Ned Devine – eine Legende aus Tullymore in Irland. Frei nach der britisch-irischen Filmkomödie «Waking Ned» – eine herzerwärmende Geschichte über den Gewinn im Leben aus dem kühlen Irland. Es spielten Schauspielerinnen und Schauspieler der Gruppe «bühnefrei» mit zwei Musikern. Passend zum Pub-Ambiente erklangen irischen Lieder – und das Publikum war herzlich zum Mitmachen eingeladen.
Text: Alexia Bischof
Foto: Stefan Baumgartner
Willkommen im Irland der Neunzigerjahre! Lotto wird in 91 Ländern gespielt, und jede Woche träumen ziemlich viele Spieler auf das grosse Glück. So auch das Ehepaar Annie (Mara Brunold) und Jacky O’Shea (Jonathan Mantione), welche regelmässig mitspielen. Alle Augen auf dem Fernsehbildschirm. 19 – 40 – 7 – 36 – 11 – 25, das waren die Glückszahlen! Aus Spass rief Jacky seine Frau und meinte, dass sie tatsächlich gewonnen haben. Nein, keine einzige Zahl stimmte, aber das Dessert wurde ihm mit seinem Rufen subito gebracht und er musste sich nicht selbst darum bemühen. Dieser feine Humor zog sich durch den ganzen Abend im Seesicht-Theater.
Die Einwohner von Tullymore trafen sich in Josie’s Pub, von Josephine Kennedy (Janina Klöti) geführt. Ob zum Feierabendbier, der Dorfversammlung oder auch zum Gottesdienst. Ja, die nötigen Finanzen fehlten im kleinen Dorf für die Dachsanierung am Gotteshaus. Pat Mulligan (Martin Höhn) prahlte mit seiner geerbten Destillerie und seinem Haus in Galway. Der neu eingestellte Pater Patrick (Elia Lüdi) tauchte auf, während die quirlige, etwas auffälliger gekleidete Chavette Walsh (Seraina Lüdi) von ihrem künftigen Beauty- und Nagelstudio träumte. An einem Tischchen sass die ältere, ziemlich rabiate Frau Lizzy Quinn (Sibille Brunold) und legte Karten. Finn Rafforty (Thomas Lüdi), der Schweinebauer, kümmerte sich nicht nur um seine Tiere, sondern auch rührend um Maggie O’Toole (Regula Höhn) mit ihrer Tochter Moira (Sophia Alina Wegmüller). Deswegen gerät er auch immer wieder in eine Rangelei mit dem sich aufplusternden Pat. Nun stand auf einmal auch noch eine städtisch gekleidete junge Frau, Victoria Posh (Vona Bürki), inmitten des Pubs und suchte obendrauf noch ein Zimmer. Aber was wollte sie in diesem kleinen Dorf?
Der Jackpot wurde geknackt: Glück und Pech, so nah beieinander
Tatsächlich konnte der Lotto-Jackpot geknackt werden, und der Sieger sei in Tullymore zuhause. Jetzt kam Bewegung in die Kleinstadt. Jede und jeder vermutete den Gewinner im Nachbarn. Ein Trio, zusammengesetzt mit Annie, Jacky und Michael O’Sullivan (Christos Papadopulos) fühlten bei den Pubbesuchern auf den Zahn und hofften darauf, dass sie dank genügend Alkohol Indizien zum Glücklichen finden. Schliesslich war da aber nach Polizeistunde nichts als ein leeres Portemonnaie. So konnte es nur noch Ned Devine (Manuel Loosli), der alte Fischer, sein. Er fehlte nämlich im Pub. Schnurstracks suchten sie ihn zuhause auf und fanden ihn tot im alten Sessel. Tatsächlich mit dem Lottoschein und den richtigen Zahlen in der Hand. Offensichtlich war er vor lauter Aufregung über seinen Gewinn verstorben. 6 richtige Zahlen im Lotto und zack – tot! Der werde bestimmt zünftig fluchen im Himmel, meinten seine Freunde. Auf jeden Fall stiessen sie mit Whisky auf den guten alten toten Freund an und wälzten den Gedanken, dass der Gewinn doch im Dorf bleiben müsste. Dies bestätigte auch das letzte, nächtliche Beisammensein von Jacky mit dem Geist des Verstorbenen.
Tricksen für das ganze Dorf
Nachdem die Gruppe die Nachricht über den Gewinn von Frau Charlotte MacCallum (Laura Wirth), Angestellte der Lotteriegesellschaft, auf dem Telefonbeantworter hörten, war klar, dass nun ein anderer Ned Devine her musste. Am Strand übte das Ehepaar, wichtige Eckdaten über ihrem Freund, sodass der Schwindel nicht aufflog. Ihr Freund Michael bevorzugte währenddessen lieber eine Erfrischung im Meer. Ihre Pläne, dass Jackie Ned’s Platz einnimmt, zerschlugen, weil sich die Dame der Lotterie verirrte und plötzlich an den Klippen auftauchte.
Sodann musste Michael die Rolle übernehmen, obwohl er sich vor einem Auffliegen ihres Plans fürchtete.
Filmeinspielung
Eine lustige Filmeinspielung von der Fahrradfahrt vom Strand zu Ned’s Heim des Ersatzmanns Michael und dem Auto mit Jacky und der Gewinnüberbringerin gab dem Theaterstück einen spannenden Dreh. Ein paar Zuschauende erkannten bestimmt die einen oder anderen Kreuzungen im Wädenswiler Berg. Die Zeit und das Budget reichte also nicht für den Besuch auf der grünen Insel. Egal, die Szenen mit dem strampelnden und keuchenden Mann in seinen gestreiften Badeshorts – einmal sogar hinter einer Schafherde – sorgten für Tränen in den Augen!
Der Millionengewinner
Nun hatten sie es also ins Wohnzimmer von Ned geschafft. In anderen Kleidern, dem Original-Lotto-Schein, Pass und Versicherungsnummer. 12 894 820 Pfund, das sei sein Gewinn, so Mrs. Mac Callum. Sie warnte sogleich vor allen möglichen Neider und Schmarotzer. Zwölfmal sei der Jackpot nicht geknackt worden, dies erklärte den hohen Gewinn.
Im Pub wurden dann Zukunftspläne geschmiedet. Das Kirchendach sollte saniert werden, im Pub brauche es einen neuen Billardtisch, einer wollte eine Wohnung kaufen und die Jüngste, Chavette, sah ihr Nagelstudio in Gedanken schon vor sich.
Doch Lizzy, die Älteste, machte nicht mit. Sie wollte eine Million für sich alleine. Es fehle an Anstand, die Dorfbewohner hätten keine Moral und das Hauptwort sei Gier. Sie drehte ihre Meinung erst, als sich herausstellte, dass die junge Victoria Posh die Tochter von Ned sei und sie demnach den ganzen Gewinn erben würde. Endlich war Zeit, die Verabschiedung vom lieben Verstorbenen zu feiern. Prompt traf die Lottofrau ein, weil diese immer noch prüfte, ob der Gewinn rechtmässig ausbezahlt werden kann. Die Lügen gingen weiter, das Porträtfoto gekehrt, und auf einmal trauerten alle wegen Michael, der anscheinend auch das Zeitliche gesegnet habe.
Die Feier endete mit Tanz und Musik. Das letzte Geheimnis wurde gelüftet und wir erfuhren, dass der Vater von Moira nicht Pat, nicht Finn, aber Ned sei. Dass der arme Verstorbene ein Frauenheld war und sogar Vater von zwei Töchtern, von welchen er nie wusste.
Musikeinlagen
Immer wieder spielten die beiden Profi-Musiker Imre Antalfy und Arian Vriezen auf ihren Instrumenten, verschiedene Szenen vor dem Vorhang und inmitten des Geschehens. Das Duo hatte seinen fixen Platz in Josie’s Pub, und ihre Musik unterstrich das Feiern wie auch die ganze Tragik.
Eine geglückte Premiere und ein grosses Lob an die Laienschauspielerinnen und -spieler. Lust auf Irland mit seinem Publeben und seiner Musik hat es nebenbei auch noch gegeben.
Slàinte – Prost auf das Leben!
Das Stück «Ned Devine» wird noch am 26./27./28. März gespielt (nur noch wenige Plätze).
SeesichtTheater
Holzmoosrütistrasse 48, Wädenswil
Tel. 044 680 46 55, info@seesicht-theater.ch
Ned Devine – eine Legende aus Tullymore in Irland. Frei nach der britisch-irischen Filmkomödie «Waking Ned» – eine herzerwärmende Geschichte über den Gewinn im Leben aus dem kühlen Irland. Es spielten Schauspielerinnen und Schauspieler der Gruppe «bühnefrei» mit zwei Musikern. Passend zum Pub-Ambiente erklangen irischen Lieder – und das Publikum war herzlich zum Mitmachen eingeladen.
Text: Alexia Bischof
Foto: Stefan Baumgartner
Willkommen im Irland der Neunzigerjahre! Lotto wird in 91 Ländern gespielt, und jede Woche träumen ziemlich viele Spieler auf das grosse Glück. So auch das Ehepaar Annie (Mara Brunold) und Jacky O’Shea (Jonathan Mantione), welche regelmässig mitspielen. Alle Augen auf dem Fernsehbildschirm. 19 – 40 – 7 – 36 – 11 – 25, das waren die Glückszahlen! Aus Spass rief Jacky seine Frau und meinte, dass sie tatsächlich gewonnen haben. Nein, keine einzige Zahl stimmte, aber das Dessert wurde ihm mit seinem Rufen subito gebracht und er musste sich nicht selbst darum bemühen. Dieser feine Humor zog sich durch den ganzen Abend im Seesicht-Theater.
Die Einwohner von Tullymore trafen sich in Josie’s Pub, von Josephine Kennedy (Janina Klöti) geführt. Ob zum Feierabendbier, der Dorfversammlung oder auch zum Gottesdienst. Ja, die nötigen Finanzen fehlten im kleinen Dorf für die Dachsanierung am Gotteshaus. Pat Mulligan (Martin Höhn) prahlte mit seiner geerbten Destillerie und seinem Haus in Galway. Der neu eingestellte Pater Patrick (Elia Lüdi) tauchte auf, während die quirlige, etwas auffälliger gekleidete Chavette Walsh (Seraina Lüdi) von ihrem künftigen Beauty- und Nagelstudio träumte. An einem Tischchen sass die ältere, ziemlich rabiate Frau Lizzy Quinn (Sibille Brunold) und legte Karten. Finn Rafforty (Thomas Lüdi), der Schweinebauer, kümmerte sich nicht nur um seine Tiere, sondern auch rührend um Maggie O’Toole (Regula Höhn) mit ihrer Tochter Moira (Sophia Alina Wegmüller). Deswegen gerät er auch immer wieder in eine Rangelei mit dem sich aufplusternden Pat. Nun stand auf einmal auch noch eine städtisch gekleidete junge Frau, Victoria Posh (Vona Bürki), inmitten des Pubs und suchte obendrauf noch ein Zimmer. Aber was wollte sie in diesem kleinen Dorf?
Der Jackpot wurde geknackt: Glück und Pech, so nah beieinander
Tatsächlich konnte der Lotto-Jackpot geknackt werden, und der Sieger sei in Tullymore zuhause. Jetzt kam Bewegung in die Kleinstadt. Jede und jeder vermutete den Gewinner im Nachbarn. Ein Trio, zusammengesetzt mit Annie, Jacky und Michael O’Sullivan (Christos Papadopulos) fühlten bei den Pubbesuchern auf den Zahn und hofften darauf, dass sie dank genügend Alkohol Indizien zum Glücklichen finden. Schliesslich war da aber nach Polizeistunde nichts als ein leeres Portemonnaie. So konnte es nur noch Ned Devine (Manuel Loosli), der alte Fischer, sein. Er fehlte nämlich im Pub. Schnurstracks suchten sie ihn zuhause auf und fanden ihn tot im alten Sessel. Tatsächlich mit dem Lottoschein und den richtigen Zahlen in der Hand. Offensichtlich war er vor lauter Aufregung über seinen Gewinn verstorben. 6 richtige Zahlen im Lotto und zack – tot! Der werde bestimmt zünftig fluchen im Himmel, meinten seine Freunde. Auf jeden Fall stiessen sie mit Whisky auf den guten alten toten Freund an und wälzten den Gedanken, dass der Gewinn doch im Dorf bleiben müsste. Dies bestätigte auch das letzte, nächtliche Beisammensein von Jacky mit dem Geist des Verstorbenen.
Tricksen für das ganze Dorf
Nachdem die Gruppe die Nachricht über den Gewinn von Frau Charlotte MacCallum (Laura Wirth), Angestellte der Lotteriegesellschaft, auf dem Telefonbeantworter hörten, war klar, dass nun ein anderer Ned Devine her musste. Am Strand übte das Ehepaar, wichtige Eckdaten über ihrem Freund, sodass der Schwindel nicht aufflog. Ihr Freund Michael bevorzugte währenddessen lieber eine Erfrischung im Meer. Ihre Pläne, dass Jackie Ned’s Platz einnimmt, zerschlugen, weil sich die Dame der Lotterie verirrte und plötzlich an den Klippen auftauchte.
Sodann musste Michael die Rolle übernehmen, obwohl er sich vor einem Auffliegen ihres Plans fürchtete.
Filmeinspielung
Eine lustige Filmeinspielung von der Fahrradfahrt vom Strand zu Ned’s Heim des Ersatzmanns Michael und dem Auto mit Jacky und der Gewinnüberbringerin gab dem Theaterstück einen spannenden Dreh. Ein paar Zuschauende erkannten bestimmt die einen oder anderen Kreuzungen im Wädenswiler Berg. Die Zeit und das Budget reichte also nicht für den Besuch auf der grünen Insel. Egal, die Szenen mit dem strampelnden und keuchenden Mann in seinen gestreiften Badeshorts – einmal sogar hinter einer Schafherde – sorgten für Tränen in den Augen!
Der Millionengewinner
Nun hatten sie es also ins Wohnzimmer von Ned geschafft. In anderen Kleidern, dem Original-Lotto-Schein, Pass und Versicherungsnummer. 12 894 820 Pfund, das sei sein Gewinn, so Mrs. Mac Callum. Sie warnte sogleich vor allen möglichen Neider und Schmarotzer. Zwölfmal sei der Jackpot nicht geknackt worden, dies erklärte den hohen Gewinn.
Im Pub wurden dann Zukunftspläne geschmiedet. Das Kirchendach sollte saniert werden, im Pub brauche es einen neuen Billardtisch, einer wollte eine Wohnung kaufen und die Jüngste, Chavette, sah ihr Nagelstudio in Gedanken schon vor sich.
Doch Lizzy, die Älteste, machte nicht mit. Sie wollte eine Million für sich alleine. Es fehle an Anstand, die Dorfbewohner hätten keine Moral und das Hauptwort sei Gier. Sie drehte ihre Meinung erst, als sich herausstellte, dass die junge Victoria Posh die Tochter von Ned sei und sie demnach den ganzen Gewinn erben würde. Endlich war Zeit, die Verabschiedung vom lieben Verstorbenen zu feiern. Prompt traf die Lottofrau ein, weil diese immer noch prüfte, ob der Gewinn rechtmässig ausbezahlt werden kann. Die Lügen gingen weiter, das Porträtfoto gekehrt, und auf einmal trauerten alle wegen Michael, der anscheinend auch das Zeitliche gesegnet habe.
Die Feier endete mit Tanz und Musik. Das letzte Geheimnis wurde gelüftet und wir erfuhren, dass der Vater von Moira nicht Pat, nicht Finn, aber Ned sei. Dass der arme Verstorbene ein Frauenheld war und sogar Vater von zwei Töchtern, von welchen er nie wusste.
Musikeinlagen
Immer wieder spielten die beiden Profi-Musiker Imre Antalfy und Arian Vriezen auf ihren Instrumenten, verschiedene Szenen vor dem Vorhang und inmitten des Geschehens. Das Duo hatte seinen fixen Platz in Josie’s Pub, und ihre Musik unterstrich das Feiern wie auch die ganze Tragik.
Eine geglückte Premiere und ein grosses Lob an die Laienschauspielerinnen und -spieler. Lust auf Irland mit seinem Publeben und seiner Musik hat es nebenbei auch noch gegeben.
Slàinte – Prost auf das Leben!
Das Stück «Ned Devine» wird noch am 26./27./28. März gespielt (nur noch wenige Plätze).
SeesichtTheater
Holzmoosrütistrasse 48, Wädenswil
Tel. 044 680 46 55, info@seesicht-theater.ch