Wie entstehen neue Erkenntnisse und weshalb ist Forschung für unseren Alltag wichtig? Antworten darauf erhielten Jugendliche an der Science Week vom 3. bis 7. August an der ZHAW.
Text & Bilder: Sabine Itting
Einen Tag lang schlüpften sie in die Rolle von Forschenden und entdeckten die Welt der Naturwissenschaften mit viel Neugier, Kreativität und praktischem Einsatz. Gleichzeitig bot der Parents› Day am 5. August Eltern und Angehörigen einen Blick hinter die Kulissen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
Ernährung geht uns alle an
Als Leiter des ZHAW-Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation begrüsste der bekannte «Brot-Professor» Michael Kleinert die Besucherinnen und Besucher.
Er zeigte sich erfreut darüber, dass der Parents‘ Day von Jahr zu Jahr auf grösseres Interesse stösst und immer mehr Eltern und Angehörige die Gelegenheit nutzen, die Hochschule und ihre vielfältigen Forschungs- und Ausbildungsangebote kennenzulernen. Passend zu seinem Fachgebiet hatte Kleinert frisches Brot vom Feld-Beck Wädenswil mitgebracht. Ergänzt wurde der kulinarische Empfang durch Äpfel aus regionalem Anbau – ein stimmiger Einstieg in das Thema Ernährung. Dieses stand im Mittelpunkt des anschliessenden Referats von Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Christine Brombach.
Mehr als satt
Unter dem Titel «Mehr als satt werden – wie Ernährung Darm, Hirn, Genuss und Nachhaltigkeit verbindet» zeigte Brombach auf eindrückliche Weise, wie eng unsere Ernährung mit Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft verknüpft ist. Sie erklärte, woher die Lebensmittel stammen, welche Auswirkungen unsere Ernährungsweise auf den Körper hat und weshalb nachhaltige Ernährung weit über den Inhalt des eigenen Tellers hinausreicht: So verzehrt jeder Mensch jährlich rund 1,2 bis 1,5 Tonnen Nahrung. Rund 240-mal täglich entscheiden wir, was wir essen oder trinken – und zwar nicht rational, sondern emotional. Weniger bekannt ist, dass in der Schweiz etwa jeder dritte bis vierte Arbeitsplatz direkt oder indirekt mit der Lebensmittelproduktion verbunden ist. Dieser Wirtschaftszweig bietet, wie Brombach erklärte, vielfältige und zukunftsweisende Berufsmöglichkeiten.
Auch der Klimawandel kam zur Sprache. Anhand der fünf Bienenvölker auf dem Campus der ZHAW zeigte die Ernährungswissenschaftlerin auf, welche Auswirkungen steigende Temperaturen auf Bestäubung, Pflanzen und letztlich auf unsere Nahrungskette haben.
Zum Abschluss stellte sie das Kochbuch «Klimatopf» vor. Die Rezepte orientieren sich an der Planetary Health Diet und zeigen, wie einfach klimafreundliche Ernährung im Alltag umgesetzt werden kann.
Forschung zum Anfassen
Nach dem spannenden Auftakt besichtigten die Eltern in zwei Gruppen verschiedene Workshops, in denen die Jugendlichen bereits in unterschiedliche Forschungsaufgaben vertieft waren. Das Programm war bewusst breit gefächert und spiegelte die Vielfalt der Forschung an der ZHAW wider. Zur Auswahl standen das AI Creativity Lab, «Fermentation – das coole Geheimnis hinter feinem Essen», «Kunst und Chemie», «Melodie und Muster», «Pilze – Erstaunliche Superhelden», «Spurensuche im Wasser», «Unendliche Vielfalt des Mikrokosmos», «Spürnasen im Labor» sowie «Licht und Leben».
Allen Workshops gemeinsam war der hohe Praxisbezug. Die Jugendlichen beobachteten, experimentierten, analysierten und stellten eigene Produkte her. Begleitet wurden sie von Dozierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Studierenden, die wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich erklärten und sie bei ihren Experimenten unterstützten. Dabei wurde deutlich, dass Forschung weit mehr bedeutet als Arbeiten im Labor: Sie lebt von Neugier, genauem Beobachten und der Bereitschaft, neue Wege auszuprobieren.
Experimentieren und entdecken
Im Workshop «Kunst und Chemie» entstanden unter anderem sprudelnde Badekugeln, die mit Düften und Lebensmittelfarben individuell gestaltet wurden. Am Nachmittag färbten die Jugendlichen Baumwollsocken mit selbst gewonnenem Indigo-Farbstoff und lernten dabei traditionelle Färbetechniken kennen. Mit grosser Konzentration arbeiteten sie an ihren Versuchen und liessen sich von den Besucherinnen und Besuchern kaum ablenken.
Die 14-jährige Elif ist seit ihrer Kindheit von der Science Week begeistert. Wie sie erzählte, nimmt sie bereits seit mehreren Jahren daran teil. Die Veranstaltung habe ihren Wunsch bestärkt, später einen Beruf im Bereich Naturwissenschaften und Biologie zu erlernen.
Praktische Arbeit stand auch im Workshop «Spurensuche im Wasser» auf dem Programm. Beauftragt von der Gemeinde sollte die Qualität des Reidbachweihers untersucht werden. Dabei waren die Jugendlichen draussen am Bach, aber auch im Raum gefordert: Sie bestimmten Temperatur, pH-Wert und weitere Parameter und suchten nach Kleinstlebewesen. Die erhobenen Daten dienen dazu, die Wasserqualität zu beurteilen. Ganz so, wie es auch in der Umweltforschung geschieht.
Wie wichtig Mikroorganismen im Alltag sind, erfuhren die Teilnehmenden des Workshops «Fermentation». Sie stellten Joghurt her, setzten Sauerteig an und beobachteten Bakterien und Hefen unter dem Mikroskop. So wurde sichtbar, welche biologischen Prozesse hinter vielen Lebensmitteln stecken.
Gefragt, welcher Workshop der spannendste gewesen sei, wollte sich ein Jugendlicher nicht festlegen. «Eigentlich alle», meinte er lachend. Besonders fasziniert habe ihn jedoch der Kurs «Pilze – Erstaunliche Superhelden». Er esse zwar gerne Pilze, habe aber nicht gewusst, dass aus Myzel nachhaltige Materialien hergestellt werden können. Das finde er wichtig und richtig cool.
Children’s Club für die Geschwister
Auch die jüngsten Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten motiviert mit. Während die Jugendlichen in den Laboren forschten, bot die ZHAW für Geschwister zwischen sieben und elf Jahren einen Children’s Club an. Dieses Jahr stellten die Kinder Cake Pops her: Sie formten aus verschiedenen Zutaten wie Kuchen und Frischkäse kleine Kugeln und verzierten sie nach eigenem Geschmack. Naschen war allerdings erst zu Hause erlaubt.
Geleitet wurde der Children’s Club von Studierenden der ZHAW. Eine von ihnen war Rahim, die Applied Digital Life Sciences studiert. Dank ihrer früheren Tätigkeit in einem Hort sei es ihr leichtgefallen, ein altersgerechtes und abwechslungsreiches Programm für die Kinder zusammenzustellen, wie sie erzählte.
Begeisterung für Wissenschaft geweckt
Die Science Week findet jedes Jahr an der ZHAW statt und verfolgt das Ziel, Jugendliche frühzeitig für Naturwissenschaften, Technik und Forschung zu begeistern. Anstatt Wissen ausschliesslich theoretisch zu vermitteln, setzt sie bewusst auf eigenes Erleben und praktisches Arbeiten.
Der Anlass, an dem in diesem Jahr rund 80 Jugendliche und 15 Kinder teilnahmen, machte deutlich, wie vielfältig Wissenschaft sein kann. Ob künstliche Intelligenz, Mikrobiologie, Wasserforschung, Chemie oder nachhaltige Ernährung: Überall standen das Experimentieren und das selbstständige Entdecken im Mittelpunkt.
Am Ende des Tages nahmen die Jugendlichen nicht nur Badekugeln, Sauerteig und Messergebnisse, sondern auch viele neue Eindrücke mit nach Hause. Sie hatten Wissenschaft hautnah erlebt und erfahren, dass Forschung spannend, kreativ und überraschend alltagsnah sein kann.
Vielleicht wurde bei der einen oder dem anderen sogar der Grundstein für eine spätere Ausbildung oder ein Studium im naturwissenschaftlichen Bereich gelegt. Denn, so war zu erfahren, entscheiden sich jedes Jahr mehrere Teilnehmende, ihre berufliche Karriere an der ZHAW zu starten.
Wie entstehen neue Erkenntnisse und weshalb ist Forschung für unseren Alltag wichtig? Antworten darauf erhielten Jugendliche an der Science Week vom 3. bis 7. August an der ZHAW.
Text & Bilder: Sabine Itting
Einen Tag lang schlüpften sie in die Rolle von Forschenden und entdeckten die Welt der Naturwissenschaften mit viel Neugier, Kreativität und praktischem Einsatz. Gleichzeitig bot der Parents› Day am 5. August Eltern und Angehörigen einen Blick hinter die Kulissen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
Ernährung geht uns alle an
Als Leiter des ZHAW-Instituts für Lebensmittel- und Getränkeinnovation begrüsste der bekannte «Brot-Professor» Michael Kleinert die Besucherinnen und Besucher.
Er zeigte sich erfreut darüber, dass der Parents‘ Day von Jahr zu Jahr auf grösseres Interesse stösst und immer mehr Eltern und Angehörige die Gelegenheit nutzen, die Hochschule und ihre vielfältigen Forschungs- und Ausbildungsangebote kennenzulernen. Passend zu seinem Fachgebiet hatte Kleinert frisches Brot vom Feld-Beck Wädenswil mitgebracht. Ergänzt wurde der kulinarische Empfang durch Äpfel aus regionalem Anbau – ein stimmiger Einstieg in das Thema Ernährung. Dieses stand im Mittelpunkt des anschliessenden Referats von Ernährungswissenschaftlerin Prof. Dr. Christine Brombach.
Mehr als satt
Unter dem Titel «Mehr als satt werden – wie Ernährung Darm, Hirn, Genuss und Nachhaltigkeit verbindet» zeigte Brombach auf eindrückliche Weise, wie eng unsere Ernährung mit Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft verknüpft ist. Sie erklärte, woher die Lebensmittel stammen, welche Auswirkungen unsere Ernährungsweise auf den Körper hat und weshalb nachhaltige Ernährung weit über den Inhalt des eigenen Tellers hinausreicht: So verzehrt jeder Mensch jährlich rund 1,2 bis 1,5 Tonnen Nahrung. Rund 240-mal täglich entscheiden wir, was wir essen oder trinken – und zwar nicht rational, sondern emotional. Weniger bekannt ist, dass in der Schweiz etwa jeder dritte bis vierte Arbeitsplatz direkt oder indirekt mit der Lebensmittelproduktion verbunden ist. Dieser Wirtschaftszweig bietet, wie Brombach erklärte, vielfältige und zukunftsweisende Berufsmöglichkeiten.
Auch der Klimawandel kam zur Sprache. Anhand der fünf Bienenvölker auf dem Campus der ZHAW zeigte die Ernährungswissenschaftlerin auf, welche Auswirkungen steigende Temperaturen auf Bestäubung, Pflanzen und letztlich auf unsere Nahrungskette haben.
Zum Abschluss stellte sie das Kochbuch «Klimatopf» vor. Die Rezepte orientieren sich an der Planetary Health Diet und zeigen, wie einfach klimafreundliche Ernährung im Alltag umgesetzt werden kann.
Forschung zum Anfassen
Nach dem spannenden Auftakt besichtigten die Eltern in zwei Gruppen verschiedene Workshops, in denen die Jugendlichen bereits in unterschiedliche Forschungsaufgaben vertieft waren. Das Programm war bewusst breit gefächert und spiegelte die Vielfalt der Forschung an der ZHAW wider. Zur Auswahl standen das AI Creativity Lab, «Fermentation – das coole Geheimnis hinter feinem Essen», «Kunst und Chemie», «Melodie und Muster», «Pilze – Erstaunliche Superhelden», «Spurensuche im Wasser», «Unendliche Vielfalt des Mikrokosmos», «Spürnasen im Labor» sowie «Licht und Leben».
Allen Workshops gemeinsam war der hohe Praxisbezug. Die Jugendlichen beobachteten, experimentierten, analysierten und stellten eigene Produkte her. Begleitet wurden sie von Dozierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Studierenden, die wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich erklärten und sie bei ihren Experimenten unterstützten. Dabei wurde deutlich, dass Forschung weit mehr bedeutet als Arbeiten im Labor: Sie lebt von Neugier, genauem Beobachten und der Bereitschaft, neue Wege auszuprobieren.
Experimentieren und entdecken
Im Workshop «Kunst und Chemie» entstanden unter anderem sprudelnde Badekugeln, die mit Düften und Lebensmittelfarben individuell gestaltet wurden. Am Nachmittag färbten die Jugendlichen Baumwollsocken mit selbst gewonnenem Indigo-Farbstoff und lernten dabei traditionelle Färbetechniken kennen. Mit grosser Konzentration arbeiteten sie an ihren Versuchen und liessen sich von den Besucherinnen und Besuchern kaum ablenken.
Die 14-jährige Elif ist seit ihrer Kindheit von der Science Week begeistert. Wie sie erzählte, nimmt sie bereits seit mehreren Jahren daran teil. Die Veranstaltung habe ihren Wunsch bestärkt, später einen Beruf im Bereich Naturwissenschaften und Biologie zu erlernen.
Praktische Arbeit stand auch im Workshop «Spurensuche im Wasser» auf dem Programm. Beauftragt von der Gemeinde sollte die Qualität des Reidbachweihers untersucht werden. Dabei waren die Jugendlichen draussen am Bach, aber auch im Raum gefordert: Sie bestimmten Temperatur, pH-Wert und weitere Parameter und suchten nach Kleinstlebewesen. Die erhobenen Daten dienen dazu, die Wasserqualität zu beurteilen. Ganz so, wie es auch in der Umweltforschung geschieht.
Wie wichtig Mikroorganismen im Alltag sind, erfuhren die Teilnehmenden des Workshops «Fermentation». Sie stellten Joghurt her, setzten Sauerteig an und beobachteten Bakterien und Hefen unter dem Mikroskop. So wurde sichtbar, welche biologischen Prozesse hinter vielen Lebensmitteln stecken.
Gefragt, welcher Workshop der spannendste gewesen sei, wollte sich ein Jugendlicher nicht festlegen. «Eigentlich alle», meinte er lachend. Besonders fasziniert habe ihn jedoch der Kurs «Pilze – Erstaunliche Superhelden». Er esse zwar gerne Pilze, habe aber nicht gewusst, dass aus Myzel nachhaltige Materialien hergestellt werden können. Das finde er wichtig und richtig cool.
Children’s Club für die Geschwister
Auch die jüngsten Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten motiviert mit. Während die Jugendlichen in den Laboren forschten, bot die ZHAW für Geschwister zwischen sieben und elf Jahren einen Children’s Club an. Dieses Jahr stellten die Kinder Cake Pops her: Sie formten aus verschiedenen Zutaten wie Kuchen und Frischkäse kleine Kugeln und verzierten sie nach eigenem Geschmack. Naschen war allerdings erst zu Hause erlaubt.
Geleitet wurde der Children’s Club von Studierenden der ZHAW. Eine von ihnen war Rahim, die Applied Digital Life Sciences studiert. Dank ihrer früheren Tätigkeit in einem Hort sei es ihr leichtgefallen, ein altersgerechtes und abwechslungsreiches Programm für die Kinder zusammenzustellen, wie sie erzählte.
Begeisterung für Wissenschaft geweckt
Die Science Week findet jedes Jahr an der ZHAW statt und verfolgt das Ziel, Jugendliche frühzeitig für Naturwissenschaften, Technik und Forschung zu begeistern. Anstatt Wissen ausschliesslich theoretisch zu vermitteln, setzt sie bewusst auf eigenes Erleben und praktisches Arbeiten.
Der Anlass, an dem in diesem Jahr rund 80 Jugendliche und 15 Kinder teilnahmen, machte deutlich, wie vielfältig Wissenschaft sein kann. Ob künstliche Intelligenz, Mikrobiologie, Wasserforschung, Chemie oder nachhaltige Ernährung: Überall standen das Experimentieren und das selbstständige Entdecken im Mittelpunkt.
Am Ende des Tages nahmen die Jugendlichen nicht nur Badekugeln, Sauerteig und Messergebnisse, sondern auch viele neue Eindrücke mit nach Hause. Sie hatten Wissenschaft hautnah erlebt und erfahren, dass Forschung spannend, kreativ und überraschend alltagsnah sein kann.
Vielleicht wurde bei der einen oder dem anderen sogar der Grundstein für eine spätere Ausbildung oder ein Studium im naturwissenschaftlichen Bereich gelegt. Denn, so war zu erfahren, entscheiden sich jedes Jahr mehrere Teilnehmende, ihre berufliche Karriere an der ZHAW zu starten.