Richterswil

Kunstschaffende verwandelten Töne in Bilder

Die Augen schliessen, der Musik lauschen und den Pinsel von den eigenen Emotionen führen lassen: Unter diesem Motto lockte die Ausstellung «Kunst und Musik» des Kunstvereins «Kunst du?» vom 25. September bis 4. Oktober 2026 zahlreiche Neugierige in den Bärenkeller des Ortsmuseums Richterswil. Es war eine faszinierende Ausstellung, bei der man, begleitet von Musik, tief in die Werke der Kunstschaffenden eintauchen konnte.

Text & Bilder: Noëmi Lea Hermann

Wie sieht ein Musikstück aus, wenn man es durch die Brille persönlicher Erinnerungen und Gefühle betrachtet? Der Kunstverein «Kunst du?» ging dieser Frage in seinem neuesten Ausstellungs-Projekt auf den Grund. Schon beim Herabsteigen in das historische Gewölbe des Bärenkellers spürte man an der Eröffnung der Ausstellung «Kunst und Musik» die besondere Energie: Der Ausstellungsraum platzte aus allen Nähten, und die Atmosphäre war von neugierigem Geflüster erfüllt.
Der Grund für den Andrang war das ungewöhnliche Konzept der Ausstellung von 18 Kunstschaffenden des Richterswiler Kunstvereins «Kunst du?»: Markus Bechtiger, Cathrin Blume, Nesrin Boldo, Renzo Boldo, Shalona Chandler, Maja Dürst, Isabelle Habegger, Martha Konrad, Maria Laubscher, Martin Lay, Alina Predescu, Vreni Probst, Suzanne Rufer, Tono Schindler, Artur Sowinski, Rodolpho Stocker, Corinne Véya und Meng Zhang waren diesmal mit von Partie. Alle teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler erhielten dieselbe Aufgabe, ein beliebiges Musikstück auszuwählen, dieses mit geschlossenen Augen auf sich wirken zu lassen und die dabei entstehenden inneren Bilder auf ein einheitliches Bildformat von 80 x 120 Zentimetern zu übertragen oder in eine eigene skulpturale Interpretation umzusetzen. Einer der Künstlerinnen, Cathrin Blume, liess sich vom Song «An Sommertagen» von Christina Stürmer zu ihrem Bild inspirieren: «Das Lied erinnert mich an das Gefühl, als man noch nicht im Erwachsenenleben, mit all seinen Verpflichtungen, stand. Ein Sommertag war Freiheit.» Dieses Gefühl überträgt sie auf ihr Werk durch das Motiv einer Frau, die in einem stürmischen Gewässer mit ausgesteckten Armen auf einem abstrahierten Turm steht.

Ein Raum voller Klangfarben

Das Resultat dieses kreativen Ausflugs in die Welt der Musik war eine erstaunlich lebendige Reise durch Farben und Formen: von sanft schwebenden Acrylbildern zu ruhiger klassischer Musik bis hin zu feurigen, wilden Farbexplosionen zu schnellen Rhythmen von Jazz bis Popmusik.
Eine weitere Besonderheit der Ausstellung: Die Besucherinnen und Besucher blieben nicht blosse Betrachter. An jeder Station lagen Kopfhörer bereit, und das eigentliche Abenteuer begann, sobald man das Musikstück, das den Kunstschaffenden zum eigenen Werk inspirierte, hörte: Im Moment, in dem die Musik im Ohr erklang, fingen die Pinselstriche an der Wand förmlich an zu leben, und man konnte tief in die Werke hineintauchen. Persönliche Begleittexte verrieten zudem, welche Gedanken und Erinnerungen dem Pinselstrich vorausgingen.
«Dieses Werk spiegelt die unglaubliche Energie eines jungen Komponisten wider. Digitale Musik, die einen aufrichtigen Weg beschreitet, geprägt von Hoffnungen, Entdeckungen, Neuem, Spannungen und Freude, um eine Verbindung zu den innersten Gefühlen der Zuhörer zu erwecken», so die Worte der Künstlerin Isabelle Habegger auf ihrem Begleittext.

Wenn das Betrachten selbst zur Bühne wird

Für ein zusätzliches Highlight an der Vernissage sorgte die Performance von Anja Brühlmann, Marc-André Flück und Christiaan Turk. Mit einer mitreissenden Mischung aus Schauspiel, Gesang, Klavier, Gitarre und verzaubernden Querflötenklängen zog die Performance das Publikum mitten ins Geschehen, wirbelte die gewohnte Vernissage-Routine auf und forderte die Besucher heraus, ihre eigene Rolle im Ausstellungsraum zu hinterfragen, und plötzlich wurde das Anschauen der Bilder zur lebendigen Bühne.
Dem Kunstverein «Kunst du?» ist mit der Ausstellung «Kunst und Musik», welche vom 25. September bis 4. Oktober im Bärenkeller des Ortsmuseums Richterswil zu sehen war, eine rundum inspirierende Synthese aus der Welt der Kunst und Musik gelungen, die über 550 Besucherinnen und Besucher in ihren Bann ziehen konnte.

Infos zu weiteren Ausstellungen des Kunstvereins «Kunst du?» unter: www.kunst-du.ch

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