Wädenswil

«Wir toppen jedes Fitnesscenter»

Der Männerturnverein Wädenswil ist 164 Jahre alt. Doch wie auch andere Vereine leidet er unter Mitgliederschwund. Präsident Kurt Roth und Vize-Präsident Erich Schärer erzählen im Interview, weshalb auch Couch Potatoes willkommen sind und worum es bei der «zweiten Übung» geht.

Der Männerturnverein Wädenswil wurde 1862 gegründet. Der Grund dafür: Der grosse Altersunterschied im Turnverein «behinderte den Turnbetrieb», wie aus historischen Protokollen hervorgeht. Viele Mitglieder traten daher aus dem Verein aus. Dies zu verhindern und den Älteren «ein ihnen angemessenes Turnprogramm» zu bieten, war das Ziel der Neugründung.

Diesem Ziel ist der Verein noch heute verpflichtet – und trainiert seit 164 Jahren auf dem Eidmattareal.
Kurt Roth: Ja, richtig. Wir treffen uns jeden Mittwochabend in der Eidmatt-Turnhalle in zwei Gruppen. Die Gruppe «Männer» hat ein anspruchsvolleres Training. Die Gruppe «Senioren» ein weniger anstrengendes.

Was machen die beiden Gruppen genau?
Erich Schärer: Beide Gruppen turnen 45 Minuten lang ein. Die Männer-Gruppe absolviert danach ein Circuit-Training mit Musik, Übungen mit dem Theraband, Wirbelsäulengymnastik oder Geschicklichkeitsübungen. Abschliessend spielen wir manchmal Volleyball. Bei der Senioren-Gruppe steht weniger die Ausdauer, sondern mehr die Beweglichkeit und die Koordination im Vordergrund. Dies ist für die Sturzprävention im Alter sehr wichtig.

Braucht man sportliche Vorerfahrung oder können auch Couch Potatoes kommen?
Kurt Roth: Es sind alle Männer willkommen. Es spielt keine Rolle, ob sie früher Leistungssport betrieben oder bislang mehrheitlich auf dem Sofa gesessen haben. Man kann auch zwischen den Gruppen wechseln und je nach Tagesverfassung das anstrengendere oder das leichtere Training absolvieren. Unser jüngstes Mitglied ist 59 Jahre alt, das älteste 90.

Wer leitet denn die Trainings?
Erich Schärer: Das sind vier Männer und zwei Frauen, die alle ausgebildete Turnleiter und -leiterinnen sind. Manchmal haben wir auch spezielle Einheiten mit anderen Leitern, zum Beispiel Yoga.

Und nach dem Training geht es in die Beiz?
Kurt Roth: (lacht) Ja, das nennen wir «die zweite Übung». Die Kameradschaft zu pflegen, ist für uns neben dem Turnen sehr wichtig. Daher treffen wir uns das ganze Jahr hindurch zu verschiedenen Anlässen. Die Etzeltour beispielsweise ist seit unzähligen Jahren ein fixer Programmpunkt. Dabei laufen wir entweder von Wädenswil oder von Schindellegi auf den Etzel und essen nachher auf dem St. Meinrad Zmittag.
Erich Schärer: Jeden Frühling machen wir zudem einen Tagesausflug, bei dem die Partnerinnen mitkommen. Letztes Jahr haben wir das Grimsel-Stauwerk besucht, dieses Jahr besichtigen wir die Mosterei Möhl in Arbon.

Trotz vielfältigem Programm leidet der Männerturnverein wie andere Vereine unter Mitgliederschwund.
Erich Schärer: Ja, das ist leider so. Als ich mit 50 Jahren in den Verein eingetreten bin, war ich das viertjüngste Mitglied. Das ist heute – 20 Jahre später – immer noch so.

Früher traten die Männer vom Turnverein irgendwann in den Männerturnverein über. Weshalb ist das heute nicht mehr so?
Kurt Roth: Das ist schwierig zu sagen. Der Altersunterschied ist vermutlich zu gross.
Erich Schärer: Dabei toppen wir jedes Fitnesscenter. Jährlich kostet der Mitgliederbeitrag nur 130 Franken – und die Kameradschaft gibt es gratis dazu. Das ist gerade für Männer wichtig, für Pensionierte sowieso. Denn sie sind oftmals sozial weniger vernetzt als Frauen und leiden daher häufiger unter Einsamkeit. Dem wirken wir entgegen. (e)

Weitere Infos zum Verein und den Trainings: www.mtvw.ch.

Wer Fragen hat oder die Turner kennenlernen will, trifft diese an ihrem Stand am Frühlingsmarkt vor dem Optikergeschäft Augenweide
am Samstag, 28. März, zwischen 8 und 17 Uhr.

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