Veranstaltungen Wädenswil

Rückblick auf die Hippie- und Schlager-Fasnacht

Und schon ist sie wieder vorbei – die fünfte Jahreszeit. Schlagerstars und (Alt-)Hippies waren überall anzutreffen, viele Lokale dekorierten im Stile der 60er- und 70-er-Jahre. Doch nun darf der Hippie-Bus wieder in die Garage.

Mit einer eigentlichen Vorfasnacht – der Schnitzelbankfest-Premiere am Freitag und der Beizenfasnacht am Samstag – begann am Wochenende vom 5./6. Februar das fasnächtliche Treiben in Wädenswil.

Die wiederbelebte Beizenfasnacht erfreut sich je länger je mehr grösserem Zustrom, so dass in allen beteiligten Beizen ein buntes Treiben herrschte. Da die Wädenswiler Guggen auswärts engagiert waren, war das Feld frei für verschiedene kleinere Formationen aus der näheren Umgebungen. So traten im Rössli, im Nöihüsli, im Löwen, der Schmiedstube und im Konfetti etwa die «Gentlemen» aus Jona, «Saleleujah» aus Zürich, die Samstagerer Bergföhn-Clique sowie die heimischen Tambouren und Wüelmüüs auf und sorgten für beste Unterhaltung bis in den Morgen hinein.

Das eigentliche Fasnachtswochenende begann traditionell mit dem Einschellen sowie der Schnitzelbank-Reprise. «Uf de Gass» nennt sich das grosse Platzkonzert am Fuss der Türgass, seit je her organisiert von den Trubadixern – diesmal mit 12 teilnehmenden Guggen, darunter Formationen aus dem Bündnerland und auch aus Deutschland. Dies war denn auch die richtige Einstimmung auf den dritten Wättischwiler Nachtumzug, der mit 48 Umzugsgruppen so gut besucht war wie noch nie, was auch zur Folge hatte, dass erstmals nicht direkt auf der Umzugsroute aufkolonniert werden konnte, sondern wie beim sonntäglichen Grossen Umzug vor dem Glärnischkreisel Aufstellung bezogen wurde.

Schnitzelbankfest

Nur noch wenige Plätze übrig blieben für die Schniba-Premiere, die Reprise zum Fasnachtsauftakt war restlos ausverkauft. Und das Publikum wurde mit tollen Nummern sowie bester Fasnachtsmusik unterhalten. Nach der Ansprache durch den Präsidenten der Neuen Fasnachtsgesellschaf – Christoph Lehmann – war auch schon die erste Überraschung fällig: als Conférencier amtete «Brauni» Cogliati, Gründungsmitglied der Panzerknacker-Klickä. Er führte durch den Abend, mal mit Ukulele, mal mit Gitarre «bewaffnet». Die Jungtambouren und später am Abend auch die «grossen» Tambouren zeigten einmal mehr ihre grosse Fingerfertigkeit mit Drumsticks, überzeugten mit grossem Taktgefühl und schneller Reaktion.

Die Halbedlen vo Wättischwil machten es sich (virtuell) bei den Röömtebööms im Basislager an der Zugerstrasse bequem und lästerten von dort aus über Geschehenes und lieber Ungeschehenes – dabei kompetent bedient vom echten Röömtebööms Josi.

Nicht mehr wegzudenken aus einem Schnitzelbankfest sind die Luggebüesser. Giuseppe, der radebrechende Stadtangestellte mit Reinigungsaufgaben, machte sich dieses Jahr vor allem Gedanken um die Müllentsorgung auf dem Seeplatz und das dort fehlende Höhenfeuer am 1. August, während sich andere Fasnächtler telefonisch beim Rössli-Wirt für das schönstdekorierte WC-Wartelokal bedankten.
Höhepunkt des ersten Blocks – wenn nicht des ganzen Abends – war unbestritten Annekäthi Huuser mit ihrem Pfleger Gilbert. Unbeschreiblich etwa, wie die ältere Dame ihren Edelweiss-String oder ihre künftige Wahlkampagne für den Einzug ins Parlament präsentierte. Das sie auch ihren Pfleger hochnahm, der ihr aber gleich die Retourkutsche präsentierte und auch beide darüber lachen konnten – kaum zu toppen.
Das Generationenprojekt Deborah mit Max Walter gab manchen wunderbar flüssigen und träfen Reim zum besten, während Hojok wiederum die Wättischwiler Fasnacht aus der Sicht des – etwas labilen – Vaters, der gar mancher Versuchung erliegt, wiedergibt. Als erste der beiden heimischen Guggenmusigen legten die Trubadix los.
Die Wüelmüüs – in ihrem 13. Jahr auf der Bühne – hatten gar manchen passenden Spruch zu Geschehnissen nicht nur in Wättischwil, und es kann nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Stadt Wädenswil ihr unseliges Scherbenlogo flicken lässt. Die Wüelmüüs arbeiten jedenfalls konsequent und seit Jahren daraufhin.
Conférencier Brauni begab sich dann zu den Seinigen, und für alle Schniba-Besucher war nach dem Auftritt der Panterknacker klar: es muss wirklich «en Schissdräck» sein, wenn man während der Fasnacht im Knast sitzen muss. Der einfache Refrain, die gängige Melodie und die kurzen, treffenden Sprüche begeisterten. Unbezahlbar auch der talerschwingende Knacki beim Abschlussständchen: wäre der Auftritt noch eine Viertelstunde länger gegangen, er würde das Talerschwingen nun tadellos beherrschen. Den Abschluss eines gelungenen Abends machte die Guggenmusik, die selbst Gegenstand zahlloser Sprüche und Verse der heurigen Schniba war – die Wadin-Schränzer. Da ihr bestelltes Kostüm nicht rechtzeitig eintraf, präsentierten sie sich mit einem Querschnitt aus vergangenen Jahren. Keine schlechte Idee, feiert doch auch diese Musik wie viele andere Gruppen dieses Jahr Jubiläum (35 Jahre) und zeigte so einen Querschnitt aus vergangen Jahren unter dem Titel «Charivari».
Drei Umzüge standen schliesslich am Samstagabend – mit dem dritten Nacht­umzug –, dem Grossen Umzug am Sonntag sowie dem Kinderumzug am Montag auf dem Programm. Das Wetterglück früherer Jahre beschränkte sich diesmal auf den Umstand, dass die meisten Gruppen mehr oder weniger trocken durch die Umzugsroute kamen, ehe es wieder zu regnen begann. Trotzdem sah man viele farbenfrohe Sujets, schön illuminiert am Samstagabend, leuchtend und dem Regen so trotzend am Sonntag und mit Beteiligung des Nachwuchses am Montag.

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