Wädenswil

Stadt- und Oberstufenschulpräsidium wie Parlament sind neu zu besetzen

Am 12. April wählen die Wädenswilerinnen und Wädenswiler nicht nur Parlament und Stadtrat neu, sie wählen auch einen neuen Stadtpräsidenten oder vielleicht das erste Mal in der Geschichte der Stadt eine Stadtpräsidentin. Ausserdem sucht auch die Oberstufenschulpflege einen neuen Vorsteher.

Text & Bilder: Stefan Baumgartner

Das 35-sitzige Parlament hat in der aktuellen Legislatur einige Veränderungen erfahren: Nur 15 von 35 im Jahr 2022 Gewählten sitzen zum Ende der vierjährigen Amtsdauer immer noch im Parlament. Komplett ausgetauscht hat die SP ihre sechs Sitze, auch die EVP wechselte ihr gesamtes Personal aus, da betrifft es jedoch nur zwei Sitze.

Die grösste Fraktion im Wädenswiler Stadtparlament stellt die SVP. Alle acht Bisherigen, mit Charlotte Baer an der Spitze, stellen sich der Wiederwahl. Bemerkenswert: Die SVP schafft es, alle Ortsteile auf ihrer 20-köpfigen Liste einzubringen.
Die SP hat sechs Sitze zu verteidigen; Joëlle Jäger, im Sommer 2024 für Hans Roth nachgerückt, tritt nicht mehr an.
Auf der Liste der FDP fällt auf, dass sich Thomas Koch nicht mehr zur Wahl stellt. Der langjährige Gemeinderat rutschte im November 2012 nach und leitete ab 2014 die FDP-Fraktion.
«Zum Grund, weshalb ich nicht nochmals kandidiere, befragt, ist es nicht so, dass ich keine Freude mehr an der Politik und dem Einsatz für die Gemeinschaft und für Wädenswil hätte. Ebenso wenig ist die Arbeit, der sich die FDP-Fraktion zum Wohle von Wädenswil verpflichtet fühlt, getan. Aber nach bald 14 Jahren im Gemeinderat ist es meines Erachtens geboten, den nachfolgenden Persönlichkeiten, die sich auch für Wädenswil einsetzen möchten, Platz zu machen und nicht in der Sonne zu stehen», begründet der 63-Jährige seinen Rückzug aus der aktiven Politik.
Die Grünen konnten nach den letzten Wahlen einen Sitz zulegen. Die fünf Bisherigen treten auch wieder an, mit dem Präsidenten der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission Ulrich Reiter an der Spitze.
Die Mitte tritt unverändert zur Verteidigung ihrer vier Sitze an, wobei Martin Bislin auch für den Stadtrat kandidiert.
Die Grünliberale Partei ist aktuell mit drei Sitzen im Gemeinderat vertreten, die Bisherigen treten auch wieder an.
Die EVP tritt mit Andreas Muheim sowie Christoph Mahler an. Mahler würde – Wiederwahl vorausgesetzt – voraussichtlich mit Beginn der neuen Legislatur zum Gemeinderatspräsidenten gewählt.
Mit dem Übertritt während der Legislatur von Alexandra Gwerder vom Bürgerlichen Forum Positives Wädenswil zur FDP ist das BFPW aktuell ohne Sitz im Gemeinderat, nach dem das Forum in den vergangenen Wahlen 2022 und 2018 bereits je einen Sitz verlor. Das «Forum» tritt mit einer 31-köpfigen Liste an, um mindestens den verlorenen Sitz zurückzuholen.

Insgesamt treten 172 Personen auf acht Listen zur Wahl an.

Was ist mit den Aussenwachten?

Die Legislatur 2022–2026 war die erste, in der auch die Schönenberger und Hüttner Wahlberechtigten an die Urnen für den Wädenswiler Gemeinde- und Stadtrat durften. Zwei Hüttner – Severin Bachmann (Grüne) und Roland Hitz (SVP) – sowie eine Schönenbergerin (Marlies Rusterholz (SVP) schafften den Sprung ins Parlament. Hitz und Rusterholz gehören diesem immer noch an, im Verlauf der Legislatur stiess ausserdem der Schönenberger Christopher Tattersall (SVP) dazu. Sie sorgen so dafür, dass der «Berg» auch gehört wird. Ansonsten aber sind auf den aktuellen Listen Personen vom schönen Berg und aus Hütten Mangelware.
Gerade Bewohnerinnen und Bewohner aus Hütten, die sich hin und wieder und manchmal leiser, manchmal lauter beschweren, in Wädenswil nicht gehört zu werden und nicht integriert seien, tun selbst wenig dafür, diesen Umstand zu korrigieren. Nebst den erwähnten Bisherigen findet sich genau eine Person aus Hütten auf all den zur Auswahl stehenden Listen (Marco Bianchi / BFPW). Immerhin 15 Schönenbergerinnen und Schönenberger stellen sich nebst den zwei Bisherigen zur Wahl.

Stadtrat: Acht Kandidaten für sieben Sitze

Sechs der sieben Stadträte stellen sich zur Wiederwahl. Nicht mehr antreten wird Stadtpräsident Philipp Kutter, so dass nebst dem siebten Sitz auch um das Stapi-Amt gekämpft wird.
Den siebten Sitz streben Christina Zurfluh wie auch Martin Bislin an. Zurfluh möchte der SVP wieder einen Sitz im Rat ermöglichen, den sie durch den Parteiaustritt ihres damaligen Stadrates Heini Hauser und in darauffolgenden Wahlen 2022 verlor. Christina Zurfluh bewarb sich bereits 2014 um einen Sitz im Stadtrat, wurde aber nicht gewählt. Heute sitzt die 64-jährige für den Bezirk Horgen im Kantonsrat.
Martin Bislin (Mitte) ist seit 2022 Gemeinderat und Mitglied in der Raumplanungskommission. So konnte er sich denn auch in der Neufassung der Bau- und Zonenordnung einbringen. Bereits Martins Vater Abraham Bislin sass im Gemeinde- und Stadtrat.

Dreikampf um Stapi-Amt

Erstmals seit 2010 müssen sich die Wädenswilerinnen und Wädenswiler auch Gedanken machen, welchen Namen sie auf der Zeile «Stadtpräsident/Stadtpräsidentin» niederschreiben. Zur Wahl stellen sich Jonas Erni (SP), Stadtrat seit 2010, Christof Wolfer (FDP) und Claudia Bühlmann (Grüne), beide seit 2022 im Amt.

Am 5. Februar, anlässlich des vom Handwerker- und Gewerbeverein organisierten Podiums im proppenvollen Etzelsaal mit allen Stadtratskandidaten, gaben die Kandidaten Einblick, was unter ihrem Präsidium alles ändern würde. Allen liegt das Zentrum und dessen Entwicklung am Herzen. So schlug Claudia Bühlmann einen runden Tisch mit den privaten Eigentümern von Liegenschaften vor, damit nicht alle frei werdenden Ladenflächen mit Barbershops oder Nailstudios besetzt werden. Ausserdem setzt sie sich zusammen mit ihrer Partei für mehr Begrünung im Zentrum ein. Jonas Erni strich seine lange Zeit im Wädenswiler Stadtrat heraus, insbesondere auch jene Zeit, in der er als Vizepräsident in Philipp Kutters verletzungsbedingter Abwesenheit die Geschicke der Stadt leitete. Christof Wolfer seinerseits verwies auf die in seiner Amtszeit vorangebrachte finanzielle Gesundung der Stadtfinanzen.

Nebst der Einigkeit aller Kandidatinnen und Kandidaten zu einem belebteren Zentrum waren auch weitere spannende Aussagen an diesem Podium zu hören. Sie betrafen die Wohnsituation mit einerseits immer knapper werdendem Wohnraum, mit andrerseits immer höher steigenden Mieten.
Die grünen Trottinette sind nicht nur Fasnachtsthema, sie beschäftigen auch die Bevölkerung. Hier war die Kernaussage, dass es sich um einen befristeten Versuch handle, der die Stadt auch nichts koste. Zum Wädenswiler Schandfleck, das einst stolze MS Glärnisch, konnte Astrid Furrer mitteilen, dass die Eigentümer Auflagen erhalten hätten, die dieses Jahr umzusetzen seien. Da darf man gespannt sein …

OSW: Wahlkampf nur ums Präsidium

Yolanda Schibli und Präsidentin Verena Dressler verlassen die Schulpflege der eigenständigen Oberstufenschulgemeinde Wädenswil. Sie werden ersetzt durch Harald Lenz (EVP) und Grégoire Schaer (SP). Da nicht mehr Kandidaten als Sitze zur Wahl stehen, werden die Kandidatinnen und Kandidaten in Stiller Wahl als gewählt erklärt.
Da für die zu besetzende Stelle des Oberstufenschulpräsidiums zwei Personen vorgeschlagen sind, wird für die Wahl des Schulpräsidiums eine Urnenwahl mit leerem Wahlzettel und einem Beiblatt mit den Namen der vorgeschlagenen Kandidaten durchgeführt. Kandidaten für dieses Amt sind der bisherige OSW-Schulpfleger Uli Eckl sowie Harald Lenz, der ebenfalls in jedem Fall in die Schulpflege Einsitz nimmt.

Die Wahlen für Stadt- und Gemeinderat sowie das OSW-Schulpräsidium finden am 12. April 2026 statt.

Bereits am 8. März wird gewählt: Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Wädenswil wählt sieben Mitglieder inklusive Präsidium der Kirchenpflege, ausserdem fünf Mitglieder inklusive Präsidium für die Rechnungsprüfungskommission. Auch die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Schönenberg-Hütten wählt für die Amtsdauer 2026–2030 sieben Mitglieder inklusive Präsidium der Kirchenpflege.

Wenn die Legislatur 2022–2026 zu Ende gegangen ist, wird auch die Amtszeit von Philipp Kutter im Wädenswiler Stadtrat zu Ende sein.
Philipp Kutter wurde 2006 in den Stadtrat gewählt und übernahm das Amt «Sicherheit und Gesundheit». Er verteidigte den Sitz der damaligen CVP vom zurückgetretenen Vinzenz Bütler. Im selben Jahr wurde Ernst Stocker Stadtpräsident, bis dieser 2010 Zürcher Regierungsrat wurde. Kutter bewarb sich zusammen mit Felicitas Taddei, Johannes Zollinger und Ernst «Grübi» Brupbacher um das Präsidium, das er im zweiten Wahlgang mit grossem Vorsprung erreichte. Von 2007 bis 2018 vertrat er den Bezirk Horgen im Kantonsrat, seit 2018 sitzt Philipp Kutter im Nationalrat.

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