Wädenswil

Baumklau im Schutzwald

In einem Hüttner Waldstück, einem Schutzwald der Stadt Wädenswil, ist ein Baum gefällt und gestohlen worden. Solches ist ohne die Zustimmung des Revierförsters verboten. Dieser hat, zusammen mit Markus Hohl, Naturschutzbeauftragter von Wädenswil, den Diebstahl zur Anzeige gebracht und hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Text: Ingrid Eva Liedtke

Bilder / Plan: zvg

Der Wald ist Allgemeingut. Die Menschen dürfen durch den Wald gehen, den Vögeln zuhören, dem Rauschen der Blätter, Bäume umarmen und, wenn sie Glück haben, einen Fuchs oder ein Reh beim Vorbeihuschen erspähen. Man darf in jedem Wald Beeren oder Pilze sammeln, auch in Privatwäldern.

Aber: Es gibt Regeln! Diese Regeln dienen dem Schutz von Flora und Fauna. Es ist zum Beispiel nicht erlaubt, in Wäldern Bikestrecken anzulegen und Schanzen zu bauen. Es ist in der Schonzeit verboten, Hunde frei herumrennen zu lassen. Man sollte nicht unbedingt herumschreien, sondern sich still verhalten, um die Waldtiere nicht zu sehr zu stören, und es ist ganz sicher nicht erlaubt, Bäume zu fällen. Das gilt auch für Waldbesitzer, auch sie benötigen die Zustimmung des Revierförsters.

Die Lücke

Patrick Jordil ist der Revierförster von Wädenswil, Schönenberg, Hütten und Richterswil sowie des Staatswaldes des linken Zürichseeufers. Er macht regelmässig seine Tour durch die verschiedenen Waldregionen, die in seiner «Obhut» sind. Besonders im Frühling, so sagt er, schaue man sich die Natur besonders gut an, studiere das frische Blattwerk und ob die Bäume gesund sind. Dabei fiel Jordil auf, dass im Hüttner Wald, im Waldstück «Sandkastenrank», eine grosse Lärche fehlte.

«Es war eine grosse, noch gesunde Lärche. Sie hatte durch Schneelast ihre Spitze verloren, aber ich hatte beschlossen, sie stehen zu lassen, weil sie in einem Schutzwald steht und immer noch ihre verschiedenen Funktionen erfüllen konnte, auch als Sitz für Vögel und Insekten, und später irgendwann kann sie als Totholz auch für weitere Lebewesen und Organismen wertvoll sein. Einen solchen Baum lässt man heutzutage immer stehen, wenn er nicht gefährlich ist für die Bevölkerung. Er kann so der Natur weiter dienen», erklärt Patrick Jordil.

Nun ist da nur noch diese Lücke und ein Baumstrunk, der übrig geblieben ist, 80 Zentimeter Durchmesser, gesundes Holz, professioneller Schnitt.

Die Fällaktion muss wahrscheinlich irgendwann zwischen Februar und März 2026 stattgefunden haben.

«Da wusste jemand genau, was er tat», meint Patrick Jordil, «jemand, der möglicherweise aus der Gegend stammt und die Transportwege gut kennt.»

Da die Lärche in steilem Gelände, auf dem Weg ins Mistlibühl, stand, kann angenommen werden, dass eine Seilwinde eingesetzt werden musste, dass ein Traktor mit Anhänger oder ein Lastwagen für den Abtransport benutzt wurde.

Schutzwaldgebiet

Der Baum stand in einem Schutzwald. Bäume werden aus einem Schutzwaldgebiet nie einfach entfernt, denn der Schutz – Schutz vor Hangrutschen, Murgängen und Steinschlag – ist immer oberste Priorität. Würde zu viel Schwemmholz die Sihl hinunterfliessen, Richtung Zürich Hauptbahnhof, würde das zu einer wirklich bedrohlichen Lage führen. Daher sind solche Waldschutz-Hänge essenziell.

Was jetzt?

«Wir müssen noch mehr kontrollieren!», formuliert Patrick Jordil die Konsequenz dieser Tat. «Auch möchten wir Wanderer, Waldbesitzer und die Bevölkerung bitten, immer Meldung zu machen, wenn sie etwas beobachten, das ihnen verdächtig vorkommt, wenn eine Vermutung besteht oder es einen Anhaltspunkt gibt, dass so etwas geschieht.» Es ist kein Einzelfall, dass Holz «gewildert» wird», führt Patrick Jordil aus, der von weiteren Fällen von Holzdiebstahl weiss. Darum möchte er die Leute sensibilisieren. Er ist froh, wenn sie die Augen offenhalten und allenfalls Beobachtungen von ungewöhnlichen Fällaktionen und Holztransporten melden.

«Es ist ländlich hier, man kennt Nachbarn und nimmt vielleicht wahr, wenn jemand Fremdes zugange ist.»

Anzeige gegen Unbekannt

Markus Hohl, Stellvertretender Leiter Raumplanung und Landschaftsentwicklung der Stadt Wädenswil (Waldbesitzerin), hat bei der Kantonspolizei Strafanzeige eingereicht. Sie nimmt gerne sachdienliche Hinweise und Meldungen entgegen.

Teilen mit: