichtig, dass Braun das Brandobjekt selbst in Augenschein nimmt.
Ressortleiter Sicherheit & Einwohnerwesen Renato Pfeffer wird bei einem Alarm ebenfalls aufgeboten, etwa für den Fall, dass Menschen evakuiert und auswärtig einquartiert werden müssen. Auch dabei unterstützt Statthalter Markus Braun.
Der Personal- und Zeitaufwand bei einem Feuerwehreinsatz ist immens. Nichtsdestotrotz sind die regelmässigen Übungen von grösster Wichtigkeit, denn die damit eingespielte Routine bringt bei jedem «richtigen» Einsatz Sicherheit und Ruhe, weil jeder Einsatz eine Herausforderung bedeutet für alle Beteiligten.

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