Die Kulturkommission Wädenswil trat kürzlich als Organisatorin zweier Filmanlässe im SchlossCinema in Erscheinung. Am 21. und 28. Juni wurden im SchlossCinema Wädenswil Kurz- und Dokumentarfilme gezeigt, die einen lokalen Bezug zu Wädenswil haben.
Text: Ingrid Eva Liedtke
Bilder: Tobias Humm & iel
Am 21. Juni waren es die Filme «Das grosse Ja zur lebenslangen Suche», der die Künstlerin Regula Humm-Rellstab porträtiert, sowie der Dokumentarfilm «Die Zürcher Seide – Aufstieg, Glanz und Erbe», der sich der Geschichte der Zürcher Seidenindustrie und ihrem prägenden Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft widmet.
Das grosse Ja zur lebenslangen Suche
Der Film von Livia Vonaesch begleitet die 93-jährige Künstlerin und Familienfrau Regula Humm-Rellstab, während diese von ihrer Kunst spricht und von ihrem Leben im Brennpunkt verschiedener Ansprüche an ihre Rollen als Ehefrau, Mutter und Künstlerin und dem Versuch, allen gerecht zu werden. Der Fokus liegt auf der Dringlichkeit künstlerischen Schaffens. Zudem wird ein Einblick gewährt in die hochkomplexe Technik der Wachsreservierung (spezielle Batik-Technik), mit der die Künstlerin arbeitete, und er beschäftigt sich auch damit, wie die Familie Möglichkeiten sucht, mit dem künstlerischen Nachlass der Eltern umzugehen.
In einem kurzen Interview sprach die Filmerin Livia Vonaesch, die an diesem Sonntag vor Ort war, von ihren persönlichen Eindrücken zu dem Film. Sie drückte ihre Faszination darüber aus, wie das Haus am Töbeliweg, dieser Familien- und Kunstkosmos, selbst zu einem Protagonisten dieses Films wurde und sie und ihren Kameramann Mike Krishnatreya empfangen und aufgenommen hatte. Es sei anspruchsvoll gewesen, die Technik, mit der die Künstlerin ihre imposanten Wandbehänge erschuf, filmisch darzustellen. Wichtig sind Livia Vonaesch bei ihrer Arbeit die menschlichen Begegnungen. Sie ist berührt davon, hierbei Einblick in intime familiäre Fragen und Vorgänge erhalten zu haben.
Das Statement der 93-jährigen Regula Humm Rellstab, sich nicht an den Ansprüchen anderer messen zu wollen, sondern sich immer wieder dafür zu entscheiden, das Eigene zu verfolgen und sich dabei nicht allzu schnell zufrieden zu geben, nennt die Filmemacherin Vonaesch als sehr inspirierend für ihre eigene Arbeit.
«Die Zürcher Seide – Aufstieg, Glanz und Erbe»
Der Dokumentarfilm von Helen Stehli-Pfister widmet sich der Geschichte der Zürcher Seidenindustrie und ihrem prägenden Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft. Sie war die wichtigste Wachstumsindustrie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und hatte Auswirkungen auf andere Industrien, die damit verbunden waren und auf die Menschen, die darin arbeiteten. Der Film bildet nicht nur die Entwicklung der Branche, sondern auch die Lebenswelt der Seidenbarone und ihrer Arbeiter*innen ab. Er schlägt schliesslich auch eine Brücke zur Gegenwart, in der sich Designer wie Rafael Kouto von der Seide inspirieren lassen.
Am 28. Juni wurde ein Film von Andreas Meier und zwei Dokumentarfilme von Luca Aeschimann, beide aus Wädenswil, gezeigt.
«Ticino Sommer»
«Ticino Sommer», 2024, erzählt vom Älterwerden als queerer Mann in der heutigen Gesellschaft.
«Seegüetli vom Protest zur Oase» und «Nachbarswil» von Luca Aeschimann
«Seegüetli vom Protest zur Oase» von Luca Aeschimann dokumentiert die Entstehung des heutigen Begegnungsortes aus einer besetzten Brache. Der filmische Rückblick auf das Kulturfestival Nachbarswil ist eine schöne Dokumentation über dieses einmalige Festival der Gemeinschaft von Richterswil und Wädenswil.
Die beiden Sonntags-Matinéen waren trotz des heissen Sommerwetters sehr gut besucht, deshalb wurde eine weitere für den 30. August geplant. Gezeigt werden dann nochmals die Eigenproduktionen aus Wädenswil: «Das grosse Ja zur lebenslangen Suche», «Ticino Sommer», «Seegüetli und Nachbarswil».
Filmemacherin Helen Stehli Pfister zu ihrem Dokumentarfilm
Was hat Sie dazu bewogen, einen Dokumentarfilm zum Thema Zürcher Seidenindustrie zu machen? Warum hat Sie dieses Thema fasziniert?
Geschichte und filmische historische Dokumentationen haben mich immer interessiert. Nicht ganz zufällig las ich das Buch von Hans Peter Treichler «Ein Seidenhändler in New York» – und war elektrisiert. Die Tagebücher des 19-jährigen Emil Streuli, der 1858 nach New York ging, um dort das Seidengewerbe kennenzulernen, erzählten eine spannende Geschichte, die ich nur wenig kannte. Darauf begann ich zu recherchieren und beschloss, einen Dokumentarfilm zu realisieren.»
Was waren Ihre eindrucksvollsten Erlebnisse bei der Erstellung dieses Films?
Unvergesslich bleiben mir die vielen Begegnungen und Auseinandersetzungen mit Menschen, die ich ohne diesen Film nie kennengelernt hätte. Beeindruckt und überrascht hat mich ihre emotionale Bindung an die vergangene Zeit – und den Niedergang ihrer Firmen. Das zeigte mir auch, wie stark der Unternehmer mit der Firma verbunden ist! Dass ich sie kennenlernen durfte, bedeutet mir persönlich viel. Leider sind zwei Nachkommen der Seidenindustrie inzwischen verstorben: Ronald Weisbrod und Thomas Isler. Sie haben mir wertvolle Einsichten in die Welt der Seide ermöglicht. Aufgrund der vielen Gespräche und Lektüre konnte ich ein Kapitel Schweizer Wirtschaftsgeschichte kennenlernen, das ich zuvor nur wenig kannte.
Welches sind für Sie Kernaussagen oder wichtigen Anliegen des Films?
Ich wollte die Geschichte der Zürcher Seide filmisch so erzählen, dass sie die Zuschauerinnen und Zuschauer emotional packt und dass sie Zusammenhänge kennenlernen, die ihnen bisher fremd waren. Nämlich: Wie kam es zum globalen Aufstieg der Zürcher Seide und weshalb dann trotz riesigem Erfolg zum Niedergang?
Wenn man den Film schaut, schwingt auch ein Bedauern über den Untergang der Schweizer Seidenindustrie mit. Ging oder geht es Ihnen auch so?
Ja, sicher. Wenn eine stolze globale Schweizer Industrie untergeht, ist das nicht lustig, viele Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz und die Patrons den grössten Teil ihres Vermögens. Und die Schweiz verliert Knowhow – und Renommee.
Interview mit Andreas Meier
Was war für Sie der zündende Funke für dieses Kurzfilmprojekt?
Der zündende Funke war das Alleinsein im Sommer 2020, in der Coronazeit, auf dieser Geissenalp im Valle Onsernone, im Tessin. Der Ort war Rückzug und Isolation zugleich und brachte persönliche Wünsche an die Oberfläche des Bewusstseins.
Hat der Film etwas mit Ihnen persönlich zu tun, hat er allenfalls auch autobiografische Aspekte?
Ja, die Lebensweise im Onsernonetal im Sommer war mir vertraut und bedeutet mir viel. Ich kann mich da besonders gut erholen. Auch Themen wie Liebe im Alter, Offenheit für Überraschungen, mit anderen Menschen zusammenzukommen, künstlerisches Tun als Ressource in Phasen des Alleinseins, Geben und Nehmen und Teil von einer Umgebung zu sein, in der man sich wohl fühlt, sind mir wichtig.
Was waren Ihre eindrucksvollsten Erlebnisse bei der Erstellung dieses Films?
Einen Film kreieren ist immer eine gemeinschaftliche Leistung. Die Passion aller kommt in diesem Schaffensprozess zusammen und beflügelt mich im Denken und darin, kreative Entscheidungen zu treffen. Der Einsatz jedes Einzelnen der Crew machte es möglich, dass unter schwierigen Drehbedingungen ein solches Produkt entstehen durfte.
Welches sind für Sie Kernaussagen oder wichtige Anliegen des Films?
Miteinander geht’s besser als im aufreibenden Gegeneinander. Und wenn man offen ist im Leben, wird man überrascht und reich beschenkt. Amor kommt, wenn man es nicht erwartet, und dabei spielt der Altersunterschied keine Rolle. Kunst, respektive künstlerisches Tun, verbindet mich mit anderen Menschen und zeigt mir neue Perspektiven auf, die ich nicht erwartet habe.
Mit Filmemacher Luca Aeschimann im Gespräch
Anlässlich dieser Kurz- und Dokumentarfilmreihe stehen zwei Deiner Filme auf dem Programm. Beide haben Wädenswiler Kultur zum Thema. Fühlst Du Dich auch als Teil des kulturellen Geschehens von Wädenswil?
Ich war 18 Jahre lang begeisterter Jublaner, zuerst als Teilnehmer, später als Leiter. Diese Zeit hat mich stark geprägt und letztlich auch zum Film gebracht, da ich für die Lager jeweils die Rückblickfilme produziert habe. Die Jubla Wädenswil ist eng mit dem kulturellen Leben der Stadt verbunden, und viele Ehemalige engagieren sich heute in Vereinen und Kulturprojekten. Dort habe ich gelernt, wie wichtig persönliches Engagement für ein lebendiges lokales Kulturangebot ist.
Wie kam es zu diesen Filmen?
Wer waren Deine Auftraggeber, und wo werden diese Filme sonst noch gezeigt?
Den Film über das Seegüetli habe ich im Rahmen meines Filmstudiums realisiert. Mich faszinierte die Entstehungsgeschichte dieses Ortes: Wie viele unterschiedliche Menschen und Gruppierungen, von den Besetzern über politisch Engagierte bis hin zum Verein Tankstell, haben dazu beigetragen, etwas Wertvolles für die Bevölkerung zu schaffen. Viele aktive Mitglieder des Vereins Tankstell sind ehemalige Jublanerinnen und Jublaner, was meine persönliche Verbindung zum Thema zusätzlich verstärkt hat.
Ich bin momentan noch im Schnitt einer längeren Version des Films, der alles noch einmal besser beleuchtet und vor allem auch das Festival noch mehr thematisiert. Der Film wird seine Premiere als «Openair-Kino» im Seegüetli haben.
Der Film über Nachbarswil entstand, weil das Organisationsteam möglichst viel mit lokalen Menschen umsetzen wollte. Obwohl sie noch wenig von meiner Arbeit kannten, schenkten sie mir grosses Vertrauen. Ich war sofort begeistert von diesem Projekt. Die Werte von Nachbarswil entsprechen sehr meinen eigenen.
Auch die Entstehungsweise des Films war besonders spannend: Die Veranstaltungen fanden an drei Wochenenden statt, und bereits am letzten Tag sollte der fertige Film gezeigt werden. Die letzten Aufnahmen stammen vom Abendkonzert am Abend vor der Vorführung. Der finale Export war etwa eineinhalb Stunden vor Filmbeginn abgeschlossen. Ein intensives, aber unvergessliches Erlebnis.
Wie viel haben die Filme mit Dir und allenfalls Deinem kulturellen Engagement zu tun?
Beide Filme beschäftigen sich mit Projekten, die meinen Werten sehr nahestehen.
Was waren Deine eindrucksvollsten Erlebnisse bei der Erstellung der Filme?
Bei Nachbarswil hat mich vor allem beeindruckt, wie viel ein relativ kleines Kernteam auf die Beine stellen kann. Die Tavolata hat mich dort besonders berührt, weil dort Wädenswil in einer Form zusammengekommen ist, wie ich es bisher noch nicht erleben durfte.
Beim Seegüetli war ich beeindruckt, wie viel Ausdauer und Engagement nötig waren, damit der Ort zu dem werden konnte, was er heute ist. Obwohl ich die Geschichte bereits zu kennen glaubte, ging sie viel tiefer, als ich erwartet hatte. Vor allem der Durchhaltewille der Initiantinnen und Initianten hat mich beeindruckt.
Welches sind für Dich Kernaussagen oder wichtige Anliegen?
Ein spannendes, vielfältiges und kulturell reiches Zusammenleben in einer Stadt hängt stark von engagierten Menschen ab. Solche Personen und ihre Ideen sollten wir so gut wie möglich unterstützen. Nur so bleibt Wädenswil lebendig und entwickelt sich weiter.
Was Du noch dazu sagen möchtest …?
Ich finde es wichtig, lokale Geschichten festzuhalten. Oft merken wir erst im Nachhinein, wie wertvoll Orte, Veranstaltungen oder engagierte Menschen für eine Gemeinschaft waren. Filme können dabei helfen, diese Erinnerungen zu bewahren und andere Menschen zu inspirieren, selbst aktiv zu werden.
Die Kulturkommission Wädenswil trat kürzlich als Organisatorin zweier Filmanlässe im SchlossCinema in Erscheinung. Am 21. und 28. Juni wurden im SchlossCinema Wädenswil Kurz- und Dokumentarfilme gezeigt, die einen lokalen Bezug zu Wädenswil haben.
Text: Ingrid Eva Liedtke
Bilder: Tobias Humm & iel
Am 21. Juni waren es die Filme «Das grosse Ja zur lebenslangen Suche», der die Künstlerin Regula Humm-Rellstab porträtiert, sowie der Dokumentarfilm «Die Zürcher Seide – Aufstieg, Glanz und Erbe», der sich der Geschichte der Zürcher Seidenindustrie und ihrem prägenden Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft widmet.
Das grosse Ja zur lebenslangen Suche
Der Film von Livia Vonaesch begleitet die 93-jährige Künstlerin und Familienfrau Regula Humm-Rellstab, während diese von ihrer Kunst spricht und von ihrem Leben im Brennpunkt verschiedener Ansprüche an ihre Rollen als Ehefrau, Mutter und Künstlerin und dem Versuch, allen gerecht zu werden. Der Fokus liegt auf der Dringlichkeit künstlerischen Schaffens. Zudem wird ein Einblick gewährt in die hochkomplexe Technik der Wachsreservierung (spezielle Batik-Technik), mit der die Künstlerin arbeitete, und er beschäftigt sich auch damit, wie die Familie Möglichkeiten sucht, mit dem künstlerischen Nachlass der Eltern umzugehen.
In einem kurzen Interview sprach die Filmerin Livia Vonaesch, die an diesem Sonntag vor Ort war, von ihren persönlichen Eindrücken zu dem Film. Sie drückte ihre Faszination darüber aus, wie das Haus am Töbeliweg, dieser Familien- und Kunstkosmos, selbst zu einem Protagonisten dieses Films wurde und sie und ihren Kameramann Mike Krishnatreya empfangen und aufgenommen hatte. Es sei anspruchsvoll gewesen, die Technik, mit der die Künstlerin ihre imposanten Wandbehänge erschuf, filmisch darzustellen. Wichtig sind Livia Vonaesch bei ihrer Arbeit die menschlichen Begegnungen. Sie ist berührt davon, hierbei Einblick in intime familiäre Fragen und Vorgänge erhalten zu haben.
Das Statement der 93-jährigen Regula Humm Rellstab, sich nicht an den Ansprüchen anderer messen zu wollen, sondern sich immer wieder dafür zu entscheiden, das Eigene zu verfolgen und sich dabei nicht allzu schnell zufrieden zu geben, nennt die Filmemacherin Vonaesch als sehr inspirierend für ihre eigene Arbeit.
«Die Zürcher Seide – Aufstieg, Glanz und Erbe»
Der Dokumentarfilm von Helen Stehli-Pfister widmet sich der Geschichte der Zürcher Seidenindustrie und ihrem prägenden Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft. Sie war die wichtigste Wachstumsindustrie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und hatte Auswirkungen auf andere Industrien, die damit verbunden waren und auf die Menschen, die darin arbeiteten. Der Film bildet nicht nur die Entwicklung der Branche, sondern auch die Lebenswelt der Seidenbarone und ihrer Arbeiter*innen ab. Er schlägt schliesslich auch eine Brücke zur Gegenwart, in der sich Designer wie Rafael Kouto von der Seide inspirieren lassen.
Am 28. Juni wurde ein Film von Andreas Meier und zwei Dokumentarfilme von Luca Aeschimann, beide aus Wädenswil, gezeigt.
«Ticino Sommer»
«Ticino Sommer», 2024, erzählt vom Älterwerden als queerer Mann in der heutigen Gesellschaft.
«Seegüetli vom Protest zur Oase» und «Nachbarswil» von Luca Aeschimann
«Seegüetli vom Protest zur Oase» von Luca Aeschimann dokumentiert die Entstehung des heutigen Begegnungsortes aus einer besetzten Brache. Der filmische Rückblick auf das Kulturfestival Nachbarswil ist eine schöne Dokumentation über dieses einmalige Festival der Gemeinschaft von Richterswil und Wädenswil.
Die beiden Sonntags-Matinéen waren trotz des heissen Sommerwetters sehr gut besucht, deshalb wurde eine weitere für den 30. August geplant. Gezeigt werden dann nochmals die Eigenproduktionen aus Wädenswil: «Das grosse Ja zur lebenslangen Suche», «Ticino Sommer», «Seegüetli und Nachbarswil».
Filmemacherin Helen Stehli Pfister zu ihrem Dokumentarfilm
Was hat Sie dazu bewogen, einen Dokumentarfilm zum Thema Zürcher Seidenindustrie zu machen? Warum hat Sie dieses Thema fasziniert?
Geschichte und filmische historische Dokumentationen haben mich immer interessiert. Nicht ganz zufällig las ich das Buch von Hans Peter Treichler «Ein Seidenhändler in New York» – und war elektrisiert. Die Tagebücher des 19-jährigen Emil Streuli, der 1858 nach New York ging, um dort das Seidengewerbe kennenzulernen, erzählten eine spannende Geschichte, die ich nur wenig kannte. Darauf begann ich zu recherchieren und beschloss, einen Dokumentarfilm zu realisieren.»
Was waren Ihre eindrucksvollsten Erlebnisse bei der Erstellung dieses Films?
Unvergesslich bleiben mir die vielen Begegnungen und Auseinandersetzungen mit Menschen, die ich ohne diesen Film nie kennengelernt hätte. Beeindruckt und überrascht hat mich ihre emotionale Bindung an die vergangene Zeit – und den Niedergang ihrer Firmen. Das zeigte mir auch, wie stark der Unternehmer mit der Firma verbunden ist! Dass ich sie kennenlernen durfte, bedeutet mir persönlich viel. Leider sind zwei Nachkommen der Seidenindustrie inzwischen verstorben: Ronald Weisbrod und Thomas Isler. Sie haben mir wertvolle Einsichten in die Welt der Seide ermöglicht. Aufgrund der vielen Gespräche und Lektüre konnte ich ein Kapitel Schweizer Wirtschaftsgeschichte kennenlernen, das ich zuvor nur wenig kannte.
Welches sind für Sie Kernaussagen oder wichtigen Anliegen des Films?
Ich wollte die Geschichte der Zürcher Seide filmisch so erzählen, dass sie die Zuschauerinnen und Zuschauer emotional packt und dass sie Zusammenhänge kennenlernen, die ihnen bisher fremd waren. Nämlich: Wie kam es zum globalen Aufstieg der Zürcher Seide und weshalb dann trotz riesigem Erfolg zum Niedergang?
Wenn man den Film schaut, schwingt auch ein Bedauern über den Untergang der Schweizer Seidenindustrie mit. Ging oder geht es Ihnen auch so?
Ja, sicher. Wenn eine stolze globale Schweizer Industrie untergeht, ist das nicht lustig, viele Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz und die Patrons den grössten Teil ihres Vermögens. Und die Schweiz verliert Knowhow – und Renommee.
Interview mit Andreas Meier
Was war für Sie der zündende Funke für dieses Kurzfilmprojekt?
Der zündende Funke war das Alleinsein im Sommer 2020, in der Coronazeit, auf dieser Geissenalp im Valle Onsernone, im Tessin. Der Ort war Rückzug und Isolation zugleich und brachte persönliche Wünsche an die Oberfläche des Bewusstseins.
Hat der Film etwas mit Ihnen persönlich zu tun, hat er allenfalls auch autobiografische Aspekte?
Ja, die Lebensweise im Onsernonetal im Sommer war mir vertraut und bedeutet mir viel. Ich kann mich da besonders gut erholen. Auch Themen wie Liebe im Alter, Offenheit für Überraschungen, mit anderen Menschen zusammenzukommen, künstlerisches Tun als Ressource in Phasen des Alleinseins, Geben und Nehmen und Teil von einer Umgebung zu sein, in der man sich wohl fühlt, sind mir wichtig.
Was waren Ihre eindrucksvollsten Erlebnisse bei der Erstellung dieses Films?
Einen Film kreieren ist immer eine gemeinschaftliche Leistung. Die Passion aller kommt in diesem Schaffensprozess zusammen und beflügelt mich im Denken und darin, kreative Entscheidungen zu treffen. Der Einsatz jedes Einzelnen der Crew machte es möglich, dass unter schwierigen Drehbedingungen ein solches Produkt entstehen durfte.
Welches sind für Sie Kernaussagen oder wichtige Anliegen des Films?
Miteinander geht’s besser als im aufreibenden Gegeneinander. Und wenn man offen ist im Leben, wird man überrascht und reich beschenkt. Amor kommt, wenn man es nicht erwartet, und dabei spielt der Altersunterschied keine Rolle. Kunst, respektive künstlerisches Tun, verbindet mich mit anderen Menschen und zeigt mir neue Perspektiven auf, die ich nicht erwartet habe.
Mit Filmemacher Luca Aeschimann im Gespräch
Anlässlich dieser Kurz- und Dokumentarfilmreihe stehen zwei Deiner Filme auf dem Programm. Beide haben Wädenswiler Kultur zum Thema. Fühlst Du Dich auch als Teil des kulturellen Geschehens von Wädenswil?
Ich war 18 Jahre lang begeisterter Jublaner, zuerst als Teilnehmer, später als Leiter. Diese Zeit hat mich stark geprägt und letztlich auch zum Film gebracht, da ich für die Lager jeweils die Rückblickfilme produziert habe. Die Jubla Wädenswil ist eng mit dem kulturellen Leben der Stadt verbunden, und viele Ehemalige engagieren sich heute in Vereinen und Kulturprojekten. Dort habe ich gelernt, wie wichtig persönliches Engagement für ein lebendiges lokales Kulturangebot ist.
Wie kam es zu diesen Filmen?
Wer waren Deine Auftraggeber, und wo werden diese Filme sonst noch gezeigt?
Den Film über das Seegüetli habe ich im Rahmen meines Filmstudiums realisiert. Mich faszinierte die Entstehungsgeschichte dieses Ortes: Wie viele unterschiedliche Menschen und Gruppierungen, von den Besetzern über politisch Engagierte bis hin zum Verein Tankstell, haben dazu beigetragen, etwas Wertvolles für die Bevölkerung zu schaffen. Viele aktive Mitglieder des Vereins Tankstell sind ehemalige Jublanerinnen und Jublaner, was meine persönliche Verbindung zum Thema zusätzlich verstärkt hat.
Ich bin momentan noch im Schnitt einer längeren Version des Films, der alles noch einmal besser beleuchtet und vor allem auch das Festival noch mehr thematisiert. Der Film wird seine Premiere als «Openair-Kino» im Seegüetli haben.
Der Film über Nachbarswil entstand, weil das Organisationsteam möglichst viel mit lokalen Menschen umsetzen wollte. Obwohl sie noch wenig von meiner Arbeit kannten, schenkten sie mir grosses Vertrauen. Ich war sofort begeistert von diesem Projekt. Die Werte von Nachbarswil entsprechen sehr meinen eigenen.
Auch die Entstehungsweise des Films war besonders spannend: Die Veranstaltungen fanden an drei Wochenenden statt, und bereits am letzten Tag sollte der fertige Film gezeigt werden. Die letzten Aufnahmen stammen vom Abendkonzert am Abend vor der Vorführung. Der finale Export war etwa eineinhalb Stunden vor Filmbeginn abgeschlossen. Ein intensives, aber unvergessliches Erlebnis.
Wie viel haben die Filme mit Dir und allenfalls Deinem kulturellen Engagement zu tun?
Beide Filme beschäftigen sich mit Projekten, die meinen Werten sehr nahestehen.
Was waren Deine eindrucksvollsten Erlebnisse bei der Erstellung der Filme?
Bei Nachbarswil hat mich vor allem beeindruckt, wie viel ein relativ kleines Kernteam auf die Beine stellen kann. Die Tavolata hat mich dort besonders berührt, weil dort Wädenswil in einer Form zusammengekommen ist, wie ich es bisher noch nicht erleben durfte.
Beim Seegüetli war ich beeindruckt, wie viel Ausdauer und Engagement nötig waren, damit der Ort zu dem werden konnte, was er heute ist. Obwohl ich die Geschichte bereits zu kennen glaubte, ging sie viel tiefer, als ich erwartet hatte. Vor allem der Durchhaltewille der Initiantinnen und Initianten hat mich beeindruckt.
Welches sind für Dich Kernaussagen oder wichtige Anliegen?
Ein spannendes, vielfältiges und kulturell reiches Zusammenleben in einer Stadt hängt stark von engagierten Menschen ab. Solche Personen und ihre Ideen sollten wir so gut wie möglich unterstützen. Nur so bleibt Wädenswil lebendig und entwickelt sich weiter.
Was Du noch dazu sagen möchtest …?
Ich finde es wichtig, lokale Geschichten festzuhalten. Oft merken wir erst im Nachhinein, wie wertvoll Orte, Veranstaltungen oder engagierte Menschen für eine Gemeinschaft waren. Filme können dabei helfen, diese Erinnerungen zu bewahren und andere Menschen zu inspirieren, selbst aktiv zu werden.