Wädenswil

Noelle Streuli lebt ihren Eiskunstlauf-Traum

Noelle Streuli ist elf Jahre alt und eine der besten Eiskunstläuferinnen in ihrem Alter in der Schweiz. Trotz fehlender Trainingsmöglichkeiten in Wädenswil verfolgt sie beharrlich ihren Weg und ihr Ziel: die Aufnahme ins Nationalkader.

Erstmal ist Noelle eine ganz normale Jugendliche und Schülerin in Wädenswil. Sie wächst in der Mittler Rüti auf, besucht die fünfte Klasse im Schulhaus Langrüti, zeichnet, liest und schreibt gerne. Daneben aber verfolgt sie mit grossem Ehrgeiz ihren Traum vom Eiskunstlauf.

Im Winter 2011/2012 betrat die damal Viereinhalbjährige das erste Mal die Eisbahn auf dem Seeplatz – der Beginn einer vielversprechenden Karriere. Kurz darauf begann Noelle mit dem Training, Nicole Fortescue nahm sie unter ihre Fittiche und führte Noelle vom ersten Sternli- bis zum Bronze-Test. Schon früh absolvierte Noelle sehr viele Wettkämpfe; an den meisten davon erreicht sie Podestplätze. Sie wird für ihren schönen Laufstil sehr oft gelobt. Einen ersten Karrierehöhepunkt erreichte sie 2016, als sie bei der Eislaufshow Art on Ice im Zürcher Hallenstadion als eines von sechs Kindern während des Showblocks von «The Jacksons» übers Eis tanzen durfte. Aktuell trainiert Noelle Streuli im Eislauf-Club Heuried, startete vor einem Jahr erstmals an den Schweizermeisterschaften in der Kategorie Mini, wo sie in der Kür den 9. Rang, im Kurzprogramm den 13. Rang belegte. Auch 2018 erreichte das elfjährige Talent schon einiges: im Februar erreichte sie an einem Wettkampf in Berlin den ersten Platz und durfte mit dem goldenen «Kleinen Berliner Bär» nach Hause fahren. Im Oktober dann der wohl grösste Erfolg in der noch jungen Karriere, wo sie den beliebten internationalen Alpenpokal in Oberstdorf DE gewinnt. Für die Teilnahme an diesem Wettbewerb wurde sie selektioniert.
Doch damit die Karriere von Noelle weiter Fahrt aufnehmen kann, ist die Mithilfe der ganzen Familie gefragt. Die Eltern erzählen: «Noelle trainiert mittlerweile sechs Mal pro Woche im Zürcher Heuried, da braucht sie unsere Chauffeurdienste. Und die Wettkämpfe an den Wochenenden irgendwo in der Schweiz oder im Ausland werden so zu Familienausflügen.»
Doch Familienunterstützung reicht schon lange nicht mehr aus für die erfolgreiche Jungsportlerin. Ihre Choreografien stellt Salome Brunner zusammen. Brunner arbeitete mit Stéphane Lambiel und Sarah Meier, kreiierte etwa Stéphane Lambiels Silberkür von Turin. Sie war es auch, die schon früh das Talent von Noelle entdeckte, sie zu Trainings auf die Dolder-Eisbahn einlud und sie bis heute fördert.Mit Sergiy Kirichenko hat sie einen namhaften Ballettrainer, der zusammen mit seinem Zwillingsbrunder einst von Heinz Spoerli entdeckt und für das Opernhaus Zürich engagiert wurde. Auf dem Eis wird die Wädenswilerin aktuell von Irene Ruetz und Denise Biellmann trainiert. Biellmann, Europa- und Weltmeisterin, sagt über Noelle: «Sie hat das nötige Rüstzeug, um in diesem harten Sport bestehen zu können!»
Noelle ist seit einiger Zeit Besitzerin einer Swiss Olympic Talent Card und ist Mitglied im Zürcher Kantonalkader. Sie hat auch den zweithöchsten Test aller Eiskunstlauftests, den Intergold-Test, in diesem Jahr bestanden. Dies öffnet ihr in der Schule einige Türen. So ist sie etwa vom Sportunterricht und auch von der Handarbeit dispensiert. «Dies gibt uns ein Minimum an zusätzlicher Eiszeit, zum Beispiel am frühen Morgen. Ohne dies wäre ein geordneter Trainingsbetrieb nicht möglich. Und wir sind sehr froh über das unkomplizierte Entgegenkommen der Schule», sagt Noelles Vater. Und was sagen die Klassengspänli zu Noelles Karriere? «Die meisten freut’s, was ich tue», sagt Noelle.

Im November und im Dezember erreichte Noelle an den Swiss Cups (Quali-Läufe für die Schweizermeisterschaft U12), zuerst den 2. Rang von 44 Teilnehmerinnen und danach den Sieg im Wallis.
Im Januar steht der nächste grosse Wettkampf an: Die Schweizermeisterschaften in Rapperswil-Jona. 40 Startplätze werden vergeben, Noelle ist dabei.

Und was hat Noelle Streuli selbst für Ziele? Aktuell arbeitet sie am Doppelaxel, dem schwierigsten Sprung im Eiskunstlauf, und den Dreifachsprüngen. Langfristig will sie sich für das Nationalkader qualifizieren. Den Leistungssport und die Schule unter einen Hut zu bringen, wäre ein absoluter Traum für die Zukunft. (stb)