Sobald die Nachttemperaturen konstant über ca. 5 Grad liegen, beginnt im Dunkeln gegen 20 Uhr für Verena Berger und ihren Partner ihr freiwilliges Engagement für die Amphibien in ihren Wohnquartier.
Text: Noëmi Lea Hermann
Bilder: Verena Berger
Entlang der Gulmen-, Rötiboden- und Untermosenstrasse spielt sich auch in diesem Jahr ein gefährliches Naturschauspiel ab: Viele Amphibien machen sich auf ihre «Hochzeitsreise» zu ihren Laichgewässern. Doch der Weg über diese Strassen ist für die Tiere riskant. Da im Gulmen-, Rötiboden- und Untermosenstrasse-Quartier keine Schutzmassnahmen wie Leitzäune oder Unterführungen existieren, sind die Tiere auf die Wachsamkeit und die rettenden Hände von Helferinnen und Helfer angewiesen. Nur dank ihres Einsatzes mit Leuchtweste und Eimer schaffen es viele der Amphibien sicher über die Strasse. Wir haben bei der freiwilligen Helferin Verena Berger nachgefragt, was sie antreibt und wie sie die Situation vor Ort erlebt.
Was treibt Dich an, bei Wind und Wetter nachts draussen zu sein, um Amphibien über die Strasse zu tragen?
Verena Berger: Ich bin immer mit offenen Augen und Ohren unterwegs. Für mich liegt es auf der Hand, die Tiere so gut wie möglich zu schützen und sie vor dem Strassentod zu bewahren. Wenn ich dabei einem «Hündeler» oder einer Spaziergängerin begegne, die zum ersten Mal echtes Interesse zeigen und vielleicht sogar mithelfen, freut mich das besonders. Und wenn wir Kindern, die zum ersten Mal einen Frosch aus nächster Nähe sehen und vor Schreck losschreien, die Angst nehmen können, dann ist das unglaublich motivierend.
Wie sieht ein typischer Einsatzabend für Dich aus?
Wann geht es los und was nimmst Du alles mit?
Ein typischer Einsatzabend beginnt normalerweise im März mit einem wachsamen Blick aufs Thermometer. Sobald die Temperaturen gegen 10 Grad steigen und es idealerweise feucht ist, wissen wir: Jetzt geht es los! In diesem Jahr kam die erste Meldung vom Naturschutzverein Wädenswil sogar überraschend früh, schon Ende Februar waren die Erdkröten bereits unterwegs. Dann heisst es: Warnweste anziehen, Stirnlampe aufsetzen, Handschuhe und Eimer mitnehmen. Die Warnweste ist wichtig, denn die Autos fahren in den Kurven teilweise etwas zügig und rechnen nicht mit uns. Sicherheit geht vor. Und dann beginnt das langsame, konzentrierte Absuchen der Strasse.
Wie viele Tiere hast Du als ehrenamtliche Helferin in dieser Saison an der Gulmen-, Rötiboden- und Untermosenstrasse bereits gerettet?
Die Stelle ist als Zugstelle bei «info fauna» registriert. Ich trage jedes tote und lebende Tier ein, das wir in der Zeit, in der wir unterwegs waren, gesichtet haben. Nach aktuellem Stand sind es nach vier Einsatztagen 88 lebende Tiere einzig auf diesem kleinen Strassenabschnitt.
Welche Arten hast Du bisher registriert?
Wir finden auf dem Gebiet vorwiegend Erdkröten, Grasfrösche, Bergmolche und Feuersalamander.
Was müsste Deiner Meinung nach baulich an der Gulmen- oder Untermosenstrasse passieren, damit die Tiere auch ohne menschliche Hilfe sicher ankommen?
Ich bin aber auch keine Expertin und kann nicht beurteilen, ob bauliche Massnahmen unter der Voraussetzung vor Ort möglich wären. Klassische Lösungen wie feste Amphibienleitsysteme oder Unterführungen sind hier wohl kaum zu realisieren. Vor allem aufgrund der Grundstücksverhältnisse, denn entlang der betroffenen Abschnitte liegen viele private Parzellen. Für Zäune bräuchte es wohl die Zustimmung zahlreicher Eigentümerinnen und Eigentümer.
Hinzu kommt, dass einige privat angelegte Teiche von den Tieren als Laichgewässer angenommen wurden. Das ist grundsätzlich positiv, führt aber dazu, dass die Wanderrouten über die teils gut befahrenen Strassen führen.
Unter diesen Voraussetzungen scheint mir, dass die menschliche Unterstützung derzeit kaum zu ersetzen ist.
Wie können Anwohner, die kein offizielle Helferinnen und Helfer bei Amphibienwanderung sind, die Wanderung in diesen spezifischen Strassen am besten unterstützen?
Am meisten hilft es natürlich die betroffenen Strassen während der Wanderzeit wenn möglich ganz zu meiden. Wer darauf angewiesen ist dort zu fahren, sollte besonders aufmerksam und langsam unterwegs sein, den Blick bewusst auf die Strasse richten und auch einmal für eine Kröte anhalten.
Wer aktiv helfen möchte, kann sich bei «info fauna» informieren oder beim kantonalen Amphibienmonitoring mitmachen.
www.infofauna.ch
https://birdlife-zuerich.ch > amphibienmonitoring
Sobald die Nachttemperaturen konstant über ca. 5 Grad liegen, beginnt im Dunkeln gegen 20 Uhr für Verena Berger und ihren Partner ihr freiwilliges Engagement für die Amphibien in ihren Wohnquartier.
Text: Noëmi Lea Hermann
Bilder: Verena Berger
Entlang der Gulmen-, Rötiboden- und Untermosenstrasse spielt sich auch in diesem Jahr ein gefährliches Naturschauspiel ab: Viele Amphibien machen sich auf ihre «Hochzeitsreise» zu ihren Laichgewässern. Doch der Weg über diese Strassen ist für die Tiere riskant. Da im Gulmen-, Rötiboden- und Untermosenstrasse-Quartier keine Schutzmassnahmen wie Leitzäune oder Unterführungen existieren, sind die Tiere auf die Wachsamkeit und die rettenden Hände von Helferinnen und Helfer angewiesen. Nur dank ihres Einsatzes mit Leuchtweste und Eimer schaffen es viele der Amphibien sicher über die Strasse. Wir haben bei der freiwilligen Helferin Verena Berger nachgefragt, was sie antreibt und wie sie die Situation vor Ort erlebt.
Was treibt Dich an, bei Wind und Wetter nachts draussen zu sein, um Amphibien über die Strasse zu tragen?
Verena Berger: Ich bin immer mit offenen Augen und Ohren unterwegs. Für mich liegt es auf der Hand, die Tiere so gut wie möglich zu schützen und sie vor dem Strassentod zu bewahren. Wenn ich dabei einem «Hündeler» oder einer Spaziergängerin begegne, die zum ersten Mal echtes Interesse zeigen und vielleicht sogar mithelfen, freut mich das besonders. Und wenn wir Kindern, die zum ersten Mal einen Frosch aus nächster Nähe sehen und vor Schreck losschreien, die Angst nehmen können, dann ist das unglaublich motivierend.
Wie sieht ein typischer Einsatzabend für Dich aus?
Wann geht es los und was nimmst Du alles mit?
Ein typischer Einsatzabend beginnt normalerweise im März mit einem wachsamen Blick aufs Thermometer. Sobald die Temperaturen gegen 10 Grad steigen und es idealerweise feucht ist, wissen wir: Jetzt geht es los! In diesem Jahr kam die erste Meldung vom Naturschutzverein Wädenswil sogar überraschend früh, schon Ende Februar waren die Erdkröten bereits unterwegs. Dann heisst es: Warnweste anziehen, Stirnlampe aufsetzen, Handschuhe und Eimer mitnehmen. Die Warnweste ist wichtig, denn die Autos fahren in den Kurven teilweise etwas zügig und rechnen nicht mit uns. Sicherheit geht vor. Und dann beginnt das langsame, konzentrierte Absuchen der Strasse.
Wie viele Tiere hast Du als ehrenamtliche Helferin in dieser Saison an der Gulmen-, Rötiboden- und Untermosenstrasse bereits gerettet?
Die Stelle ist als Zugstelle bei «info fauna» registriert. Ich trage jedes tote und lebende Tier ein, das wir in der Zeit, in der wir unterwegs waren, gesichtet haben. Nach aktuellem Stand sind es nach vier Einsatztagen 88 lebende Tiere einzig auf diesem kleinen Strassenabschnitt.
Welche Arten hast Du bisher registriert?
Wir finden auf dem Gebiet vorwiegend Erdkröten, Grasfrösche, Bergmolche und Feuersalamander.
Was müsste Deiner Meinung nach baulich an der Gulmen- oder Untermosenstrasse passieren, damit die Tiere auch ohne menschliche Hilfe sicher ankommen?
Ich bin aber auch keine Expertin und kann nicht beurteilen, ob bauliche Massnahmen unter der Voraussetzung vor Ort möglich wären. Klassische Lösungen wie feste Amphibienleitsysteme oder Unterführungen sind hier wohl kaum zu realisieren. Vor allem aufgrund der Grundstücksverhältnisse, denn entlang der betroffenen Abschnitte liegen viele private Parzellen. Für Zäune bräuchte es wohl die Zustimmung zahlreicher Eigentümerinnen und Eigentümer.
Hinzu kommt, dass einige privat angelegte Teiche von den Tieren als Laichgewässer angenommen wurden. Das ist grundsätzlich positiv, führt aber dazu, dass die Wanderrouten über die teils gut befahrenen Strassen führen.
Unter diesen Voraussetzungen scheint mir, dass die menschliche Unterstützung derzeit kaum zu ersetzen ist.
Wie können Anwohner, die kein offizielle Helferinnen und Helfer bei Amphibienwanderung sind, die Wanderung in diesen spezifischen Strassen am besten unterstützen?
Am meisten hilft es natürlich die betroffenen Strassen während der Wanderzeit wenn möglich ganz zu meiden. Wer darauf angewiesen ist dort zu fahren, sollte besonders aufmerksam und langsam unterwegs sein, den Blick bewusst auf die Strasse richten und auch einmal für eine Kröte anhalten.
Wer aktiv helfen möchte, kann sich bei «info fauna» informieren oder beim kantonalen Amphibienmonitoring mitmachen.
www.infofauna.ch
https://birdlife-zuerich.ch > amphibienmonitoring