Wädenswil

Schnitzelbankfest: Laut und farbig

Wer am Freitagabend, 13. Februar, den Weg durch alle Baustellen und den herumliegenden Trottis gefunden hatte, fand sich gut gelaunt in der Kulturhalle. Ja genau – diese Themen beschäftigen ziemlich alle sprechenden und singenden Gruppen an diesem Abend.

Text: Alexia Bischof
Bilder: Stefan Baumgartner

Frau Debbi Stääli (Deborah Lehmann), eine junge Ur-Wädenswilerin, welche doch tatsächlich momentan im Nachbardorf Richterswil wohnt, nahm den roten Faden auf und führte souverän durch den Abend. Sie freute sich zusammen mit der NFG (Neue Fasnachtsgesellschaft Wädenswil) über den vollen Saal. Sogleich machte sie auch klar, dass sie bald einmal nach Wädi zurückkehren würde und sich alle Stadtratskandidatinnen und -kandidaten warm anziehen sollten.

Rhythmik

Die Bühne füllte sich mit den Jungtambouren, und die Trommelfelle bebten. Das Tambouren-Motto: Pharaonen, die Herrscher im alten Ägypten. In blau-goldenen Gewändern und Kopfschmuck, überall funkelte es vom goldenen Schmuck. Ernste Gesichter, nicht wegen des Mottos, sondern vollste Konzentration. Der Nachwuchs ist da. In Turnschuhen und nicht in königlichen Ledersandalen. Doch dies ist im Februar auch schwierig, vor allem weil unsere Fasnacht ja vor allem draussen stattfindet. Der Auftakt war gelungen.

Ein affiges Team mit träfen Singsprüchen

Der erste Söi-Aff kam wie eine Wildsau mit seinem Trotti in den Saal gerauscht, parkierte es quer vor der Bühne. Anscheinend mache man dies so in Wädi. Der erste Seitenhieb zu Stadtrat Ernis Pilotversuch mit den grünen Elektroteilen. Das Publikum wurde weiter über den Tagesbedarf an Vitamin C aufgeklärt – dafür müsste man 37 Bier trinken. Doch dies sei ja nicht mehr wirklich möglich in Wädenswil, da bekannterweise das Wädi-Brau-
Huus wie auch das «Schützi» fehlen. Sie hofften jetzt ganz fest, dass nicht der allgegenwärtige Gastronom Peclard in Wädi Fuss fasst. Ihr Tipp ist, dass doch die Romantica-Crew weiter expandieren solle. Dem «anderen Aff in Amerika» solle hier keine Bühne gegeben werden, war weiter in einem Einzeiler zu hören. Dafür wandten sie sich lieber an die Stadtväter und -mütter. Sie sollten einen Kommunikationskurs besuchen, damit das Baustellenproblem im Zentrum rund um das Einkaufszentrum «di alt Fabrik» gelöst wird, bevor die Läden über die Klinge springen müssen. Zu guter Letzt sollte ein Polizist selbst im Käfig sein, der Güggel vom Samstagerer Seebenhof nicht ermordet werden und sich alle Fasnächtler wünschen, dass Petra Sigg vom Vorstand und weiteren Interessierten die nächstjährigen Fasnachtsdaten siebenfach kontrollieren lässt.

Annekäthi will den Bundesfinanzen helfen

Die ältere rüstige Dame Annekäthi Huuser ist der Weg vom Alterszentrum Frohmatt bis zum Standort ihrer neuen Fahrzeuge, den grünen Trottis bei der alten Fabrik unten, zu mühsam. Immer wieder werde sie hin und her gelotst. Deshalb hortete sie dann diverse Fahrzeuge bei sich im Zimmer. Um den Finanzen der Armee zu helfen, startete sie eine Versteigerung von Nylonstrümpfen, Shots und sogar ihren treuen Pfleger, Gilbert bot sie für eine Viertelstunde an. So kamen doch fünfzig Franken innerhalb weniger Minuten zusammen. Dieser Betrag wurde ziemlich sicher wegen zu hoher Buchungsspesen gerade an der Bar im Foyer umgesetzt. Die Anwesenden staunten nicht schlecht, als der pensionierte Giuseppe ihr einen Besuch abstattete. Es stimme, er sei im Ruhestand – aber es gäbe auch nichts mehr zu wischen. «Gessner weg, Mewa kommt weg und das ‹Schützi› i de Au, au», so der ehemalige Stadtangestellte.
Es sei schade, dass die Luggebüesser, eine Gruppe, entstanden aus der Trubadix, nur wegen der legendären, aber jetzt fehlenden Telefonkabine nicht mehr auftreten würden. Vielleicht könne man dies auch mit einem Mobiltelefon machen, so die gebückte, witzige Frau. Ja, sie fragt sich auch, wie es nach der Ära Kutter, welche 16 Jahre dauerte, wohl weiterginge. Ein gutes Wahlversprechen wäre wohl: «Ich garantiere, dass es mit mir als Stadtoberhaupt wieder mehr Nummern an der ‹Schniba› geben wird»!

Die Druiden waren los

Gerade ihrem 50. Daseins-Jubiläum entsprungen, zog die noch einzige Wädenswiler Guggenmusik Trubadix ein. Dem Namen entsprechend zogen sie diese Saison in ihrem Jubiläumsgewand um die Häuser und machen Halt in vollen Sälen und auch im benachbarten Ausland. Blau-weiss kariert, mit roten Umhängen, spielten sie ihre Hits rauf und runter. Das Publikum wippte, klatschte und sang teilweise lautstark mit.

2step4fun und Filmreprisen

Erstmalig in der Geschichte der Schnitzelbank spielte eine Musikformation aus Zürich auf. Diese waren bereits von der Beizenfasnacht in den Vorjahren bekannt und gern gehört, ebenso unterhielten sie an der diesjährigen Plakettenvernissage. Seit 25 Jahren bringen sie den Sound aus der Ecke New Orleans in unsere Gefilde. Tolle Stücke; von der «Urban Street» bis zu «Ice-cream» war alles dabei.
Anschliessend wurden auch als eine Art Premiere Filmausschnitte vom Schaffen der «Panzerknacker» gezeigt. Ein «Best of» der gestreiften Kameraden. Manch einer schwelgte in den guten alten Zeiten.

Die Wädibüezär blieben bei ihren Wurzeln

Als Erstes nahmen sie die Tambouren auf die Schippe und standen mit deren Trommeln in Position und bereit für eine weitere Trommelshow. Nein – keine Angst, da ertönte doch die unverkennbare Melodie der beiden Schwyzerörgeli. Ihre Sprüche vom abtretenden Stadtpräsidenten, dem Wädi-Bistro, welches den «Böögezmorge» nicht weiterführen will, den Gerüchten, dass das Schiff im Hafen endlich wiedereröffnen werde und dass die Trottis nur die «chübelblöden» stört. Ihr Refrain: «uufstah, klatsche, mached Stimmig grad jetzt» sangen alle lauthals mit. Sogar die Pensionierung einer Wädenswiler Polizistin gab zu reden, ein Büezär frohlockte, dass er sein Ciao-Töffli nun wieder ordentlich frisieren könne. Die orangen Strassenarbeiter sind dankbar, keine Turnliibler zu sein, dies auch wegen der Aktion Nachbarswil.
Schon bald verabschiedete sich Debbi mit einem Augenzwinkern, dass die Stadt nun zwei Legislaturen Zeit hätte, bis sie auf dem Sessel sitze! Eines wäre dann ganz sicher: Die Stadträtinnen und Stadträte würden dann zu einer Maskierung gezwungen. Was ganz toll wäre.
Der Schlusspunkt war dann richtig laut und sehr langgezogen. Schade für alle, welche sich beim Einlass keine Ohrenschütze einsteckten. Die Tambouren bearbeiteten die Felle ihrer Trommeln und unterstrichen damit das Stück «I want it that way» der Backstreetboys. Im Pharaonenland waren diese Klänge bestimmt auch zu hören. Die einen der Zuschauenden zogen anschliessend bis in die Morgenstunden weiter, während sich die anderen auf die Ruhe zuhause freuten. Schön war’s trotzdem.

Teilen mit: