Wädenswil

5 Jahre «Dorfmitti» Schönenberg

Am Freitag, 12. Januar, feierte die «Dorfmitti» ein Jubiläum: Schon fünf Jahre sind ins Land gezogen seit der Gründung der neuen Bibliothek und des Kafis in der Dorfmitte von Schönenberg. Seither ist die «Dorfmitti» ein beliebter Treffpunkt geworden – nicht nur für Leseratten.
Text & Bilder: Ingrid Eva Liedtke

Schönenberg hatte schon jahrzehntelang eine Bibliothek. Sie war Schul- und Gemeindebibliothek und befand sich unter dem Turnhallendach. Auch eine Ludothek gab es da.
Mit der Fusion von Schönenberg mit Wädenswil stand die Bibliothek plötzlich auf der Kippe. Doch dank dem Engagement einer aktiven Schönenberger Frauengruppe konnte sie ein Revival feiern und ist seit dem Zusammenschluss sogar ins Zentrum, in die «Dorfmitti», gerückt.

Wie es dazu kam

Wie es früher war, daran erinnern sich Ruth Chautems und Ueli Landis. Ruth Chautems leitet heute das Dorfmitti-Kafi. Sie kann sich gut an die früheren Bibliotheks-Zeiten erinnern: «Ich war zuerst in der Ludothek und habe dann die Leitung der Bibliothek übernommen, zusammen mit Yvonne Bär. Mein Mann hat dann in der Ludothek die Lücke gefüllt. Er war damals der einzige Mann und hat mit viel Freude und Engagement mit den Kindern Spiele gemacht.»
Viele Frauen von Schönenberg engagierten sich für ein breites Lese- und Spielangebot in der Schul- und Gemeindebibliothek Schönenberg.

Ueli Landis, Präsident des Dorfvereins: «Wädenswil hat vor dem Zusammenschluss klargemacht, dass die Bibliothek hier oben nicht weitergeführt wird, da es in der Stadt unten schon eine grosse Bibliothek hat. Also wäre die Bibliothek hier oben geräumt und geschlossen worden. Doch die Bibliothekarinnen, darunter Daniela Feusi Rubin, wollten die Bibliothek retten. Sie hat die Initiative ergriffen und suchte eine Unterstützergruppe. Diese Gruppe bildeten schliesslich Martina Müller, Viola Rupf, Ursula Ugi Gyr, Brigitte Kaeser Hägin, Sandra Weber und Daniela Rubin Feusi. Sie haben sich mit weiteren Leuten zusammengetan, wie zum Beispiel Andrea Keller-Bachmann, der damaligen Präsidentin des Turnvereins Schönenberg. Zusammen gründeten sie schliesslich einen Dorfverein. mit dem Ziel die Bibliothek weiterzuführen und auch die Dorfidentität zu stärken.»
Ueli Landis war bereit, das Präsidium zu übernehmen. Man hat Flyer in alle Haushalte geschickt und zur Gründungsversammlung geladen. Dazu kamen etwa 30 Personen. Und so wurde am 3. Oktober 2018 der Dorfverein gegründet, mit Ester Zuppinger als Aktuarin und Hanspeter Lüscher als Kassier (jetzt Helen Uhr, Finanzen).
Per 1. Januar 2019 ging die Fusion der Berggemeinden Schönenberg und Hütten mit Wädenswil vonstatten, die eigentlich schon für 2018 (Wahljahr) geplant gewesen war.

Neue Räumlichkeiten für die Bibliothek

Für die Bibliothek mussten preisgünstige Räumlichkeiten gefunden werden.
Die Idee, ein Kafi einzurichten, kam dazu, als man das Lokal im alten Schulhaus, am Schulhausweg 1, einrichtete. Vom ehemaligen Gemeindeverein Schönenberg, der 2006 aufgelöst worden war, gab es noch Restkapital, das damals bei der Gemeinde hinterlegt worden war – für den Fall, dass wieder einmal ein solcher Verein gegründet würde. Mit diesem Startkapital konnte der neue Dorfverein die Bibliothek vorerst übernehmen.
Ueli Landis sagt: «Darum konnte man sich eine Bibliothek mit Kafi überhaupt leisten.»
Ein neuer Boden wurde verlegt und eine Theke gebaut. Gemütliches, antikes Mobiliar wurde von Antoine Schuler gespendet, viele Leute haben Geschirr gesammelt. Andrea Keller Bachmann wurde Ansprechperson für das Kafi, hat ein Team zusammengestellt und Einsatzpläne gemacht. Daniela Rubin Feusi war und ist immer noch federführend in der Bibliothek. Bibliotheksmitglieder zahlen einen jährlichen Mitgliederbeitrag von 40 Franken.
Ein stimmiger Ort wurde erschaffen: Die Wände der Bibliothek sind natürlich voller Bücherregale, die alten Möbel und das Grossmutter-Geschirr verleihen dem Raum eine warme und gemütliche Atmosphäre und erinnern an momentan hippe städtische Locations. Der neue Name dieses Treffpunktes bezieht sich auf seine Lage: «Dorfmitti»!

Entwicklung «Dorfmitti»

Die Bibliothek und das Kafi in der «Dorfmitti», die am 12. Januar 2019 eingeweiht wurden, haben sich gut entwickelt und sind zu einem beliebten Treffpunkt geworden.

Ruth Chautems hat im Oktober 2019 das Kafi von Andrea Keller-Bachmann und Brigitte Käser Hegglin, die den Einkauf gemacht hatte, übernommen. Ruth ist im Dorfverein auch für die Nachbarschaftshilfe verantwortlich, und dieser kam sehr schnell eine grosse Bedeutung zu.
«Ja, dann», sagt sie «dann kam Corona. Das bedeutete Stillstand, keine Einnahmen, nur Ausgaben. Anfang Dezember mussten wir schliessen, bis nach den Sommerferien 2020. Bücher konnte man weiterhin ausleihen, denn wir hatten einen Abholservice eingerichtet.» Dann, nach der Öffnung, lief es wieder normal und von da an ging’s bergauf.
«Wir sind erfolgreich», sagt Ruth Chautems mit leuchtenden Augen. «Wir machen mit dem Kafi Gewinn! Und die Bibliothek finanziert sich durch die Mitgliederbeiträge, plus die Unterstützung des Dorfvereins.»
Es haben sich verschiedene Treffs gebildet, wofür sich Interessierte regelmässig in der «Dorfmitti» treffen: Zum Literaturclub, an dem ein gelesenes Buch besprochen und ab und an sogar eine Schriftstellerin eingeladen wird, zum Stricktreff, für einen Spieleabend oder zum Café Español, wo spanisch gesprochen wird.
Seit zwei Jahren läuft das Kafi nun sehr gut, und es ist eine tolle Truppe am Werk, die auch immer mal wieder aktiv darauf aufmerksam macht, dass sie vor Ort sind, um Gäste anzulocken und zu verwöhnen.

In der Bibliothek finden die Benutzer eine grosse, aktuelle und abwechslungsreiche Bücherauswahl, wie auch Spiele, die grossen Anklang finden, dies nicht nur zum Ausleihen, sondern gerne treffen sich auch Mütter zu einem Kaffee und lassen ihre Kinder Spiele spielen oder Kinderbücher anschauen.
Dieser Treffpunkt im Dorf Schönenberg wird rege frequentiert. Sogar Leute aus Nachbargemeinden finden den Weg in die «Dorfmitti». Man lädt Freunde ein und trifft sich zu einem Kaffee und Kuchen.

Kommen mehr Leute als früher?

Ruth Chautems: «Wir werden gut besucht, ja. Morgens ist Kafi, am Nachmittag ist Bibi. Es kommen auch Leute, die keine Bücher ausleihen. Man kann das Lokal auch für einen kleineren Anlass, für eine Zusammenkunft, buchen. Bedingung ist nur, dass man hier konsumiert.
Jetzt wünschen wir uns nur noch, dass mehr jüngere Leute kommen. Sie sind auch herzlich willkommen!»
Die «Dorfmitti» hat das anfängliche Anliegen, ein Ort der Verbindung zu sein, erfüllt. Im Zentrum des Dorfes ist die Bibliothek mit Kafi zu einem Ort geworden, wo man sich treffen kann. Wahrlich ein Grund dies zum Fünfjährigen ausgiebig zu feiern.

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