Aktuell Allgemein Richterswil

«Wertschätzung lernen die Kinder durch uns Erwachsene»


Die Kinderkrippe «Güxi» Richterswil war während fünf Wochen regelmässig unterwegs, um den Reidholzwald zu säubern. Das Paradestück für die 2- bis 4-Jährigen war es, die versprayte Holzhütte zu reinigen und ihr einen frischen Anstrich zu verpassen.

Text und Bilder: Reni Bircher

Im Titelbild: Die «Güxi-Trolle» zusammen mit ihren Unterstützern (v.l.n.r.): Moreno, Stephan, Corinne, Priska, Patricia, Khayra, Milena, Patrizia und Sasha.

Der Reidholzwald bietet der Bevölkerung zahlreiche Dienste: von den breit angelegten sportlichen Möglichkeiten zum sommer­lichen Schattenspender, dem Ausflugsziel für Hündeler und Grillfreunde; Laublauscher und Tierlibeobachter schätzen die ruhigen Randstunden. Von der Kinderkrippe bis hin zur Oberstufe wird dieser grüne Hort bei zahlreichen (schulischen) Aktivitäten in Anspruch genommen. Genutzt wird der Wald gerne, geschätzt aber oftmals zu wenig.

So «zieren» die Wege und bodendeckenden Pflanzen diverse Abfälle, und die der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellte grosse Holzhütte auf der Lichtung mit dem Grillplatz in der Mitte des Waldes ist von Graffitis verunstaltet. Ausgerechnet die Kleinsten der Gesellschaft nahmen sich dieser Verschandelung an.
Kinder als Antrieb
Die Waldkinderkrippe ist ein spezielles Angebot bei «Güxi» und die Gruppe geht jeden Tag mit den Kindern in den Wald. Dann wird gespielt, entdeckt, gebastelt und selber gekocht, sogar der Mittagsschlaf wird unter dem Blätterdach abgehalten. Oder eben in der grossen Holzhütte. Diese wird zwar vor der Mittagsruhe von den Begleitern jedesmal kontrolliert und gereinigt, ein leichtes Unbehagen bleibt trotzdem. «Was sich am Abend und am Wochenende hier abspielt, kann man sich anhand der Überbleibsel denken», bedauert Krippenleiterin Priska Eberhard.

Die ganze Reinigungsaktion kam dank der «Güxi»-Krippenkinder ins Rollen. «Die Kinder haben mich nach einem ihrer Waldtage gefragt, warum denn soviel Abfall herumliegen würde», erzählt Eberhard. Auch die Verschandelung eines Objektes, welches allen Freude bereiten sollte, stösst auf Unverständnis. Durch die Kinder auf die Missstände aufmerksam gemacht, entschloss sich die 29-jährige Wädenswilerin, sich dieser Sache auf ihre Weise anzunehmen und erklärt: «Ich schreibe gerade meine Diplomarbeit und habe die Waldreinigung zusammen mit der Renovation der Waldhütte zu meinem Projekt gemacht.»

Mit Handschuhen, Greifzangen und Abfallsäcken ausgerüstet begaben sich daraufhin die «Trolle», wie die Kinder der Waldkinderkrippe bezeichnet werden, über fünf Wochen hinweg auf Abfalljagd und waren – positiv ausgedrückt – erfolgreich.

Grösste Herausforderung: Waldhütte
Das «Mammutprojekt» der 2- bis 4-Jährigen bestand aus der Reinigung der grossen Waldhütte sowie deren neuem Farbanstrich. Dies alles wurde im Vorfeld mit dem Förster Patrick Jordil abgesprochen, der dem Projekt seinen Segen gab. Am 26. August wurden genügend Leute eingeteilt, um den Kindern tatkräftig unter die Arme zu greifen. Einen Tag zuvor hat Moreno von «Tophandwerk» – eine Handwerkergruppe, welche für alle «Güxi»-Standorte verantwortlich ist – die Graffitis abgedeckt und eine Grundierung gemacht. «Dieser Erstanstrich dient der Haftung der Farbe, welche die Kinder danach auftragen», erklärt der Handwerker. Zudem ist die Grundierungsfarbe giftig und nichts für Kinderhände. Deshalb wurde vom Fachmann die Vorarbeit geleistet.

Die Hosenbeine in den Socken und die Malerschürze montiert, machten sich die Kinder über Pinsel und Farbroller her. Von den Begleitpersonen instruiert, wurde getunkt, getropft, gemalt und gerollert, was das Zeug hielt. Die Konzentration und der Enthusiasmus, mit der sie diese Aufgabe in Angriff nahmen, war bewundernswert, und einige Kinder bekamen bald den Dreh raus, wie sie schöne Malbewegungen ausführen konnten, um ein gutes Ergebnis zu bekommen. Einige Waldbesucher guckten nur, was da gearbeitet wird, andere hielten an, um nachzufragen. Eine Spaziergängerin meinte, dass sie manchmal am liebsten selbst den Pinsel in die Hand genommen hätte, um die Schmierereien zu tilgen. Der Renovationseinsatz der Kinderkrippe berührte sie sehr.

Stephan Happ, Geschäftsleiter Infrastruktur bei «Güxi», liess es sich nicht nehmen, an diesem Morgen aus Zürich in den Reidholzwald zu fahren, um sich das Schaffen der Kinder anzuschauen. Die Freude über deren Begeisterung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Auch die Initiantin dieser Aktion, Priska Eberhard, kann sich kaum bremsen beim Fotografieren ihrer Schützlinge. «Ich konnte diese Nacht kaum schlafen, hatte Albträume, dass die Hütte wieder verschmiert wurde», gesteht sie, «das wäre eine Katastrophe gewesen, für uns alle.» Sie und ihr Team, die Kinder und alle Nutzer des Reidholzwaldes wünschen sich, dass die jetzt schokoladenbraune Waldhütte respektvoll behandelt wird, damit sie von allen Besuchern genutzt werden kann – und schokoladenbraun bleibt.

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Interview mit dem Reidholzwald-Förster
Patrick Jordil

Das Gespräch führte Priska Eberhard, Krippenleiterin «Güxi» Richterswil

Patrick Jordil arbeitet seit seinem 16. Lebensjahr in der Forstwirtschaft. Seit etwa zehn Jahren betreut er den Reidholzwald in Richterswil. Für meine Diplomarbeit durfte ich ein Interview mit ihm führen.

Herr Jordil, wie gross ist die Abfallmenge im Reidholzwald Richterswil (Kilogramm/Tonnen pro Jahr)? Wie viel Abfall ist anteilmässig in den Abfalleimern, wie viel wird irgendwo im Wald weggeworfen?
Zu früheren Zeiten gab es viel mehr Abfall. In der 1980er-Jahren wurde alles im Wald entsorgt: Das ging von alten Pneus bis hin zu Kühlschränken. Das hat sich über die Jahre extrem verbessert. Ich gehe von einer durchschnittlichen Abfallmenge von etwa 200 kg pro Woche im Reidholz aus. (mit Robidogs, aber ohne Burgruine). Das bedeutet schon über 10 Tonnen Abfall pro Jahr nur im Reidholzwald. Anteilsmässig wird ziemlich alles in die Abfalleimer gelegt. Wenig liegt um oder im tieferen Wald, doch sind es pro Jahr immerhin 200–300 kg illegal entsorgter Abfall.

Wie viele Abfalleimer stehen den Besucherinnen und Besuchern des Reidholzwaldes zur Verfügung?
Abfalleimer stehen insgesamt fünf im Reidholz, plus zwei Robidogs. Die Burgruine wird separat gezählt. Zu Beginn der Coronazeit merkte ich, dass praktisch keine Menschen mehr in der Natur unterwegs waren. Man sah keine Biker, keine Wanderer oder sonstige Personen, die auf den Wiesen relaxten. Doch etwa nach einem Monat zog es wieder an und ebenso die Abfallberge. Mir ist aufgefallen, dass je mehr Abfalleimer stehen, desto mehr Abfall wird auch entsorgt. Gerade bei Alpinwanderwegen ist es wichtig keine Abfalleimer aufzustellen, damit die Wanderer den Abfall wieder nach Hause mitnehmen. Dies ist aber im Reidholzwald nicht möglich, da bei öffentlichen Feuerstellen Abfalleimer notwendig sind.

Nach welchen Tagen ist die Menge an Abfall grösser?
Oft nach schönen Wochenenden gibt es viel Abfall im Wald. Wenn die Eimer voll sind, werfen die Waldbesucher einfach alles vor und neben den Abfalleimer. Auch wenn Schulferien sind, hat es vermehrt Abfall im Wald, ansonsten ist der Wald aber erfreulich sauber.

Wer reinigt den Wald ganz allgemein (zusätzlich zu Abfalleimer)? Wie oft?
Dafür ist das Strassenwesen der Gemeinde Richterswil zuständig. Sie machen alle zwei Jahre beim Clean-Up-Day mit, wo sie sich für saubere Wälder einsetzen. Zwischen Juni bis Mitte September gehen sie 2- bis 3-mal wöchentlich die Abfalleimer leeren und von Ende September bis Ende Mai einmal wöchentlich.

Wer besucht den Reidholzwald? Welches sind die häufigsten Nutzerinnen und Nutzer?
Alle, ob jung oder alt. Viele Schulen, Kindergärten, Krippen, Pfadis, Cevis oder auch Spaziergänger mit Hunden, Sportler, Familien, die Grillieren oder ältere Leute, die schon seit mehr als dreissig Jahren ihre Runden im Reidholzwald drehen. Es ist ein Erholungsareal für jeden, der es nutzen möchte.

Welche Art Abfall ist besonders schädlich?
Es ist alles schädlich. Egal, ob für den Wald selbst oder die Tiere, die darin wohnen. Am Schlimmsten aber sind jegliche Gegenstände aus Plastik. Auch liegen vermehrt Feuchttücher herum, die man für das «Geschäft» hinter dem Baum braucht, welche dann einfach liegen gelassen werden.

Haben Sie Tipps für uns? Was sollen wir den Kindern unserer Kita besonders vermitteln? Welche Lernerfahrungen sollten die Kinder Ihrer Meinung nach bezüglich Abfall in Wald und Umwelt machen?
• Immer wiederholende Projekte mit ihnen durchführen.
• Den Kindern die Wichtigkeit des Waldes vermitteln.
• Verschiedene Baumarten mit ihnen besprechen.
• Pflanzen, die nicht gut für uns und die Natur sind, anschauen.
• Ihnen Raum und Sicherheit geben bezüglich der Naturpädagogik.

Meine eigene Lernerfahrung durch das Gespräch mit Patrick Jordil: Heute hatte ich bezüglich meines Projektes «Reidholzwald» das erste Mal persönlichen Kontakt mit Patrick Jordil. Ich war sehr fasziniert von seinem Wissen, welches er sich über die vielen Jahre angeeignet hat. Das Interview war sehr lehrreich, da mir Patrick Jordil auch allgemein vieles über den Wald erzählen konnte – so, als würden wir uns schon ein paar Jahre kennen. Ich fühlte mich während des Gesprächs sehr wohl und willkommen und ich merkte dem Förster an, dass er seinen Beruf sehr gerne und mit viel Herzblut ausübt.


Priska Eberhard,
Krippenleiterin «Güxi» Richterswil

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