Richterswil Veranstaltungen

Rückblick auf ein Leben mit Farben

In ihrer Ausstellung «Retrospektive – 1988–2026» lässt Margaret Snowdon die künstlerische Seite ihres Lebens ein letztes Mal für die Besucherinnen und Besucher Revue passieren.

Text & Bild: Reni Bircher

Vielen Menschen ist die Engländerin durch ihre Bilder mit den Birkenmotiven bekannt. Die filigranen und robusten Bäume leuchten mit ihren weissen, manchmal silbernen Stämmen vor dem Hintergrund. Durch die gespachtelte Farbe rücken sie noch näher an den Betrachter.
Doch Margaret Snowdon arbeitet in einem breiteren Spektrum von Maltechnik, Werkmaterial und Motiven. «Ich habe nach über 20 Jahren wieder begonnen mit Wasserfarben zu malen», erklärt die Künstlerin, welche kürzlich ihren 80. Geburtstag feiern durfte. Malen bedeutet Hingabe, sich kurzzeitig verlieren, dem Alltag entrücken. «Wenn ich merke, dass ich in ein Loch falle, dann male ich», erklärt sie, entschieden, sich von körperlichen Gebrechen und den Herausforderungen des Lebens nicht klein kriegen zu lassen.
Leicht ist das manchmal nicht. Als Margaret Snowdon ihren an Demenz erkrankten Mann Gigi verlor und offensichtlich wurde, dass sie ihre eigene Gesundheit durch seine Pflege vernachlässigt hat, zog es ihr den Boden unter den Füssen weg.

Die (Über-)Lebenskünstlerin

Im vergangenen Jahr erwachte ihr Kampfgeist wieder, und sie buchte bereits über ein Jahr im Voraus den Bärenkeller für eine Ausstellung. «Das gab mir eine Perspektive, ein Ziel, und zwang mich, mich aktiv mit meinen Werken auseinanderzusetzen und Neues zu schaffen.»
Die «Retrospektive»-Ausstellung ist ein Geschenk an sich selbst, zu ihrem 80. Geburtstag, den sie Ende Juli gefeiert hat.
Es wird aber auch ihre letzte Ausstellung sein.
Margaret Snowdon nimmt für sich selbst die Bezeichnung «Künstlerin» nicht in Anspruch: «Ich kann malen, das ist schön und gibt mir viel», erklärt sie ernst. «Für mich hat die Freude der Menschen, welche meine Bilder betrachten, einen weitaus höheren Stellenwert als der Erfolg.»

Eine ewigwährende Entdeckungsreise

Margaret Snowdon ist 1946 in Leeds, Yorkshire, geboren und aufgewachsen. Bereits in jungen Jahren mochte sie das künstlerische Handwerk zu faszinieren, und sie begann zu zeichnen und malen. Von jeher vermochten sie Szenen aus der Natur zu begeistern, welche sie mit unterschiedlichen Techniken auf Papier und Leinwand bannte und eine eigene Stimme verlieh.
Als die Engländerin 1966 erstmals die Schweiz besuchte, gefiel ihr Richterswil ganz besonders gut. Wenig Jahre später, 1971, zog sie nach Richterswil und gründete eine Familie. Hier begann auf einem Spaziergang um den Hüttnersee Snowdons Faszination für Birken, welche sie beinahe obsessiv zu malen begann, was ihr später denn auch den Beinamen «Birkenfrau» einbrachte, wie sie lachend erzählt.
Ihre zweite Ehe mit einem Italiener verschaffte ihr 1998 für ein paar Jahre ein spezielles Wohnarrangement: im Frühling und Herbst wohnte sie mit Gigi in Italien, Sommer und Winter in Richterswil. Dieser zeitweilige Ortswechsel in eine andere Kultur brachte wieder Ideen und neue Einflüsse in ihr künstlerisches Schaffen, weshalb man Margaret Snowdons Werke schlicht nicht an den Birken festmachen kann. Doch das entdeckt man wohl am besten in der kommenden Ausstellung.

«Retrospektive» vom 21.–30. August
Ortmuseum, Dorfbachstrasse 12, Richterswil
Vernissage: Freitag, 21. August, ab 18.30 Uhr
Ausstellung offen:
Dienstag–Freitag, 14.00–18.00 Uhr
Samstag & Sonntag, 11.00–16.00 Uhr

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