Wädenswil

SchlossCinema lädt zur Film-Premiere ein: Eine Reise in die Traumwelt der Künstlerin Leonora Carrington

Am 18. März um 18.30 Uhr lädt das SchlossCinema zu einem besonderen filmischen Highlight ein: Der Film «Leonora in the Morning Light» wird an diesem Abend in Wädenswil gezeigt. Der Film beleuchtet das faszinierende und turbulente Leben der Künstlerin Leonora Carrington, eine der bedeutendsten Stimmen des Surrealismus. Und im Anschluss an die Vorführung bietet sich dem Publikum die seltene Gelegenheit, im Rahmen einer Fragerunde direkt mit der Regisseurin Lena Vurma und dem Regisseur Thor Klein ins Gespräch zu kommen.

Text: Noemi Lea Hermann

Der Wädenswiler Anzeiger hatte die Möglichkeit im Voraus bereits ein paar Fragen an das Regie-Duo zu stellen:

Welcher Aspekt von Leonora Carringtons Leben hat Sie persönlich am meisten berührt und dazu inspiriert, diesen Film zu drehen?
Lena Vurma: Leonoras innere Stärke, die sie nie an der Welt verzweifeln liess. Trotz ihrer psychischen Probleme und den Erfahrungen des Krieges hat sie sich bedingungslos an ihrer Kunst festgehalten und nie aufgehört zu schaffen. Das hat mich von Beginn an tief beeindruckt. Ebenso wie ihr Werk, indem sie die keltische Mythologie ihrer irischen Wurzeln mit den indigenen Mythen Mexikos verwoben hat.

Was für eine Bedeutung hat der Filmtitel «Leonora in the Morning Light» für den Film?
Vurma: Es ist für mich vor allem ein Film über einen Neuanfang. Andre Breton hat Mexiko als das surrealistischste Land der Welt beschrieben. In Mexiko begegnet man dem Tod in der Sonne, nicht in verschlossenen Räumen wie in Europa. Die mexikanische Kultur behandelt die Toten als wären sie noch am Leben, lädt sie ein und kocht für sie. Das jenseitige hat einen festen Platz im Alltag.
Leonora hat sich Mexiko deshalb sofort sehr nahe gefühlt und sich dort neu erfunden. Gleichzeitig ist es der Titel eines Porträts, das Max Ernst von ihr gemalt hat und das sie prophetisch in einem Urwald zeigt. Das macht den Titel so besonders für mich.

Der Film thematisiert auch psychische Krisen. Wie nähert man sich filmisch einem so sensiblen Thema, ohne die Figur nur auf ihr Leid zu reduzieren?
Thor Klein: «Keep calm and carry on» ist das berühmte Mantra der Briten. Und exakt so war Leonora. Stark und fragil gleichermassen. So haben uns ihre engen Freunde Leonora bei unserer Recherche in Mexiko immer wieder beschrieben. Leonora hatte ihren sehr eigenen Kopf und hat auch nicht weiter über ihrer psychischen Befindlichkeiten gesprochen.
Leonora Carrington war eine Meisterin des Surrealismus.

Wie haben Sie versucht, ihre komplexe, traumartige Bildsprache visuell in die Ästhetik des Films zu übersetzen?
Klein: Ein Teil des Films spielt in Xilitla, einer surrealistischen Stadt im me­xikanischen ­Dschungel. Ein wahnsinniger Ort, der wirklich existiert und von Edward James, ihrem Sammler und einer der Figuren im Film, gebaut wurde. Wir haben am Originalschauplatz gedreht, und als wir ihn zum ersten Mal erkundet haben, da fühlten wir uns wie im Inneren eines Gemäldes, und es hat sich sofort das überwältigende Gefühl eingestellt, dass der Film sich wie ein flüssiges Gemälde anfühlen sollte. Die Farbpalette des Films entspricht exakt der Carringtons. Wir haben den Szenenbildnerinnen zudem nur bestimmte Farben erlaubt, so das sich jenes besondere Gefühl einstellt, das einen ergreift, wenn man sich ihre Kunst ­ansieht.

Die 1930er Jahre waren eine Zeit des Umbruchs. Wie wichtig war es Ihnen, die politische Bedrohung durch den aufkeimenden Faschismus als Kontrast zur kreativen Freiheit der Surrealisten zu zeigen?
Klein: Der Surrealismus kann als eine Reaktion auf den 1. Weltkrieg verstanden werden. Der erste industriell geführte Krieg, der medial begleitet wurde. Die Vorform dessen, was wir heute erleben. Max Ernst und Andre Breton waren Veteranen dieses ersten Weltkriegs, und den Dadaimus habe ich immer als eine Antwort auf die Sprache verstanden, die diese jungen Männer damals in den Krieg gelockt hatte.

Die Reise führt von Paris nach Mexiko. Wie haben Sie die unterschiedlichen Lichtstimmungen und Atmosphären dieser Orte genutzt, um Leonoras inneren Zustand zu spiegeln?
Vurma: Wir haben verschiedene Formate im Film benutzt, um Europa und Mexiko voneinander abzusetzen. Mexiko ist ein Neuanfang, alles ist hier anders, die Stimmen, die Farben das Klima. Aber auch die unbeschwerte Zeit mit Max in Südfrankreich steht in einem grossen Kontrast zum geheimnisvollen gothischen Nordengland, dominiert von einem autoritären Vater oder den verrauchten Salons der Surrealisten in Paris. Es ist ein sinnlicher Film, dessen verschiedene Drehorte Stimmungen und Gefühle transportieren, die dem Zuschauer hoffentlich lange in Erinnerung bleiben.

Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Botschaft, welche die Zuschauerinnen und Zuschauer aus Leonoras Geschichte für ihr eigenes Leben mitnehmen sollen?
Vurma: Widerspenstigkeit ist gar nicht so eine schlechte Eigenschaft, wie einem die Menschen manchmal glauben machen wollen. Sich neu erfinden macht Spass und kann heilsam sein, insbesondere, wenn man das Bedürfnis hat, denn das bedeutet ja, dass es einen Grund gibt. Von Leonora lernen heisst, keine Angst vor einem Neubeginn zu haben.

Wie das Interview zeigt, verspricht der Film «Leonora in the Morning Light» im Schloss Cinema Wädenswil ein inspirierendes Erlebnis für Kunstliebhaber, Cineasten und alle, die sich von starken Frauenbiografien begeistern lassen.
Sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Plätze für diesen Abend voller Magie, Geschichte und der persönlichen Begegnung mit dem Regie-Duo. Das Publikum kann Fragen zum Film stellen.

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