Wädenswil

Wo akademische Laufbahnen ihren Anfang nehmen

Die ZHAW will das Interesse an naturwissenschaftlichen Disziplinen fördern und den Nachwuchs motivieren. Mit der Science Week wurde ein erfolgreiches und beliebtes Modell dazu geschaffen: In dieser Woche können Jugendliche auf spielerische und entspannte Art Forschung schnuppern und erste positive Erfahrungen machen.

«Wer könnte motivierter sein als die Kinder, die in ihren Ferien zu uns kommen?» Diese Frage stellt Urs Hilber, Direktor der ZHAW Life Sciences und Facility Management, in seiner Begrüssungsrede am Eltern- und Medientag zur diesjährigen Science Week an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Sie verlangt nach keiner Antwort. Beweis dafür sind die 170 Jugendlichen, die über 400 Kurse aus dem Angebot von sechs ganztätigen Veranstaltungen gebucht haben – so viele, wie noch nie.

Auch Philipp Kutter, Stadtpräsident von Wädenswil, spricht von Glücksmomenten über die Existenz dieses Angebotes in «unserer Stadt» und auch von Bedauern, dass es solches früher nicht gab. «Wer weiss, ob ich dann Politiker geworden wäre und nicht einen vernünftigen Beruf erlernt hätte.» Kutter hofft, dass seine Töchter das Angebot einst nutzen werden.

Die Hoffnung der Hochschule liegt auf dem Nachwuchs, den man mit der Science Week begeistern möchte. Denn immer noch herrscht ein Fachkräftemangel bei den sogenannten Mint-Fächern. Obwohl ein solches Studium gute Zukunftsaussichten verspricht, herrscht immer noch eine gewisse Zurückhaltung gegenüber den als schwierig geltenden Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Diese Tage sind dazu gedacht, den Jugendlichen mit den angebotenen Kursen einen direkten Zugang zu ermöglichen. Den Spirit der Neugier und Begeisterung will man nutzen, um sie für ein Studium an der Hochschule zu motivieren.

Erfolgreiches Ferienprogramm
Die Science Week wurde von Azita Ambühl-Khatibi ins Leben gerufen und findet unter ihrer Leitung nun schon zum sechsten Mal statt.

An einem Tag werden interessierte Eltern und Medienschaffende eingeladen. Vor dem eigentlichen Rundgang durch die einzelnen Kurse referiert Biologie-Dozent Robert Kuhn über mögliches Leben im Sonnensystem. Nach diesem spannenden Vortrag würden sich wohl auch einige der Zuhörer in Folge am liebsten in den einen oder anderen Lehrgang einschreiben.

An diesem regnerischen Mittwoch aber verfolgen wir als Zuschauer das Tun und Forschen von Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren. Vom 5. bis 9. August dürfen sie Naturwissenschaften hautnah erleben, indem sie Themen aus den Bereichen Chemie, Biotechnologie, Lebensmittel, Umwelt und Technik auf anschauliche Weise behandeln: Aus Milch wird eigener Mozzarella hergestellt, intelligente Roboter mit Lichtsensoren werden gebaut, Farben von Lebensmitteln werden extrahiert und der dazugehörige pH-Wert bestimmt. Am meisten Zulauf hat der Kurs «Erforsche die DNA, den Bauplan des Lebens», der von über 100 TeilnehmerInnen besucht wird. Hochkonzentriert pürieren die Schülerinnen und Schüler Tomaten und Erdbeeren mit einfachsten Mitteln, um schliesslich den Bauplan der Pflanzen mit ihrem eigenen zu vergleichen. Andächtig stellen sie ihre Reagenzgläser mit Speichelproben in die Zentrifuge und warten ruhig auf das Ergebnis. Es ist erstaunlich ruhig im Klassenzimmer, gewohnte Rangeleien finden nicht statt. In weissen Schürzen, die Hände in farbigen Gummihandschuhen und die Augen hinter Laborbrillen, hantieren Mädchen und Jungs hochkonzentriert mit Pipetten und Reagenzgläsern. Erfreulicherweise ist der Mädchenanteil in fast allen Kursen gleich gross, wenn nicht gar ein wenig höher als der der Jungen. Nur der Bau von intelligenten Robotern scheint vor allem die Jungs zu reizen. Gebannt blicken sie paarweise in ihre Laptops, um ihr kleines Gefährt zu programmieren, sodass der eingebaute Lichtsensor möglichst schnell und sensibel reagiert. Der Kurs ist dieses Jahr auf Platz zwei der Beliebtheitsskala. 

In der Mozzarella-Herstellung kneten wieder beide Geschlechter, paritätisch ausgeglichen, die weissen Käsekugeln, kneten sie und testen die Elastizität, kochen sie und folgen gespannt den begeisterten Ausführungen ihres Kursleiters, der für sein Fach zu brennen scheint. Ein Junge möchte auch die kleinen Stückchen, die für die Degustation gebraucht werden, nicht verschwenden und lieber nachher essen, doch die Degustation soll wissenschaftlich und beschreibend sein. Man erfährt spannendes über Sensorik und wo überall verteilt die Geschmacksnerven für Süsses auf der Zunge sind. Das Mittagessen ist erst in einer halben Stunde!

Aus der ganzen Schweiz sind die begeisterten jungen «Forscher» angereist. Oft seien es Schulkollegen oder Geschwister, die ausschlaggebend seien für eine Teilnahme, manchmal die Schule oder Eltern und ganz wichtig sei auch das Internet, meint Birgit Camenisch, Leiterin Kommunikation an der ZHAW Wädenswil. Und für kleinere Forscher gibt es den Children’s Club, den die 6- bis 11-jährigen besuchen können. Über 80 Kinder haben dieses Angebot genutzt.

Dieses Jahr kommt knapp die Hälfte aller Teilnehmer aus dem Kanton Zürich, ein guter Teil aus der näheren Umgebung, aber auch einige aus der ganzen Deutschschweiz.

Und niemand wundert’s wenn in dieser Woche ein paar akademische Laufbahnen ihren Anfang nehmen. (iel)