Wädenswil

Woher unser Trinkwasser kommt – Besichtigung ­Seewasserwerk Hirsacker

Die aktuelle Ausstellung der Historischen Gesellschaft Wädenswil «Seemeitli und Seebuebe? Am, im, unter Wasser» befasst sich mit der Geschichte des Zürichsees und da geht es – es versteht sich von selbst – immer um Wasser. Der See mit seinem Wasser ist Lebensgrundlage, Verkehrsweg und Erholungsort. Aus dem See kommt ein Grossteil unseres Trinkwassers. Wie dieses in den Seewasserwerken Hirsacker und Appital zu Trinkwasser gereinigt und in die einzelnen Gemeinden und Haushalte gebracht wird, zeigte eine Führung.

Text & Bilder: Ingrid Eva Liedtke

Das Seewasserwerk Hirsacker liegt in Horgen, an der Seestrasse in Horgen, kurz vor der Abzweigung zur Fähre, nah am See. In der wärmeren Jahreszeit fällt die Fassade des blauen Betonbaus auf, weil Wasser wie ein breiter Strom an ihr herunterfliesst. Im Innern des Gebäudes kann man im Treppenhaus durch alle Stockwerke bis tief hinunter blicken. Das unterste Stockwerk liegt schon unter dem Seespiegel.
Im Treppenhaus wird man, während man in die Tiefe steigt, von wichtigen, interessanten Informationen zum Thema Wasser begleitet. In grossen Lettern ist Folgendes auf die Betonwände geschrieben: Vom Wasser auf der Erde sind 97 % Salzwasser und nur 3 % Süsswasser. Oder: Der Mensch besteht zu 70 % aus Wasser. Mehr als 1 Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Hahnenwasser ist rund 1000-mal billiger als abgefülltes Flaschenwasser. Ohne Wasser kann der Mensch nur rund 72 Stunden überleben.

Weitere wichtige Informationen zum Wasser

Wasser (H2O) ist als Schnee, Eis, Flüssigkeit oder Wasserdampf bekannt und der einzige Stoff, welcher flüssig, fest und gasförmig, also in allen Aggregatszuständen, vorkommt. Wasser gefriert bei 0 Grad, und bei 100 Grad C verdampft es. Dazwischen ist es flüssig. Es transportiert alles Lebensnotwendige sowohl durch Pflanzen, Tiere und unsere Körper als auch durch Ozeane, Flüsse und Seen.
Das Wasser der Erde ist in einen grossen Kreislauf eingebettet und kann der Erde nie verloren gehen. Es verdunstet durch Wärmeeinstrahlung der Sonne und gelangt so in die Atmosphäre. Unter bestimmten Umständen kondensiert der Wasserdampf zu kleinen Eiskristallen oder Wassertropfen und fällt dann in Nebel oder Wolken als Niederschlag zur Erde zurück und gibt so das Wasser wieder frei.
Ein Mensch nimmt im Laufe seines Lebens rund 60 000 Liter Trinkwasser zu sich (ca. 400 Badewannen). Der tägliche Wasserverbrauch in der Schweiz beträgt 162 Liter Wasser pro Kopf.
In der Schweiz wird Trinkwasser auf drei verschiedene Arten gewonnen: Rund 40 % stammen aus Quellen, 40 % aus Grundwasserströmen und etwa 20 % aus Seen. Das Trinkwasser wird bei uns von Gesetzes wegen streng überwacht. Laut den Kantonschemikern ist Trinkwasser das am stärksten kontrollierte Lebensmittel überhaupt.

Geschichte der Seewasserwerke

Die Geschichte begann damit, dass 1953 von Wädenswil, Horgen und Oberrieden ein Zweckverband gegründet wurde, dem 1973 auch Richterswil beitrat, um die Nutzung des Seewassers voranzutreiben. Es sind zwei Seewasserwerke, die in dieser Zeit gebaut und mit einer Transportleitung verbunden wurden: Das Seewasserwerk Hirs-acker in Horgen sowie das Appital in der Au.
Seither wird dem See aus einer Tiefe von 35 Metern mittels Pumpen Rohwasser entnommen und in einem mehrstufigen Prozess zu Trinkwasserqualität aufbereitet.

Führung durch das Seewasserwerk

Antonio Gallo und Jürg Müller sind die zwei Mitarbeitenden der Gemeindewerke Horgen, die für den Betrieb und den Unterhalt der beiden Seewasserwerke zuständig sind. Sie führten drei Gruppen von Interessierten versiert durch «ihr» Werk.
Die Führung begann in der «Schaltzentrale», wo auf verschiedenen Bildschirmen die Prozesssteuerungs-Schemata der dreistufigen Wasseraufbereitung veranschaulicht und erklärt wurden.

Reinigungsstufen

Die drei Stufen der Wasserreinigung sind: Schnellfiltration – Desinfektion (Ozonung) – Aktivkohlefiltration.
Im Werk Hirsacker werden durch Ultrafiltration mit getauchten Membranen alle partikulären Inhaltsstoffe wie Algen, Bakterien und Viren vollständig entfernt. Im Werk Appital wird dies durch Sandfiltration erreicht.

Durch einen Ozoneintrag werden dann organische und anorganische Stoffe, wie zum Beispiel Eisen und Mangan, oxidiert. Das unterstützt auch die Elimination von Geruch, Farbe und Geschmack in Kombination mit der Aktivkohlefiltration.
Bei dieser wird schliesslich hochwertige Aktivkohle (reaktivierbar) als Basismaterial zur Adsorption von organischen und anthropogenen Wasserinhaltsstoffen, wie pharmazeutischen Rückständen, hormonellen Substanzen und Pflanzenschutzmitteln, eingesetzt.

Trinkwassermenge

Das neue Seewasserwerk Hirs-acker in Horgen produziert seit der Inbetriebnahme 2012 maximal 25 000 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag. Die moderne Anlage mit modernster Filtertechnologie läuft zweistrassig, um bei einer Störung sofort die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Neben der Trinkwasseraufbereitung wird in Horgen ein Teil des Rohwassers zur Seewärmegewinnung genutzt und damit mehrere Liegenschaften mit über 120 Wohnungen beheizt.
Das Seewasserwerk Appital in der Au läuft nur einstrassig und noch mit einer Technik aus den Siebzigerjahren, wurde aber immer wieder den Anforderungen der modernen Aufbereitungstechnik angepasst.

Besichtigung der verschiedenen Anlagen

Die versierten Fachleute führten die interessierten Gäste durch die einzelnen Stockwerke, wo die verschiedenen Filteranlagen zu besichtigen sind und die Vorgänge sozusagen «vor Ort» noch genau erläutert und mit weiteren interessanten Informationen erweitert werden – bis hinunter in die Tiefe des Seewasserwerkes, wo es nur noch 6–8 Grad warm ist. So warm ist das Grundwasser, auf dessen Höhe man sich da befindet.
Zum Schluss der Führung dröhnte der Kopf von so vielen Informationen und Zahlen, aber es war sehr interessant zu erfahren, was es braucht, damit jeden Tag aus unseren Hähnen sauberes und trinkbares Wasser fliesst.

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