Das Schulhaus Stocken hat neue Räume erhalten. Am 28. Mai öffnete die Primarschule Wädenswil das teilweise renovierte Haus für die Bevölkerung. Rund 50 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung zur Einweihung und zum Stockenkafi.
Schon der Weg zum Schulhaus Stocken macht deutlich, weshalb dieser Ort vielen Wädenswilerinnen und Wädenswilern ans Herz gewachsen ist. Das Haus thront allein auf einem Hügel, sichtbar von weitem. An diesem Maitag roch es nach frisch gemähtem Gras, von Ferne waren Kuhglocken zu hören, und aus den Fenstern fiel der Blick in alle vier Himmelsrichtungen auf Wiesen, Bäume, Bauerngärten und einen hellblauen Himmel mit weissen Federwolken. Kurz wähnte man sich wie zu Gotthelfs Zeiten. Wer eintritt, findet jedoch nicht einfach ein idyllisches Schulhaus von früher vor. Im Innern ist in den vergangenen Monaten ein moderner Lernort entstanden, der Geschichte und Gegenwart sorgfältig miteinander verbindet.
Vom Wohnraum zum Lernort
Im Zentrum der Einweihung stand das neu ausgebaute Obergeschoss, in dem sich früher Wohnräume befanden. Wo einst Stube, Schlafzimmer, Küche und Bad waren, liegt heute ein grosser, heller Unterrichtsraum mit rund 82 Quadratmetern Fläche. Daneben steht ein Gruppenraum zur Verfügung, der für Halbklassen, Fördersequenzen, Gespräche oder konzentriertes Arbeiten genutzt werden kann. Ergänzt wird der neue Bereich durch zeitgemässe sanitäre Anlagen. Für die Primarschule ist damit ein wichtiger Schritt abgeschlossen: Langfristig soll der Stocken Platz vom Kindergarten bis zur 6. Klasse bieten.
Dass die Veränderung beträchtlich ist, zeigte sich auch bei einer Besucherin besonders eindrücklich. Unter den Gästen befand sich eine ehemalige Mieterin, die erst einmal scharf überlegen musste, wie die Wohnung mit den winzigen Zimmern früher ausgesehen hatte. Der Raum wirkt heute offen, ruhig und selbstverständlich, fast so, als sei er nie anders gedacht gewesen.
Denkmalpflege bis ins Detail
Selbstverständlich war der Umbau allerdings keineswegs. Weil das Schulhaus Stocken denkmalgeschützt ist, mussten Nutzung, Statik, Gestaltung und alte Bausubstanz sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Die geplanten Wanddurchbrüche wurden mit dem Architekten, der städtischen Immobilienabteilung und der kantonalen Denkmalpflege vor Ort besprochen. Ziel war ein grosszügiges Schulzimmer, ohne den Charakter des Hauses zu verlieren. Verantwortlich für die Planung war Architekt Andreas Felber, der in Wädenswil bereits mehrere öffentliche Bauten und Sanierungen begleitet hat, darunter auch den Kindergarten Meierhof.
Besonders anschaulich wird die Arbeit am Zusammenspiel von Alt und Neu bei den Holzarbeiten. Ein alter, denkmalgeschützter Holzschrank, der früher mitten im Raum stand, wurde versetzt und zusammen mit einem neuen Waschbecken im hinteren Eck wieder eingebaut. Auch andere ehrwürdige Einbauschränke blieben erhalten, ebenso wie die historischen Holzverkleidungen. Wo Ergänzungen nötig waren, fertigte der Schreiner neue Holztäfer im alten Stil an. Sie fügen sich so unauffällig in den Bestand ein, dass kaum erkennbar ist, was alt und was neu ist. In der Eingangstüre erinnert die feine Glasfassung (im Anklang an den Jugendstil) ebenfalls an vorige Zeiten – und daran, dass Schulräume eben nicht nur funktional, sondern auch atmosphärisch wirken dürfen.
Hinter der ruhigen Erscheinung des fertigen Raums steckt anspruchsvolle Bauarbeit. Damit aus mehreren kleinen Wohnräumen ein grosses Klassenzimmer entstehen konnte, mussten tragende Elemente neu gelöst werden. Ein über 600 Kilogramm schwerer Stahlträger wurde mit einem Pneukran durch ein Fenster ins Gebäude gehoben. Auf Stahlrollen und über ein Gerüst gelangte er anschliessend an seine endgültige Position unter der Decke – eine logistische Arbeit, die entscheidend dafür war, dass der neue Raum seine Offenheit erhält.
Auch pädagogisch ist der Umbau mehr als eine bauliche Anpassung. Ein Klassenzimmer dieser Grösse schafft Bewegungsfreiheit für unterschiedliche Unterrichtsformen: gemeinsame Sequenzen, Gruppenarbeiten, individuelle Lernphasen, Projektarbeit und Gespräche können innerhalb kurzer Wege stattfinden. Der Gruppenraum nebenan erweitert diese Möglichkeiten. Schallisolierungen an den Decken sorgen für eine ruhigere Lernatmosphäre, die neue Beleuchtung unterstützt konzentriertes Arbeiten, und die grosse interaktive Wandtafel bringt digitale Lernformen in ein historisches Schulhaus. So entsteht kein musealer Raum, sondern ein zeitgemässer Arbeitsplatz für Kinder und Lehrpersonen.
Der neue Unterrichtsbereich ist Teil eines Gesamtkonzepts, mit dem die früheren Schulwohnungen schrittweise wieder schulisch genutzt werden. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt waren die Bibliothek, das Teamzimmer der Lehrpersonen samt Küche, der Vorbereitungsraum und Büroräumlichkeiten für die Schulleitung saniert worden. Nun ist auch der zweite grosse Schritt sichtbar abgeschlossen. Was früher privaten Wohnraum bot, dient heute wieder ganz dem Lernen, Lehren und Zusammenarbeiten.
Ein Haus für die nächsten 100 Jahre
Zur Einweihung begrüsste der Schulpräsident Pierre Rappazzo sichtlich gut gelaunt die anwesenden Kinder, Lehrpersonen, Eltern und Gäste. In seiner kurzen Ansprache ging er darauf ein, was die Arbeiten besonders geprägt hatte: «Mit den Vorgaben des Denkmalschutzes mussten wir uns in der Renovation – von den Plänen bis zur Ausführung – ziemlich in Geduld üben. Doch nun sollen die Räumlichkeiten, ja, das ganze Schulhaus, für die nächsten 100 Jahre Generationen von Kindern, Eltern und Lehrpersonen zur Verfügung stehen.» Der Satz passte zum Moment: Keine laute Einweihungszeremonie, sondern einfach die Freude darüber, dass ein altes Haus eine neue Selbstverständlichkeit erhalten hat.
Nach der Eröffnungsrede wechselte die Stimmung vom offiziellen Teil zum Stockenkafi. Die Primarschulkinder hatten selbstgebackene Köstlichkeiten vorbereitet, dazu gab es Getränke und Gelegenheit, die neuen Räume in Ruhe anzuschauen. Viele Gäste blieben stehen, betrachteten die Details der Holzarbeiten, testeten gedanklich die neue Raumaufteilung und genossen den Blick aus den Fenstern. Draussen lag die Landschaft still ums Schulhaus, drinnen war zu spüren, dass der Stocken für die Schule wieder ein Stück grösser geworden ist.
Die Begeisterung der Gäste galt deshalb nicht nur einem neuen Klassenzimmer, sondern einem Schulhaus, das seine Geschichte behalten darf und gleichzeitig den Kindern und dem Unterricht von heute gerecht wird. Das Stocken bleibt so ein besonderer Ort: Ein Schulhaus auf dem Hügel, verwurzelt in seiner Umgebung, mit weitem Blick ins Grüne – und mit Räumen, die bereit sind für viele weitere Schuljahre.
Das Schulhaus Stocken hat neue Räume erhalten. Am 28. Mai öffnete die Primarschule Wädenswil das teilweise renovierte Haus für die Bevölkerung. Rund 50 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung zur Einweihung und zum Stockenkafi.
Schon der Weg zum Schulhaus Stocken macht deutlich, weshalb dieser Ort vielen Wädenswilerinnen und Wädenswilern ans Herz gewachsen ist. Das Haus thront allein auf einem Hügel, sichtbar von weitem. An diesem Maitag roch es nach frisch gemähtem Gras, von Ferne waren Kuhglocken zu hören, und aus den Fenstern fiel der Blick in alle vier Himmelsrichtungen auf Wiesen, Bäume, Bauerngärten und einen hellblauen Himmel mit weissen Federwolken. Kurz wähnte man sich wie zu Gotthelfs Zeiten. Wer eintritt, findet jedoch nicht einfach ein idyllisches Schulhaus von früher vor. Im Innern ist in den vergangenen Monaten ein moderner Lernort entstanden, der Geschichte und Gegenwart sorgfältig miteinander verbindet.
Vom Wohnraum zum Lernort
Im Zentrum der Einweihung stand das neu ausgebaute Obergeschoss, in dem sich früher Wohnräume befanden. Wo einst Stube, Schlafzimmer, Küche und Bad waren, liegt heute ein grosser, heller Unterrichtsraum mit rund 82 Quadratmetern Fläche. Daneben steht ein Gruppenraum zur Verfügung, der für Halbklassen, Fördersequenzen, Gespräche oder konzentriertes Arbeiten genutzt werden kann. Ergänzt wird der neue Bereich durch zeitgemässe sanitäre Anlagen. Für die Primarschule ist damit ein wichtiger Schritt abgeschlossen: Langfristig soll der Stocken Platz vom Kindergarten bis zur 6. Klasse bieten.
Dass die Veränderung beträchtlich ist, zeigte sich auch bei einer Besucherin besonders eindrücklich. Unter den Gästen befand sich eine ehemalige Mieterin, die erst einmal scharf überlegen musste, wie die Wohnung mit den winzigen Zimmern früher ausgesehen hatte. Der Raum wirkt heute offen, ruhig und selbstverständlich, fast so, als sei er nie anders gedacht gewesen.
Denkmalpflege bis ins Detail
Selbstverständlich war der Umbau allerdings keineswegs. Weil das Schulhaus Stocken denkmalgeschützt ist, mussten Nutzung, Statik, Gestaltung und alte Bausubstanz sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Die geplanten Wanddurchbrüche wurden mit dem Architekten, der städtischen Immobilienabteilung und der kantonalen Denkmalpflege vor Ort besprochen. Ziel war ein grosszügiges Schulzimmer, ohne den Charakter des Hauses zu verlieren. Verantwortlich für die Planung war Architekt Andreas Felber, der in Wädenswil bereits mehrere öffentliche Bauten und Sanierungen begleitet hat, darunter auch den Kindergarten Meierhof.
Besonders anschaulich wird die Arbeit am Zusammenspiel von Alt und Neu bei den Holzarbeiten. Ein alter, denkmalgeschützter Holzschrank, der früher mitten im Raum stand, wurde versetzt und zusammen mit einem neuen Waschbecken im hinteren Eck wieder eingebaut. Auch andere ehrwürdige Einbauschränke blieben erhalten, ebenso wie die historischen Holzverkleidungen. Wo Ergänzungen nötig waren, fertigte der Schreiner neue Holztäfer im alten Stil an. Sie fügen sich so unauffällig in den Bestand ein, dass kaum erkennbar ist, was alt und was neu ist. In der Eingangstüre erinnert die feine Glasfassung (im Anklang an den Jugendstil) ebenfalls an vorige Zeiten – und daran, dass Schulräume eben nicht nur funktional, sondern auch atmosphärisch wirken dürfen.
Hinter der ruhigen Erscheinung des fertigen Raums steckt anspruchsvolle Bauarbeit. Damit aus mehreren kleinen Wohnräumen ein grosses Klassenzimmer entstehen konnte, mussten tragende Elemente neu gelöst werden. Ein über 600 Kilogramm schwerer Stahlträger wurde mit einem Pneukran durch ein Fenster ins Gebäude gehoben. Auf Stahlrollen und über ein Gerüst gelangte er anschliessend an seine endgültige Position unter der Decke – eine logistische Arbeit, die entscheidend dafür war, dass der neue Raum seine Offenheit erhält.
Auch pädagogisch ist der Umbau mehr als eine bauliche Anpassung. Ein Klassenzimmer dieser Grösse schafft Bewegungsfreiheit für unterschiedliche Unterrichtsformen: gemeinsame Sequenzen, Gruppenarbeiten, individuelle Lernphasen, Projektarbeit und Gespräche können innerhalb kurzer Wege stattfinden. Der Gruppenraum nebenan erweitert diese Möglichkeiten. Schallisolierungen an den Decken sorgen für eine ruhigere Lernatmosphäre, die neue Beleuchtung unterstützt konzentriertes Arbeiten, und die grosse interaktive Wandtafel bringt digitale Lernformen in ein historisches Schulhaus. So entsteht kein musealer Raum, sondern ein zeitgemässer Arbeitsplatz für Kinder und Lehrpersonen.
Der neue Unterrichtsbereich ist Teil eines Gesamtkonzepts, mit dem die früheren Schulwohnungen schrittweise wieder schulisch genutzt werden. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt waren die Bibliothek, das Teamzimmer der Lehrpersonen samt Küche, der Vorbereitungsraum und Büroräumlichkeiten für die Schulleitung saniert worden. Nun ist auch der zweite grosse Schritt sichtbar abgeschlossen. Was früher privaten Wohnraum bot, dient heute wieder ganz dem Lernen, Lehren und Zusammenarbeiten.
Ein Haus für die nächsten 100 Jahre
Zur Einweihung begrüsste der Schulpräsident Pierre Rappazzo sichtlich gut gelaunt die anwesenden Kinder, Lehrpersonen, Eltern und Gäste. In seiner kurzen Ansprache ging er darauf ein, was die Arbeiten besonders geprägt hatte: «Mit den Vorgaben des Denkmalschutzes mussten wir uns in der Renovation – von den Plänen bis zur Ausführung – ziemlich in Geduld üben. Doch nun sollen die Räumlichkeiten, ja, das ganze Schulhaus, für die nächsten 100 Jahre Generationen von Kindern, Eltern und Lehrpersonen zur Verfügung stehen.» Der Satz passte zum Moment: Keine laute Einweihungszeremonie, sondern einfach die Freude darüber, dass ein altes Haus eine neue Selbstverständlichkeit erhalten hat.
Nach der Eröffnungsrede wechselte die Stimmung vom offiziellen Teil zum Stockenkafi. Die Primarschulkinder hatten selbstgebackene Köstlichkeiten vorbereitet, dazu gab es Getränke und Gelegenheit, die neuen Räume in Ruhe anzuschauen. Viele Gäste blieben stehen, betrachteten die Details der Holzarbeiten, testeten gedanklich die neue Raumaufteilung und genossen den Blick aus den Fenstern. Draussen lag die Landschaft still ums Schulhaus, drinnen war zu spüren, dass der Stocken für die Schule wieder ein Stück grösser geworden ist.
Die Begeisterung der Gäste galt deshalb nicht nur einem neuen Klassenzimmer, sondern einem Schulhaus, das seine Geschichte behalten darf und gleichzeitig den Kindern und dem Unterricht von heute gerecht wird. Das Stocken bleibt so ein besonderer Ort: Ein Schulhaus auf dem Hügel, verwurzelt in seiner Umgebung, mit weitem Blick ins Grüne – und mit Räumen, die bereit sind für viele weitere Schuljahre.