Wädenswil

Mehr als ein Stand an der Berufsmesse

Am 31. Januar 2026 nahm die Betreuung der Primarschule Wädenswil erstmals mit einem Infostand an der Berufsmesse der Oberstufe OSW teil. Wer wissen wollte, was ein «FaBe» tut und wie man es wird, war hier genau richtig.

Schon beim Eintreten ins Schulgebäude am Rotweg war klar: Dieser Samstagmorgen gehört der Zukunft. Die Eingangshalle füllte sich früh mit Jugendlichen, Eltern, «Azubis», Ausbildnerinnen und Ausbildnern. Auf den Gängen drängten sich Gruppen, in den Zimmern wurde erklärt, gefragt, gelacht. Es wirkte, als sei halb Wädenswil auf den Beinen. Geschäftigkeit lag in der Luft, Neugier ebenso. Beim Vorbeigehen zog der Duft von frisch gebackenem Popcorn durch die Halle. Berufsorientierung mit allen Sinnen also.
Die Berufsmesse der OSW in Zusammenarbeit mit der Schule Richterswil bot auch dieses Jahr einen breiten Einblick in die Berufswelt. Auf drei Stockwerken präsentierten sich insgesamt 40 Unternehmen aus der Stadt und der Region. Viele Stände wurden von Lernenden betreut, die ihren jüngeren ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern direkt aus dem Berufsalltag berichteten.

Ein Schaufenster in die Betreuung

Zum ersten Mal war auch die Betreuung der Primarschule Wädenswil mit einem eigenen Stand vertreten. Gruppenleiterin, Ausbildnerin und Berufsbildungsverantwortliche Cornelia Strzondala hatte gemeinsam mit den Lernenden Melika Fatehi und Mick Brändli einen einladenden Auftritt gestaltet. Hinter dem Infodesk prangte das Logo der Betreuung gross an der Wand. Auf dem Tisch lagen buntes Bastelmaterial, Spielzeug, Bilderbücher und Puppen. Der Stand wirkte wie ein kleines Schaufenster in den Berufsalltag und machte neugierig.
Um mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, bot das Trio regelmässig kurze Memory-Spiele mit kleinen Preisen an. Die Wirkung zeigte sich schnell. Kinder blieben stehen, Eltern fragten nach, Jugendliche wollten wissen, wie der Alltag in der Betreuung aussieht oder welche Karriereoptionen sich mit der dreijährigen Ausbildung zur Fachfrau oder zum Fachmann Betreuung (FaBe) bieten. Auch Vorurteile kamen zur Sprache, etwa die Frage, inwiefern Männer in diesem Beruf Chancen hätten. Cornelia Strzondala antwortete klar: «Bei Bewerbungen mache ich keinen Unterschied, egal ob Mann oder Frau.» Entscheidend seien Motivation, Entwicklung und Eignung der Jugendlichen.

FaBe ist nicht Kinderhüten

Formale Anforderungen haben sich verändert. Ein Sek-A-Abschluss ist heute kein zwingendes Kriterium mehr. Dennoch schaut die Ausbildnerin genau hin. Sie berücksichtigt die schulische Entwicklung während der Oberstufe und den Leistungsausweis in den überfachlichen Kompetenzen. Besonders wichtig sind die Deutschkenntnisse. «Die Lernenden müssen Fachbücher lesen, verstehen und das Wissen anwenden und weitergeben können», erklärte sie. Wer den Beruf auf das Kinderhüten reduziere, liege falsch: «Die Ausbildung ist anspruchsvoll.»
Die Begleitung der Lernenden erfolgt dementsprechend strukturiert. Wöchentliche Gespräche schaffen Raum für Rückmeldungen. Veränderungen im Verhalten werden früh thematisiert. Über die Plattform «Time to Learn» dokumentieren die Lernenden ihre Arbeit, reflektieren Betreuungssequenzen und bearbeiten Leistungsziele. Fortschritte sind transparent ersichtlich und werden regelmässig überprüft.
Aktuell bildet die Primarschule Wädenswil sieben Lernende aus. Zwei weitere starten im Sommer 2026. Eine Lehrstelle in Schönenberg-Hütten ist bereits besetzt. Für Gerberacher-Berg steht der Vertragsabschluss kurz bevor.
Cornelia Strzondala arbeitet seit 2018 bei der PSW. Sie schätzt es, junge Menschen auf dem Weg ins Erwachsenenleben zu begleiten und ihnen das nötige Rüstzeug für den Beruf mitzugeben. Ihre Erwartungen sind hoch: «Wo ‹FaBe› draufsteht, soll auch ‹FaBe› drin sein», betonte sie.

Diversität stärkt Schulen

Auch Schulpräsident Pierre Rappazzo besuchte die Berufsmesse. Besonders beeindruckte ihn das Engagement der beiden Lernenden, die topmotiviert und mit sichtbarer Freude die Fragen der Besucherinnen und Besucher beantworteten.
Auf der gegenüberliegenden Seite präsentierte sich das Facility Management der Stadtverwaltung. Auch da entspannte sich schnell ein Gespräch zwischen dem Schulpräsidenten, der Eidg. Dipl. Hauswartin & Ausbildungsverantwortlichen Michelle Karli und Adem Memeti, Lernender Fachmann Betriebsunterhalt. Pierre Rappazzo begrüsst die zunehmende Diversität in traditionell klar zugeordneten Berufsfeldern, etwa wenn sich Frauen für die Hauswartung oder eben Männer für den FaBe interessieren würden: «Solche Entwicklungen beleben festgefahrene Rollenbilder und stärken Schulen langfristig.» Und weiter: «Die Berufsmesse zeigt, wie Berufsorientierung gelingen kann – nämlich persönlich, direkt und glaubwürdig. Für viele Jugendliche dürfte dieser Samstag mehr gewesen sein als ein Rundgang – vielleicht sogar der Anfang einer wichtigen Entscheidung.»

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