Im Rahmen der Ausstellung «Seemeitli und Seebuebe? Am, im, unter Wasser» fand in der Kulturgarage am 19. März ein Liederabend statt, der den «Zürisee-Liedern» gewidmet war.
Text: Ingrid Eva Liedtke
Bilder: Stefan Baumgartner / iel
Leila Pfister (Mezzosopran), Samuel Zünd (Bariton) und André Desponds (Klavier) gaben im Rahmen ihres Programms das «Seebuebelied» und das eigens für die Ausstellung kreierte «Seemeitlilied» sowie weitere Hits über den See und Zürich zum Besten.
Viele Besucher der Ausstellung der Historischen Gesellschaft Wädenswil, die sich heuer dem See widmet, denken beim Titel der Ausstellung auch an das «Seebuebelied». So lag es nahe, dass man einen Abend organisierte, der sich den «Zürisee-Liedern» widmete – so Christian Winkler, Präsident der Historischen Gesellschaft Wädenswil, der ebendiesen Liederabend eröffnete.
Die Sitzreihen in der Kulturgarage waren voll, etwa sechzig Personen im Alter von 50 plus schienen darauf zu warten, in frühere Zeiten zurückversetzt zu werden. In diesem Sinne war auch das Bühnenbild mit alten Fotos von Seeufer und Wädenswil gestaltet. Prompt gab es ein Raten, von welchem Punkt aus die Bilder aufgenommen worden waren oder welche Fabriken da in Ufernähe stünden.
Es folgte ein Abend voller Musik – sozusagen eine musikalische Zürichseefahrt mit konzentriertem Blick auf Zürich. Das renommierte Trio, das «Ensemble Zürilieder», sang und las Lieder und Texte von bekannten Komponisten und Autoren, von und über Zürich und manchmal auch den See.
Alles beginnt mit einem lüpfigen Lied, das in wirklich sehr breitem «Züritüütsch» gesungen wurde und wohl die meisten an ihre Kindheit in den 1950ern oder 1960ern erinnerte, an alte Schweizer Filme, an Cabaret oder Singspiele, wie sie unter anderen im Bernhard-Theater aufgeführt wurden oder noch werden.
Das Lied vom «Dörfli am Zürisee» – gemeint ist Zürich – ist zuckersüss und soll darauf hinweisen, wie klein und überschaubar Zürich ist und wie schön das ist.
Nostalgie
Es ist schon so, das merkt der geneigte Zuhörer schnell, dass die Lieder aus einer anderen Zeit stammen. Sie lassen Nostalgie aufkommen, und vielen wird es wunderbar warm ums Herz. Das ist Zürcher Nostalgie, und der Dialekt macht sich wahrlich sehr breit. «Sprechen wir heute noch so?», fragt man sich. Auch das schweizerische Volksbrauchtum kommt nicht zu kurz, denn da ist im Gesang der versierten Mezzosopranistin sogar der Ansatz eines Jodels zu erahnen. Aber zu viele Emotionen will man nicht zeigen, die Landsleute in der Kulturgarage verhalten sich schweizerisch zurückhaltend. Es wird nicht geschunkelt oder mitgesungen, höchstens mal gelacht oder eine Träne der Rührung verdrückt.
Ein «lüpfiges» Programm
Das Programm ist so zusammengestellt, dass Leichtigkeit entsteht, der Abend ist «lüpfig» und gespickt mit humorvollen Einschüben, textlicher wie auch gestischer Natur. Das «Ensemble Zürilieder» hat eine reichhaltige Liederauswahl zusammengestellt, die sich bei bekannten Klassikern bedient. Sie sind meistens in «Züritüütsch» gesungen, aber da singt auch mal ein Bündner von den Zürchern, und natürlich muss er zuerst ein wenig über die gehetzten Bürger lästern und dann doch davon singen, dass sein Dach der Himmel von Zürich ist.
Man beginnt es schon zu ahnen, und viele Zuschauer hoffen wohl auch darauf, dass die noch bekannteren Klassiker folgen werden; Lieder aus dem klassischen Liedgut, das ursprünglich aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts stammt, wie etwa aus der «Kleinen Niederdorfoper».
Es folgen auch Hits wie «Ich han en Schatz am schönä Zürisee» oder «Ahoi» des in Wädenswil geborenen Max Rüeger. Er war in den 1960er- und 1970er-Jahren einer der populärsten Radio- und Fernsehmitarbeiter, war Autor zum Beispiel für «Teleboy», schuf viele bekannte Bühnenstücke und Texte für das Kabarett Rotstift und das Trio Eugster, schuf Hörstücke und komponierte Lieder.
Die Zuschauer schwelgen in Erinnerungen und danken es dem Ensemble mit Applaus und Rührung.
Doch so viel Schmalz und Romantik musste schon ein wenig intellektuell gebrochen werden. Dies geschieht durch ausgewählte Texte über den See oder die Stadt, die zwischen den Liedern abwechselnd von Leila Pfister und Samuel Zünd vorgetragen werden. Darunter zwei Texte des Schriftstellers Kurt Guggenheim (1896–1983) aus dem «Schanzengraben-Tagebuch», von Gottfried Keller (1819–1890) aus dem «Grünen Heinrich», ein Brief von 1953 von Thomas Mann (1875–1955), aus «Stiller» von Max Frisch (1911–1991), ein Text an den See von Fridolin Tschudi (1912–1966), «Seele Blau», ein Dada-Text von Richard Hülsenbeck, der im legendären Cabaret Voltaire mit Trommelbegleitung vorgetragen worden sei, ein Text von Max Rüeger über das «Strandbad», ein besinnliches Gedicht des Lyrikers Hermann Hiltbrunner (1893–1961) und aus dem «Nebelspalter» von 1943 ein Text «in Sachen Seebueb».
«Seemeitli- und Seebuebe-Lied» als krönender Abschluss
Zum Schluss, als krönender Abschluss und Bezug zur Ausstellung, folgt das ersehnte «Seebuebe-Lied». Es wird, wie immer, durch das stimmungsvolle Klavierspiel von André Desponds begleitet.
Aber aufgepasst! Bei so viel wunderbarer Nostalgie, aber auch zahlreicher Geschlechterklischees, wollte man doch dem «Seemeitli» auch den verdienten Respekt zollen und hat extra zum Anlass dieser Ausstellung ein «Seemeitli-Lied» komponiert. Das Ensemble hat drei Strophen davon extra für diesen Abend einstudiert. So schweift zuletzt der Blick weg von der Stadt, hin zum See, zu den «Seemeitli und Seebuebe». Und so endete diese Reise durch Zürich und über den Zürichsee in der Kulturgarage in Wädenswil mit viel Applaus und einigen Rührungstränen.
Im Rahmen der Ausstellung «Seemeitli und Seebuebe? Am, im, unter Wasser» fand in der Kulturgarage am 19. März ein Liederabend statt, der den «Zürisee-Liedern» gewidmet war.
Text: Ingrid Eva Liedtke
Bilder: Stefan Baumgartner / iel
Leila Pfister (Mezzosopran), Samuel Zünd (Bariton) und André Desponds (Klavier) gaben im Rahmen ihres Programms das «Seebuebelied» und das eigens für die Ausstellung kreierte «Seemeitlilied» sowie weitere Hits über den See und Zürich zum Besten.
Viele Besucher der Ausstellung der Historischen Gesellschaft Wädenswil, die sich heuer dem See widmet, denken beim Titel der Ausstellung auch an das «Seebuebelied». So lag es nahe, dass man einen Abend organisierte, der sich den «Zürisee-Liedern» widmete – so Christian Winkler, Präsident der Historischen Gesellschaft Wädenswil, der ebendiesen Liederabend eröffnete.
Die Sitzreihen in der Kulturgarage waren voll, etwa sechzig Personen im Alter von 50 plus schienen darauf zu warten, in frühere Zeiten zurückversetzt zu werden. In diesem Sinne war auch das Bühnenbild mit alten Fotos von Seeufer und Wädenswil gestaltet. Prompt gab es ein Raten, von welchem Punkt aus die Bilder aufgenommen worden waren oder welche Fabriken da in Ufernähe stünden.
Es folgte ein Abend voller Musik – sozusagen eine musikalische Zürichseefahrt mit konzentriertem Blick auf Zürich. Das renommierte Trio, das «Ensemble Zürilieder», sang und las Lieder und Texte von bekannten Komponisten und Autoren, von und über Zürich und manchmal auch den See.
Alles beginnt mit einem lüpfigen Lied, das in wirklich sehr breitem «Züritüütsch» gesungen wurde und wohl die meisten an ihre Kindheit in den 1950ern oder 1960ern erinnerte, an alte Schweizer Filme, an Cabaret oder Singspiele, wie sie unter anderen im Bernhard-Theater aufgeführt wurden oder noch werden.
Das Lied vom «Dörfli am Zürisee» – gemeint ist Zürich – ist zuckersüss und soll darauf hinweisen, wie klein und überschaubar Zürich ist und wie schön das ist.
Nostalgie
Es ist schon so, das merkt der geneigte Zuhörer schnell, dass die Lieder aus einer anderen Zeit stammen. Sie lassen Nostalgie aufkommen, und vielen wird es wunderbar warm ums Herz. Das ist Zürcher Nostalgie, und der Dialekt macht sich wahrlich sehr breit. «Sprechen wir heute noch so?», fragt man sich. Auch das schweizerische Volksbrauchtum kommt nicht zu kurz, denn da ist im Gesang der versierten Mezzosopranistin sogar der Ansatz eines Jodels zu erahnen. Aber zu viele Emotionen will man nicht zeigen, die Landsleute in der Kulturgarage verhalten sich schweizerisch zurückhaltend. Es wird nicht geschunkelt oder mitgesungen, höchstens mal gelacht oder eine Träne der Rührung verdrückt.
Ein «lüpfiges» Programm
Das Programm ist so zusammengestellt, dass Leichtigkeit entsteht, der Abend ist «lüpfig» und gespickt mit humorvollen Einschüben, textlicher wie auch gestischer Natur. Das «Ensemble Zürilieder» hat eine reichhaltige Liederauswahl zusammengestellt, die sich bei bekannten Klassikern bedient. Sie sind meistens in «Züritüütsch» gesungen, aber da singt auch mal ein Bündner von den Zürchern, und natürlich muss er zuerst ein wenig über die gehetzten Bürger lästern und dann doch davon singen, dass sein Dach der Himmel von Zürich ist.
Man beginnt es schon zu ahnen, und viele Zuschauer hoffen wohl auch darauf, dass die noch bekannteren Klassiker folgen werden; Lieder aus dem klassischen Liedgut, das ursprünglich aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts stammt, wie etwa aus der «Kleinen Niederdorfoper».
Es folgen auch Hits wie «Ich han en Schatz am schönä Zürisee» oder «Ahoi» des in Wädenswil geborenen Max Rüeger. Er war in den 1960er- und 1970er-Jahren einer der populärsten Radio- und Fernsehmitarbeiter, war Autor zum Beispiel für «Teleboy», schuf viele bekannte Bühnenstücke und Texte für das Kabarett Rotstift und das Trio Eugster, schuf Hörstücke und komponierte Lieder.
Die Zuschauer schwelgen in Erinnerungen und danken es dem Ensemble mit Applaus und Rührung.
Doch so viel Schmalz und Romantik musste schon ein wenig intellektuell gebrochen werden. Dies geschieht durch ausgewählte Texte über den See oder die Stadt, die zwischen den Liedern abwechselnd von Leila Pfister und Samuel Zünd vorgetragen werden. Darunter zwei Texte des Schriftstellers Kurt Guggenheim (1896–1983) aus dem «Schanzengraben-Tagebuch», von Gottfried Keller (1819–1890) aus dem «Grünen Heinrich», ein Brief von 1953 von Thomas Mann (1875–1955), aus «Stiller» von Max Frisch (1911–1991), ein Text an den See von Fridolin Tschudi (1912–1966), «Seele Blau», ein Dada-Text von Richard Hülsenbeck, der im legendären Cabaret Voltaire mit Trommelbegleitung vorgetragen worden sei, ein Text von Max Rüeger über das «Strandbad», ein besinnliches Gedicht des Lyrikers Hermann Hiltbrunner (1893–1961) und aus dem «Nebelspalter» von 1943 ein Text «in Sachen Seebueb».
«Seemeitli- und Seebuebe-Lied» als krönender Abschluss
Zum Schluss, als krönender Abschluss und Bezug zur Ausstellung, folgt das ersehnte «Seebuebe-Lied». Es wird, wie immer, durch das stimmungsvolle Klavierspiel von André Desponds begleitet.
Aber aufgepasst! Bei so viel wunderbarer Nostalgie, aber auch zahlreicher Geschlechterklischees, wollte man doch dem «Seemeitli» auch den verdienten Respekt zollen und hat extra zum Anlass dieser Ausstellung ein «Seemeitli-Lied» komponiert. Das Ensemble hat drei Strophen davon extra für diesen Abend einstudiert. So schweift zuletzt der Blick weg von der Stadt, hin zum See, zu den «Seemeitli und Seebuebe». Und so endete diese Reise durch Zürich und über den Zürichsee in der Kulturgarage in Wädenswil mit viel Applaus und einigen Rührungstränen.