Der Ruderclub Sihlsee organisierte vom 4. bis 9. Juli eine Ruderwoche auf dem Zürichsee. Die Organisation «Ramer en Rose» möchte brustkrebs-erkrankten Frauen ermöglichen, gemeinsam rudernd mit Kraft ins Leben zurückzukehren. Die Woche ist so konzipiert, dass alle Interessierten,
unabhängig von Betroffenheit, Geschlecht oder Ruderkenntnissen, mitrudern können.
Text & Bilder: Ingrid Eva Liedtke
Im Hafen Wädenswil wartete ein speziell gefertigtes Boot auf die Ruderinnen. Fredi Trütsch, Präsident des Ruderclubs Sihlsee und ehemaliger Sportlehrer an der Stiftsschule Einsiedeln, hatte es speziell für solche Rudereinsätze gebaut. Das Boot sieht aus wie ein Katamaran ohne Segel. Es ist ein Prototyp, der stabiler ist als die üblichen Ruderboote, bei denen sich jede falsche Bewegung schnell auf das Gleichgewicht des Bootes auswirkt. Fredi Trütsch meint: «Das ist Rudern mit Stützrädern. Man kann rudern und auch noch ein bisschen die Umgebung anschauen. Man kann so gut Rudern lernen, weil die Bewegungsabläufe auch für Laien gut erlebbar sind. Und jede kann so viel Kraft einsetzen, wie sie gerade zur Verfügung hat.»
Rudern in Rosa
Rosa ist international die Farbe der Brustkrebsvorsorge und Aufklärung. Die rosa Schleife steht für die Solidarität mit an Brustkrebs erkrankten Menschen und soll das Bewusstsein für Prävention, Vorsorge und Früherkennung stärken. Bei «Ramer en Rose» handelt es sich um ein weltweit verbreitetes Ruderprogramm, das brustkrebsbetroffene Frauen zusammenbringt, die gemeinsam rudern, sich austauschen und gegenseitig stärken.
Die Initiative wurde 2021 in Zürich gegründet und ist Teil einer weltweiten Bewegung, die ihren Ursprung in Kanada hat. Heute rudern in vielen Städten Frauen, verbunden durch gemeinsame Erfahrungen und das Ziel, wieder ins Leben zurückzufinden, unterstützt von vielen engagierten Rudercoaches.
Meistens werden Ruderwochen organisiert, wie hier von den Ruderclubs Zürich und Einsiedeln. Viele Frauen finden so einen besseren Einstieg, und allgemein ist das Verständnis gross, dass jemand vielleicht gerade nicht so viel Power hat. Auch die Stille, die auf dem See im konzentrierten Rudern entstehen kann, hat eine heilende und meditative Wirkung.
Etwas zusammen machen
Felicia Bettschart vom Ruderclub Einsiedeln ist selbst von Brustkrebs betroffen. Sie hat diese Ruderwoche zusammen mit Fredi Trütsch, Präsident des Ruderclubs Sihlsee, organisiert. Sie sagt: «Es tut gut, wenn man einfach etwas zusammen machen kann und damit auch abgelenkt ist. Wir müssen auch nicht immer über unsere Betroffenheit sprechen.» Sibylle, eine der Teilnehmerinnen, war vor Jahren an Brustkrebs erkrankt. Sie habe immer gerudert, fühle sich jetzt aber zu wenig stark, um in einem Vierer zu rudern. Sie wolle dessen Rhythmus und Fluss nicht hemmen. Dieser Event hingegen sagt ihr sehr zu, denn: «Die Stimmung ist immer gut.»
Hände werden gereicht, sodass man mit Leichtigkeit das Boot besteigen kann, das kaum schwankt. Fredi überblickt alles und gibt – sehr liebenswürdig und geduldig – Anweisungen. Dann geht es los! Das stabile Boot lässt sich mit einfacher Technik bestens vorwärtsbewegen.
Fredi lotst das Schiff aus dem Hafen heraus, indem er den vordersten zwei Ruderinnen Anweisungen zuruft. Die Frauen in den hinteren Reihen müssen sich nur dem Rhythmus der vordersten Ruderinnen anpassen. Anfangs entstehen ein paar kleinere Tumulte, weil Ruder aufeinanderschlagen, weil Schläge nicht ganz abgestimmt sind, weil jemand träumte oder schlichtweg unkonzentriert war. Rudern braucht Konzentration. Trotzdem schaffen es die eine oder andere, noch ein lustiges Erlebnis zum Besten zu geben. Der Humor fährt mit.
Fredi meint: «Es geht darum, dass man miteinander vorwärtskommt, dass man sich dafür auch aufeinander abstimmen muss, einerseits, um den Takt zu halten, aber auch, um sich denen anzupassen, die gerade nicht so viel Kraft haben.»
Dieses integrative Moment interessiert Fredi, den passionierten Sportlehrer. Der Ruderclub Sihlsee will laut Leitbild offen sein für alle. Es biete sich somit an, solche Angebote zu machen. «Im Boot sind wir alle gleich, gleichzeitig am Ziel. Es ist nicht wie beim Velofahren oder Wandern. Da ist immer eine die Erste.» Felicia Bettschart nickt und sagt: «Genau. Man merkt sofort, wie sozial kompetent jemand ist. Es kommt vor, dass es manchmal kaum funktioniert.» Ursula ist eine der zwei vordersten Ruderinnen. Für sie ist der Rhythmus das A und O.
Rudern für Krebspatientinnen und -patienten
Jährlich gibt es über 6000 Brustkrebs- Erkrankungen in der Schweiz, davon sind nur 1% Männer betroffen.
Rudern kann Krebspatientinnen und -patienten in allen Phasen der Krankheit helfen, wie die Ruderwoche auf dem Zürichsee zeigt. Die Bewegung im Wasser fördert nicht nur die körperliche Genesung, sie stärkt auch die Muskulatur und aktiviert das Lymphsystem – und sie schenkt auch Zuversicht, Lebensfreude und das Gefühl, nicht allein zu sein. All dies hat einen mentalen Einfluss auf die Genesung. Zudem bietet «Ramer en Rose» einen geschützten Rahmen für den Austausch mit anderen Betroffenen.
Die Kurse im Rahmen von «Ramer en Rose» sind normalerweise keine
Wochenangebote. Es handelt sich vielmehr um regelmässig stattfindende Rudertrainings mit vorgängigen Einführungskursen. (ca. 6 wöchentlich stattfindene Lektionen).
Warum gerade Rudern?
Rudern ist, wie Felicia Bettschart informiert, ein gelenkschonender Sport. «Die Technik ist wichtig!» Der Sport kann sehr anspruchsvoll und konditionell herausfordernd sein. «Man kann sich total ins Zeug legen», erklärt sie, «aber man kann es auch schonend tun und gemütlich rudern. Zudem hat man nie ausgelernt und kann die Technik immer noch verfeinern.»
«Ramer en Rose» soll – laut Bettschart – zu den Leuten gebracht werden. Darum organisieren verschiedene Ruderclubs, zum Teil in Kooperation, solche Ruderwochen. «Wir möchten Angebote machen, wo Betroffene sich finden können und vielleicht auch die Freude am Rudern und der sportlichen Betätigung. Diese ist bei einer Erkrankung sehr wichtig und hilft auch bei Fatigue. Das Miteinander kann helfen, sich zu bewegen und sich nicht einfach zu ergeben!»
Fredi Trütsch kann sich gut vorstellen, ein solches Projekt auch auf dem Sihlsee zu wiederholen, wenn das geplante neue Ruderzentrum gebaut ist. Vielleicht kann sich dann auch eine regelmässig trainierende «Ramer en Rose»-Gruppe etablieren.
www.ruderclubsihlsee.ch
Der Ruderclub Sihlsee organisierte vom 4. bis 9. Juli eine Ruderwoche auf dem Zürichsee. Die Organisation «Ramer en Rose» möchte brustkrebs-erkrankten Frauen ermöglichen, gemeinsam rudernd mit Kraft ins Leben zurückzukehren. Die Woche ist so konzipiert, dass alle Interessierten,
unabhängig von Betroffenheit, Geschlecht oder Ruderkenntnissen, mitrudern können.
Text & Bilder: Ingrid Eva Liedtke
Im Hafen Wädenswil wartete ein speziell gefertigtes Boot auf die Ruderinnen. Fredi Trütsch, Präsident des Ruderclubs Sihlsee und ehemaliger Sportlehrer an der Stiftsschule Einsiedeln, hatte es speziell für solche Rudereinsätze gebaut. Das Boot sieht aus wie ein Katamaran ohne Segel. Es ist ein Prototyp, der stabiler ist als die üblichen Ruderboote, bei denen sich jede falsche Bewegung schnell auf das Gleichgewicht des Bootes auswirkt. Fredi Trütsch meint: «Das ist Rudern mit Stützrädern. Man kann rudern und auch noch ein bisschen die Umgebung anschauen. Man kann so gut Rudern lernen, weil die Bewegungsabläufe auch für Laien gut erlebbar sind. Und jede kann so viel Kraft einsetzen, wie sie gerade zur Verfügung hat.»
Rudern in Rosa
Rosa ist international die Farbe der Brustkrebsvorsorge und Aufklärung. Die rosa Schleife steht für die Solidarität mit an Brustkrebs erkrankten Menschen und soll das Bewusstsein für Prävention, Vorsorge und Früherkennung stärken. Bei «Ramer en Rose» handelt es sich um ein weltweit verbreitetes Ruderprogramm, das brustkrebsbetroffene Frauen zusammenbringt, die gemeinsam rudern, sich austauschen und gegenseitig stärken.
Die Initiative wurde 2021 in Zürich gegründet und ist Teil einer weltweiten Bewegung, die ihren Ursprung in Kanada hat. Heute rudern in vielen Städten Frauen, verbunden durch gemeinsame Erfahrungen und das Ziel, wieder ins Leben zurückzufinden, unterstützt von vielen engagierten Rudercoaches.
Meistens werden Ruderwochen organisiert, wie hier von den Ruderclubs Zürich und Einsiedeln. Viele Frauen finden so einen besseren Einstieg, und allgemein ist das Verständnis gross, dass jemand vielleicht gerade nicht so viel Power hat. Auch die Stille, die auf dem See im konzentrierten Rudern entstehen kann, hat eine heilende und meditative Wirkung.
Etwas zusammen machen
Felicia Bettschart vom Ruderclub Einsiedeln ist selbst von Brustkrebs betroffen. Sie hat diese Ruderwoche zusammen mit Fredi Trütsch, Präsident des Ruderclubs Sihlsee, organisiert. Sie sagt: «Es tut gut, wenn man einfach etwas zusammen machen kann und damit auch abgelenkt ist. Wir müssen auch nicht immer über unsere Betroffenheit sprechen.» Sibylle, eine der Teilnehmerinnen, war vor Jahren an Brustkrebs erkrankt. Sie habe immer gerudert, fühle sich jetzt aber zu wenig stark, um in einem Vierer zu rudern. Sie wolle dessen Rhythmus und Fluss nicht hemmen. Dieser Event hingegen sagt ihr sehr zu, denn: «Die Stimmung ist immer gut.»
Hände werden gereicht, sodass man mit Leichtigkeit das Boot besteigen kann, das kaum schwankt. Fredi überblickt alles und gibt – sehr liebenswürdig und geduldig – Anweisungen. Dann geht es los! Das stabile Boot lässt sich mit einfacher Technik bestens vorwärtsbewegen.
Fredi lotst das Schiff aus dem Hafen heraus, indem er den vordersten zwei Ruderinnen Anweisungen zuruft. Die Frauen in den hinteren Reihen müssen sich nur dem Rhythmus der vordersten Ruderinnen anpassen. Anfangs entstehen ein paar kleinere Tumulte, weil Ruder aufeinanderschlagen, weil Schläge nicht ganz abgestimmt sind, weil jemand träumte oder schlichtweg unkonzentriert war. Rudern braucht Konzentration. Trotzdem schaffen es die eine oder andere, noch ein lustiges Erlebnis zum Besten zu geben. Der Humor fährt mit.
Fredi meint: «Es geht darum, dass man miteinander vorwärtskommt, dass man sich dafür auch aufeinander abstimmen muss, einerseits, um den Takt zu halten, aber auch, um sich denen anzupassen, die gerade nicht so viel Kraft haben.»
Dieses integrative Moment interessiert Fredi, den passionierten Sportlehrer. Der Ruderclub Sihlsee will laut Leitbild offen sein für alle. Es biete sich somit an, solche Angebote zu machen. «Im Boot sind wir alle gleich, gleichzeitig am Ziel. Es ist nicht wie beim Velofahren oder Wandern. Da ist immer eine die Erste.» Felicia Bettschart nickt und sagt: «Genau. Man merkt sofort, wie sozial kompetent jemand ist. Es kommt vor, dass es manchmal kaum funktioniert.» Ursula ist eine der zwei vordersten Ruderinnen. Für sie ist der Rhythmus das A und O.
Rudern für Krebspatientinnen und -patienten
Jährlich gibt es über 6000 Brustkrebs- Erkrankungen in der Schweiz, davon sind nur 1% Männer betroffen.
Rudern kann Krebspatientinnen und -patienten in allen Phasen der Krankheit helfen, wie die Ruderwoche auf dem Zürichsee zeigt. Die Bewegung im Wasser fördert nicht nur die körperliche Genesung, sie stärkt auch die Muskulatur und aktiviert das Lymphsystem – und sie schenkt auch Zuversicht, Lebensfreude und das Gefühl, nicht allein zu sein. All dies hat einen mentalen Einfluss auf die Genesung. Zudem bietet «Ramer en Rose» einen geschützten Rahmen für den Austausch mit anderen Betroffenen.
Die Kurse im Rahmen von «Ramer en Rose» sind normalerweise keine
Wochenangebote. Es handelt sich vielmehr um regelmässig stattfindende Rudertrainings mit vorgängigen Einführungskursen. (ca. 6 wöchentlich stattfindene Lektionen).
Warum gerade Rudern?
Rudern ist, wie Felicia Bettschart informiert, ein gelenkschonender Sport. «Die Technik ist wichtig!» Der Sport kann sehr anspruchsvoll und konditionell herausfordernd sein. «Man kann sich total ins Zeug legen», erklärt sie, «aber man kann es auch schonend tun und gemütlich rudern. Zudem hat man nie ausgelernt und kann die Technik immer noch verfeinern.»
«Ramer en Rose» soll – laut Bettschart – zu den Leuten gebracht werden. Darum organisieren verschiedene Ruderclubs, zum Teil in Kooperation, solche Ruderwochen. «Wir möchten Angebote machen, wo Betroffene sich finden können und vielleicht auch die Freude am Rudern und der sportlichen Betätigung. Diese ist bei einer Erkrankung sehr wichtig und hilft auch bei Fatigue. Das Miteinander kann helfen, sich zu bewegen und sich nicht einfach zu ergeben!»
Fredi Trütsch kann sich gut vorstellen, ein solches Projekt auch auf dem Sihlsee zu wiederholen, wenn das geplante neue Ruderzentrum gebaut ist. Vielleicht kann sich dann auch eine regelmässig trainierende «Ramer en Rose»-Gruppe etablieren.
www.ruderclubsihlsee.ch