Wädenswil

Gemeindeversammlung drunter und drüber: Theaterpremiere in der Kulturhalle

Nach 52 Jahren endlich wieder eine Gemeindeversammlung in Wädenswil! Diese führten aber nicht die Wädenswiler Politikerinnen und Politiker durch, sondern die Schauspielenden des Volkstheaters: Die Komödie «Heute Gemeindeversammlung» aus der Feder von Schauspieler und Autor Mike Müller, geschrieben im Jahr 2017. Das Volkstheater Wädenswil bringt diese Saison sein Stück mit ein paar Ergänzungen auf die Bühne der Kulturhalle. Was harmlos beginnt, kocht langsam über …

Text: Alexia Bischof
Bilder: Stefan Baumgartner

Die Einwohnerinnen Sibylle Bock (Heidi Diggelmann) und Emma Fresa (Margrit Meier) sowie der engagierte Bürger Herr Habegger (Heinz Brodbeck) sitzen im Publikum vor einer Tischreihe, an denen die meisten Gemeinderats-Mitglieder des Dorfes Fischbrunn bereit sind für die Gemeindeversammlung. In der Mitte der Gemeindepräsident, Raoul Furrler (Markus Zollinger), flankiert von seinem Gemeindeschreiber Marco Giannini (Stefan Marthaler). Auch der Schulvorsteher Martin Bühler (Janosch Bär) ist bereit. Ein Platz ist noch leer, die Gemeinderäte sind nicht überrascht – «Man weiss es ja». Nach der Protokollabnahme der letzten Versammlung ging es dann sofort mit dem zweiten Traktandum los. Die Motionärin, Frau Rebekka Enggist-Gaberthüel (Kim Kälin), brachte ihren Antrag – nach einigen Startschwierigkeiten – zur Subvention von Kindergeburtstagen dank Mikrofonunterstützung zum Vortrag, worauf sich der unbequeme Habegger an die «Gmeini» – wie er die Gemeindeversammlung nennt – wandte, und meinte, dass aus Lärmschutzgründen die Kindergeburtstage eigentlich sowieso verboten werden müssten.
Schliesslich wurde dann auch der letzte Platz auf dem Podest besetzt: Karin Roth (Seraina Kühne), die Finanzverantwortliche, ist mit Verspätung und grossen Tönen eingetroffen.

Als nächstes geht es um einen neuen Ort für die Schulferienlager. Es soll zwischen Fiesch im Wallis und dem Muotathal entschieden werden. Die Walliser Vertreterin der Burgergemeinde, Carla Volken (Christina Wildi), konnte elektronisch über «Teams» zugeschaltet werden, jedoch erst nachdem die von allen Augen beobachtete Leinwand nach langen 45 Sekunden endlich zu surren aufhörte und ihre volle Grösse präsentierte. Nach den Ausführungen zur Lawinensicherheit, einem perfekten Skigebiet und allen Unterstützungsmöglichkeiten im Bereich IT, schloss sie ihr Statement mit einem Glas weissem Walliser. Der Wetterschmöcker Karl Betschard hingegen (Walter Streuli) präsentierte sein Tal viel bodenständiger. Und weil seine Offerte mit zwanzig Prozent unter dem Walliser Angebot war, gab es aus finanzpolitischen Gründen keine wirkliche Diskussion über den neuen Ort – und so werden die Fischbrunner Oberstufenschulkinder künftig ins Muotathal in die Skiferien verreisen.

Nachdem immer wieder die Reihenfolge der Geschäfte moniert wurde und sich die KV-Lernende Nicole Fankhauser (Lea-Nora Cindri´ c) sich um fehlende Unterlagen für den Gemeindepräsidenten kümmern musste, steht die Einbürgerung an. Vesna Stojadinovi´ c (Tania Doppmann) schlug sich wacker durch den Einbürgerungstest, liess sich von Furrlers Telemark-Einlage nicht ablenken und wurde schliesslich mit 251:1 Stimmen grandios eingebürgert.

Nach der Pause verhandelte man die Fusion der beiden Nachbargemeinden. Ob sich so ein Geschäft monetär lohnt und wie es um die Feuerwehrfusion steht, waren gewichtige Fragen. Es zeigte sich, dass Politiker mit den richtigen Argumenten durchaus geködert werden können, ihre vorgefasste Meinung doch ins Gegenteil zu kehren. In der Folge wurde das eine oder andere Geheimnis, respektive die Vergangenheit einzelner Politiker, aufgedeckt. Das Geschäft nimmt immer mehr Fahrt auf, das Asylbewerberzentrum, eine Zonenplanänderung wegen eines bekannten Formel-1-Fahrers sowie «die Buben vom Kanton» wurden immer mehr zum Mittelpunkt der Diskussion. Keiner wurde geschont, es ging um Kieswerkaktien, Landbesitz, Magenbänder und mexikanische Callcenter.
Schliesslich kommt die Gemeindeversammlung zum Ende, ebenso wie die eine oder andere Politkarriere – mehr sei nicht verraten.
Lassen Sie sich überraschen, wer welches Amt inne haben wird und was unsere lieb gewonnenen Charakteren zukünftig machen werden. Eine Komödie, welche sich im wirklichen Leben glücklicherweise nicht in Wädenswil, sondern höchstens in unseren Nachbargemeinden links und rechts zutragen kann.

Die Premiere ging sogar mit der überraschenden Anwesenheit von Mike Müller über die Bühne, der kurzfristig Zeit fand für einen Besuch in Wädenswil. Er befand die Inszenierung seines Stücks durch das Wädenswiler Volkstheater als «sehr lebendig und gelungen». n

Noch bis 02.10.2026: «Heute Gemeindeversammlung» – Komödie von Mike Müller, inszeniert vom Volkstheater Wädenswil

24./25./26./27./29./30. September sowie 1./2. Oktober, jeweils um 20.00 Uhr, sonntags um 16.00 Uhr.
Kulturhalle Glärnisch, Glärnischstrasse 5, Wädenswil

Tickets: volkstheater-waedenswil.ch
oder im Kafisatz

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