Ref. Kirche Wädenswil

Kirchliche Trauung – eine Option mit Mehrwert

Die Anzahl der kirchlichen Trauungen hat, aus vielen Gründen, deutlich ­abgenommen. Die Pfarrpersonen der Reformierten Kirche Wädenswil beurteilen diese Entwicklung unterschiedlich.

«Heiraten in der Kirche? Schweizer Paare sagen: Nein, wir wollen nicht.» Dies titelte der Tages Anzeiger am 26.9.2025. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 

2024 gab es lediglich 1547 reformierte Trauungen. 1960 waren es noch rund  16’000. Bei den Katholiken sieht es ähnlich aus.

Gesellschaftliche Trends beschleunigen Rückgang

In Wädenswil ist die Situation gleich wie im Rest der Schweiz. Pfarrer Frank Lehmann hat früher ca. zwölf Paare pro Jahr getraut, jetzt sind es noch etwa drei. 

Die Gründe für den Rückgang sind äusserst vielfältig: Die Kirchen verlieren Mitglieder, immer weniger Paare haben eine gemeinsame religiöse Verbindung oder gehören unterschiedlichen Konfessionen respektive Religionen an, die Heiratswilligen wollen ohne kirchliche Rituale feiern, die Zivilstandsämter bieten auch einen festlichen Rahmen an und viele Paare heiraten überhaupt nicht mehr.

Pfarrer Christian Scharpf sieht einen möglichen Grund für den Rückgang der kirchlichen Trauungen aber auch bei den Kirchenvertretern: «Ich habe Geschichten von Trauungen gehört, wo Pfarrpersonen oder Priester an den Leuten vorbeigeredet haben. Hochzeitgesellschaften merken sehr genau, ob die Predigt mit dem Paar zu tun hat.» Auch würden manchmal die Musikwünsche der Heiratenden nicht erfüllt.

Kirchliche Trauung ist keine Notwendigkeit …

Frank Lehmann sieht keine Notwendigkeit, dass sich Paare kirchlich trauen lassen müssten, die Ehe ist in erster Linie eine weltliche Sache. Der Pfarrer stellt fest, dass «viele junge Menschen eine hohe Kompetenz darin haben, gemeinsam eigene stimmige Formen und Rituale zu gestalten». Wenn sie aber finden, «dass sie ihre Liebe und Verbindung in einer kirchlichen Trauung noch tiefer und festlicher feiern können, dann bieten wir dazu gerne Hand». 

Pfarrerin Salome Probst mag nicht aktiv für das kirchliche Heiraten werben. Sie sieht diese als eine Möglichkeit unter anderen. 

Dennoch freut sie sich, wenn sie Paare trauen darf. «Ich bin und bleibe eine Pfarrerin», sagt sie, «und wenn ich die Liebe feiere, dann hat das für mich ohnehin schon mit dem Heiligen zu tun.» Sie bemüht sich bei der Trauung «um eine authentische und verständliche Sprache» und zeigt sich «beweglich bezüglich der Wünsche des Paares, ohne mich zu verbiegen.»

… bietet aber einen spirituellen Rahmen

Pfarrerin Undine Gellner fehlt bei einer rein zivilen Trauung das Spirituelle: «Ich persönlich finde es schön und hilfreich, wenn man die Beziehung unter den göttlichen Segen stellen kann. Da ist noch ein Band, das uns verbindet, wenn wir versagen. Das tröstet und ermutigt, nicht zu schnell aufzugeben.»

Für Christian Scharpf bleibt die zivile Trauung, auch wenn sie festlich gestaltet ist, ein juristischer Akt. Heiraten in einer Kirche hingegen kann mit zusätzlichen Emotionen verbunden sein, nur schon durch die Musik. 

Und manchmal führt sie eine Tradition weiter: «Es ist sehr berührend, wenn man in einer Kirche heiraten kann, wo auf dem Friedhof die Vorfahren ruhen, die Grosseltern geheiratet haben, die Eltern und wo man selbst getauft worden ist.»

Nicht zuletzt passieren in der kirchlichen Zeremonie manchmal berührende und lustige Dinge, an die man sich ein Leben lang gerne zurückerinnert. Undine Gellner erzählt von einer Braut, «die das lange, sehr persönliche Trauversprechen verlegt oder vergessen» hatte. «Sie musste es dann frei neu formulieren, das war besonders schön.» In einer anderen Hochzeitsfeier löste ein Kind mitten in der Zeremonie eine Konfettikanone aus, was grosse Erheiterung auslöste. 

Auch wenn sie nicht mehr der Regelfall ist, so bleibt die kirchliche Trauung für viele Paare die erste Wahl.

Hansjörg Schmid,
Kirchenpfleger Reformierte Kirche Wädenswil

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