Claudia Bühlmann (Grüne) hat, neben Jonas Erni (SP) und Christof Wolfer (FDP), für das Stadtpräsidium kandidiert. Sie wäre die erste Wädenswiler Stadtpräsidentin geworden. Aber der Bürgerliche Wolfer hat das Rennen gemacht. Wir fragten nach ihren persönlichen und politischen Schlussfolgerungen.
Text & Bild: Ingrid Eva Liedtke
Was sagst Du zum Ausgang der Wahlen und zur Niederlage als Stadtpräsidentschafts-Kandidatin?
Ich finde es bedauerlich, dass Wädenswil diese Chance auf eine Stadtpräsidentin nicht wahrgenommen hat. Es zeigt, dass Wädenswil dafür noch nicht bereit ist und auch, wie bürgerlich Wädenswil wählt. Auch wenn Christofs und meine Haltungen in den vielen Belangen sehr verschieden sind, bin ich überzeugt, dass er sicher ein guter Präsident sein wird. Ich habe bisher sehr gut mit ihm zusammengearbeitet. Er ist offen für gute Ideen, ist sehr sachorientiert und will Lösungen finden. Unsere Grundhaltung, wie wir Themen anpacken, ist sehr ähnlich.
Ist dies auch wieder einmal als eine Niederlage der Frauen zu verstehen?
Ich sehe es nicht als Niederlage, sondern als einen Versuch, der aber leider zeigte, dass die Zeit noch immer nicht reif für eine Frau als Stadtpräsidentin ist. Ich habe in diesem Wahlkampf sehr viel gelernt und bin daran gewachsen. Ich denke, die Sache ist nicht nur an der «Frau» gescheitert, sondern auch daran, dass ich eine Grüne bin. Als Person bin ich differenziert, sozial, konsensfähig und gesprächsorientiert. Aber alles braucht seine Zeit, das hat damals auch die Einführung des Frauenstimmrechts gezeigt.
Hast Du und auch Deine Partei Lehren oder Schlüsse daraus gezogen?
Ja, sicher! Es lohnt sich mutig zu sein und sich stark zu machen für Visionen. Das beflügelt. Wir haben vieles gut gemacht in diesem Wahlkampf. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, ja, dafür kämpfen, dass in Legislative und Exekutive Frauen besser vertreten sind, wie auch allgemein für mehr Diversität in allen Gremien. Eine Bestätigung ist sicher, dass wir gerade jetzt unsere Sitze verteidigen und behalten konnten. Zentrumsentwicklung, Ökologie, soziale Gerechtigkeit, bezahlbarer Wohnraum, Aufenthaltsqualität, städtischer Grünraum. Das sind unsere Themen und werden es auch weiterhin bleiben.
Was bedeutet der Wahlausgang für Dich persönlich?
Ich bin daran gewachsen. Ich habe mich einer Herausforderung gestellt und viel dabei gelernt, zum Beispiel für mich und für eine Sache einzustehen, von der ich überzeugt bin. Dabei durfte ich auch erfahren, welche Kräfte durch die eigene innere Haltung generiert werden. Nur schon deshalb war es für mich eine sehr wertvolle Erfahrung.
Warum habt Ihr Grünen mit der SP keinen Schulterschluss gefunden?
Wir haben es versucht, aber es ist uns leider nicht gelungen. Wir waren zu beiden Optionen bereit: uns zurückzuziehen oder vorwärtszugehen. Mir und uns ging es wirklich darum, für eine Frau im Präsidium einzustehen. Davon wollten wir auch die SP überzeugen. Doch wir konnten uns nicht finden, und so dachten wir Grünen selbstbewusst, «wir stehen selber dafür ein», und so kandidierte ich.
Du bist nicht Stadtpräsidentin, aber wieder in den Stadtrat gewählt worden und Du bist Vizepräsidentin – was bedeutet Dir das?
Darüber freue ich mich sehr – auch weil ich mein Departement behalten und meine Themen weiterverfolgen kann. Ich freue mich auch, dass ich das Vizepräsidium übernehmen darf und dadurch Chancen bekomme, noch intensiver mit Leuten in Kontakt zu treten.
Was ist Dir noch wichtig zu sagen?
Es braucht mehr Frauen in der Politik. Es ist traurig, dass es im Wädenswiler Gemeinderat nur 14 Prozent Frauenanteil hat. Alle Parteien haben Mühe, Frauen zu finden. Ich glaube, Frauen sind grundsätzlich stark belastet. Wenn sie in ihrer Freizeit etwas machen, sich engagieren wollen, dann ist es nicht die Politik, die sie wählen, denn diese wird oft als eine kämpferische Männerdomäne wahrgenommen. Frau wählt lieber eine andere Freizeitbeschäftigung. Zudem wünsche ich mir mehr Interesse und Beteiligung der Bevölkerung – zum Beispiel ist jede Gemeinderatssitzung öffentlich! Eine Stimmbeteiligung von 37 Prozent ist schon recht wenig.
Was sind Deine Anliegen, Pläne für die folgende Amtsperiode?
Ich möchte Ruhe und Stabilität in meine Abteilung (Soziales) bringen. Ein weiteres Ziel sind Alterswohnungen im Schönenberg zu realisieren. Das ist mir ein wichtiges Anliegen! Weiterhin ist es wichtig, genug Raum für Obdachlose und geflüchtete Menschen zur Verfügung zu haben. Es ist auch wichtig, diesen Menschen durch passende Integrationsmassnahmen den Zugang zum Arbeitsmarkt und dadurch zu einer finanziellen Eigenständigkeit zu ermöglichen. Jobs gibt es grundsätzlich genug!
Wenn man die Weltlage betrachtet, kann man – sozusagen im Kleinen – etwas bewirken, bzw. gewissen Tendenzen gegenwirken?
Wir können Begegnungsräume schaffen, Orte, wo sich Menschen begegnen und kennenlernen, die sich sonst nicht treffen würden. Das fördert gegenseitiges Vertrauen – das ist Friedensarbeit. Vielleicht realisieren wir dann, dass wir alle Menschen sind und wir uns alle ein Leben in Sicherheit und Frieden wünschen!
Claudia Bühlmann (Grüne) hat, neben Jonas Erni (SP) und Christof Wolfer (FDP), für das Stadtpräsidium kandidiert. Sie wäre die erste Wädenswiler Stadtpräsidentin geworden. Aber der Bürgerliche Wolfer hat das Rennen gemacht. Wir fragten nach ihren persönlichen und politischen Schlussfolgerungen.
Text & Bild: Ingrid Eva Liedtke
Was sagst Du zum Ausgang der Wahlen und zur Niederlage als Stadtpräsidentschafts-Kandidatin?
Ich finde es bedauerlich, dass Wädenswil diese Chance auf eine Stadtpräsidentin nicht wahrgenommen hat. Es zeigt, dass Wädenswil dafür noch nicht bereit ist und auch, wie bürgerlich Wädenswil wählt. Auch wenn Christofs und meine Haltungen in den vielen Belangen sehr verschieden sind, bin ich überzeugt, dass er sicher ein guter Präsident sein wird. Ich habe bisher sehr gut mit ihm zusammengearbeitet. Er ist offen für gute Ideen, ist sehr sachorientiert und will Lösungen finden. Unsere Grundhaltung, wie wir Themen anpacken, ist sehr ähnlich.
Ist dies auch wieder einmal als eine Niederlage der Frauen zu verstehen?
Ich sehe es nicht als Niederlage, sondern als einen Versuch, der aber leider zeigte, dass die Zeit noch immer nicht reif für eine Frau als Stadtpräsidentin ist. Ich habe in diesem Wahlkampf sehr viel gelernt und bin daran gewachsen. Ich denke, die Sache ist nicht nur an der «Frau» gescheitert, sondern auch daran, dass ich eine Grüne bin. Als Person bin ich differenziert, sozial, konsensfähig und gesprächsorientiert. Aber alles braucht seine Zeit, das hat damals auch die Einführung des Frauenstimmrechts gezeigt.
Hast Du und auch Deine Partei Lehren oder Schlüsse daraus gezogen?
Ja, sicher! Es lohnt sich mutig zu sein und sich stark zu machen für Visionen. Das beflügelt. Wir haben vieles gut gemacht in diesem Wahlkampf. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, ja, dafür kämpfen, dass in Legislative und Exekutive Frauen besser vertreten sind, wie auch allgemein für mehr Diversität in allen Gremien. Eine Bestätigung ist sicher, dass wir gerade jetzt unsere Sitze verteidigen und behalten konnten. Zentrumsentwicklung, Ökologie, soziale Gerechtigkeit, bezahlbarer Wohnraum, Aufenthaltsqualität, städtischer Grünraum. Das sind unsere Themen und werden es auch weiterhin bleiben.
Was bedeutet der Wahlausgang für Dich persönlich?
Ich bin daran gewachsen. Ich habe mich einer Herausforderung gestellt und viel dabei gelernt, zum Beispiel für mich und für eine Sache einzustehen, von der ich überzeugt bin. Dabei durfte ich auch erfahren, welche Kräfte durch die eigene innere Haltung generiert werden. Nur schon deshalb war es für mich eine sehr wertvolle Erfahrung.
Warum habt Ihr Grünen mit der SP keinen Schulterschluss gefunden?
Wir haben es versucht, aber es ist uns leider nicht gelungen. Wir waren zu beiden Optionen bereit: uns zurückzuziehen oder vorwärtszugehen. Mir und uns ging es wirklich darum, für eine Frau im Präsidium einzustehen. Davon wollten wir auch die SP überzeugen. Doch wir konnten uns nicht finden, und so dachten wir Grünen selbstbewusst, «wir stehen selber dafür ein», und so kandidierte ich.
Du bist nicht Stadtpräsidentin, aber wieder in den Stadtrat gewählt worden und Du bist Vizepräsidentin – was bedeutet Dir das?
Darüber freue ich mich sehr – auch weil ich mein Departement behalten und meine Themen weiterverfolgen kann. Ich freue mich auch, dass ich das Vizepräsidium übernehmen darf und dadurch Chancen bekomme, noch intensiver mit Leuten in Kontakt zu treten.
Was ist Dir noch wichtig zu sagen?
Es braucht mehr Frauen in der Politik. Es ist traurig, dass es im Wädenswiler Gemeinderat nur 14 Prozent Frauenanteil hat. Alle Parteien haben Mühe, Frauen zu finden. Ich glaube, Frauen sind grundsätzlich stark belastet. Wenn sie in ihrer Freizeit etwas machen, sich engagieren wollen, dann ist es nicht die Politik, die sie wählen, denn diese wird oft als eine kämpferische Männerdomäne wahrgenommen. Frau wählt lieber eine andere Freizeitbeschäftigung. Zudem wünsche ich mir mehr Interesse und Beteiligung der Bevölkerung – zum Beispiel ist jede Gemeinderatssitzung öffentlich! Eine Stimmbeteiligung von 37 Prozent ist schon recht wenig.
Was sind Deine Anliegen, Pläne für die folgende Amtsperiode?
Ich möchte Ruhe und Stabilität in meine Abteilung (Soziales) bringen. Ein weiteres Ziel sind Alterswohnungen im Schönenberg zu realisieren. Das ist mir ein wichtiges Anliegen! Weiterhin ist es wichtig, genug Raum für Obdachlose und geflüchtete Menschen zur Verfügung zu haben. Es ist auch wichtig, diesen Menschen durch passende Integrationsmassnahmen den Zugang zum Arbeitsmarkt und dadurch zu einer finanziellen Eigenständigkeit zu ermöglichen. Jobs gibt es grundsätzlich genug!
Wenn man die Weltlage betrachtet, kann man – sozusagen im Kleinen – etwas bewirken, bzw. gewissen Tendenzen gegenwirken?
Wir können Begegnungsräume schaffen, Orte, wo sich Menschen begegnen und kennenlernen, die sich sonst nicht treffen würden. Das fördert gegenseitiges Vertrauen – das ist Friedensarbeit. Vielleicht realisieren wir dann, dass wir alle Menschen sind und wir uns alle ein Leben in Sicherheit und Frieden wünschen!