Richterswil

Umfassende Modernisierung des SOB-Südnetzes

Ende Februar fanden entlang der SOB-Abschnitte Wädenswil–Einsiedeln und Biberbrugg–Goldau Sondierarbeiten statt. Damit bereitet die Südostbahn im Rahmen der Einführung des europäischen Zugbeein-flussungssystems ERTMS auf diesen Strecken die Führerstands-signalisierung vor.

Text & Bild: Reni Bircher

Bei den Sondagen handelt es sich um Bodenuntersuchungen neben dem Gleisfeld entlang der im Lead erwähnten Abschnitte. Dabei werden gezielt Bodenproben entnommen, um den Baugrund für zukünftige Bauprojekte zu analysieren. Konkret prüft die SOB an verschiedenen Stellen die Standorte für zukünftige Fahrleitungsmasten im Rahmen der Einführung des ERTMS und bereitet auf diesen Strecken die Führerstandssignalisierung (FSS) Level 2 vor. Bei dieser modernen Technologie erscheinen die Signale nicht mehr entlang der Strecke, sondern direkt auf einem Bildschirm im Führerstand des Zuges.
FSS ermöglicht optimale Geschwindigkeitsprofile für Personen- und Güterzüge, was die Kapazität einer Strecke erhöht, da die Züge durch präzisere Steuerung in kürzeren Zeitabständen zueinander verkehren können. Zugleich steigen Sicherheit und Energieeffizienz. Ein greifbares Beispiel für die Auswirkungen der Digitalisierung ist der Betrieb bei Bahnübergängen. Heute basiert die Auslösung der Schranken mit fix installierten Elementen und einer fest definierten Zeit. Durch die Führerstandsignalisierung lässt sich der Zeitpunkt der Auslösung steuern und die Schranken öffnen und senken sich zeitoptimiert. Das reduziert Wartezeiten im Strassenverkehr und erhöht gleichzeitig die Pünktlichkeit der Züge.
Die Technologie wurde bislang vor allem auf Hauptstrecken und Hochgeschwindigkeitsverbindungen eingesetzt. Für die erfolgreiche Einführung im ganzen Land müssen auch Nebenstrecken berücksichtigt werden – mit all ihren Besonderheiten.
Die nahegelegenen Strecken der Südostbahn sind mit ihren kurvigen Abschnitten, Gefälle bis zu 50 Promille, eingleisigem Betrieb und zahlreiche Bahnübergängen wie geschaffen für ein solches Projekt.

Zukunftsgerichtete Mobilität

Bei der Digitalisierung des Bahnverkehrs bildet ERTMS dabei das Rückgrat, denn das System soll Zugsteuerung und -sicherung europaweit standardisieren, mit Blick auf den Zeithorizont bis etwa 2060. Die auf den SOB-Strecken gewonnenen Erkenntnisse leisten dabei grosse Hilfe.
Das System wird bereits in den Basistunneln (Lötschberg, Ceneri, Gotthard) erfolgreich eingesetzt. Für die Umsetzung auf weiteren Strecken ist neben den baulichen Anpassungen auch ein Ausbau der Kommunikationsnetze erforderlich: Das bestehende 2G-Netz der Bahn muss schrittweise auf 5G umgestellt werden. Bei der SOB soll diese Modernisierung bis etwa 2035 abgeschlossen sein.
Die Umstellung auf ERTMS steht für eine grundlegende Erneuerung des Bahnsystems. Die Digitalisierung ermöglicht nicht nur mehr Züge auf den gleichen Strecken, sondern auch eine energieeffizientere Fahrweise. Automatisierte Steuerung, Echtzeitdaten und optimierte Fahrprofile senken den Energieverbrauch und damit auch die CO2-Emissionen. Das macht die Bahn noch umweltfreundlicher, und dies in Zeiten, in denen nachhaltige Mobilität immer wichtiger wird.

Auswirkung für Reisende

Pünktlichere Züge, weniger Verspätungen, besser koordinierte Anschlüsse und effizientere Betriebsabläufe sind konkrete Resultate der Digitalisierung. Die Instandhaltung profitiert ebenfalls, denn dank digitaler Überwachung lassen sich Fehler frühzeitig erkennen, Wartungsarbeiten vorausschauend planen und Ausfälle minimieren. Das senkt langfristig die Kosten und erhöht die Zuverlässigkeit im täglichen Betrieb. Für viele wird ERTMS kaum sichtbar sein, aber deutlich spürbar. «Genau darin liegt die Stärke dieser Entwicklung», führt SOB-Mediensprecherin Brigitte Baur aus, «sie verbessert das System Bahn grundlegend, ohne den Komfort zu beeinträchtigen, und stärkt die Rolle der Bahn als Rückgrat einer nachhaltigen, verlässlichen Mobilität.»

Die jetzt laufenden Sondagen sind somit ein vorbereitender Schritt für die umfassende Modernisierung des gesamten SOB‑Südnetzes und damit ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen Bahnverkehr.

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