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Alpaka-Lama-Farm Hütten

In der Oerischwand in Hütten werden seit 2010 Alpakas und Lamas gezüchtet. Wo früher Kühe weideten, leben nun an die hundert der Tiere aus den Anden.

Steil führte der Weg von der Sihl hinauf ins Oerischwand. Auf einer Hochebene, auch jetzt im Herbst immer noch saftig grün, liegt die Alpaka-Lamafarm von Jasmin (41) und René Camenzind (38). 

Ich sehe die Herde schon von weitem, wie die Tiere ihre langen Hälse recken und mich, die Fremde mit diesem komischen Apparat vor der Brust, beäugen. Lamas und Alpakas in allen Farben und Grössen glotzen mich mit ihren kugelrunden schwarzen Augen an, als sei ich die aussergewöhnliche Erscheinung hier oben auf dem Berg.

Im Vordergrund des Geheges und der Stallungen steht ein altehrwürdiges, dunkelbraun geschindeltes Haus. Hier ist René aufgewachsen, als Sohn eines Bauern. Jasmin stammt aus Samstagern, ihre Grosseltern waren auch noch Bauern, die Eltern nicht mehr. 12 ha Land und 5 ha Wald gehören zu dem Hof. Auf den Wiesen weideten früher Milchkühe. Der Wald wird nach wie vor genutzt. Dieses Jahr hat man wieder stark mit dem Borkenkäfer zu kämpfen.

2010 dachten Vater und Sohn über eine Umstellung der Viehwirtschaft nach. Von einer Ausstellung brachten sie sechs Alpakas mit. Damit habe alles begonnen. 2013 hat Sohn René mit seiner Frau Jasmin den Hof übernommen und 2014 kamen Lamas dazu. Seither werden auf dem Hof Alpakas und Lamas gezüchtet. Heute sind es um die hundert Tiere. Die Lamas liefern gutes Fleisch für Trockenfleisch und Würste, die Alpakas Wolle für Duvets, Mützen, Socken und Einlagesohlen. Die Wolle wird im Berner Oberland weiterverarbeitet.

Ursprünglich aus den Anden stammend, sind die Tiere sehr robust. Den Tierarzt braucht man auf der Farm selten und dadurch werden die Betriebskosten gesenkt. Aus diesem Grund und wegen des sinkenden Milchpreises haben Vater und Sohn damals umgesattelt. Von den 100 Tieren sind 30 Lamas, 70 Alpakas, davon sind 25 Hengste, 12 bis 20 Junge, und der Rest sind Stuten. Alle haben einen Stammbaum und sind gechipt. Jedes der Tiere trägt ein Namensschild um den Hals. Der Name beginnt jeweils mit dem Anfangsbuchstaben des Namens des Muttertiers.

Lamas wie Alpakas sind lustige Tiere. Jedes hat ein sehr individuelles Aussehen, eine ihm eigene Mimik und auch die farbliche Zeichnung ist bei jedem Tier wieder anders. Wäre ich Cartoonistin, dann hätte ich jetzt ein neues Buchprojekt. Wenn das grosse schwarze Lama seinen Kiefer verschiebt oder das Braune sein Kinn anhebt um den Kopf noch höher zu tragen, hat dies durchaus Unterhaltungscharakter. Einige andere Tiere aus der Herde scheinen vor sich hin zu schmunzeln. Die haben Humor! Scheu sind die meisten von ihnen. Die Ausnahme bildet eine Stute, die ganz nah an mich herantritt und an der Linse meines Fotoapparates lecken will. Ich frage nach, wie das mit dem berühmten Spucken ist. «Sie spucken in der Regel nur, wenn sie miteinander streiten oder sich bedroht fühlen», klären mich die Camenzinds auf.

Google sagt, dass Lamas spucken, um ihr Revier und ihre Stellung in der Gruppe zu behaupten. Es ist kein Speichel, sondern hochgewürgter Mageninhalt, der sehr gezielt, bis zu fünf Meter weit gespuckt werden kann. Ich bin froh, sehen sie mich nicht als Bedrohung!

Trotz aller Faszination und einem gewissen Unterhaltungswert dieser Tiere, braucht es eine grosse Portion Idealismus um hier oben Landwirtschaft zu betreiben. Es ist ein aufwändiges Hobby. Der Betrieb ist zwar selbsttragend, klärt mich René Camenzind auf, aber ernähren kann er die Familie nicht. René arbeitet hundert Prozent. Seine Eltern helfen immer noch täglich im Betrieb mit. So konnten die Camenzinds mit ihren zwei Kindern, André, 10, und Melina, 8, in den Herbstferien nach Spanien ans Meer fahren.

Die Tiere wollen täglich gefüttert und ausgemistet werden. Sie fressen im Sommer Gras auf den Weiden, sonst Heu, Silo und Emd. Zudem stehen Behälter mit Mineralstoffen bereit, aus denen sich die Tiere bei Bedarf bedienen können. Auch wenn der Hof kein Bio-Label besitzt, legt man Wert auf natürliche Nahrung ohne Zusätze. 

«Viele Leute meinen, diese Tiere geben wenig zu tun», sagen die Camenzinds. «Doch tatsächlich werden sie neben der täglichen Fütterung einmal im Jahr geschoren. Das dauert eine ganze Woche. Dann braucht es Klauenpflege, Zahnpflege, Impfen und entwurmen und wir müssen uns um den Vertrieb der verschiedenen Produkte kümmern, auch um den Verkauf des Fleisches. Allerdings sind sie sehr sauber und versäubern sich immer an derselben Stelle. So liegt der ganze Mist an einem Ort – auch auf der Weide – und die Tiere fressen kein verdrecktes Futter und schützen sich so vor Würmern.»

Die Familie Camenzind führt mit viel Herzblut ihre Lama-Alpaka-Farm. So helfen auch die Kinder gerne mal mit, manchmal eher weniger motiviert. «Manchmal müssen sie auch. Das gehört dazu», lacht Jasmin Camenzind. Sohn André grinst nur vor sich hin. Die Familie hält zusammen, man hilft einander.

Ich bin mir sicher, dass die Arbeit mit den Tieren allen einiges abverlangt, aber auch viel Freude und Befriedigung bringt. Die Liebe zur Landwirtschaft wird hier gelebt. 

(iel)

Trockenfleisch und Würste, Mützen und Socken sind direkt ab Hof zu kaufen.
Kontakt: www.alpaka-lamafarm.ch