Aktuell Wädenswil

Experimentierfreudiges Hochschulspektakel

Am 20. September lud das Hochschulspektakel Jung und Alt zu Spiel, Spass, Musik und Wissenschaft ein. Hier durften die Besucher über die Planke gehen, Nägel mit Köpfen machen, den Bullen reiten und einen Blick in die Zukunft werfen.

Bereits vor 16 Uhr tummeln sich Interessierte auf der Eidmattwiese, Nichtsahnende wer-den von den wummernden Bässen des Zugers DJ Rob.Oh auf das Schulgelände gelockt. Von den Foodwagen und Ständen duftet es bereits nach Essen. Ins Blickfeld geraten gleich die beiden Bullenbrüder, auf denen versuchen Kinder sich fest-
zuklammern. Die Bullridingmaschinen können synchron gesteuert werden und eignen sich daher für Duelle – zu vorgerückter Stunde vor allem für Erwachsene ein Spass.

Sehr wissenschaftlich wird es beim Zelt mit dem Trockeneis und den Reagenzgläsern. Die Kinder werden ordentlich mit Schutzbrillen und -kleidung versorgt, bevor sie sich daran machen, mit Trockeneis und Spülmittel im wahrsten Sinne des Wortes überschäumende Reaktionen hervorzurufen. Weitere Kinder hinterlassen mit farbloser «Tinte» geheime Botschaften auf Zetteln. An einem Tisch stehen Reagenzgläser bereit und ein Hochschulmitarbeiter unterweist die Kinder in einer weiteren Tüftelei, bei der aus einer Extraktion von Rotkohl mit Hilfe von einem Tropfen Essig die Farbe verändert werden kann. Je nach Beigabe einer säurehaltigen oder basischen Substanz beginnt die farbliche Veränderung. Die überraschten Ausrufe der Kinder zeugen von deren Freude an diesem eigentlich harmlosen, aber nichtsdestotrotz wissenschaftlichen Experiment. Die Besucher dieses Standes dürften sich ganz besonders auf das Spektakel der alljährlichen, sehr beliebten Chemieshow auf der Bühne gefreut haben.

Hochhaus auf der Schulhauswiese
Nach anfänglichem Zögern ist die Station zum Austesten der Shutterbrillen, welche beim Träger eine virtuelle Realität heraufbeschwört, völlig ausgelastet. Mittels Brille und Fly­stick soll der Träger etwa in einem Hochhaus den Lift bedienen, einen Gegenstand vom Boden aufheben oder auf dem Baugerüst über eine Planke gehen. Da sich der Benutzer tatsächlich auf einem auf der Wiese liegenden Brett befindet, ist die gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit, den physikalischen Gegebenheiten und der virtuellen Umgebung eine ziemliche Herausforderung. Die Fachleute der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) erklären gerne die Vorteile und Bandbreite dieser Technologie. Diese wird längst nicht nur für Videospiele und den Unterhaltungsmedien gebraucht, sondern findet auch Anwendung in Ausstellungen, bei der Raumplanung oder im Arbeitsschutz. An Ort und Stelle wurde auch für die zukunftsgerichtete Ausbildung in computergestützten Biowissenschaften geworben.

Es geht aber auch ohne technische «Eingriffe», etwa beim Versuch, Nägel in grosse Holzblöcke zu treiben – mit der Finne. Gar nicht so einfach. Spass bereitet auch das Traditionsspiel «Kubb» der Wikinger, allerdings wird versucht den mittig platzierten Holzklotz nicht mit Äxten, sondern mit Wurfhölzern umzuwerfen. Die Kinder vergnügen sich vor allem beim Versuch, riesige Seifenblasen zu produzieren, die Hüpfburg zu malträtieren oder mit einer alten Velopumpe in Farbe getunkte Korkzapfen auf eine Zielscheibe zu schiessen. Der Spielspass wurde von der Jubla (Jungwacht/Blauring Wädenswil-Au) organisiert. Allseits beliebt sind auch die spannenden, wunderbaren Märchenerzählungen von Therese Bachmann.

Zukunftsprojekt Nachhaltigkeit
Ganz der Problematik der Umweltverschmutzung und Nachhaltigkeit verschrieben hat sich die Forschungsgruppe Lebensmittelverpackung. Sie erfinden und untersuchen innovative, nachhaltige, bioabbaubare Verpackungsmaterialien und testen diese aus. Auch die Optimierung der Verpackungsprozesse ist ein wichtiges Thema. Prototypen dieser Materialien liegen zum Anschauen und Anfassen vor und die Erklärung der wissenschaftlichen Mitarbeiterin, eine dieser Folien würde aus Chitosan der Mehlkäfer bestehen, sorgt für ungläubiges Staunen. Chitosan wird aus Insektenexoskeletten oder Krustentierschalen gewonnen und ist somit biologisch abbaubar.

Weiteres Material kann aus Nebenströmen der Lebensmittelindustrie gewonnen werden, wie beispielsweise Kartoffel- und Eierschalen. Dies würde zudem den vielumstrittenen Lebensmittelabfall reduzieren. Polysaccharid ist die derzeit interessanteste Zellulose für die Forscher, denn es ist weltweit am häufigsten vorhanden, da es nebst in Chitosan in unzähligen pflanzlichen Substanzen vorkommt – beispielsweise auch im Gras.

Unterhaltung bis nach Mitternacht
Derweil sich die vielen Besucher jeden Alters auf dem Gelände tummeln, sich informieren, beraten und begeistern lassen, wird von der Bühne aus musikalisch und tänzerisch unterhalten. The Nozez gefallen mit akustischen Instrumenten und breit gefächertem Musikspektrum, das Quartett Divers­Arte bewegt das Publikum mit ihren fliessenden Tanzbewegungen. Auf den Bankreihen im Festzelt und den Strohballen auf der Eidmattwiese geniesst man leckeres Essen und ein Feierabendbier.

Das Bühnenprogramm zieht sich weit nach Mitternacht hin mit der Solokünstlerin Skyler Wind und den ebenfalls zürcherischen Soul-Blues-Band The Raw Soul. Den Abschluss macht DJ Flavio Stonex und legt für die Nachtschwärmer Tanzbares auf. (rb)