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«Eine Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit den älteren Mitmenschen umgeht»

Dies sprach Regierungsrat Ernst Stocker anlässlich des Tags der offenen Tür mit Einweihung des neuen Annexbaus im Alterszentrum Fuhr. Der gutbesuchte Anlass gab spannende Einblicke in den Betrieb der Alterseinrichtung – und schönste Ausblicke von der neuen Terrasse aus.

Erich Schärer, Präsident des Vereins Wohnzentrum Fuhr, konnte viel Volk auf der Fuhr, im neu umgebauten und erweiterten Wohnzentrum,  begrüssen. Der Tag stehe unter dem Motto «Was lange währt, wird endlich gut». Ende Mai konnten die zwei Jahre dauernden Um- und Neubauarbeiten abgeschlossen werden. Und so blickte Schärer zurück, begann im Jahr 1925, als 5 500 m2 Land gekauft wurden und wie Ende April 1928 das neue Altersheim eingeweiht wurde. Baukosten damals: CHF 577 000 «notabene mit allem Inventar», wie Schärer bemerkte. 1991/1992 wurde die Pflegeabteilung gebaut und 1999 erweitert, später wurde die Nachbarliegenschaft erworben und so konnten im Jahr 2004 25 Seniorenwohnungen eingeweiht werden. Beim aktuellen Um- und Anbau war die grosse Herausforderung für die Architekten, die Zentrumsleitung und die Mitarbeitenden, diesen während des normalen Betriebs zu realisieren. Dies sei gelungen, konnte Schärer vermelden, trotz des grossen Eingriffs ins Gebäude, und auch wenn von allen Seiten viel Toleranz gefordert wurde. Schliesslich konnten auch die neu geschaffenen sechs Wohnungen bereits vermietet werden – und dies auch zu absolut konkurrenzfähigen Preisen. 

Auch Regierungsrat Ernst Stocker freute sich: «Der Bau ist abgeschlossen, und es ist gut herausgekommen». In Wädenswil sei die Fuhr ein Begriff. Es sei eine gute Adresse, es herrsche ein guter Geist und das Angebot werde geschätzt. «Es ist ausserordentlich wichtig, dass man solche Institutionen dort hat, wo man zuhause ist. Gerade wenn man älter wird, ist es wichtig, dass man den Weg finden kann zwischen Selbstbestimmung, Respekt und Würde», sagte der Wädenswiler, dessen Eltern auch auf der Fuhr leben. Auch hob er die besondere Lage hervor: «Wenn die Welt etwas kleiner wird, dann wird es aus meiner Sicht wichtig, dass man auf den See, die Glarner Alpen oder den Säntis sieht». Auch Ernst Stocker weiss natürlich, dass die Gesellschaft immer älter wird, bemerkte aber auch, dass der Kanton Zürich im Vergleich zu anderen Kantonen dank seiner Attraktivität noch einige Vorteile habe. Auch appellierte er an die Solidarität: «Wenn jede Altersgruppe nur für sich schaut, wird es keine Lösungen geben; wir werden uns alle zusammenraufen müssen». Und so kam er zur Kernaussage seiner Rede: «Ich glaube, dass sich eine Gesellschaft daran misst, wie sie mit den älteren Mitmenschen umgeht. Meines Erachtens ist dies in unserem Land bisher gut gelungen, und wir tun gut daran, dass das so bleibt.»

Philipp Kutter dachte bereits an sein Altenteil und fand, dass er dereinst auch gerne da wohnen würde. Ihn dünkte, dass die gute Stimmung hier auf der Fuhr der Gesundheit förderlich sei, dürfe er doch besonders oft hierhin zum Gratulieren. Für diese gute Stimmung brauche es aber einen ganzen Haufen Leute, die anpacken. Man müsse auch fit wie ein Hürdenläufer sein, um ein solches Projekt stemmen zu können. Nur sei der Unterschied zum Hürdenläufer, dass dieser die Hindernisse kenne – bei so einem Bau jedoch wisse man nicht, wie viele Hürden kommen – und es seien sicher mehr, als dass man meine. Kutter erinnerte auch an Erich Schärers Vorgängerin, die viel zu früh verstorbene Regina Aklin, die sich mit viel Kraft für dieses nun abgeschlossene Projekt einsetzte.

Als letzter Redner gab Pfarrer Ernst Hörler den Bewohnern des Hauses seinen Segen. Als reformierter Pfarrer könne er nicht ein Haus segnen, jedoch eben die Bewohner, «die hier gehen ein und aus», und nahm so Bezug auf den Haussegen «Christus mansionem benedicat» – «Christus segne dieses Haus». «Ein gesegnetes Haus ist es dann, wenn die Menschen in einem Haus einander Gutes tun, vor allem auch einander Gutes sagen – zusagen –, egal in welcher Funktion die in diesem Haus ein- und ausgehenden Personen sind», meinte der Pfarrer. 

Im Anschluss an den offiziellen Teil konnten sich die Besucherinnen und Besucher auf geführte Rundgänge begeben und sich von der hohen Lebensqualität, die auf der Fuhr herrscht, selbst überzeugen. Wer gut aufpasste, hatte gute Chancen, beim Wettbewerb einen Preis zu gewinnen; wer sich eher auf das Glück verliess, machte beim Ballonflugwettbewerb mit. Bei Speis und Trank im eigens aufgestellten Festzelt liess es sich dann auch noch gut übers Älterwerden diskutieren, während die «Oldies aus Appenzell» mit ihren Ohrwürmern unterhielten.

Sowohl Erich Schärer vom Verein Alterszentrum Fuhr, wie auch Zentrumsleiter Peter Brändli waren begeistert vom Publikumsaufmarsch und auch vom Interesse, das ihrer Organisation entgegen gebracht wurde. Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Fuhr gingen die Feierlichkeiten gleich weiter: tags darauf durften sie ihre Angehörigen zum jährlichen Fuhr-Fest einladen. (stb)