Aus dem Schnupperangebot «Wädi jodled!» des Männerchors Hütten entsteht ein neuer Projektchor für Wädenswil. Nach vier unverbindlichen Kennenlernproben haben sich 46 der rund 50 Teilnehmenden entschieden, weiterhin gemeinsam zu singen. Was als Versuch begann, hat sich damit in kurzer Zeit zu einem festen musikalischen Projekt entwickelt.
Text: Sabine Itting
Bild: Clientis Sparcassa 1816
«Wänn Jodler zäme sind, so gids e gfreuti Sach», heisst es im Lied «Am Jodlertisch» von Fred Kaufmann. Diese Zeile beschreibt gut, was sich in den vergangenen Wochen im Gemeindesaal Hütten abgespielt hat. Eigentlich hatte der Männerchor mit 20 bis 30 Interessierten gerechnet. Zur ersten Probe am 7. Mai erschienen jedoch gleich 50 singfreudige Stimmen. «Wir waren wirklich überrascht über diesen grossen Andrang», sagt Geni Merz vom Männerchor Hütten. «Dass nun nach vier Proben 46 Personen weitermachen, ist ein riesiges Zeichen der Begeisterung.»
Anlass für das Projekt ist das bevorstehende 120-Jahr-Jubiläum des Männerchors Hütten. Als einziger jodelnder Verein in Wädenswil wollte der Chor die Gelegenheit nutzen, das Jodeln einem breiten Publikum zugänglich zu machen und Interessierten einen niederschwelligen Einstieg zu ermöglichen.
Jodeln als gemeinsames Hören und Erleben
Jodeln ist weit mehr als eine musikalische Tradition. Der Schweizer Jodel gehört zum lebendigen Brauchtum und ist Teil des Unesco-Kulturerbes. Er steht für Gemeinschaft, Lebensfreude und das gemeinsame Erleben von Musik. Notenkenntnisse sind dabei weniger entscheidend als viele vermuten. Im Zentrum steht das genaue Hinhören und das gemeinsame Gestalten des Klangs.
«Jodeln entsteht im Miteinander», erklärt Geni Merz. «Man hört aufeinander, findet zusammen den Klang und wird Teil eines Ganzen.» Seine Wurzeln hat der Jodel im Naturjodel, der ganz ohne Text auskommt. Viele Mitglieder des Männerchors Hütten stammen aus bäuerlichen Familien und sind mit dieser Tradition aufgewachsen. Nicht selten wurde früher schon als Kind mit den Eltern und Geschwistern beim Melken im Stall gejodelt. Dabei entwickelte sich das feine Gespür für Stimmen ganz natürlich.
Viele neue Stimmen im Projektchor
Bemerkenswert ist auch die Zusammensetzung des neuen Projektchors. Rund Dreiviertel der Teilnehmenden sind Frauen. Die Gruppe ist altersmässig breit durchmischt: Von jungen Erwachsenen bis zu älteren Sängerinnen und Sängern. Einige brachten bereits Chorerfahrung mit, andere wagten sich zum ersten Mal an den Jodelgesang. Gerade diese Mischung habe das Projekt besonders lebendig gemacht, heisst es von Seiten der Verantwortlichen.
Dirigentin mit besonderer Verbindung zu Hütten
Massgeblich geprägt wird das Projekt von Chorleiterin Jasmin Egli. Die aus einer musikalischen Bauernfamilie stammende Dirigentin wuchs im Zürcher Oberland auf und kam schon früh mit dem Jodelgesang in Kontakt. Eine besondere Verbindung zu Hütten besteht seit ihrer Jugend: Vor rund 20 Jahren stand sie beim Männerchorchränzli gemeinsam mit ihrer Familie als Nachwuchsformation auf der Bühne. Später absolvierte sie die Ausbildung zur professionellen Chorleiterin. Als der Männerchor Hütten eine neue musikalische Leitung suchte, kam der Kontakt über familiäre Verbindungen zustande. Nach wenigen Proben war klar, dass die Zusammenarbeit passt.
«Jasmin schafft es, die Leute mitzunehmen und ihnen schnell die Scheu zu nehmen», sagt Geni Merz. «Viele haben nach kurzer Zeit gemerkt, dass sie einfach Freude am Singen haben dürfen.»
Wie stark die Wertschätzung ist, zeigte sich am Ende der Schnupperphase. Zum Abschluss der vier Proben wurde Jasmin Egli von den Teilnehmenden überrascht: Neben Blumen, die ein Teilnehmer aus seinem Garten mitbrachte, erhielt sie einen Ledergürtel mit Edelweiss-Verzierung. Die Begründung sorgte für Schmunzeln: Weil sie die vielen unterschiedlichen Charaktere so souverän durch das Projekt geführt habe, wünsche man ihr, dass sie weiterhin «die Hosen anhat». Damit diese auch gut sitzen, gab es gleich den passenden Gürtel dazu.
Ein Projektchor für die heutige Zeit
Nach der letzten Probe wurden die Rückmeldungen ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig: 46 der rund 50 Teilnehmenden möchten weiterhin dabei bleiben.
Ab dem 10. September probt der neue Projektchor alle zwei Wochen jeweils donnerstags um 19.15 Uhr. Das Konzept ist bewusst flexibel gestaltet. Die Mitglieder verpflichten sich nicht langfristig, sondern wirken projektbezogen mit. Geprobt wird auf zwei konkrete Auftritte hin.
«Viele möchten heute zwar gerne singen, können sich aber nicht mehr über Jahre an einen Verein binden», sagt Geni Merz. «Der Projektchor bietet dafür eine zeitgemässe Lösung.» Während solche Modelle in anderen Musikrichtungen bereits verbreitet sind, entsteht damit nun auch im Jodelbereich in Wädenswil ein neues Angebot. Die Sängerinnen und Sänger haben sich in diesem Chor klar für die zwei Auftritte am 16. Januar 2027 und 22. Mai 2027 angemeldet. Was danach geschieht, ob es ein Weiterbestehen des Chores gibt, oder für weitere Auftritte wieder etwas ähnliches aufgezogen wird, steht noch in den Sternen.
Der Erfolg von «Wädi jodled!» zeigt dabei auch, dass das Bedürfnis nach gemeinschaftlichem Singen und regionalem Brauchtum ungebrochen ist. Wenn Menschen unterschiedlichster Hintergründe zusammenkommen, entsteht weit mehr als nur Musik: Es entsteht Gemeinschaft.
Erste Auftritte bereits geplant
Die erste grosse Bewährungsprobe steht im Januar 2027 an: Am traditionellen Männerchorchränzli in Hütten tritt der Projektchor gemeinsam mit dem Männerchor erstmals vor Publikum auf.
Ein weiterer Höhepunkt folgt am 22. Mai 2027 mit dem Jubiläumskonzert zum 120-jährigen Bestehen des Männerchors Hütten in der Glärnischhalle Wädenswil. Mit dabei ist die Ländlerformation «Gebrüder Steinauer» aus der Region Einsiedeln.
Wer nicht so lange warten möchte, hat bereits am 1. August Gelegenheit, Jodelklänge zu erleben: Der Männerchor Hütten singt an der Bundesfeier auf der Schanz in Hütten ab 20 Uhr. Für musikalische Vielfalt wird zudem der Musikverein Hütten sorgen.
Aus dem Schnupperangebot «Wädi jodled!» des Männerchors Hütten entsteht ein neuer Projektchor für Wädenswil. Nach vier unverbindlichen Kennenlernproben haben sich 46 der rund 50 Teilnehmenden entschieden, weiterhin gemeinsam zu singen. Was als Versuch begann, hat sich damit in kurzer Zeit zu einem festen musikalischen Projekt entwickelt.
Text: Sabine Itting
Bild: Clientis Sparcassa 1816
«Wänn Jodler zäme sind, so gids e gfreuti Sach», heisst es im Lied «Am Jodlertisch» von Fred Kaufmann. Diese Zeile beschreibt gut, was sich in den vergangenen Wochen im Gemeindesaal Hütten abgespielt hat. Eigentlich hatte der Männerchor mit 20 bis 30 Interessierten gerechnet. Zur ersten Probe am 7. Mai erschienen jedoch gleich 50 singfreudige Stimmen. «Wir waren wirklich überrascht über diesen grossen Andrang», sagt Geni Merz vom Männerchor Hütten. «Dass nun nach vier Proben 46 Personen weitermachen, ist ein riesiges Zeichen der Begeisterung.»
Anlass für das Projekt ist das bevorstehende 120-Jahr-Jubiläum des Männerchors Hütten. Als einziger jodelnder Verein in Wädenswil wollte der Chor die Gelegenheit nutzen, das Jodeln einem breiten Publikum zugänglich zu machen und Interessierten einen niederschwelligen Einstieg zu ermöglichen.
Jodeln als gemeinsames Hören und Erleben
Jodeln ist weit mehr als eine musikalische Tradition. Der Schweizer Jodel gehört zum lebendigen Brauchtum und ist Teil des Unesco-Kulturerbes. Er steht für Gemeinschaft, Lebensfreude und das gemeinsame Erleben von Musik. Notenkenntnisse sind dabei weniger entscheidend als viele vermuten. Im Zentrum steht das genaue Hinhören und das gemeinsame Gestalten des Klangs.
«Jodeln entsteht im Miteinander», erklärt Geni Merz. «Man hört aufeinander, findet zusammen den Klang und wird Teil eines Ganzen.» Seine Wurzeln hat der Jodel im Naturjodel, der ganz ohne Text auskommt. Viele Mitglieder des Männerchors Hütten stammen aus bäuerlichen Familien und sind mit dieser Tradition aufgewachsen. Nicht selten wurde früher schon als Kind mit den Eltern und Geschwistern beim Melken im Stall gejodelt. Dabei entwickelte sich das feine Gespür für Stimmen ganz natürlich.
Viele neue Stimmen im Projektchor
Bemerkenswert ist auch die Zusammensetzung des neuen Projektchors. Rund Dreiviertel der Teilnehmenden sind Frauen. Die Gruppe ist altersmässig breit durchmischt: Von jungen Erwachsenen bis zu älteren Sängerinnen und Sängern. Einige brachten bereits Chorerfahrung mit, andere wagten sich zum ersten Mal an den Jodelgesang. Gerade diese Mischung habe das Projekt besonders lebendig gemacht, heisst es von Seiten der Verantwortlichen.
Dirigentin mit besonderer Verbindung zu Hütten
Massgeblich geprägt wird das Projekt von Chorleiterin Jasmin Egli. Die aus einer musikalischen Bauernfamilie stammende Dirigentin wuchs im Zürcher Oberland auf und kam schon früh mit dem Jodelgesang in Kontakt. Eine besondere Verbindung zu Hütten besteht seit ihrer Jugend: Vor rund 20 Jahren stand sie beim Männerchorchränzli gemeinsam mit ihrer Familie als Nachwuchsformation auf der Bühne. Später absolvierte sie die Ausbildung zur professionellen Chorleiterin. Als der Männerchor Hütten eine neue musikalische Leitung suchte, kam der Kontakt über familiäre Verbindungen zustande. Nach wenigen Proben war klar, dass die Zusammenarbeit passt.
«Jasmin schafft es, die Leute mitzunehmen und ihnen schnell die Scheu zu nehmen», sagt Geni Merz. «Viele haben nach kurzer Zeit gemerkt, dass sie einfach Freude am Singen haben dürfen.»
Wie stark die Wertschätzung ist, zeigte sich am Ende der Schnupperphase. Zum Abschluss der vier Proben wurde Jasmin Egli von den Teilnehmenden überrascht: Neben Blumen, die ein Teilnehmer aus seinem Garten mitbrachte, erhielt sie einen Ledergürtel mit Edelweiss-Verzierung. Die Begründung sorgte für Schmunzeln: Weil sie die vielen unterschiedlichen Charaktere so souverän durch das Projekt geführt habe, wünsche man ihr, dass sie weiterhin «die Hosen anhat». Damit diese auch gut sitzen, gab es gleich den passenden Gürtel dazu.
Ein Projektchor für die heutige Zeit
Nach der letzten Probe wurden die Rückmeldungen ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig: 46 der rund 50 Teilnehmenden möchten weiterhin dabei bleiben.
Ab dem 10. September probt der neue Projektchor alle zwei Wochen jeweils donnerstags um 19.15 Uhr. Das Konzept ist bewusst flexibel gestaltet. Die Mitglieder verpflichten sich nicht langfristig, sondern wirken projektbezogen mit. Geprobt wird auf zwei konkrete Auftritte hin.
«Viele möchten heute zwar gerne singen, können sich aber nicht mehr über Jahre an einen Verein binden», sagt Geni Merz. «Der Projektchor bietet dafür eine zeitgemässe Lösung.» Während solche Modelle in anderen Musikrichtungen bereits verbreitet sind, entsteht damit nun auch im Jodelbereich in Wädenswil ein neues Angebot. Die Sängerinnen und Sänger haben sich in diesem Chor klar für die zwei Auftritte am 16. Januar 2027 und 22. Mai 2027 angemeldet. Was danach geschieht, ob es ein Weiterbestehen des Chores gibt, oder für weitere Auftritte wieder etwas ähnliches aufgezogen wird, steht noch in den Sternen.
Der Erfolg von «Wädi jodled!» zeigt dabei auch, dass das Bedürfnis nach gemeinschaftlichem Singen und regionalem Brauchtum ungebrochen ist. Wenn Menschen unterschiedlichster Hintergründe zusammenkommen, entsteht weit mehr als nur Musik: Es entsteht Gemeinschaft.
Erste Auftritte bereits geplant
Die erste grosse Bewährungsprobe steht im Januar 2027 an: Am traditionellen Männerchorchränzli in Hütten tritt der Projektchor gemeinsam mit dem Männerchor erstmals vor Publikum auf.
Ein weiterer Höhepunkt folgt am 22. Mai 2027 mit dem Jubiläumskonzert zum 120-jährigen Bestehen des Männerchors Hütten in der Glärnischhalle Wädenswil. Mit dabei ist die Ländlerformation «Gebrüder Steinauer» aus der Region Einsiedeln.
Wer nicht so lange warten möchte, hat bereits am 1. August Gelegenheit, Jodelklänge zu erleben: Der Männerchor Hütten singt an der Bundesfeier auf der Schanz in Hütten ab 20 Uhr. Für musikalische Vielfalt wird zudem der Musikverein Hütten sorgen.