Aktuell Wädenswil

«Grande Finale» auf dem Mewa-Areal

Mit dem bevorstehenden Abriss der Mewa-Fabrikationsgebäude geht eine Ära zu Ende. Doch bevor die Abbrucharbeiten im ersten Quartal 2026 beginnen, wurde nochmals gross gefeiert. Vom 5. bis 7. Dezember sorgte ein buntes Programm für beste Stimmung bei Gross und Klein, und die geschichtsträchtigen Werkhallen wurden noch einmal zur Bar, Ausstellungshalle, zum Konzertsaal und Brunchlokal. Wohl noch nie in der langen, aber vergangenen Industriegeschichte der Stadt verabschiedete sich ein Werkplatz so stilvoll.

Text: Stefan Baumgartner / Sarah Ott
Bilder: Stefan Baumgartner/Adi und Sarah Ott

Ein neues Kapitel wird geschrieben nach fast einem Jahrhundert industrieller Geschichte: Das Mewa-Areal, auf dem so manche Innovation geboren wurde und das sich nun in starker Transformation befindet, hat Wädenswil in den vergangenen 90 Jahren stark geprägt – als Arbeits-, Begegnungs- und Industrieort. Ende November haben die letzten Mieter das Areal verlassen. Über 100 Wohnungen und grosszügige Gewerbeflächen entstehen hier. Doch bevor es nächstes Jahr so weit ist, wurde in den Räumlichkeiten nochmals kräftig mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern gefeiert und die Werkhallen gebührend verabschiedet.

Drei Tage Feierlichkeiten

Trat man in die alte Industriehalle hinein, war man sofort verzaubert von dem sehr stimmungsvollen Ambiente: Leuchtende Girlanden tauchten die Räume in warmes Licht, fast schon gemütlich mutete die Beleuchtung an, was doch aufgrund der Raumhöhe und des industriellen Hallen-Charakters nicht ganz so einfach ist.
Wer wollte, konnte sich im Eingangsbereich anhand von den Visualisierungsmodellen über das zukunftsweisende Neubauprojekt informieren und Wünsche zur weiteren Nutzung der ehemaligen Produktionshalle mit dem markanten Schmetterlingsdach niederschreiben.
Auch wurde ein spannender Einblick in die ehemalige Produktepalette gewährt, die in früheren Zeiten auf dem Mewa-Areal hergestellt wurde, darunter kaum bekannte «Juwelen der Design-Kunst» und noch nie gezeigte Varianten des Landi-Stuhls. Den offiziellen Auftakt ins grosse Festwochenende machte am Freitag Stadtpräsident Philipp Kutter mit einem Grusswort.

Bereits am Donnerstag durften einige Auserwählte im kleinen Rahmen feiern, ehe am Freitag die Party durchstartete.
Christof Diener als Vertreter der Familie Blattmann begrüsste die Gäste zum kurzen offiziellen Teil in der «wunderschönen Shed-Halle» und gab auch gleich das Versprechen ab, dass diese Halle mit dem interessanten Schmetterlingsdach in drei Jahren wieder an selber Stellen stehen wird. Auch Stapi Philipp Kutter fühlte sich wohl in dieser ehemaligen Werk- und kurzzeitigen Eventhalle. Er bedankte sich für diese Einladung, gab einen kurzen Abriss über die planerischen und politischen Hürden, die ein Projekt in dieser Grössenordnung nehmen muss und freute sich über die kommende «XXL-Uustrinkete». Er schätze auch, dass es die Familie Blattmann hingebracht habe, ein Projekt mit Identität und Charakter zu planen. Er sei überzeugt, dass sich Menschen auf Arealen mit Identität wohler fühlen.
Moderatorin Natalie Frey begrüsste in der Folge Architekt Markus Schaefer und Historiker Adrian Scherrer. Der Historiker – logisch! – blickte in der Geschichte etwas weiter zurück, als es der Architekt, der das Neubauprojekt plante, tat. Scherrer befand, dass die Mewa – die Metallwarenfabrik – mehr sei als nur der Landistuhl, für den die Wädenswiler Firma gemeinhin steht. Er wies etwa auf den «Caldor» hin, den Wasserkocher aus Aluminium mit eigenem Markennamen. Schaefer sagte, auch er sei in die «Mewa-Welt» eingetaucht, erzählte, wie er sich in die Shed-Halle mit Schmetterlingsdach verliebt habe und wie er erkannt habe, dass die wundervollen Momente, die hier erlebt wurden, weitergezogen werden müssten. So würden zwei Arealteile entstehen: Eines mit dem Fussabdruck der alten Fabrik, auf der anderen Seite die Gartenhäuser mit dem geöffneten Gulmenbach.
Das Improvisationtheater Durchzug gab mit Hilfe des Publikums als Zwischenspiel einige Szenen aus der vergangenen Werktätigkeit zum Besten, blickte aber auch in die Zukunft – wiederum mit den Designobjekten, die in den Mewa-Hallen entstanden.
Den Schlusspunkt am Freitag setzte «Ida Jane». Die Formation mit der charismatischen Wädenswilerin Mel Hakios an der Front brillierte mit ihrer Interpretation von Indie-Pop und Blues und Mels kraftvoller Stimme.

Am Samstag startete der Nachmittag mit Kreativität pur: Graffiti-Künstlern in Aktion konnte man über die Schulter schauen oder sich selber in einem Graffiti-Workshop austoben. Ergänzt wurde das Programm durch Tanzworkshops aus dem Bereich Hiphop der HOA Tanzschule, bei denen man neue Moves von Profis lernen und selber aktiv werden konnte. Um 18 Uhr erlebte man dann die Showgruppe live auf der Mewa-Bühne und tauchte in die Welt des Hiphop ein.
Weiter ging es dann Schlag auf Schlag mit der Areal-Silk-Performance. Die Luftakrobatinnen vom Avafit Aerials & Fitness Studio präsentierten eine fesselnde Aerial-Silk-Show voller Eleganz, Kraft und Ausdruck. Mit beeindruckenden Figuren in luftiger Höhe schafften sie Momente, die die Schwerkraft vergessen liessen und zauberten mit ihrer wunderschönen Vorführung magische Momente, die ein begeistertes Publikum mit grossem Applaus verdankte. Begleitet wurde die Show von Strello, deren charmante Strassenmusik perfekt zur Aufführung passte. Dies, ohne es vorher miteinander einstudiert zu haben!
Das Trio von Strello unterhielt auch danach das Publikum mit ihren vielfältigen Gipsy-Liedern aufs Feinste und entführte so manchen Zuhörer in traumhafte Gefilde.

Wem ab den vielen Showacts der Magen knurrte, konnte sich kulinarisch an verschiedenen Essensständen verköstigen. Ob feines Raclette, duftende Pinsa, Capuns oder eine chinesische Spezialität: Für alle Geschmäcker wurde zu jeder Tageszeit etwas Besonderes geboten, für den salzigen oder süssen Gluscht. Wer nur die Kehle benetzen wollte, war an der Bar oder im Kafi-Corner gut bedient.
Weiter gings mit DJ Leo, der seit Jahrzehnten präzis abgestimmte Sets am Puls des Dancefloors liefert und mit seinem feinen Gespür für Stimmungen und Vibes die Nacht zum Leuchten bringt. So war denn auch noch lange nicht Schluss, und die Lichter in der Mewa-Halle wurden erst mitten in der Nacht gelöscht.

Der Sonntag startete für diejenigen, die wollten, mit einem feinen Brunch «à la discrétion». Die Stärkung war für Klein und Gross sehr willkommen, kam doch um 13 Uhr der Samichlaus mit Schmutzli und belohnte die aufgeregten Kinder mit feinen Schleckereien, nachdem sie ihre Sprüchli, mal leise, mal laut, ins Mikrofon gesprochen hatten.
Verschiedene Work-Shops konnten im Verlauf des Tages besucht werden: Maasa, das Holzstempeldruck-Atelier aus Wädenswil, lud zum kreativen Upcycling ein. Die eigenen Textilien konnten mit den handgeschnitzten Holzstempeln farbig bedruckt werden.
Am Stand des Vamuki Chinderhuus wurden aus alten Metallteilen aus der Mewa, wie zum Beispiel ausgedienten Ersatzschrauben eines Landi-Stuhls, einzigartige Christbaumanhänger gestaltet. So konnte jedes Kind ein individuelles und selbst gemachtes Erinnerungsstück aus der guten alten Mewa-Zeit mit nach Hause nehmen. Beim Spray-Art-Stand wurden lässige, individuelle Motive auf T-Shirts und Stofftaschen gesprüht, eine perfekte Erinnerung oder auch stylisches Unikat zum Mitnehmen.
Das Highlight des Nachmittags war sicherlich Andrew Bond, den schweizweit bekannten Kinderliedermacher aus Wädenswil. Schon nach dem ersten musikalischen Auftakt war die Stimmung auf dem Höhepunkt, und alle sangen zu den bekannten Liedern, wie «S hät Schnee, juhee», «Zimetschterne» oder «Z dritte uf em Schlitte» lautstark und herzhaft mit. Auch die Autorin dieses Artikels konnte sich das (leise) Mitsingen nicht verkneifen und fühlte sich einige Jahre in des Tochter’s Kinderzimmer zurückversetzt.
Zum Abschluss des tollen Wochenendes gab es ein Kids-Battle, bei dem die Kinder einzeln oder zu zweit zu Hiphop-Musik gegeneinander tanzen konnten. Eine ausgewählte Jury entschied, welches Kind in die nächste Runde kam und wer das Battle schlussendlich gewann.
Um 17 Uhr waren die drei Tage «Grande Finale» vorbei, und man kann abschliessend sagen, dass das Wochenende ein voller Erfolg war, die Stimmung grossartig und es für alle ganz viel Spannendes und Unterhaltsames zu erleben gab.
Nun ist der Weg frei für die zukünftige Bebauung des Areals. Möge es von der Bevölkerung belebt und gut genutzt werden!

Teilen mit: