Richterswil

Stark frequentiertes SOB-Service-Zentrum am Tag der offenen Tore

Am Samstag, 30. Mai, lud die Schweizerische Südostbahn AG (SOB) zum Tag der offenen Tore in Samstagern, um nicht nur das fertig gestellte Service-Zentrum und einzelne Berufszweige, sondern auch die SOB an sich zu präsentieren. Das Interesse bei Jung und Alt war enorm.

Text: Reni Bircher
Bilder: Reni Bircher & Simone Joos

Wer sich schon mal beim Besuch eines Transportmuseums für die Exponate begeistern konnte – von den Zugfans und Trainspottern mal abgesehen –, kam bei der grossen Eröffnung des Service-Zentrums der Südostbahn in Samstagern auf seine Kosten. Mit einem Drehgestell durfte eine Magnetschienenbremse ausgelöst werden, welche nur in einem Notfall zum Einsatz kommt. An einer Festo-Übungswand, welche zu Ausbildungszwecken dient, wurde die Ansteuerung für die Bedienung eines Scheinwerfers aufgebaut und vorgeführt. Frontkupplungen, Triebradsätze und diverse System-Module liessen sich bewundern. Ein Schiebetritt, welcher die Distanz von Zug und Perronkante überbrückt, wurde ein- und ausgefahren, genauso wie ein erstaunlich grosser Stromabnehmer, den man üblicherweise nur von weitem betrachten kann.
Eine organisatorische Meisterleistung und bis zu 50 Helferinnen und Helfer vor Ort machte es möglich, dass Schaulustige nicht nur im technischen wie im berufsbezogenen Bereich spannende Einblicke erhielten, sondern auch das Vergnügen und der Magen nicht zu kurz kamen.

Präsentierte Berufsfelder

Ein Infrastrukturfahrzeug für den Gleisbau stand draussen neben der grossen Halle, davor machten sich orange gewandete Männer an einem Gleis zu schaffen. Sie demonstrierten den Einsatz von Laschen bei einem Gleisersatz, um die Lücke zu schliessen. Dazu wurde mit einer mit Akku betriebenen Schienenbohrmaschine die Schiene gelocht, was vor allem bezüglich der Lautstärke einen grossen Unterschied macht. Das Bohrwasser wird in einer Schale aufgefangen, gefiltert und wiederbenutzt, die abfallenden Späne mit einem Magnet aufgesammelt, damit diese nicht in die Umwelt gelangen. Die Arbeiter – es waren vor allem Lernende dabei – erledigten die Arbeit ruhig und präzise, während ein weiterer Gleisbauer der Zuschauerschar erklärte, welche Arbeitsschritte gemacht wurden.
Auf die Frage, ob jemand der Anwesenden ein weiteres Loch bohren wolle, trat sogleich ein Jugendlicher hervor und wurde entsprechend mit Schutzkleidung ausgerüstet. Aktiver geht Nachwuchssuche wohl kaum.
Zwei Meter daneben stand Dario Baumann. Er ist seit 18 Jahren beim Gleisbau tätig, hat inzwischen die Weiterbildung zum eidg. Gleisbau-Polier abgeschlossen und seine Berufswahl nicht einen einzigen Tag bereut. Im Lauf der Zeit und mit den geänderten Umweltbedingungen wandelten sich auch die physischen Vorgaben und das Material, um dem Wandel und den Anforderungen standzuhalten, erklärte der junge Familienvater.
Es gibt die Berufe Gleisbauers EFZ und Gleisbaupraktiker EBA sowie die Möglichkeit, eine zweijährige Erwachsenenausbildung zu machen. «Wir sind immer wieder auf der Suche nach tollen Arbeitskollegen», schmunzelte er.
Im Bereich der Schwerinstandhaltungshalle stand Kundenbegleiterin Jeannine Schurter. Sie hat sich 2020 ausbilden lassen, als die SOB den Treno Gottardo ins Leben rief. Sie arbeitet hauptsächlich im Fernverkehr, macht Stichkontrollen und Frequenzerhebungen und Kundenbegleitungen an Events. Durch den Depotstandort Rapperswil arbeitet sie auf dem gesamten SOB-Schienennetz und meinte: «Ich habe das schönste Bürofenster der Schweiz», strahlt sie. «Besonders das Hochmoor in Rothenthurm hat es mir angetan…». Ihre Begeisterung gilt den unterschiedlichen Strecken, auf denen sie arbeitet, und sie schätzt es, dass jeder Tag Neues mit sich bringt. «Das ist faszinierend, man kann sich nie wirklich darauf vorbereiten, was der Tag mit sich bringt.»
Die SOB beschäftigt rund 200 Kundenbegleiterinnen und -begleiter, die im Schichtbetrieb arbeiten.

Einem Zug so nah wie nie zuvor

Besonderer Anziehungspunkt bildete die Vorführung der Unterflurhebeanlage, welche einen ganzen Traverso-Zug (150 m, 260 Tonnen) am Stück auf eine Höhe von 1,7 Meter anheben kann. Eine beeindruckende Demonstration. Die neue Halle mit vier Servicegleisen wurde Ende 2025 in Betrieb genommen (siehe Artikel im Richterswiler Anzeiger vom Januar 2025).
Im Servic-Zentrum der zweiten Halle führte ein Rundgang durch eine Flirt- und eine Traverso-Zugformation, in deren Abteilen sich Leute niederliessen, über Züge und die Welt diskutierten oder einen Kaffee aus dem Automaten genossen. Dazu gehörte auch der Servicebereich für das Dach mit einer anfahrbaren Dacharbeitsbühnen (DAB). Sie kann praktisch bündig an das Zugdach herangefahren werden und erlaubt den sicheren Zugang. Dies ist insofern wichtig, da die neuen Zugmodelle die meisten Komponenten (Kompressoren, Klimaanlagen usw.) hinter den Schürzen auf dem Dach beherbergen. Ein Ausblick, der einem so schnell nicht mehr geboten wird.
Am Ende jeden Rundgangs landete man im Führerstand, wo ein Lokführer Fragen beantwortete und sich jede und jeder in den weichen, federnden Sessel ganz vorne im Zug setzen durfte.

Anreise mit Mirage

Dem Event angegliedert war die Extrafahrt des EXT Willisau-Samstagern, einem alten SOB-Fahrzeug, das dem Verein Pendelzug Mirage (VPM) gehört. Der Verein wurde 2008 gegründet, um einen betriebsfähigen Pendelzug des Typs BDe 4/4 II zu erhalten. Zum 15. Geburtstag konnte der VPM einen der Nachfolger-Pendelzüge des Typs RBDe 4/4 I übernehmen und später zusätzlich die ausrangierten Pendelzüge des Typs RBDe 566II («Privatbahn-NPZ») und deren neuen Standort Lützelflüh, welche für den Verein eine massgebende Erweiterung bedeutete.
Alle Züge stehen für schweizweite Extrafahrten, sowohl öffentlich wie auch als Charterfahrzeuge, zur Verfügung (www.pendelzug-mirage.ch).

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