Richterswil Veranstaltungen

Von Tüftlern, Visionären und Pionieren am Zürichsee

In der neuen Herbstausstellung des Ortsmuseums begibt man sich auf die Spuren einiger – eigenwilliger und weitsichtiger – Ingenieursbauten rund um den Zürichsee. Manche blieben Vision, andere erwiesen sich als zukunftsgerichtet und wieder andere wollen aus der Schublade ans Licht geholt werden.

Text: Reni Bircher
Bilder: Reni Bircher & zvg

Eine Standseilbahn in Horgen, eine Hängebrücke über den Zürichsee oder die Luftseilbahn über Zürich. Noch nie davon gehört? Es sind Möglichkeiten, Visionen oder Projekte, welche nur kurzzeitig umgesetzt worden waren und dann wieder abgebaut oder gar nicht realisiert wurden.
Dann sind da die Ingenieursbauten, welche sowohl offensichtlich wie «versteckt» unseren Lebensraum prägen: die Quellwasserleitung, welche seit 1908 Horgen, Thalwil, Rüschlikon und Kilchberg mit Quellwasser aus dem Raum Rothenturm versorgt, der Freyenweiher und der Sternensee, die zur Energiegewinnung angelegt wurden, der Seedamm oder auch die Autobahn A3, die ein Kind langfristiger Verkehrsplanung ist. Ihre Vorgeschichte reicht bis ins Jahr 1915 zurück; die konkrete Projektierung im Rahmen des Nationalstrassennetzes erfolgte in den 1950er-Jahren, 1966 wurde die N3 zwischen Zürich und Richterswil eröffnet. In dieselbe Zeit des ausgeprägten Wachstumsoptimismus fallen die Bevölkerungsszenarien des Ökonomen Francesco Kneschaurek, dessen Name später mit der «10-Millionen-Schweiz» verbunden wurde.
Eine weitere der drei vorgestellten Persönlichkeiten ist Arnold Bürkli. Als Zürcher Stadtingenieur war er massgeblich an der Neugestaltung der Stadt beteiligt. Nach seinen Projekten und unter seiner Leitung entstanden unter anderem die Bahnhofbrücke und die Bahnhofstrasse sowie mehrere neue Stadtquartiere. Zu seinen Ehren wurde an der Seepromenade der «Bürkliplatz» benannt.
Der Österreicher Alois Negrelli war unter vielem anderen Projektleiter für die erste Schweizer Eisenbahn, die Spanisch-Brötli-Bahn von Zürich nach Baden im Aargau. Er wurde von der eidgenössischen Regierung in verschiedene Kommissionen berufen und regte den Bau eines Schweizer Eisenbahnnetzes an. Negrelli wurde 1855 zum Mitglied der Internationalen Kommission für die Durchstechung der Landenge von Suez berufen und seine Ideen eines schleusenlosen Kanals angenommen.

Die Ausstellung wurde auf der Grundlage des 2025 erschienenen Buches «Nachhaltige Ingenieurbauten rund um den Zürichsee seit 1816» von den Gemeindeingenieuren Hans Burch (Horgen) und Hans Streiff (Richterswil) aufgebaut. Dabei sind vom Verein Ortsmuseum nebst den oben erwähnten Persönlichkeiten einzelne Gemeinden sowie Projekte ausgewählt worden, die in der Ausstellung präsentiert werden.
Kleine Highlights bilden dabei auch Kurzfilme und filmische Sequenzen der ingenieurstechnischen Errungenschaften, beispielsweise der Seedamm zwischen Pfäffikon SZ und Rapperswil, als dieser noch durch reine Manneskraft mechanisch geöffnet werden musste, wenn ein Schiff passieren wollte.
Auch haptisch hat die Ausstellung etwas zu bieten: zum Beispiel ein Teilstück einer Gasleitung oder ein Stromkabel, wie es im See verlegt wird, usw. Ein Modell einer Tunnelbohrmaschine, wie sie etwa beim Entlastungsstollen der Sihl im Einsatz war, wurde von einem Ingenieur in privater Regie gebaut und findet ebenfalls Einzug in den Bären. Das Originalmodell wäre acht Meter hoch, das übersteigt die Möglichkeiten des Ortsmuseums.
Übrigens: In der Kinderecke darf nach Herzenslust «gebaut» werden.
Die Ausstellung ist Historie, Inspiration, Vision und bietet spannendes und amüsantes Material für mehr als einen Besuch.

Ausstellung «Bauten am Zürichsee» vom 23. Oktober bis 29. November
Vernissage: Freitag, 23. Oktober, mit Vorstellung der Autoren des Buches «Nachhaltige Ingenieurbauten rund um den Zürichsee»
Öffnungszeiten: jeweils Mittwoch und Freitag von 16.00–19.00 Uhr, Samstag, 10.00–12.00 und 14.00–16.00 Uhr, Sonntag, 10.00–12.00 Uhr
Finissage: Sonntag, 29. November, 10.00–14.00 Uhr

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