Die Bibliothek und das Kulturforum Richterswil bringen eines der wohl bekanntesten Schweizer Paare der Gegenwart auf die Bühne: Sybil Schreiber und Steven Schneider. Das Publikum erwartet eine ehrliche und – Seitenhieben und Kritik zum Trotz – herzliche Stand up Comedy im Sitzen.
Interview: Reni Bircher
Bild: zvg
Sybil Schreiber und Steven Schneider, Journalisten, Schriftsteller, Kolumnisten – bekannt vor allem als Schreiber vs. Schneider, schlicht – oder eben genial –, aber ganz bestimmt zielsicher, wenn es darum geht, die Vorzüge, Notwendigkeiten, Probleme und Reibungsflächen in einer Beziehung genüsslich auszubreiten und auszuschlachten.
Der Richterswiler Anzeiger hat dem Paar auf den Zahn gefühlt.
Hand aufs Herz: Was macht eine «gute» Beziehung aus?
Schreiber (Sie): Echtes Interesse am anderen.
Schneider (Er): Wenn man nicht nur verliebt, sondern auch befreundet ist.
Humor?
Sie: Absolut, Humor ist unser Liebeselixier.
Er: Bevor wir ein Paar wurden, kannten wir uns schon ein Weilchen und haben herrlich rumgeblödelt. Das ist uns geblieben. Wir lachen viel, das ist für uns die Leichtigkeit der Liebe.
Es gibt Leute, die sagen, dass ein Paar «gut streiten» können muss. MUSS man denn streiten? Und was soll «gut» bedeuten?
Sie: Ich bin ein totaler Harmonie-Mensch, streiten ist für mich ganz fürchterlich.
Er: Unbedingt! Dauernde Harmonie ist Stillstand, Konflikt ist Bewegung. Aber Streit ist scheusslich, wenn er nicht auf grossem Respekt füreinander fusst. Dennoch streite ich nicht gern.
Sie: Er schnappt immer gleich ein.
Er: Das ist nicht gut. Aber man muss ja nicht auf den perfekten Streit hinarbeiten, sondern auf ein gutes Ende hin.
Sie: Und das gelingt uns meistens.
Jeder Mensch ist ein Individuum, was eben auch Konfliktpotenzial hat. Wie viel Sich-verbiegen und Zugeständnisse verträgt eine Beziehung Eurer Meinung nach?
Sie: Also ich verbiege mich nicht, dann wäre ich ja nicht mehr ich. Aber man sollte sich auch mal hinterfragen, auf den anderen zugehen, Kompromisse eingehen. Das Schöne an einer langen Liebe ist, sich weiterzuentwickeln, ohne sich auseinanderzuleben.
Er: Man gibt etwas, man bekommt etwas. Diese Balance zu halten ist wichtig.
Ihr seid eine Familie; wie habt Ihr die sich durch Kinder verändernde Dynamik erlebt?
Er: Wir haben uns alles ziemlich halbehalbe geteilt: Kinder betreuen, Geld verdienen, Haushalt. Es wäre vielleicht einfacher gewesen, wenn wir da klarere Aufgabengebiete gehabt hätten.
Sie: Erziehung hatte bei uns grosses Konfliktpotenzial. Er war mir zu streng, ich war ihm zu inkonsequent. Und dann auch noch der Alltag mit all seinen Stolpersteinen. Wer macht was? Wer macht mehr? Wer braucht eine Pause?
In Euren Kolumnen verwendet Ihr den Nachnamen der Partnerin, des Partners, um sie/ihn zu benennen. Ich vermute, dass das nicht der Kosename ist, den ihr zuhause verwendet …
Sie: Wir haben keine Kosenamen, einzig «Schatz» kommt manchmal ins Spiel … ist aber eher ein Zeichen von grrr …
Er: «Schatz!» – ist immer dünnes Eis.
Wie seid Ihr überhaupt dazu gekommen, Beziehungskolumnen zu verfassen?
Sie: Wir sind beide Journalisten, ich war beim Tagi, Steven freischaffend …
Er: … da hatte eine Chefredaktorin die Idee mit unseren beiden Nachnamen.
Sie: Zuerst wollten wir nicht …
Er: … aber dann schleppte mich Sybil ins Skiturnen, das sich dann als Rückbildungsturnen entpuppte. Ich als einziger Mann zwischen Frauen, die ihren Beckenboden stärken wollten. Das wurde unsere allererste Kolumne vor 26 Jahren.
Gehen da nicht irgendwann die Themen aus?
Sie: Der Alltag spielt uns reichlich Material zu.
Er: Man muss halt sehr genau hinsehen. Es sind oft Winzigkeiten, die einen nerven, nicht der Rede wert, könnte man meinen.
Mit den Kolumnen und gerade jetzt vor und während dem «Paarcours d’amour» befasst Ihr Euch zwangsläufig mit (Eurer) Partnerschaft. Wie sieht es aus mit einer Auszeit?
Sie: Da wir viel Zeit zusammen verbringen und uns auch bei der Arbeit sehen, machen wir immer wieder mal alleine Ferien oder verbringen ein paar Tage in Zürich, gehen allein ins Kino.
Wie gestaltet Ihr eine solche Pause?
Sie: Reisen, im Garten werkeln, im Rhein baden und schreiben …
Er: Genau! Schreiben. Wir sind Autoren, arbeiten an Romanen und an Sachbüchern, texten für Firmen, recherchieren. Die Bühne ist unsere Abendunterhaltung.
Welche Themen faszinieren Euch bei bzw. für Eure(n) Büchern?
Er: Mich faszinieren Lebensgeschichten. Ich verarbeite diese belletristisch als Romane oder als Sachbücher.
Sie: Ich beobachte fürs Leben gern und verarbeite das Menschsein. So sind zwei Kurzgeschichtenbücher entstanden. Mein erster Roman handelt von den Lügen unter Liebenden …
Was reizt Euch solo auf der Lesebühne zu stehen?
Er: Ich liebe es, niemand der mich bremst, und so kann ich zum Beispiel sehr rasant über «Die schnellste Frau der Welt», wie mein Debüt-Roman heisst, sprechen.
Sie: Allein aufzutreten ist komplett anders. Ruhig. Leise. Meine Texte sind skurril, traurig, berührend und fiktional. Die Kolumne ist unsere Realität, unsere Solo-Texte sind unsere Phantasie.
Nun steht der Besuch in Richterswil an – einer unter vielen anderen?
Sie: Es ist das vorletzte Mal, dass wir «Paarcours d’amour» auf die Bühne bringen. Da werde ich schon ein bisschen wehmütig sein.
Er: Wir waren drei Jahre damit unterwegs und hatten eine wunderbare Zeit; was haben wir, was hat unser Publikum gelacht. Es gibt Episoden, die werde ich vermissen. Es ist ein Abschied. Von daher darf sich Richterswil freuen: Wir werden den Abend sehr geniessen …
Darauf freuen wir uns auch und ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview.
«Paarcours d’amour» – Schreiber vs. Schneider
Samstag, 30. Mai, 19.30 Uhr
Kirchgemeindehaus Rosengarten
Vorverkauf in der Bibliothek, Dorfstrasse 7
Türöffnung, Bar und Abendkasse ab 19.00 Uhr
www.schreiber-schneider.ch
Die Bibliothek und das Kulturforum Richterswil bringen eines der wohl bekanntesten Schweizer Paare der Gegenwart auf die Bühne: Sybil Schreiber und Steven Schneider. Das Publikum erwartet eine ehrliche und – Seitenhieben und Kritik zum Trotz – herzliche Stand up Comedy im Sitzen.
Interview: Reni Bircher
Bild: zvg
Sybil Schreiber und Steven Schneider, Journalisten, Schriftsteller, Kolumnisten – bekannt vor allem als Schreiber vs. Schneider, schlicht – oder eben genial –, aber ganz bestimmt zielsicher, wenn es darum geht, die Vorzüge, Notwendigkeiten, Probleme und Reibungsflächen in einer Beziehung genüsslich auszubreiten und auszuschlachten.
Der Richterswiler Anzeiger hat dem Paar auf den Zahn gefühlt.
Hand aufs Herz: Was macht eine «gute» Beziehung aus?
Schreiber (Sie): Echtes Interesse am anderen.
Schneider (Er): Wenn man nicht nur verliebt, sondern auch befreundet ist.
Humor?
Sie: Absolut, Humor ist unser Liebeselixier.
Er: Bevor wir ein Paar wurden, kannten wir uns schon ein Weilchen und haben herrlich rumgeblödelt. Das ist uns geblieben. Wir lachen viel, das ist für uns die Leichtigkeit der Liebe.
Es gibt Leute, die sagen, dass ein Paar «gut streiten» können muss. MUSS man denn streiten? Und was soll «gut» bedeuten?
Sie: Ich bin ein totaler Harmonie-Mensch, streiten ist für mich ganz fürchterlich.
Er: Unbedingt! Dauernde Harmonie ist Stillstand, Konflikt ist Bewegung. Aber Streit ist scheusslich, wenn er nicht auf grossem Respekt füreinander fusst. Dennoch streite ich nicht gern.
Sie: Er schnappt immer gleich ein.
Er: Das ist nicht gut. Aber man muss ja nicht auf den perfekten Streit hinarbeiten, sondern auf ein gutes Ende hin.
Sie: Und das gelingt uns meistens.
Jeder Mensch ist ein Individuum, was eben auch Konfliktpotenzial hat. Wie viel Sich-verbiegen und Zugeständnisse verträgt eine Beziehung Eurer Meinung nach?
Sie: Also ich verbiege mich nicht, dann wäre ich ja nicht mehr ich. Aber man sollte sich auch mal hinterfragen, auf den anderen zugehen, Kompromisse eingehen. Das Schöne an einer langen Liebe ist, sich weiterzuentwickeln, ohne sich auseinanderzuleben.
Er: Man gibt etwas, man bekommt etwas. Diese Balance zu halten ist wichtig.
Ihr seid eine Familie; wie habt Ihr die sich durch Kinder verändernde Dynamik erlebt?
Er: Wir haben uns alles ziemlich halbehalbe geteilt: Kinder betreuen, Geld verdienen, Haushalt. Es wäre vielleicht einfacher gewesen, wenn wir da klarere Aufgabengebiete gehabt hätten.
Sie: Erziehung hatte bei uns grosses Konfliktpotenzial. Er war mir zu streng, ich war ihm zu inkonsequent. Und dann auch noch der Alltag mit all seinen Stolpersteinen. Wer macht was? Wer macht mehr? Wer braucht eine Pause?
In Euren Kolumnen verwendet Ihr den Nachnamen der Partnerin, des Partners, um sie/ihn zu benennen. Ich vermute, dass das nicht der Kosename ist, den ihr zuhause verwendet …
Sie: Wir haben keine Kosenamen, einzig «Schatz» kommt manchmal ins Spiel … ist aber eher ein Zeichen von grrr …
Er: «Schatz!» – ist immer dünnes Eis.
Wie seid Ihr überhaupt dazu gekommen, Beziehungskolumnen zu verfassen?
Sie: Wir sind beide Journalisten, ich war beim Tagi, Steven freischaffend …
Er: … da hatte eine Chefredaktorin die Idee mit unseren beiden Nachnamen.
Sie: Zuerst wollten wir nicht …
Er: … aber dann schleppte mich Sybil ins Skiturnen, das sich dann als Rückbildungsturnen entpuppte. Ich als einziger Mann zwischen Frauen, die ihren Beckenboden stärken wollten. Das wurde unsere allererste Kolumne vor 26 Jahren.
Gehen da nicht irgendwann die Themen aus?
Sie: Der Alltag spielt uns reichlich Material zu.
Er: Man muss halt sehr genau hinsehen. Es sind oft Winzigkeiten, die einen nerven, nicht der Rede wert, könnte man meinen.
Mit den Kolumnen und gerade jetzt vor und während dem «Paarcours d’amour» befasst Ihr Euch zwangsläufig mit (Eurer) Partnerschaft. Wie sieht es aus mit einer Auszeit?
Sie: Da wir viel Zeit zusammen verbringen und uns auch bei der Arbeit sehen, machen wir immer wieder mal alleine Ferien oder verbringen ein paar Tage in Zürich, gehen allein ins Kino.
Wie gestaltet Ihr eine solche Pause?
Sie: Reisen, im Garten werkeln, im Rhein baden und schreiben …
Er: Genau! Schreiben. Wir sind Autoren, arbeiten an Romanen und an Sachbüchern, texten für Firmen, recherchieren. Die Bühne ist unsere Abendunterhaltung.
Welche Themen faszinieren Euch bei bzw. für Eure(n) Büchern?
Er: Mich faszinieren Lebensgeschichten. Ich verarbeite diese belletristisch als Romane oder als Sachbücher.
Sie: Ich beobachte fürs Leben gern und verarbeite das Menschsein. So sind zwei Kurzgeschichtenbücher entstanden. Mein erster Roman handelt von den Lügen unter Liebenden …
Was reizt Euch solo auf der Lesebühne zu stehen?
Er: Ich liebe es, niemand der mich bremst, und so kann ich zum Beispiel sehr rasant über «Die schnellste Frau der Welt», wie mein Debüt-Roman heisst, sprechen.
Sie: Allein aufzutreten ist komplett anders. Ruhig. Leise. Meine Texte sind skurril, traurig, berührend und fiktional. Die Kolumne ist unsere Realität, unsere Solo-Texte sind unsere Phantasie.
Nun steht der Besuch in Richterswil an – einer unter vielen anderen?
Sie: Es ist das vorletzte Mal, dass wir «Paarcours d’amour» auf die Bühne bringen. Da werde ich schon ein bisschen wehmütig sein.
Er: Wir waren drei Jahre damit unterwegs und hatten eine wunderbare Zeit; was haben wir, was hat unser Publikum gelacht. Es gibt Episoden, die werde ich vermissen. Es ist ein Abschied. Von daher darf sich Richterswil freuen: Wir werden den Abend sehr geniessen …
Darauf freuen wir uns auch und ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview.
«Paarcours d’amour» – Schreiber vs. Schneider
Samstag, 30. Mai, 19.30 Uhr
Kirchgemeindehaus Rosengarten
Vorverkauf in der Bibliothek, Dorfstrasse 7
Türöffnung, Bar und Abendkasse ab 19.00 Uhr
www.schreiber-schneider.ch