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Hütten, der wohl schönste Stadtteil Wädenswils

Dieser Titel mag für einen Meierhöfler, einen Hangenmösler, einen Örtler oder einen Schönenbergler möglicherweise etwas überheblich klingen, würde aber von jeder Hüttnerin und jedem Hüttner mit Sicherheit und Überzeugung bestätigt werden.

Hütten, der südlichste Ort des Kantons Zürich, blickt nach einer gut 200 Jahre dauernden Zeit als eigenständige Gemeinde auf eine bewegte Geschichte zurück. Der interessierten Leserschaft sei hierzu die von Prof. Dr. h.c. Peter Ziegler 1987 geschriebene und im Verlag Stutz AG erschienene Broschüre «Hütten» empfohlen.  

Die perfekte Lage der Ortschaft auf der sanft gewellten Moränenlandschaft wussten sich die Lehensbauern schon im Mittelalter zu nutzen. Bereits 1270 wird der Ort mit «Ze dien Huit­ten» urkundlich genannt. Die Bezeichnung lässt darauf schliessen, dass die erwähnten Gutshöfe eigentliche Senntumshöfe waren und im Gebiet des Ottensegels, heute im Segel, des Langmoos, zu Hütten und der Laubegg lagen. Als Grundeigentümer dieser Höfe und Viehweiden pachteten die Freiherren von Wädenswil vom Abt von Einsiedeln weitere Nutzflächen beidseits der Sihl. Der Abt verlangte aber, dass die Gutshöfe an die Bauern weiter verliehen wurden. Sattsam bekannt ist, dass der kinderlos gebliebene letzte Freiherr von Wädenswil namens Rudolf III. in arge Geldnöte geraten war und deshalb nach und nach seine sämtlichen Ländereien veräussern musste. So gingen die Ländereien im Ottensegel an die Fraumünsterabtei in Zürich und die Güter zu Hütten, Laubegg, Langmoos und die Schweigen beidseits der Sihl an das Kloster Wettingen. 1287 übernahm der Johanniterorden per Kauf und als Rechtsnachfolger der Freiherren von Wädenswil einen Grossteil der Höfe und Ländereien in Hütten. Einzig die Fraumünsterabtei hielt an ihrem Besitz im Ottensegel fest. 

Der lange und beschwerliche Kirchgang nach Richterswil –  die Hüttner Höfe und ihre Bewohner gehörten zur Pfarrei Richterswil – war der Hauptgrund für den Bau einer Kapelle im Jahre 1490, die im Jahre 1496 eingeweiht wurde. Der Tag der Weihe fand am Sonntag vor Margarethen (15. Juli) statt, und an diesem Tag wurde über viele Jahre die Kirchweih, oder später die Chilbi, gefeiert. Dass es dabei manchmal hoch zu und her ging, beweist eine Strafe aus dem Jahre 1623, als einige Personen von den hohen Herren in Zürich gebüsst wurden, weil sie – trotz Verbot – getanzt hatten. Die Festfreudigkeit ist den Hüttnern aber bis heute erhalten geblieben. 

Schauplatz der Villmergerkriege
Im 1. Villmergerkrieg brandschatzten katholische Schwyzer Krieger das Dorf Hütten. Im Zuge der Plünderungen und sonstigen Übeltaten steckten sie auch die Kapelle in Brand. Nach langen Jahren der Zugehörigkeit zur 1703 gegründeten Kirchgemeinde Schönenberg, verfügte der kleine Rat in Zürich am 17. August 1824, dass Hütten eine eigene Pfarrei werden durfte. 1826 zog der erste Pfarrer in das neue Pfarrhaus in Hütten ein. 

Im 2. Villmergerkrieg von 1712 verhinderte eine Kriegslist des Wädenswiler Rittmeisters Eschmann, dass die Schwyzer und Zuger Truppen das Dorf Hütten ein zweites Mal besetzen und zerstören konnten. Einzig im Gebiet Bergli konnten sie ihre Wut über das Scheitern ihres Angriffs an den wehrlosen Bewohnern austoben. Noch zwei Mal musste die Hüttner Einwohnerschaft kriegerische Ereignisse über sich ergehen lassen. 1799 bekriegten sich österreichische und französische Truppen im Raume des Hüttnersees, und im Sonderbundskrieg von 1847 lag Hütten wieder im Grenzbereich der Sonderbunds- und der Tagsatzungstruppen. Just 101 Jahre bevor der Schreibende in Wädenswil das Licht der Welt erblickte, brannten Schwyzer Truppen am 14. November 1847 die Hüttnerbrücke nieder. Auch in den folgenden Tagen kam es im Raum Hütten immer wieder zu kleineren Gefechten, aber grössere Schäden waren keine mehr zu beklagen. Bezeichnend für die nicht gerade freundnachbarlichen Beziehungen zwischen den katholischen Schwyzern und den protestantischen Zürchern sei ein schwyzerischer Aberglaube erwähnt, an dem die Schwyzer stur festhielten. «Wenn man dem Zürcher Wappen auf dem Grenzstein bei Hütten eine Schlage gebe, fühle es der ganze Kanton übel!» 

Eigenständigkeit
Endlich, und nach langen Querelen mit der Kantonsregierung, konnte auch Hütten die politische Eigenständigkeit ver­mel­den. Als eigentliches Gründungsdatum muss der 15. Dezember 1799 genannt werden. An diesem Tag fand nämlich die erste Gemeindeversammlung in Hütten statt. Was nun folgte, waren Jahre des Wachsens und Gedeihens eines kleinen, armen, aber wackeren Dorfes mit einem Ortskern rund um die Kirche und vielen, zum Teil weit verstreuten, Bauernhöfen. Auf 750 Meter ü. M. gelegen, kämpften die Hüttner zum einen mit langen und harten Wintern, konnten zum anderen dafür aber von der fast nebelfreien Lage profitieren. Dies wussten vor allem reiche Zürcher zu nutzen. In den ersten fünf Dekaden des 19. Jahrhunderts reiste viel Volk aus Zürich nach Hütten, um hier Molkenkuren durchzuführen und Spaziergänge in der gesunden Bergluft zu unternehmen. Die in der Landwirtschaft Beschäftigten stellten zwar den Löwenanteil der Bevölkerung, aber es gab auch etliche Handwerksbetriebe, die jedoch vorwiegend für den Bedarf der Bauern arbeiteten. 

Die grosse Gemeindefusion mit Wädenswil und Schönenberg beendete am 31. Dezember 2018, und nach 219 durchaus erfolgreichen Jahren, die politische Eigenständigkeit der Gemeinde Hütten. Unvermindert weiter geht aber das nach wie vor intakte und rege Vereins- und Festleben in Hütten. Der gute Geist und das friedliche Zusammenleben einer kleinen Dorfgemeinschaft fusst im Bestreben der Hüttner Ahnen, die durch äussere Umstände dazu gezwungen waren, dass sie zusammenrücken mussten. Dieser gute Geist lebt in den Hüttnerinnen und Hüttnern der Gegenwart weiter und er wird auch in der weiteren Zukunft weiterleben.

Walter Tessarolo

Bild: Fritz Fankhauser

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