Aktuell Wädenswil

Im Leopardenfell auf die Bühne


Gespräch mit Peter Weber, Ehrenmitglied des Volkstheaters Wädenswil, im Bild als „Wachtmeister Studer“

Wie und wann bist du zum Volks­theater gekommen?
Peter Weber: In der Spielsaison 1991/92, bereits in der Probenphase zum Stück «Ohni miich» (You can’t take it with you) von Kaufmann/Hart hat sich ein Spieler verletzt, und ich bin für die Rolle des Pyrotechnikers «Pinter» eingesprungen. Unvergessen bleiben mir die Auftritte, als ich in einer Szene im Leopardenfell aus dem Keller stieg. Die Frauen haben «göisset» vor Lachen.

Welches waren deine weiteren ­Rollen und Tätigkeiten im Volks­theater der Folgejahre?
Die Rollen waren zahlreich: Mal gab ich zum Beispiel den Scapin im gleichnamigen Molièrestück, den Dottore in Goldonis «Liebe, List und Leidenschaft», aber auch kleinere Rollen als Psychiater, Geschworener.
Tätig war ich sowohl im Bühnenbau, im Theater-Restaurant und in der Vorstandsarbeit. Von 2009 bis 2017 präsidierte ich den Verein. In dieser Zeit wirkten wir Theaterleute als freiwillige Helfer beim kantonalen Turnfest in Wädenswil und bei der GEWA 2014 mit. Für «125-Jahre Agroscope Wädenswil» schrieben wir das Stück «Tatort Schlosshof», welches 2015 als Freilicht-Theater uraufgeführt wurde.
Ein besonderes Highlight war das Projekt KUGA (Kulturgarage), welches wir nach langem «Geknorze» gemeinsam mit der Historischen Gesellschaft Wädenswil und der Stadt Wädenswil 2016 bewerkstelligen konnten.

Welches war deine absolute Traumrolle?
Eindeutig der Wachtmeister Studer im «Chinesen» von Friedrich Glauser, den wir 2003 im Kalthaus der Hochschule ZHAW spielten. Obschon ich immer sagte, dass ich aus beruflichen Gründen keinen Fahnder spielen möchte, machte ich hier gerne eine Ausnahme, denn die Figur des Studers war eine grosse Herausforderung. Er hat eine harte Schale mit weichem Kern. Typ Familienvater, sehr sozial. Insbesondere auch das Vorbild durch Schaggi Streuli im Film schürte grosse Erwartungen an mich.

Welche Rolle hättest du auch noch gerne gespielt?
Ach – es gäbe da noch die eine oder andere Rolle. Der Richter Adam im «Zerbrochenen Krug» von Kleist fehlt mir noch im Palmares. Die Figur ist sehr kantig. Der Richter ist ein richtiger Charakterlump, der seine Stellung missbraucht. Dies in allen Facetten zu zeigen, würde mich reizen.

Was fällt dir ein zum Thema Lampen­fieber?
Bei mir war das nie sehr ausgeprägt. Wohl verspürte ich etwa eine gewisse Angst, dass ich den Text nicht kann. Aber wenn ich dann auf der Bühne stand, so legte sich dies wieder. Ich frage mich, warum es eigentlich Lampenfieber heisst?

Welches war dein lustigstes Erlebnis im Volkstheater?
Als wir noch im Engelsaal spielten waren die Zustände hinter der Bühne prekär. In der Männergarderobe gab es lediglich ein Lavabo. Heisses Wasser floss nur ganz kurz – dann kam es kalt aus dem Wasserhahn. Da gab es einen Spielerkollegen, der sich beim Schlussapplaus jeweils langsam an den Rand der Bühne davonschlich und sofort in die Garderobe rannte, um sich genüsslich und mit einer Schadenfreude ohnegleichen dem warmem Wasser zu widmen. Nach ihm kam die Sintflut, sprich: der Rest hatte sich gefälligst mit kaltem Wasser zu begnügen. An der Dernière weihte ich alle ein, dass ich Handschellen dabei hätte. Wir packten den Flüchtenden und fesselten ihn an ein Wasserrohr. Unter unserem Gejohle durfte er nun zuschauen, wie wir uns alle genüsslich säuberten und ihn gehörig auf die Schippe nahmen. Mittlerweile hat er uns hoffentlich verziehen.

Peter, wir danken dir für das Gespräch und alles, was du für das Volkstheater Wädenswil getan hast.

2020 feiert das Volkstheater Wädenswil sein 75-Jahr-Jubiläum. Der Wädenswiler Anzeiger begleitet das Jubeljahr und porträtiert monatlich ein Vereinsmitglied. 
Irene Knabenhand-Lutz
Stefan Marthaler
Martina Hitz
Peter Weber

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