Lokalsport Wädenswil

Gold-Rausch in Leipzig: Wädenswilerin Moana Parroni holt zweifachen EM-Titel

Die 14-jährige Wädenswilerin Moana Parroni knüpfte an ihre bisherigen Erfolge an und krönte sich an den Europameisterschaften im Kimura Shukokai Karate in Leipzig, Deutschland, vom  7.-12. Juli  2026 zur zweifachen Europameisterin.

Text: Sabine Itting

Bilder: zvg

Im Kumite verteidigte die Schwarzgurt-Trägerin ihren Titel nach einem souveränen Turnierverlauf und einem spannenden Final gegen eine Konkurrentin aus Estland erfolgreich. Das intensive Zusatztraining zahlte sich zudem in der Disziplin Kata aus: Nach EM-Bronze im Vorjahr setzte sich die Nachwuchssportlerin auch hier im Final gegen Schweden durch und sicherte sich erstmals das zweite EM-Gold.

Während viele Jugendliche im Sommer Zeit im Strandbad geniessen, sich mit Freunden treffen oder mit der Familie verreisen, liegen hinter der 14-Jährigen unzählige Stunden in der Trainingshalle. Mit Erfolg! Aktuell geniesst Moana ihre wohlverdiente Pause bei den Grosseltern in Italien, nahm sich aber aus der Ferne Zeit für ein Interview.

Moana, zwei Goldmedaillen an einem Wochenende: Kata ist Präzision gegen einen unsichtbaren Gegner, Kumite der direkte Kampf auf der Matte. Welche Medaille hat Dich mehr Kraft gekostet?

Da mir Kumite wichtiger ist und ich dort bisher an jedem internationalen Turnier gewonnen habe, hatte ich auch entsprechend hohe Erwartungen an mich selbst. Kumite kostet mich auf jeden Fall mehr Kraft und hat deshalb am Ende auch viel mehr Emotionen in mir ausgelöst.

In der Sporthalle in Leipzig herrschte grosser Lärm. Wie schafft man es, nach Gold in Kata sofort wieder den Schalter auf den Zweikampf im Kumite umzustellen?

Um in den Kampfmodus zu wechseln, brauche ich eigentlich nicht mehr als diesen einen «mentalen Switch». Der kommt bei mir ganz automatisch mit den ersten Schlägen und der Motivation meines Coaches.

Hast Du einen Glücksbringer oder ein Maskottchen in der Sporttasche, das Dich seit Deinen ersten Gürtelprüfungen begleitet?

Nein, gar nicht. Ich glaube nicht an Glücksbringer. Schliesslich gewinnst du wegen der Aufopferungen, die du erbracht hast. Wegen der Tatsache, dass du härter trainiert hast als deine Gegnerin und einfach hungriger bist, es also mehr willst.

Wer war während der Wettkämpfe nervöser – Du oder Dein Anhang? Waren Deine Eltern in Leipzig vor Ort dabei?

Ich bin mit dem Nationalkader und in Begleitung meiner Mutter nach Leipzig gereist. Ich weiss, dass mein Vater zu Hause sehr nervös war, da er seit Tag eins an meiner Seite ist. Mich selbst hat das Adrenalin einfach zum Erfolg gepusht.

Du stehst schon seit deiner Kindheit auf der Matte. Wie kommt man als kleines Mädchen auf die Idee, mit Karate anzufangen?

Die Idee kam eigentlich von meinem Vater, als ich sieben Jahre alt war. Aber ich liebte den Kampfsport schon, bevor ich überhaupt im ersten Training war. Die Jackie-Chan- und Bruce-Lee-Filme oder die UFC- und Boxkämpfe, die mein Vater mit meinem älteren Bruder Enea geschaut hat, haben schon damals ein unglaubliches Gefühl in mir ausgelöst, und das tun sie bis heute. Enea macht ebenfalls Kampfsport. Er pusht und unterstützt mich extrem, versteht mich und inspiriert mich, seit ich klein war.

In den ersten Jahren ist Sport meistens ein Hobby. Wann wurde Dir klar: «Ich will damit an die Weltspitze»?

Das war bei meiner ersten Weltmeisterschaft in Kapstadt. Ich hatte von Anfang an sehr hohe Ansprüche an mich selbst.

Du besuchst die Sportsekundarschule in Wädenswil. Wie sieht Dein Alltag zwischen Prüfungsstress und EM-Vorbereitung aus?

Ehrlich gesagt setze ich meine Prioritäten da selbst. Während einer intensiven Vorbereitung auf ein Turnier lässt der Schul- und Prüfungsstress bei mir deutlich nach, weil der Fokus voll auf dem Sport liegt.

Vor wichtigen Turnieren bleibt oft wenig Zeit für Ausgang oder Chillen mit Freunden. Worauf musstest Du verzichten?

Vor internationalen Wettkämpfen bin ich emotional oft gar nicht richtig erreichbar für andere. Deshalb gehe ich in dieser Phase einfach weniger mit Freunden raus. Dank der Sportsekundarschule kann ich meinen Alltag aber gut ausgleichen und finde immer noch Zeit für Familie und Freunde. Abgesehen von anderen Kampfsportarten brauche ich auch gar keine weiteren Hobbies.

Die Erfolge aus Kapstadt, Finnland, Estland und jetzt Leipzig sprechen für sich. 

Wo sind die Medaillen aus Leipzig jetzt gerade?

Um die Medaillen kümmere ich mich meistens nicht selbst. Meine Mutter ist da meistens schneller: Sie stellt sie zu den restlichen Trophäen auf meinen Pult.

Im Gegensatz zu vielen anderen Nachwuchssportlern sieht man von Dir keine Social-Media-Show. Steckst Du Deine Energie lieber zu 100 Prozent in das Training?

Ja, vollkommen. Ich mache diesen Sport für mich selbst. Ich spüre persönlich nicht den Drang, anderen beweisen zu müssen, wie viel ich investiere. Wenn Leute positiv reagieren, schätze ich das sehr. Aber die einzige Reaktion, für die ich wirklich kämpfe und die ich brauche, ist die meines Trainers.

Welches sportliche Ziel lässt Dein Herz für die Zukunft am schnellsten schlagen?

Was mein Sportleben angeht, habe ich kein einziges, spezifisches Ziel, ausser dem Wunsch, dass mich der Kampfsport für immer begleiten wird. Mein nächstes konkretes Ziel ist es, in die «United» aufgenommen zu werden, um meinen Traum weiterleben zu können.

Mit zwei weiteren EM-Titeln hat Moana Parroni in Leipzig eindrücklich gezeigt, dass sie zu den erfolgreichsten Nachwuchssportlerinnen ihrer Disziplin gehört. Und eines ist klar: Die Wädenswilerin wird ihren Traum konsequent weiterverfolgen.

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