Ref. Kirche Wädenswil Wädenswil

Glaube und Wissenschaft – das passt zusammen!

Naturwissenschaft und Glaube, das ist ein Widerspruch, denken viele. Warum glauben dann aber so viele Wissenschaftler an Gott? Pfarrerin Undine Gellner, die sich regelmässig mit Naturwissenschaftlern austauscht, weiss es.

Der italienische Universalgelehrte Galileo Galilei bestätigte, was Nikolaus Kopernikus schon 1543 postuliert hatte: Die Erde dreht sich um die Sonne und nicht umgekehrt. Im Sterben soll er gemurmelt haben: «Und sie dreht sich doch!». Für das scheinbar nicht mit der Bibel zu vereinbarende Weltbild wurde er von der katholischen Kirche bestraft – und erst 1992 (!) rehabilitiert. Auch die Evolutionstheorie von Charles Darwin betrachteten viele Kirchen als Bedrohung des Glaubens.

Zwei Sichtweisen auf das Gleiche

Glaube und Wissenschaft – passt das einfach nicht zusammen? «Glaube und Kirche ist nicht dasselbe», sagt die reformierte Wädenswiler Pfarrerin Undine Gellner. «Die Kirchen hatten und haben Strukturen und Interessen, die sie vertreten. Geht es hingegen um den christlichen Glauben und um Spiritualität, dann kann man sehr gut mit den Wissenschaften in Dialog treten.» Genau dies tut Undine Gellner im ökumenischen Arbeitskreis «Glaube und Wissenschaft». Darin sind neben Theologen verschiedenste Wissenschaftler vertreten, vom Mathematiker über den Physiker, den Biologen und Geowissenschaftler bis zum Astrophysiker. Sie diskutieren, wie man Naturwissenschaft mit Glaubensperspektiven zusammenbringt.

Undine Gellner und ihre Kollegen im Arbeitskreis betrachten die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und die biblischen Erzählungen als verschiedene Sichtweisen auf das Gleiche. «Wir haben eine Publikation verfasst über die Evolutionstheorie», erzählt die Pfarrerin. «Da geht es auch um die Frage, was der Sinn des biblischen Schöpfungsberichts ist. In ihm geht es nämlich nicht darum, zu beschreiben, wie die Schöpfung damals passierte, sondern darum, ein Loblied auf Gott zu singen. Wir staunen darüber, dass es die Welt gibt, Tag und Nacht, Himmelskörper, grüne Pflanzen. Es ist ein liturgischer Gesang, der die Erfahrung des Staunens und das Gotteslob zum Ausdruck bringt. Man kann nicht behaupten, es sei ein wissenschaftlicher Bericht.»

Die Schöpfung ist nicht abgeschlossen

Dieses Staunen teilen die Naturwissenschaftler in der Arbeitsgruppe mit den Theologen, obwohl sie ganz viel berechnen, erforschen und in Experimenten nachweisen können. Der Astrophysiker Arnold Benz hat zum Thema Astrophysik und Schöpfung das spannende Buch «Mehr als Sternenstaub» geschrieben. Darin gibt er dem Staunen und der Überwältigung über die riesigen Dimensionen des Universums und der Tatsache, dass es diesen einen Planeten gibt, der Leben ermöglicht, Ausdruck. Er zeigt wissenschaftlich fundiert auf, dass im Universum der Schöpfungsprozess noch lange nicht abgeschlossen ist und laufend Neues entsteht – jede Sekunde zum Beispiel Tausende Sterne. Alles findet wunderbar ein Gleichgewicht und gehorcht physikalischen Gesetzen. Arnold Benz zitiert im Buch die für ihn wichtige Feststellung des Theologen Hans Weder: Wir begegnen dann der Schöpfung, «wenn wir staunend feststellen, dass uns etwas gegeben ist, das wir nicht selbst bewirken können und doch notwendig ist für unsere Existenz». Selbst kommt er zum Schluss: «An Schöpfung glauben bedeutet, die Entwicklung des Universums in guter Hand zu wissen.»

Wissenschaft allein kann nie alles erklären

Glaube und Wissenschaft schliessen sich also gegenseitig überhaupt nicht aus. Wissenschaft allein kann für Undine Gellner nicht alles erklären: «Unsere menschliche Erfahrung ist viel mehr als nur der objektive oder der wissenschaftliche Blick. Wir erfahren Beziehungen, Liebe, Hass, Spiritualität. Man stelle sich nur mal die Frage, was denn eigentlich Bewusstsein ist. Unser Gehirn ist ein riesengrosses Wunder! Unsere Erfahrungen sind mehr als nur Schaltkreise im Gehirn. Eine Seele kann man im Nervensystem nicht festmachen. Eine KI kann kein Bewusstsein entwickeln, sondern höchstens eines simulieren.»
Die Wissenschaft wird in den Augen von Pfarrerin Gellner nie in der Lage sein, die Welt vollständig zu erklären. Das ist für sie aber gar nicht der springende Punkt, «denn dann würde sich das Göttliche auf das beschränken, was nicht erklärbar ist. Gott wäre dann so eine Art Lückenbüsser.» Undine Gellner stellt vielmehr umgekehrt fest: «Je mehr die Wissenschaft in neue Gebiete vordringt und je mehr sie erkennt, desto mehr staunen wir und desto ehrfürchtiger werden wir – auch die Wissenschaftler.»

Hansjörg Schmid, ­Kirchenpfleger Reformierte Kirche Wädenswil

Agenda 

So, 29.03.26 FamilyChurch mit Besichtigung LEGO-Stadt 10.00 Uhr, Ref. Kirche Wädenswil

Di, 31.03.26 Chrabbelkafi – Spielen für die Kleinen – Kaffee und Austausch
für die Grossen 15.00 Uhr, Kirchgemeindehaus Wädenswill

Do, 02.04.26 Wädenswiler Kreuzweg 16.30 Uhr, Treffpunkt Rosenbergkapelle

Mo, 06.04.26 Gottesdienst – Morgenmahl am See am Ostermontag
10.00 Uhr, Seegüetli (Kutterwiese)

Sa, 11.04.26 Mit Kindern über Sterben und Tod reden
Infos + Anmeldung bis 8.4. unter www.kirche-waedenswil.ch/bericht/1516
09.30 Uhr, Kirchgemeindehaus Wädenswil

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