Mobil Wädenswil

Die Automobilzukunft ist elektrisch – aber wo wird in Wädenswil geladen?

Die mittelbare Zukunft des Verkehrs auf Wädenswiler Strassen ist elektrisch. Die schrittweise Transformation auf unseren Strassen, von Verbrenner-Fahrzeugen hin zur Elektromobilität, findet bereits statt. Nicht mithalten kann hier jedoch das Angebot an öffentlichen Ladestationen in Wädenswil. Ein Konzept zur Behebung ist nun jedoch auf dem Weg zur Realisation.

Text & Bild: Stefan Baumgartner

Nach wie vor ist das Aufladen auf öffentlichem Grund in Wädenswil herausfordernd. Im Wädenswiler Zentrum bietet die Stadt Wädenswil mit dem 2017 eingeweihten Smart-Tower eine Ladestelle mit zwei Zugängen an. Und das war’s dann auch schon mit Lademöglichkeiten im Zentrum. Schwierig für Wädenswilerinnen und Wädenswiler ohne Ladezugang, unattraktiv für Besucher, die in Wädenswil einkaufen möchten. Zwei weitere von der Stadt betriebene kostenpflichtige Ladestationen sind bei den Sportanlagen Untermosen in Betrieb. Weitere Ladestationen werden von Firmen angeboten; so befindet sich auf dem Areal der Elektron in der Au eine Ladestation, und die Ladestationen des EKZ an der Oberdorfstrasse können von der Öffentlichkeit nach Geschäftsschluss mitbenutzt werden. Seit 2023 hat die Garage Streuli an der Schönenbergstrasse für die Öffentlichkeit eine Ladestation freigeschalten, die auch über diverse Apps wie jene vom TCS oder EcarUp gefunden werden kann. Eine Schnellladestation richtete die Migros für ihre Kunden im Parkhaus an der Oberdorfstrasse ein, auch in der neuen Autobahnraststätte Herrlisberg in Richtung Zürich stehen Schnellladestationen bereit.

Masterplan e-Mobility

Mittels Weisung 29 legt der Stadtrat dem Gemeinderat nun einen Masterplan e-Mobility vor. In diesem Konzept wird beschrieben, dass auf Stadtgebiet bis spätestens 2050 in Etappen ein öffentliches Ladenetz etabliert wird. Dieses soll an insgesamt 25 verschiedenen Standorten 206 öffentlich zugängliche Ladestationen für die Bewohnerinnen und Bewohner umfassen. In einer ersten Etappe sollen 57 Ladestationen an 21 Standorten entstehen. Für die Realisierung der Basisinfrastruktur von öffentlichen Ladestationen im Quartier wird ein Rahmenkredit von 950 000 Franken benötigt; die prognostizierte Amortisationszeit beträgt 20 Jahre. Der Kanton Zürich fördert den Aufbau der Ladeinfrastruktur in Gemeinden mit 30 %, so dass der Rahmenkredit nicht volumfänglich ausgeschöpft wird. Für die Ladestationen selbst und den Betrieb des gesamten öffentlichen Ladenetzes wird mittels Ausschreibung ein privater Betreiber gesucht.
Der Stadtrat stellte den Masterplan e-Mobility bereits der zuständigen Kommission vor, diese entscheidet nun, wann die Weisung vor den Gemeinderat kommt. «Ich würde es begrüssen, käme das Geschäft noch in dieser Legislatur vor den Gemeinderat», sagt der zuständige Stadtrat Werke, Jonas Erni.
Wieso aber braucht es einen umständlichen und langen Weg über das Parlament, wieso können nicht einfach an neuralgischen Punkten wie in der Glärnisch-Tiefgarage einige Ladestationen installiert werden?
Jonas Erni meinte dazu, dass der Gesamtstadtrat wünschte, dass zuerst ein Konzept erstellt wird, wie mit der E-Mobilität umgegangen werden soll. «Dieses Konzept wurde nun erstellt, inklusive verschiedener Standorte in den Quartieren. Diese werden aber erst realisiert, wenn ein privater Partner gefunden wird. Die Stadt stellt die Basisinfastruktur – sprich die Leitungen im Boden – zur Verfügung, betrieben würden die Ladestationen von einem privaten Partner», so Erni. Das gesamte Projekt wäre gebührenfinanziert, allfällige Gewinne würden zwischen dem privaten Betreiber und der Stadt – ähnlich wie beim Energieverbund – geteilt werden.

Statistik: Elektroantriebe sind die Regel bei Neuanschaffung

Noch immer sind von den 12 881 in Wädenswil eingelösten Personenwagen 58 % mit einem Benzin- und 22 % mit einem Dieselmotor ausgestattet. Ihr Anteil sinkt aber stetig: Vor zwei Jahren waren noch 62 % bzw. 25 % mit einem thermischen Antrieb unterwegs. Bereits jedes fünfte Auto in Wädenswil hat einen Hybrid- oder vollelektrischen Antrieb, wobei sich das Wachstum der rein elektrischen angetriebenen Fahrzeuge verlangsamt hat: 2023 waren 24,5 % der neu eingelösten Fahrzeuge rein elektrisch, diese Quote konnte nur unwesentlich auf 27,8 % gesteigert werden. Hybridfahrzeuge, die den thermischen Motor entweder unterstützen, oder – je nach Modell – auch begrenzt ein rein elektrisches Fahren ermöglichen, konnten ihren Anteil auf über 45 % (2023: 35,5 %) steigern. Weniger als 5 % der Wädenswiler Autokäuferinnen oder -käufer wollten nicht auf einen Dieselantrieb verzichten.
651 Fahrzeuge wurden 2025 in Wädenswil neu eingelöst, jedoch verzichten insgesamt immer mehr Wädenswilerinnen und Wädenswiler auf ein Auto: 502,4 Fahrzeuge kommen auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner, 2023 waren es noch 508 Fahrzeuge. Zum Vergleich: In der Stadt Zürich fahren 308 Personenwagen auf 1000 Einwohner, in Volken, der kleinsten Zürcher Gemeinde, stehen total 230 Fahrzeuge bereit für die 386 Einwohnerinnen und Einwohner.

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